Interview
Bildschirmfoto 2014-10-02 um 19.45.41
Dieser Artikel wird unterstützt von


"Vielleicht ist das meine VISION für den Süden…"

Alexander Mann baut dank „ThinKing“ kluge Pappmöbel und will damit weltweit erfolgreich sein. Nebenher ist er sowas wie das „gefühlte“ Zentrum der Kärntner Gründerszene und praktisch überall anzutreffen, wo es nach Innovation riecht. Klar, dass er auch auf IMSÜDEN.AT nicht fehlen darf, vor allem auch, weil er eine geile Vision für den Alpen-Adria-Raum der Zukunft hat!

In der Live-Werkstatt der Kreativwirtschaft Kärnten, auf der Herbstmesse in Klagenfurt, sitzt ein sehr, sehr großer Mann, ein Alexander Mann um genau zu sein, auf einem kleinen Papierhocker an einer Werkbank und bearbeitet seinen Laptop. Daneben, auf einem kleinen Papp-Tischchen, druckt sein 3D-Drucker gerade Schlüsselanhänger mit dem TEDx-Logo. „Alexander der Große“ ist überall dort unterwegs, wo es Innovation, StartUps, Entreupeneure oder junge Wirtschaftstreibende im Süden geht. Egal ob, TEDx, Design-Forum, Kreativwirtschaft, Change The Box, build! usw. – der Typ ist dabei oder hat das ganze Ding mitbegründet. Dabei hat er eigentlich keine Zeit für sowas, denn er steckt gerade mitten in einer Unternehmensgründung und baut Möbel aus Pappe…

IMSÜDEN.AT: Hallo Mann, alter Pappenheimer! Woher kommst du eigentlich genau?
Alexander Mann: Ich bin in Klagenfurt geboren, hab aber die ersten Jahre in Deutschland gelebt. Meine Eltern haben mit mir Englisch geredet, da in der Nachbarschaft viele NATO-Offiziere mit ihren Familien gelebt haben. Sie haben gemeint, dass ich Deutsch schon selber lernen werde. Mein Vater ist Deutscher und kommt aus Berlin. Meine Mutter, aus Kärnten, hat er beim Skiurlaub hier kennen gelernt. Deutsch kam, wie vorhergesagt, von selber im Kindergarten und als wir nach Kärnten gezogen sind, habe ich noch Slowenisch gelernt.

IS: Multilingual der Mann…
Alexander Mann: Tja. Ich war dann in der Volkschule in Kärnten und von da an dann immer zweisprachig. In der HLW in St. Jakob im Rosental hab ich sogar in vier Sprachen maturiert: Deutsch, Slowenisch, Italienisch und Englisch. Ich sprech‘ heut allerdings nur noch schlecht Italienisch, dafür halbwegs gut Kroatisch, weil ich dort ein Jahr lang gearbeitet und studiert habe.

IS: Ja? Was hast du denn studiert?
Alexander Mann: Ich wollte für‘s Studium unbedingt weg aus Kärnten, aber auch in keine Großstadt. Außerdem hab ich gewusst, es muss eine FH sein, weil ich auf einer Uni einfach nie fertig geworden wäre (lacht). Und so war ich dann in Summe sieben Jahre in Eisenstadt und hab dort „internationale Wirtschaftsbeziehungen mit Schwerpunkt Südosteuropa“ studiert, ein Jahr war ich da eben in Kroatien.

IMG_0239_2
IMG_0238_2
IMG_0237_2
IMG_0236_2

IS: Mit dieser Ausbildung sind dir sicher alle Türen offen gestanden, oder?
Alexander Mann: Mag sein, aber ich bin dann zurück nach Kärnten (lacht). Das war eigentlich ein Zufall. Ich war gerade auf Heimaturlaub hier, als ein ziemlich großer Deal meiner damaligen Firma geplatzt ist und ich grade auch nicht weiter wusste. Genau in dem Moment hat mich Marina Einspieler von der Slowenischen Wirtschaft SGZ angerufen, sie hätte da so ein EU-Projekt, ob ich Lust hätte. Da hatte ich natürlich Lust!

