Schnupper Blog
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Von Redaktion, Fotos: Desi Schauer, Jennifer Ebner

SchnupperBloggerinnen IMSÜDEN.AT

Vor Kurzem hatten wir Besuch von zwei talentierten Schülerinnen, die mal in unseren Redaktionsalltag reinschnuppern wollten. Jenni (links) und Desi (rechts), beide 15 Jahre alt, waren sehr brave Schnuppis und haben deshalb gleichmal über ihre Einstellung zu den Sozialen Medien geschrieben. Hier ihre beiden – sehr überraschenden – Artikel.


Dauernd online – das nervt!
von Jennifer Ebner (Schnupper Bloggerin 1)

„Hey, kannst du mir Hot Spot geben?“. „Aber nur, wenn du mein neues Bild auf Facebook likest.“ Ja, so laufen manche Gespräche meiner Freunde ab. Zugegeben, ich benutze auch diese nervige, dämliche und lästige Plattform namens Facebook.

Es nervt mich einfach, jeden Tag meinen Freunden zu schreiben, sie anzurufen und sie zu treffen, obwohl sich dann, sobald wir zusammen sind, sowieso jeder nur seinem Handy widmet.

Auch ich bin schuldig. Dauernd online. Nervig.
Aber warum? Um den Leuten zu gefallen, kein Außenseiter zu sein oder einfach trendy und cool zu wirken? Nein, eigentlich nicht. Ich benutze es um mit Freunden zu kommunizieren, die keine Simkarte haben und auch kein Guthaben besitzen. Wer hat heutzutage keine Sim-Karte? fragt ihr euch. Ja, stellt euch vor, solche eigenartigen Wunder gibt es noch.

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Ich erzähle euch mal etwas, was ihr euch nie im Leben vorstellen könnt.
Als meine Schwester (heute 23) so alt wie ich, also 15, war, hatte sie kein Smartphone mit 3 GB Fullspeed Internet und war nicht auf Facebook, Instagram, Snapchat und was es sonst noch so gibt. Nein, wisst ihr was? Die ging raus, kaum zu fassen, oder? Sie hat sich mit ihren Freunden getroffen, einfach so! Ohne jemandem zu schreiben oder ihn anzurufen. Unvorstellbar, oder? Aber so war es. Es war schön, sich draußen zu treffen, zu reden und zu lachen oder auch mal Karten oder Schweinchen in der Mitte zu spielen. Woher ich das weiß, fragt ihr euch? Na, weil sie mich mitgenommen hat. Aus freiem Willen (mehr oder weniger. Ok, ich gebe es zu. Mama musste sie immer dazu zwingen).

Naja, früher war es schon irgendwie besser, finde ich.
Das kann man nicht mit heute vergleichen – zuerst telefonieren oder schreiben, dann treffen, gerade angefangen zu sprechen und schon widmet sich das Gegenüber wieder den Social Networks. Toll, einfach toll. Sogar, wenn ich mit meiner Mutter rede, sitzt sie vor dem Handy und schreibt SMS. Ok, sie braucht zwar eine Viertelstunde pro Stück, aber sie fängt auch schon so an! Ich dachte wenigstens Mama bleibt auf meiner Seite!

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Böse, böse Internet Plattformen.
Facebook, Instagram, Twitter, Tumblr und co. Jeder benutzt sie, jeder liebt sie. Aber wirklich jeder? Schnell ein Foto machen oder besser gleich 50 und das schönste davon auswählen, auf Instagram hochladen, noch einen coolen Spruch darunter und schon kommen die Likes und Kommentare. Bei manchen mehr, bei manchen weniger. Die Mundwinkel zieht’s sofort hinunter, wenn man einmal nicht 100 Likes, nicht 50 Kommentare bekommt. Aber wieso? Weil jeder nur noch darauf fixiert ist. Dabei kann man Fotos heutzutage so leicht bearbeiten und man sieht um Welten besser aus. Nicht nur mit Schminke kann man sich hübscher zaubern, es gibt auch ganz simple Apps wie PicsArt oder Retrica. Man braucht nicht immer Photoshop. Aber nicht nur das, man kann auf Facebook, Instagram ect. ganz leicht jemand anderer sein, als man wirklich ist. Man weiß nie, wer sich hinter den Profilen versteckt. Vielleicht hat man Glück und man schreibt gar nicht mit Max Mustermann sondern mit Channing Tatum. Ja, das wäre schon was.

