Interview
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„Dank IKEA habe ich noch viel mehr Aufträge!“

Anton Meyer IV. tapeziert, prägt Leder, verlegt Böden, näht Vorhänge, richtet ganze Restaurants ein und schaut auch sonst, dass bei jedem ein gutes Raumgefühl aufkommt! Seine Firma „ANTON MEYER“ lebt Handwerkskunst in der vierten Generation und ist sowas wie der IKEA des Lavanttals. Nur besser, persönlicher und ohne diese lächerlichen Fleischbällchen!

Das malerische St. Andrä im fruchtbaren Lavanttal ist nicht gerade der Nabel der Einrichtungswelt. Soviel ist klar. Aber dennoch bewahrt hier ein anpassungsfähiger Familienbetrieb seit Generationen kostbares Wissen rund ums Einrichten und lebt sein(e) Handwerk(e) in jedem Möbelstück, das hier restauriert oder gebaut, jeder Tapete die hier ausgesucht und jedem Bodenbelag der von hier ausgeliefert wird. Der junge Mann, der uns begrüßt scheint auch in seiner Erscheinung Wert auf Stil und gelebte Handwerkskunst zu legen. Seine Kleidung, in gedeckten Farben, hängt sicher nicht bei H&M an der Stange, seine Uhr ist aus (Kerb)Holz und auf seiner, an alte Schultaschen angelehnte, Kalbslederaktentasche prangt in großen geprägten Lettern: ANTON MEYER.

IMSÜDEN.AT: Musst du dir deinen Namen auf die Tasche prägen damit du ihn nicht vergisst? Anton Meyer ist jetzt aber auch nicht sooo schwer zu merken, oder?
Anton Meyer: (lacht) Der Gag ist jetzt aber sogar für eure Verhältnisse zu flach. Dieses wunderschöne handgearbeitete Teil habe ich persönlich geprägt. Denn wir machen in der Firma auch Lederprägungen. Wir haben das Glück über Generationen die Prägevorlagen für sogenannte „altdeutsche“ Stühle gesammelt zu haben. Daher können wir diese edlen Stücke jetzt auch restaurieren. Da sind wir fast die einzigen in Österreich.

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IMSÜDEN.AT: Du hast es angesprochen, ANTON MEYER gibt’s nicht erst seit gestern…
Anton Meyer: Nein, es gibt sogar schon den Vierten und der bin ich. Mein Urgroßvater hat die Firma 1926 als „Sattlerei und Tapeziererei mit Lederprägung“ gegründet, seine Söhne haben sie dann in den 70ern in dieses Haus hier überführt und immer mehr auf Raumausstattung gesetzt. Ab 1989 führte mein Vater die Firma. Und mittlerweile machen wir das gemeinsam. Seit letztem Jahr ist auch der Ausstellungsraum so wie ich mir das vorstelle.

IMSÜDEN.AT: Und was macht ihr genau?
Wir machen „gelebte Handwerkskunst“. Das ist unser Leitsatz und den verwirklichen wir in jedem Boden, den wir verlegen, jedem Raum, den wir einrichten und jeder Lederprägung, die wir machen. Ich versuche aus dem Handwerk heraus Räume zu gestalten, die schlussendlich ideal und genial für ihre Benutzer sind.

IMSÜDEN.AT: Und was befähigt dich dazu? Wie wird man Raumausstatter?
Anton Meyer: Ich bin gelernter Handwerker. Genauer gesagt bin ich Tapezierer- und Raumausstattermeister und dazu noch diplomierter Einrichtungsberater. Ich war nach meiner HAK-Matura auf einer „Einrichtungsschule“ in Kuchl bei Salzburg und hab dort mein Diplom gemacht. Nach einigen Lehrjahren in Saarbrücken bei einem Top Raumausstatter-Betrieb habe ich dann in Salzburg die Meisterschule besucht und absolviert. Dann bin ich zurück in den elterlichen Betrieb und hab diesen sozusagen auf mich angepasst. Ich hab also sowohl das Handwerk als auch die Innenarchitektur von der Pieke auf gelernt und finde das auch wichtig. Als Raumausstatter muss man auch Blasen vom Nähen an den Fingern haben.

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IMSÜDEN.AT: Schön für dich! Aber in Zeiten von IKEA braucht dich doch keine Sau mehr oder?
Anton Meyer: (lacht) Dank Ikea habe ich noch viel mehr Aufträge! Denn ich bin ja der dritte oder vierte Einrichter: Wenn die Leute von den Eltern wegziehen, dann kaufen sie sich in ihre erste eigene Wohnung halt billige Möbel rein. Ist ja auch ok. Dann ziehen sie mit dem Partner zusammen und würfeln die beiden Haushalte zusammen und den Rest richten meistens die Frauen ein. Nach ein paar Jahren zipft sie das dann an, wie diese „Patchworkeinrichtung“ ausschaut und dann komm ich ins Spiel.

