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Dominik Habsburg-Lothringen macht in Holz. Aber nicht nur: Er liebt das Lavanttal, schmiedet Pläne für den Tourismus, fordert ein neues Leitbild für Kärnten und möchte 12.000 Haushalte im Tal mit Ökostrom versorgen. Bürokratische Hürden und Prügel räumt er mit der Geduld eines Geschlechtes aus dem Weg, das gewohnt ist in Generationen zu denken.

Das Herrenhaus in St. Andrä im Lavanttal wirkt gar nicht protzig sondern eher bescheiden, aber gediegen und vor allem solide. Ein Haus für viele Generationen eben. Ich bin schon gespannt was Dominik Habsburg-Lothringen mir zu erzählen hat, und vor allem wie der Nachfahre des Großherzogs der Toskana tickt und warum nicht Habsburg, sondern Gutsverwaltung Dr. Schütte am Türschild steht. Gleich zu Beginn merke ich, dass sich mein Gegenüber nicht lange mit Höflichkeitsfloskeln aufhalten, sondern gleich und erfrischend undiplomatisch zur Sache kommen will.

IMSÜDEN.AT: Außen steht Dr. Schütte drauf und Habsburg ist drin. Wie geht das zusammen.
Dominik Habsburg-Lothringen: Mein Großvater lernte die Tochter eines dänischen Gutsbesitzers und Philosophen, namens Dr. Gudmund Schütte, der unter anderem dieses Gut hier besaß, beim Studium in Wien kennen und heiratete sie schließlich. Damit kam meine Familie ins Lavanttal. Aus der Liebe zu einer Frau ist also letztlich die Liebe zum Tal entstanden. Wir versuchen diese Liebe zu leben, indem wir vor Ort Initiativen unterstützen oder selber welche in die Wege leiten, die dem Tal Nutzen bringen. Dabei versuchen wir natürlich die wunderschöne Landschaft hier mit einzubeziehen. Auch unsere Kinder wachsen sehr naturverbunden auf und lernen so deren Wert zu schätzen und sie zu pflegen. Allerdings hatten es meine Vorfahren nicht ganz leicht und der geschichtsträchtige Name war und ist oft eher Hindernis als Vorteil. Bekanntlich wurden die Habsburger ja im letzten Jahrhundert zweimal komplett enteignet und durften teils bis 1996 nicht nach Österreich einreisen. Aufgrund der komplizierten Situation haben wir es einfach beim alten Namen Schütte belassen und wollen das auch nicht ändern, weil es keine Rolle spielt. Wir leben in erster Linie von der Holzernte, da gibt es nur ganz wenige Abnehmer und die kennen uns seit Jahrzehnten.

©Dr. Gudmund Schütte Forst- u. Gutsverwaltung

IMSÜDEN.AT: Der Habsburg ist sicher einer der reichsten Waldbesitzer, weil ihm die „halbe“ Koralm gehört sagt der Volksmund.
Dominik Habsburg-Lothringen: (lacht) Ja, schön wär’s. Das sagt nur, wer keine Ahnung hat. Aber man kann es einfach erklären: Je nach Höhenlage braucht ein Baum bis zu 130 Jahre und mehr bis man ihn ernten kann. Was ich also heute aufforste werden meine Enkel, oder gar Urenkel ernten. Und wir ernten jetzt was mein Urgroßvater gepflanzt hat. Da wird wohl schnell klar, dass die Fläche eine gewisse Größe haben muss um davon überhaupt leben zu können. Leider verwechselt man oft Landbesitz mit Reichtum, aber Land bringt ja nur Geld wenn man es verkauft, was bei uns mit Sicherheit nicht passiert. Wir müssen also von dem leben was unser Wald abwirft. Ich will bestimmt nicht klagen, aber im Verhältnis zu produzierenden Unternehmen ist das eher bescheiden. Da braucht uns niemand drum beneiden. Um Holz ernten zu können braucht man befestigte Transportwege (Forstwege), sehr große und dementsprechend teure Maschinen und natürlich Mitarbeiter die diese auch bedienen können. Da kommt schon einiges an Fixkosten zusammen.

IMSÜDEN.AT: Und diese Forstwege wollen dann alle benutzen. Wanderer, Biker, Motor Cross-Fahrer…
Dominik Habsburg-Lothringen:.. und auch Camper. Die stellen sich einfach irgendwo hin, wo es schön ist, und fangen zu grillen an. Das so ein Leichtsinn im Wald als Katastrophe enden kann, ist ihnen nicht bewusst. Unlängst hat ein Bekannter den Wohnort eines solchen Campers ermittelt, ist bei ihm in die Hauseinfahrt gefahren und hat dort begonnen die Campingausrüstung aufzustellen. Der war zuerst baff und hat sich dann furchtbar aufgeregt, bis man ihm erklärt hat das Privatbesitz eben privat ist, ganz gleich ob Hauseinfahrt, Wald oder Wiese. Der Mann hat was fürs Leben gelernt, aber wir können ja nicht jedem hinterher fahren, der gegen das Besitzrecht hier verstößt.

