Interview
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„Wir LAUFEN einfach!“

Alexander Windbichler hat mit seinem Internetdienstleister ANEXIA in Kärnten das geschafft, wovon viele, selbst im Silikon Valley, vergeblich träumen: Er ist höchsterfolgreich und international unterwegs, wächst seit 2006 fast jedes Jahr um 100% und bleibt trotzdem am Boden. Er war zwar mies in der Schule, hat jetzt aber seine eigene Actionfigur und leitet sein „Konzernchen“ vom Süden aus, weil er hier seine Wurzeln hat.

Schleppekurve, ein (bzw. im Grunde der einzige) Büroturm in Klagenfurt City, Stock Nummer drei, Chefbüro. Alexander Windbichler freut sich zwar uns zu sehen, seinen Schreibtisch hat er deshalb aber nicht extra aufgeräumt. Ein Jausen-Sackerl, viele Papiere, leere (?) Kaffee-Becher, viele viele Red Bull Dosen, drei Bildschirme und ein fester Handschlag begrüßen uns. „Entschuldigt bitte das Chaos, aber ich komm einfach nicht zum aufräumen.“ lacht uns ein junger, einehmend freundlicher Mann an, der einer Pappfigur an der Rückwand des Büros verdächtig ähnlich sieht. Bis auf das Superheldenkostüm… „Alex“ wie ihn seine Empfangsdame ruft, bemerkt unseren verwirrten Blick sofort und klärt uns auf: „Das Ding hab ich geschenkt bekommen und hier ist die passende Action-Figur, Super-Alex, eben.“ lacht er uns an während er eine kleine Plastikfigur hervorzaubert, die ihm noch ähnlicher sieht als der Pappkamerad. Was ist denn das für ein Typ? Wunderkind, knallharter Businessman oder doch Vollnerd?

IMSÜDEN.AT: Hallo Alexander, woher kommst du?
Alexander Windbichler: Gerade aus New York, aber ganz, ganz ursprünglich komme ich eigentlich aus dem Lesachtal, bin jedoch größtenteils in Klagenfurt aufgewachsen. In gutbürgerlichen Verhältnissen könnte man sagen.

IS: Also keine branchenübliche Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte?
Alexander Windbichler: Leider nein, überhaupt nicht, weder Tellerwäscher noch Millionär (lacht). Naja, zumindest schlecht ist es mir nie gegangen. Ich bin in die HTL Mössingerstraße gegangen, auch weil ich mich schon sehr früh, so ab Zehn oder Zwölf, fürs Programmieren interessiert habe. Meinen ersten Computer bekam ich glaub ich Mitte der 90er, mit Fünf oder Sechs…

IS: Ganz schön frühreif…
Alexander Windbichler: Naja, zumindest am Computer (lacht). Sozial war ich damals, auch noch in der HTL, eher ein Einzelgänger. Ich war erst mit 18 das erste Mal „furt“, wie wir im Süden sagen. Andere haben in dem Alter schon eine dreiköpfige Familie (lacht). Aber ich habe nicht das Gefühl, irgendwas versäumt zu haben –  „furtgehen“ kann ich ja heute auch noch.

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IS: Was hat dich eigentlich am Programmieren so fasziniert?
Alexander Windbichler: Ganz einfach: Das war das einzige Medium, das gemacht hat, was ich ihm gesagt habe. Das war schon sehr cool zu sehen: Wenn ich dies mache, macht der Computer das und wenn ich das mache, dann macht er dies. Das fasziniert mich bis heute.

IS: Und wie hast du dann aus deiner Faszination ein Geschäft gemacht?
Alexander Windbichler: Das hätte wohl keiner erwartet. Immerhin musste ich in der HTL schon mal berufen, um überhaupt durch zu kommen und um ehrlich zu sein, war ich auch immer ziemlich frech und vorlaut in der Schule, aber außer dem Programmieren und der Elektrotechnik, hat mich eben nichts wirklich interessiert. Da hab ich mich reingehängt, der Rest war mir egal. So hab ich dann, mit ca. 15, über den HTL-Server, kostenlosen Webspace für jedermann zur Verfügung gestellt. Das nannten wir damals CYBTON und es war ein ziemlicher Erfolg – wir hatten bis Ende 2005 über 60.000 Nutzer.

IS: Beeindruckend, aber das war ja trotzdem noch kein Geschäft, wenn du was kostenlos hergibst…
Alexander Windbichler: Danke für die Nachhilfe (lacht). Nein, das war nur ein privates Projekt, das mich sehr interessiert hat und bei dem ich viel lernen konnte. Kommerziell erfolgreich war es nicht. Genauso wie meine Zeit als DSL-Anbieter, die danach kam. Damals nannten wir uns schon Anexia und verkauften ein paar hundert Internet-Anschlüsse. So ca. in der Mitte des Maturajahres hat das damals begonnen. Aber mit einem Deckungsbeitrag von 5 Euro pro Anschluss wirst halt auch nicht reich.