Wird das mal reduziert?
Ja, ich hab Facebook und sogar einen Account bei Tumblr, die App hab ich aber wieder gelöscht. Auf Facebook bin ich jeden zweiten oder dritten Tag, öfter muss ich dort meine Zeit nicht verschwenden. Meinen Freunden habe ich auch erklärt, dass sie es sich abgewöhnen sollen nur am Handy zu sitzen, da ich das nicht so toll finde. Nun wird immer öfter das Handy nicht wirklich beachtet. Ich hoffe, der Gesellschaft fällt auf, dass es nicht nur total nervig ist, sondern auch ungesund. Vielleicht sehe ich in Zukunft die Leute nicht zu viert am Tisch sitzen, jeder mit dem Handy in der Hand und niemand unterhält sich. Das wäre doch ein Fortschritt, wenn keiner den anderen ignoriert und man gemeinsam lacht, redet oder was weiß ich.

 


Was macht das Internet eigentlich mit uns?
Desi Schauer (Schnupper Bloggerin 2)

Facebook , Ask.fm , Twitter , Instagram , Snapchat und noch viele weitere Netzwerke werden heute von jedem benutzt. Die Frage ist, „sind sie wirklich so sicher?“

Nein, natürlich nicht!
Alle Bilder, die man über WhatsApp oder andere Netzwerke sendet, dürfen für irgendwelche Werbeprospekte, Berichte oder Ähnliches verwendet werden. Selbst, wenn man – wie über Snapchat – die Bilder nur 10 Sekunden sehen kann, können sie ohne Probleme gespeichert und veröffentlicht werden. Oder nehmen wir Ask.fm, wo man Fragen von Anonymen gestellt bekommt; die Antworten dann aber in der ganzen Welt veröffentlicht werden. Am Ende weiß die ganze Welt alles über dich. Ist das wirklich Sinn und Zweck dieser Sache?

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Ach, was rede ich da eigentlich? Heutzutage interessiert es sowieso niemanden, dass man mit nur einem Klick seine halben Daten hat oder, dass keine Bilder, die man schickt, sicher sind. Den Jugendlichen heute geht es eh nur darum, dass man viele Likes und Kommentare auf ein Foto bekommt. Man macht 50 Fotos, sucht davon zwei aus, bearbeitet diese mit Photoshop-Apps wie PicsArt, Cymera oder Retrica, sucht das aus, welches am besten aussieht und stellt es auf irgendeine Plattform. Vielleicht noch einen „coolen“ Spruch zur Aufmerksamkeit und dann zusätzlich Sätze wie: „Die ersten 100 Likes bekommen etwas Süßes auf die Pinnwand gepostet“. Noch dazu ist es in der heutigen Jugend ziemlich verbreitet, viel Ausschnitt und vielleicht auch noch den Hintern zu zeigen oder wie wär’s gar mit einem Bikini- oder Unterwäsche-Foto?