IS: Was für ein EU-Projekt?
Alexander Mann: „Future Ideas Karawanks“ nannte sich das damals. Das war ein, sehr erfolgreicher, grenzübergreifender Ideenwettbewerb mit 67 Einreichungen. Super Sache!

IS: Alles klar. EU, Alpen-Adria, Ideen, grenzübergreifend. Kennen wir. Aber wie bist du dann zum Kartonmöbelbasteln gekommen?
Alexander Mann: Ganz einfach, weil ich einen Tisch für meine Wohnung gebraucht habe. Da bin ich zu einem befreundeten Tischler gegangen und hab ihm gesagt, ich brauch einen schönen Tisch aus Eichenholz, hab aber nur 150 Euro dafür. Da hat der Tischler einmal herzlich aufgelacht und gemeint, für das Geld kann ich mir den selber aus Karton zambasteln.

IS: Und dann hast du gesagt: „Passt, das machma!“?
Alexander Mann: Genau (lacht). Ich hab mit Freunden angefangen Kartonmöbel zu basteln und das Ziel war eigentlich immer eine komplette Studentenbude mit Kartonmöbeln einzurichten. Jetzt haben wir schon einige Prototypen für die meisten Möbel. In einem Jahr sollten wir soweit sein.

IS: Und woher hattest du den Karton am Anfang?
Alexander Mann:  Als erstes natürlich von meinen Umzugskartons, später hab ich dann den Vertriebschef der TEWA in Feldkirchen so lange genervt, bis er gemeint hat, ich soll halt vorbeikommen, dann macht er mir den Kofferraum voll. Also hab ich mir einen LKW ausgeliehen, bin hingefahren und hab gesagt: „Bitte voll machen“ (lacht).

IS: (lacht) Ziemlich dreist. Aber eigentlich ja noch keine Geschäftsidee…
Alexander Mann: Stimmt. Dazu hat es erst noch Stefan Oberhauser gebraucht, der mich motiviert hat beim build!-Ideenwettbewerb mitzumachen. Dafür habe ich mir den Markt und das Angebot einmal angeschaut und war mir eigentlich ziemlich sicher, dass das nie funktionieren wird. Es gibt am Markt nämlich Kartonmöbel für 150 Euro, die kauft natürlich kein Mensch. Aber weil ich nunmal BWLer bin, hab ich mich eher an den Zahlen, als am Design orientiert und so dann Businesspläne geschrieben, den Wettbewerb gewonnen und bin seit April 2013 mit meiner alten Firma ConTrade, die demnächst anders heißen wird, im build!-Gründerprogramm und dafür sehr dankbar.

IMG_0242_2
IMG_0244_2
IMG_0240_2
IMG_0236_2

IS: Das heißt, deine Kartonmöbel sind billig?
Alexander Mann: Nein, sie sollen günstig sein! Unter 15 Euro das Stück. Das, und das man von außen nicht sieht, dass es Karton ist – das sind die Ziele. Die anderen am Markt produzieren in Kleinserien, ich will aber gleich im großen Stil denken und dadurch günstiger sein.

IS: Am Papier klingt das logisch, aber wie schaut‘s dann am Karton aus?
Alexander Mann: (lacht) Tja, da war ich mit meinem BWLer-Latein natürlich am Ende. Also hab ich mich mit dem Tischler, der mir keinen Tisch machen wollten und einer Freundin, Melina Reichmann, die Industriedesign studiert und außerdem eine Arbeit über Origami-Falttechniken geschrieben hat, zusammengetan. Zu den beiden bin ich mit meinen Skizzen hin. Melina hat dann alles komplizierter gemacht, der Tischler wollt‘s aber einfacher und so ging‘s im Kreis bis wir die ersten Produkte hatten.