IS: Ok, aber wie wird man dann reich mit IT??? Spann uns nicht länger auf die Folter, bitte!
Alexander Windbichler: Reich werden ist nicht das Ziel. Aber Erfolg hast du ganz einfach, indem du Lösungen anbietest, die funktionieren und zwar immer.

IS: Das ist ja mal eine echte Innovation am IT-Sektor! (lacht)
Alexander Windbichler: Ist aber so! Wir von der Anexia laufen einfach immer, egal was passiert. Darauf können sich unsere Kunden verlassen. Das macht sicher auch unseren Erfolg aus!

IS: Wie sieht dieser Erfolg konkret aus?
Alexander Windbichler: Naja, angefangen hat alles nach dem Bundesheer, mit einem Mitarbeiter in einem kleinen Büro in Klagenfurt und ohne Geld. Dann sind wir Step by Step und sehr behutsam und organisch gewachsen. Wenn ich zurückschau ist es schon arg, wie viele Firmen wir bereits überholt oder sogar überlebt haben, zu denen wir ursprünglich aufgeschaut haben. Auch weil ich nichts von überhastetem Wachstum halte. Wir sind durch Kunden und gute Leistungen gewachsen, nicht durch Zukäufe oder sowas. Außerdem sind bei Anexia die Eigentumsverhältnisse seit Anfang an klar und es gibt eine starke emotionale Bindung der Mitarbeiter zur Firma – wir sind ein richtiges Team, das ist mein größter Erfolg, finde ich!

IS: Jaja, schleim, schleim, aber ihr verkauft schon auch irgendwelche Sachen oder? Was denn zum Beispiel?
Alexander Windbichler: (lacht) Wir haben zwei große Produktgruppen: Erstens die Softwareentwicklung, wo wir maßgeschneiderte Softwarelösungen für die verschiedensten Probleme und Anforderungen anbieten. Und Zweitens bieten wir auch IT-Lösungen an. Also die technische Infrastruktur für unsere Kunden. Das ist unser großer USP und wir sind hier mit weltweit 47 Standorten derzeit einer der größten Anbieter überhaupt. Im Grunde trennen wir diese beiden Bereiche aber nicht wirklich, denn wir verstehen uns einfach als zuverlässigen Lösungsanbieter und die Übergänge sind bei unseren Kunden ohnehin fließend.

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IS: Was macht ihr besser als andere?
Alexander Windbichler: Hab ich ja schon gesagt: Wir laufen einfach! Die Lösungen, die wir anbieten, funktionieren und zwar zuverlässig, terminlich, technisch, rechtlich und überhaupt. Das ist mein Hauptanliegen. Außerdem haben wir durch unsere weltweiten Standorte natürlich auch sehr gute Server-Latenzen in allen Teilen der Welt – das hilft uns bei unseren internationalen Kunden.

IS: Die da wären?
Alexander Windbichler: Zum Beispiel PCCW, sowas wie die Telekom Austria von Hongkong oder S&T – aber wir haben auch viele Inlandskunden, zum Beispiel die Arbeiterkammer, die Wirtschaftskammer, Mazda, Kapsch und und und. Sehr oft arbeiten wir auch „White Label“, also im Hintergrund, wo man uns vielleicht gar nicht vermutet, weil nach außen hin nur Partnerfirmen aufscheinen.

IS: Warum bist du mit der Anexia eigentlich noch im Süden? In deiner Branche wär’s doch egal wo du sitzt, oder? Und im Silicon Valley wär das Wetter auch konstanter…
Alexander Windbichler: Naja, das Wetter ist hier normalerweise auch nicht so schlecht (lacht). Ich persönlich fühle mich Kärnten sehr verbunden, auch wenn es einem hier wirtschaftlich nicht immer leicht gemacht wird. Unsere Umsätze hier sind nur ca. 3-4% des Gesamtumsatzes.

IS: Trotzdem ist die Konzernzentrale in der Schleppekurve und nicht in Palo Alto…
Alexander Windbichler: Konzern? Eher ein Konzernchen würd‘ ich sagen (lacht). Aber ja, von Klagenfurt aus lenken wir alles. Wir haben aber auch Repräsentanzen in Wien, Deutschland und den USA –  unsere technischen Standorte sind über den ganzen Erdball verteilt. Hier in Kärnten finde ich aber auch die richtigen Leute für die Jobs, die ich zu vergeben habe.