IMSÜDEN.AT: Aber wandern ist doch erlaubt.
Dominik Habsburg-Lothringen: Natürlich, überall dort wo kein ausgewiesenes Sperrgebiet ist. Man sollte sich allerdings in der Gegend auskennen und auf den Wegen bleiben, weil man auf rund 80 % des Gebietes keinen Handy-Empfang hat. Früher mussten oft großangelegte und teure Suchaktionen mit Hubschrauber gestartet werden, weil sich Unkundige heillos verirrten. In letzter Zeit rufen mich die Rettungsdienste zuerst an, bevor sie mit der ganzen Kavallerie ausrücken. Meistens finden dann meine Leute und ich die Vermissten binnen weniger Stunden, weil wir unser Gebiet einfach gut kennen.

IMSÜDEN.AT: Und Pilze Sammler, Biker und Reiter. Wer darf was und wer ist in den Wäldern der Dr. Schütte Forstverwaltung willkommen.
Dominik Habsburg-Lothringen: Grundsätzlich ist ein Wald auch Erholungsgebiet und jeder kann ihn betreten. Das ist auch richtig so. Auch der kleine Fruchtgenuss ist erlaubt – z. B. 2 kg Pilze pro Person. Die meisten halten sich auch daran. Leider werden wir aber auch von professionellen Sammlern überrannt. Bereits ab 5.00 Uhr Früh blockieren deren Autos unsere Forststraßen, so dass wir oft lange warten oder große Umwege fahren müssen, um zu unseren Arbeitsplätzen zu gelangen. Da gehen wertvolle und kostbare Stunden verloren. Abgesehen davon wird das Wild völlig verstört, weil es nicht einmal mehr morgens ungestört Nahrung aufnehmen kann.

IMSÜDEN.AT: Ist Mountain Biking auf Forststraßen generell und zu jeder Zeit erlaubt.
Dominik Habsburg-Lothringen: Die Biker sind ein eigenes Thema. Viele wollen nicht respektieren, dass Wald und damit auch Forststraßen Privatbesitz sind und daher gewisse Regeln eingehalten werden müssen. Für uns ist der Wald vor allem Arbeitsplatz. Immer wieder kommen Windbrüche vor. Die Bäume liegen dann kreuz und quer. Die Mitarbeiter müssen bei solch gefährlichen Verhältnissen höllisch auf sich selbst aufpassen. Wenn dann aber noch unvermittelt ein Biker auftaucht und die Verbotstafeln missachtend, einfach unter dem mit Holz beladenen Kran durchfährt, dann ist das unverantwortlich leichtsinnig und dumm. Oder ein Biker stürzt auf einer Forststraße die er ohne Erlaubnis benutzt und möchte den Waldbesitzer dann noch dafür haftbar machen. Leider ist alles schon passiert, und deshalb habe ich klare Regeln aufgestellt. Wer die einhält, ist in unserem Wald willkommen.

IMSÜDEN.AT: Medienberichte erweckten aber in der Vergangenheit den Eindruck, dass es sich bei dem Regelwerk um willkürliche Einschränkungen handelt.
Dominik Habsburg-Lothringen: Ja, ich bin auch bestürzt darüber, wie negativ man Regeln auslegt die in erster Linie der Sicherheit aller dienen. Wie unsicher würden wir uns fühlen, wenn es im Leben keinerlei Verhaltensregeln gäbe. So kann wohl auch im Wald nicht die absolute Freiheit herrschen. Ich glaube das ist jedem verständlich. Natürlich zeigen wir nicht gleich jeden an, sondern setzen erst einmal auf Aufklärung. Und siehe da, nahezu alle verstehen wie wichtig das ist und sind auch gerne bereit sich an die Sicherheitsvorgaben zu halten (www.forst-schuette.at). Mittlerweile schließen wir ganz einfache Verträge mit Bikern, Reitern und sonstigen Nutzern ab. Sie zahlen einen kleinen Einsatz, erhalten dafür ihren Schlüssel für die Forststraße und können sie ungehindert zu den vereinbarten Zeiten benutzen. Dass wir schon mehr als 250 Berechtigungen ausgegeben haben zeigt, wie gut diese Regelung angenommen wird.