IS: Die Produkte auf denen wir gerade sitzen?
Alexander Mann: Naja, das Design vom Hocker habe ich von einem Designer aus Deutschland. Hab den zufällig gefunden, den Designer angeschrieben und gefragt, ob ich seine Hocker vertreiben kann. Warum neu erfinden, wenn es schon geniale Lösungen gibt? Mein 3D-Drucker steht auf einer Eigenentwicklung, dem ThinSideboard…dort drüben siehst du noch den ThinCube, ein Regalsystem…

publicpreview6

IS: Und deshalb bist du der ThinKing?
Alexander Mann: Naja, die Dinger sind eher nach intensivem „thinking“ entstanden (lacht). Derzeit kosten sie ab 9,90 Euro und es gibt sie schon beim Heyn zu kaufen. Die Produkte sind nicht geklebt, sondern nur ineinander gesteckt, das heiß,t du kannst sie auch wieder platzsparend verstauen wenn du sie auseinander nimmst. Natürlich sind sie dadurch auch sehr sehr leicht zu transportieren. Außerdem sind sie natürlich vielseitig bedruckbar. Bald werden wir einen einfachen Online-Editor haben, wo der Kunde seine Grafik hochladen und die Produkte dann so bestellen kann.

IS: Weltweit?
Alexander Mann: Klar, im Grunde schon. Wir verstehen uns ja als echtes StartUp, das heißt, unser Geschäftsprinzip ist skalierbar. Der Begriff wird ja derzeit fast schon inflationär verwendet. Meistens trifft er gar nicht zu. Aber bei uns wirklich. Denn meinen Karton kann ich überall auf der Welt produzieren lassen. Das Material ist sozusagen genormt und überall verfügbar. Zum Glück, denn wir verdienen natürlich nur über die Masse.

publicpreview5
publicpreview4

IS: Na dann verstehen wir das jetzt ja auch endlich! Du bist ja auch sowas wie das Zentrum der StartUp-Szene im Süden, oder?
Alexander Mann: Na, als Zentrum würd ich mich nicht bezeichnen (lacht). Als ich zurück nach Kärnten kam, hat mir irgendwie die StartUp-Community gefehlt. Also hab ich versucht, daran etwas zu ändern. Nicht weil ich Kärnten verbessern will, sondern weil ich selbst so ein Umfeld brauche. Sehr egoistisch im Grunde. Jedenfalls hab ich über die Jugendorganisation des SGZ (die SGZmladina) auch Marko Haschej kennengelernt, mit dem ich die TEDxKlagenfurt mache und noch viele viele andere sehr engagierte, meist junge Leute, die einfach was weiterbringen wollen im Süden.

IS: Und die treffen sich bei „Change the Box“?
Alexander Mann: Ja, unter anderem. Das ist aber eigentlich eher ein offener ThinkTank, der für eine wertschätzende Diskussionskultur steht und der sehr gut angenommen wird. Gleichzeitig ist es auch der Stammtisch von AustrianStartups.

IS: Deine Zukunftsvision für den Süden?
Alexander Mann: Pff… Vision… ich sehe eher viele positive Entwicklungen. Zum Beispiel darf ich gerade an einem Förderprogramm des KWF mitarbeiten, das Kärnten mit der StartUp-Szene in Slowenien verbinden soll. Die ist ja unglaublich stark und aktiv. Dazu soll auch noch Norditalien kommen…

IS: Jaja, senza confini.. Alpen-Adria, alles klar. Kennen wir. Neue Ideen?
Alexander Mann: Naja, das ist nunmal der Raum, in dem wir leben. Ich glaub ja auch, dass das Thema „Silicon alps“, das früher mal herum gegeistert ist, sich erledigt hat. Ich bin vom Alpen-Adria-Gedanken fest überzeugt. Vielleicht werden wir hier in Zukunft zum Landingpoint für internationale StartUps, zum Tor nach Europa. Derzeit gehen die ja alle nach Berlin, London usw.. Aber wir hätten hier viel günstigere Lebenskosten und die bessere Lebensqualität. Außerdem darf man auch nicht unterschätzen, wenn ich mir hier in diesem Dreieck ein multikulturelles StartUp-Team zusammenstelle, dann hab ich sicherlich eine größere Chance ganz Europa zu erobern, als wenn ich in Berlin einen Brückenkopf mit lauter Deutschen oder in London einen mit Engländern errichte. Vielleicht ist das meine Vision für den Süden…

IS: Verdammt! JA! Das klingt vielversprechend, so machen wir das!

pix: Johannes Wouk , TheThinking, rawk.at


TINEFOTO_IMSÜDEN Launch-Party 2014-05-28_029_LOWRES
Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
Infos
Businessbeach
DSC03202
Businessbeach
IMG_0120
Termine