Wozu hat man es nötig sich so zu präsentieren?
Sich im Internet so zu bearbeiten, dass man nicht mehr die Person ist, die man wirklich ist? Lügen über sich oder falsche Daten ins Netz zu stellen? Ich weiß ja nicht, wie’s bei euch ist, aber ich wurde immer mit diesem Satz erzogen: „Sei immer du selbst, denn wenn jemand dich so nicht mag, hat er dich nicht verdient.“

Ja, ich bin kein Unschuldslamm und verwende auch einige solcher Plattformen. Ask.fm hatte ich mal, habe mich dann aber abgemeldet, da manche anonyme Personen mich über diese Plattform komplett fertig machen wollten. Dir werden hochpersönliche Fragen gestellt, was sehr unangenehm werden kann. Oder man bekommt irgendwelche sexuellen Fragen oder Anmerkungen von Pädophilen. Es werden Gerüchte erfunden, du wirst über deine Seite darauf angesprochen und schon geht das Gerücht wie die Pest herum. Oder die Leute machen sich einfach anonym über dich lustig. Mir ist da so einiges passiert, aber schlussendlich wurde mir das alles zu blöd, vor allem, weil keiner den Mut hatte zu sagen wer er wirklich ist.

Ein anderes Problem ist, dass das Internet uns bereits beherrscht. Ich bin viel draußen und treff‘ mich gerne mit Freunden. Am besten bei sonnigem Wetter. Eigentlich stelle ich mir das immer so vor: Wir sitzen in der Sonne, reden und lachen gemeinsam. Aber falsch gedacht. Jeder hat das Handy in der Hand, chattet mit seinen Freunden, telefoniert, macht Selfies oder spielt irgendwelche Spiele. Sie hören nicht auf, bis ich mal eine Bemerkung mache, dass es mich stört. Oder die ständige Fragen „Kannst du mir Hot Spot geben?“, „Darf ich jemanden von deinem Handy anrufen? Ich hab keine Freiminuten mehr.“

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Früher bin ich mit meinem kleinen Bruder, der jetzt 13 ist, rausgegangen auf den Spielplatz. Wir haben Fangen, Verstecken, blinde Kuh oder Ball gespielt. MIT FREUNDEN – OHNE HANDY. Wir sind RAUSGEGANGEN und haben bei unseren NACHBARN angeläutet und die Eltern gefragt, ob unser/e Freund/in rauskommen darf, damit wir gemeinsam spielen können. Alles ging tadellos ohne Handy oder Internet. Wir hatten Verletzungen an den Knien, Schürfwunden an der Hand – vom ständigen mit Kreide auf der Straße Malen und nicht, weil wir uns mit jemanden geschlagen haben, wie es heute so üblich ist. Wir bekamen Kopfweh, weil wir ständig in der Sonne rumhüpften oder viel zu viel herumtobten und nicht, weil wir zu lange in unsere Handys oder Computer gesehen haben.

Ich benutze Facebook nur, damit ich mit Personen in Kontakt bleiben kann, die zum Beispiel kein Handy, keine Sim-Karte oder kein Guthaben haben. Oder auch im Ausland sind, wo Kosten aufkommen würden, wenn man in dieses Land eine SMS sendet oder telefonieren möchte. Ich sehe auch hin und wieder durch, was es so Neues gibt, lese Berichte und vertreibe mir auch manchmal meine Zeit damit. Snapchat, Facebook und Instagram benutze ich auch, bin aber extrem vorsichtig was ich über mich ins Internet stelle und welche Personen ich meiner Freundschaftsliste hinzufüge.

Es gibt viele Pros und Contras was die Sozialen Netzwerke betrifft. Leider heutzutage mehr Contra-Argumente, glaube ich. Vor ca. 12 Jahren ist Facebook entstanden und war auch wirklich nur dafür gedacht, dass man mit Personen chattet oder Neuigkeiten mit seinen FREUNDEN teilt. Heute werden leider nur noch die privatesten Fotos und Daten gepostet. Das muss doch nicht sein!

 

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DIE SCHNUPPERBLOGGERINNEN:

Jennifer Ebner (links)
Jennifer Ebner ist 15 Jahre alt, kommt aus Döbriach und geht auf die Polytechnische Schule in Villach.

Desi Schauer (rechts)
Desi Schauer ist 15 Jahre alt, kommt aus Spittal a.d. Drau und geht auf die Polytechnische Schule in Klagenfurt Leonardo Da Vinci.

 


Redaktion
Hier schreiben die, die immer hier schreiben.