©Dr. Gudmund Schütte Forst- u. Gutsverwaltung

IMSÜDEN.AT: Das Lavanttal hätte, wenn es nach Habsburg & Co gegangen wäre, ein Mountain Biker Paradies werden sollen. Was ist aus den geplanten 65 Kilometern Radstrecke geworden.
Dominik Habsburg-Lothringen: Gerade das Lavanttal würde sich mit seiner Weitläufigkeit und den Tal-und Bergregionen ideal für Radtouren eignen. Geplant war und ist, kleine Gemeindestraßen und Forstwege so zu verbinden, das eine durchgehende, alle Schwierigkeitsgrade umfassende Bike-Strecke von der slowenischen Grenze hinauf zur Radarstation auf der Koralm und von dort weiter bis zur Hebalm in die Steiermark zu schaffen. Alle waren begeistert, was verständlich ist, nur der Naturschutzbeirat in der Kärntner Landesregierung nicht. Der war dagegen, die fehlenden 900m Weg über die Alm an der Kärntner und Steirischen Grenze so zu verbinden, dass sie auch gut befahrbar gewesen wären. Das ganze Projekt war übrigens fertig geplant und mit dem Großteil der Grundbesitzer abgesprochen. Leider werden durch solch willkürliche Behinderungen viele Fördergelder liegengelassen und zukunftsorientierte Projekte verhindert, anstatt dem Wunsch der Bevölkerung zu entsprechen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

IMSÜDEN.AT: Gilt das auch für die geplante Windkraftanlage auf der Koralm. Auf der steirischen Seite ist man schon viel weiter.
Dominik Habsburg-Lothringen: In der Steiermark, und auch im restlichen Österreich, hat man schon längst begriffen, das Windkraft und Landschaftsschutz gut neben – und miteinander existieren können. Bis Klagenfurt hat sich das noch nicht durchgesprochen. Atomstrom ist verboten, Wasserkraft wird bei uns nicht weiter ausgebaut und nachwachsende Rohstoffe sind begrenzt. Bleiben also nur Sonnen- und Windenergie. Wobei die Windenergie unbestritten am effizientesten ist, wenn der Standort passt. Wir können mit der geplanten Anlage im windigsten Bereich auf der Koralpe bis zu 12.000 Haushalte im Tal mit Strom versorgen. Nach 20 Jahren wird die Anlage dann erneuert oder abgebaut. Also ein gut kalkulierbares Zukunftsprojekt auf dem Weg hin zu 100 % erneuerbarer Energie.

©Dr. Gudmund Schütte Forst- u. Gutsverwaltung

IMSÜDEN.AT: Sind im Kärntner Energie Masterplan nicht auch Windkraft Anlagen vorgesehen.
Dominik Habsburg-Lothringen: Das ist wohl wahr, aber leider verschleppt der Naturschutzbeirat, der interessanter Weise gleichzeitig auch Umweltanwalt ist, das Projekt trotzdem seit mehr als 10 Jahren. Aber wir Habsburger sind guten Mutes und lassen nicht locker, weil wir es gewohnt sind in Jahrhunderten zu denken. Und Wind wird nicht weniger. In der Zwischenzeit fließen halt leider die Milliarden weiterhin ungebremst in die Öl-Staaten, die Waffenindustrie freut sich über fette Aufträge und wir zahlen Jahr für Jahr Bußgelder für das Nichterreichen der Klimaziele.

IMSÜDEN.AT: Was muss sich ändern um in Kärnten Zukunftsprojekte rascher umsetzen zu können.
Dominik Habsburg-Lothringen: Ich verstehe, dass die Kärntner Politik in den letzten Jahren sehr auf Schadensbegrenzung fokussiert war. Aber jetzt ist der Moment gekommen Zukunft zu denken. Ein neues Leitbild braucht das Land. Und einfache Regularien, die nach diesem Leitbild Zukunftsprojekte rasch umsetzbar machen. Ich bin dafür, Willkürlichkeiten in der bürokratischen Auslegung von Gesetzen unter Strafe zu stellen. Beamte sollen den Auftrag erhalten bürokratischen Sondermüll zu entsorgen und bekommen für jede gelungene Maßnahme einen Sonderbonus. Das sichert ihre Arbeitsplätze auf viele Jahre, schafft Beschäftigung in der Wirtschaft und finanziert sich durch damit verbundenes Wirtschaftswachstum.

DI Dominik Habsburg-Lothringen
Eigentümer der Dr. Gudmund Schütte Forst-und Gutsverwaltung.
Präsident der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs
www.forst-schuette.at
E-Mail: habsburg@forst-schuette.at

©Gerhard Smuck, Ecowatt, Ch. Brunner, Dr. Gudmund Schütte Forst- u. Gutsverwaltung


Foto Gerhard Smuck
Gerhard Smuck
GERHARD F. SMUCK ist Absolvent der „Universität des Lebens“. Vorher: Schulabbrecher, Lehrling und Fachmann im Grafischen Gewerbe. UNO Soldat. Dann ..
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