IS: Interessant! Wie findest du diese Mitarbeiter?
Alexander Windbichler: Ich achte sehr auf den „Drive“ und die Begeisterung, die die Leute mitbringen. Noten und Berufserfahrungen sind mir da nicht so wichtig. Ich bin ja selber in der HTL fast durchgefallen. Ich will im Lebenslauf Eigeninitiative sehen und beim Bewerber selbst Hausverstand und damit mein ich nicht den Herrn beim Billa. (lacht). Wenn man das alles an den Tag legt, kann man bei uns recht schnell, recht weit kommen und auch recht gut verdienen. Man ist aber auch recht schnell wieder weg, wenn man „obezaht“. So ist eben die Mentalität im Team.

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IS: Du sprichst von einem Team, war es am Anfang schwer für dich Verantwortung und Entscheidungen abzugeben?
Alexander Windbichler: Das war sicher einer der schwierigsten Lernprozesse für mich, weil ich schon immer sehr stur und besserwisserisch war. Es war ein langer Prozess, aber heute bin ich irrsinnig froh über meine Leute und hab großes Vertrauen in mein geniales Team. Bei uns gibt es einen irrsinnigen Zusammenhalt im Kernteam, alle stehen total hinter der Firma, das freut mich besonders.

IS: Ja, das hatten wir schon, aber gibts eigentlich auch irgendwas, das du in der Anexia-Firmengeschichte vielleicht bereut hast? Fehler, die du gemacht hast?
Alexander Windbichler: Viele, viele. Vielleicht nur als Beispiel, wie unbedarft ich in die ganze Sache mit der Firma gegangen bin: Ich hab mir damals am Anfang selbst ein Fakturaprogramm geschnitzt, das wir übrigens noch bis heut benutzen. Allerdings hab ich die Rechnungsnummern nach dem Zufallsprinzip vergeben. Das mag das Finanzamt natürlich gar nicht, die haben’s lieber fortlaufend (lacht). Damals hat mich mein Steuerberater zum Glück vor gröberem Schaden bewahrt! Ich hatte schon sehr früh, sehr gute Berater, die mir in vielerlei Hinsicht geholfen haben. Von diesen Menschen hab ich sehr viel gelernt.

IS: Was würdest du jemandem raten, der hier im Süden das gleiche aufziehen will wie du? Tipps und Tricks, Do´s and Dont’s?
Alexander Windbichler: Nie aufgeben, das richtige Team finden und so viel wie möglich außerhalb von Kärnten Erfahrung sammeln. Auch wenn’s nur für ein paar Tage ist, auf eine Messe, einen kurzen Ausflug, egal. Hauptsache über den Tellerrand schau’n und dort neue Leute kennenlernen.

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IS: Wie sieht dein Arbeitsalltag aus… viel unterwegs, oder?
Alexander Windbichler: Ja, sicher. Viel im Flieger, viel unterwegs, aber trotzdem immer im Büro (lacht). Stressig ist es schon, aber mehr positiver als negativer Stress. Ich komme nie zur Ruhe, hab immer zehn Millionen Sachen im Kopf, reagiere am Tag auf hundert bis zweihundert Emails, am Handy und am Laptop von 8 Uhr Morgens bis 12 Uhr in der Nacht. 9 to 5 spielt’s da nicht. Aber es macht auch viel Spaß und ist sehr spannend, gerade jetzt, in einer Wachstumsphase, wo die Projekte größer, die Entscheidungen kritischer und das Ganze einfach immer größer wird.

IS: Was wächst denn gerade so bei euch? Wo geht es hin, was sind die nächsten Schritte zur Weltherrschaft?
Alexander Windbichler: Wir internationalisieren uns im Moment, das Geschäft wird immer größer und internationaler, aber wir machen das mit großem Respekt. Nordamerika läuft zum Beispiel sehr gut an, da wird noch viel passieren. Trotzdem bleib ich aber meinem „klanen Kretzl“ da verbunden und freu mich jedes Mal auf’s Heimkommen.

IS: Schön, dass du dich noch auf den Süden freuen kannst. Willst du vielleicht auch was zu IMSÜDEN.AT beitragen?
Alexander Windbichler: Ihr meint abgesehen von der ganzen IT hinter eurer Website (lacht)? Ich fänd’s schön, wenn die ANEXIA euren Lesern mit ihrem Know-How weiterhelfen könnte. Sowas Ombudsmann-Mäßiges, Tech-Support, „Frag die Anexia!“. So irgendwie. Ich denke, da fällt uns gemeinsam was ein oder?

IS: Die Fragen stellen hier zwar eigentlich wir, aber ja, da fällt uns sicher was ein! Wir freuen uns drauf!

pix: Johannes Wouk, Anexia


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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