IMSÜDEN.AT: Das heißt, du rettest was IKEA über die Jahre zerstört hat?
Anton Meyer: So in etwa. Aber IKEA-Möbel sind ja per se nix Schlechtes. Mir geht es eben mehr ums Handwerk und auch um die Dienstleistung. Dabei bin ich aber kein Purist. Der Kunde benötigt ein Konzept für sein Eigenheim und wenn dann mal der Maler oder das ein oder andere Möbel nicht von mir ist, ist das auch keine Tragödie.

IMSÜDEN.AT: Ok, na dann: Wir wollen unsere Redaktion neu einrichten, wie gemma das an?
Anton Meyer: Zuerst durchlöchre ich meine Kunden immer massiv und stell ziemlich intime Fragen…

IMSÜDEN.AT: Intime Fragen sind unserer Spezialität!
Anton Meyer: Das merkt man (lacht). Ich frag dann eher was die Kunden so auf der Couch treiben oder wie sie im Bett liegen (lacht). Nein, ernsthaft, es ist wichtig für mich über den Alltag der Menschen bescheid zu wissen für die ich einrichte. Und wenn ich da genug weiß, dann zieh ich mich zurück und denke mir was aus. Dann hol ich den Kunden zu mir ins Geschäft und verblüffe ihn mit meinen Ideen und Produkten!

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IMSÜDEN.AT: Und dann wird’s richtig teuer!
Anton Meyer: Blödsinn. Sicher wird ein Entwurf das abbilden, was ich für das Beste halte, aber das muss nicht immer teuer sein. Ich arbeite ja im Rahmen den Budgets, das mir der Kunde gibt. Es gibt immer auch abgespeckte Varianten, oder man fängt einmal in einem Eck an und macht dann weiter, wenn das Budget dem entspricht was man will.

IMSÜDEN.AT: Na da sind wir ja beruhigt. Aber wo kann man sich deine Arbeit eigentlich anschau’n? Her mit den Referenzen!
Anton Meyer: Ach, da gibt’s so vieles. Zum Beispiel haben wir beim Hochschober viel mitarbeiten dürfen. Da gab es eine gute Zusammenarbeit mit den Architekten C. Satek aus Wien. Der weiß jetzt auch, ich setz das um, was er sich ausdenkt. Auch zum CoWorking-Space Schallar2 in Moosburg von ABEL&ABEL Architektur durfte ich was beitragen und das Restaurant Spektrum im Tenorio Wolfsberg habe ich auch von Grund auf geplant.

IMSÜDEN.AT: Du bist also ganz gut im Geschäft…
Anton Meyer: Ich kann mich nicht beschweren. Das Schönste für mich ist natürlich, wenn meine Arbeit geschätzt wird. Zum Beispiel sichert sich die Firma Sinnex in Griffen immer wieder unser handwerkliches Knowhow. Und die bauen ja die Innenräume für Luxus-Yachten, unter anderem für Abramovic oder den Hewlett-Packard-Chef.

IMSÜDEN.AT: Also furzt der Abramovic auf seiner Superyacht in Leder vom Anton Meyer aus Sankt Andrä?
Anton Meyer: Das kann ich so jetzt nicht bestätigen, aber er könnte immerhin (lacht). Aber im Ernst, grade beim Leder haben wir schon immer den Ruf: „Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann versuch’s beim Meyer, der kann vielleicht noch was machen.“

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IMSÜDEN.AT: Was sind die nächsten Schritte zum Ausbau des Meyer’schen Imperiums?
Anton Meyer: Innerbetrieblich ist der nächste Meilenstein sicher die Mitarbeiterausbildung. Derzeit haben wir 17 Mitarbeiter im Büro, im Verkauf und im Handwerk. Ich will aber auch das Interesse für den Beruf wecken, will Lehrlinge ausbilden und vielleicht auch mal einen Quereinsteiger reinholen. Wir brauchen einfach Leute, die sich mit dem Beruf identifizieren. Nach außen will ich sicherlich immer mehr in Richtung Gesamtkonzeption gehen. Das wird das Ziel sein.

IMSÜDEN.AT: Aber keine Abwanderungsgedanken oder?
Anton Meyer: Niemals. Anton Meyer bleibt natürlich in Sankt Andrä. Höchstens vielleicht eine Filiale in Klagenfurt oder so. Aber im Paradies Lavanttal hast du so eine sensationelle Lebensqualität, da geh’n wir nicht weg. Die Welt rückt ja auch immer näher zusammen und es ist mittlerweile im Grunde egal, wo ich lebe, ich kann trotzdem in Wien oder Berlin arbeiten. Ich bin auch stolz drauf, dass ich die vierte Generation von Raumausstattern bin und der vierte Anton. Allerdings wär natürlich auch eine Antonia mal eine Abwechslung.

IMSÜDEN.AT: Na dann, hast du jetzt ja einiges zu tun. Viel Erfolg im Geschäft und beim Antoniamachen. Wie sehen uns im Süden!

 

Pix: Johannes Wouk & ANTON MEYER 


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..