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Aus dem Leben eines Taugenichts – oder einer Schülerin!

Von den Berufstätigen hören wir Schüler_innen, die wir uns fast täglich über die Schule beklagen, immer solch Sätze wie: „Ach, wie gerne würde ich nochmal zur Schule gehen“, oder „Was danach kommt, wird eh noch viel schlimmer“ oder mein persönliches favorite „Du hast ja keine Ahnung, wovon du sprichst“. Danke dafür übrigens! Solche Sätze sollte man unbedingt zu jemandem sagen, der denkt, gerade am Tiefpunkt seines Lebens zu stehen. Sehr motivierend, da kriegt man richtig Bock drauf, die Schule mit gutem Erfolg abzuschließen und im Berufsleben durchzustarten… Um mir etwas Frust von der Seele zu schreiben, werde ich zukünftig – wenn mein straffer Stundenplan es zulässt- über all das bloggen, was einem als Schüler_in im Süden so beschäftigt. Wisst ihr, die ihr den Schrecken schon überstanden habt, denn überhaupt noch, wie ihr eure Schulzeit damals erlebt habt? Falls nicht, hier die ersten Denkanstöße.

Laut Wikipedia steht Schulzeit für die Jahre, die für die schulische Ausbildung draufgehen. Doch wir alle wissen, dass das Internet lügt, denn in Wahrheit steht Schulzeit für die düsteren, ständig wiederkehrenden Trockenperioden unseres Lebens, die zwischen den Ferien stattfinden.

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Eigentlich hätte ich ja gar keine Zeit diesen Artikel zu schreiben. Eigentlich müsste ich zwei Bücher lesen (Deadline: nächste Woche). Eigentlich müsste ich für den Chemietest lernen, den ich in zwei Tagen schreibe. Und eigentlich habe ich nur noch heute Zeit, um Mathe zu lernen, denn morgen ist Schularbeit. Stoff ist alles, was wir in den letzten drei Jahre durchgemacht haben, damit wir perfekt für die Zentralmatura vorbereitet sind, versteht sich. Aber als ich mit der Absicht zu lernen da so vor meinen aufgeschlagenen Mathebüchern saß, der Spinne über meinem Schreibtisch beim Netzbauen zusah und der Shuffle-Modus meines iPods zufällig Queens „Under Pressure“ ausgewählt hatte, fiel mir auf, dass sich „zentral“ auf „katastrophal“ reimt. Ist das Zufall oder was? Naja und das war für mich dann der Impuls dafür, meine Mathesachen zu und meinen Laptop aufzuklappen. Dabei ist Mathe doch so wichtig. Polynomdivisionen werden mir in meinem Leben noch so oft begegnen, ich werde schon sehen. „Poly-waaaaaaaaaas?“, fragt ihr euch? Tja… hättet ihr damals mal lieber Mathe gelernt und nicht die Spinne beobachtet!!!

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Ja, als Schüler_in hat man ein paar Verhaltensregeln zu beachten, wenn man‘s sich nicht noch schwerer machen möchte, als es eh schon ist. Wenn der Zeichenlehrer zum Beispiel dein Kunstwerk mit den Worten „Wäh grausig, das will ich in meinem ganzen Leben nie wieder sehen!“, kommentiert, dann solltest du es vielleicht besser nicht 100 Mal kopieren und sowohl die gesamte Schule, als auch das Auto deines Zeichenlehrers damit austapezieren. Oder wenn deine Mathelehrerin fordert, eine Funktion zu lösen und eine Skizze des Graphen anzufertigen, dann solltest du vielleicht keine Strichzeichnung des Sängers von Unheilig auf die Tafel kritzeln.

Ein Satz, den du dir auch besser verkneifen solltest, ist zum Beispiel „Ja schon… aber wofür muss ich das wissen?“. Du offenbarst somit deinen Lehrer_innen dein Desinteresse an ihren Fächern, sie fühlen sich in ihrer Ehre verletzt und du wirst zum Hassobjekt #1. Amüsant hingegen sind diese Junglehrer_innen, die vielleicht 5 Jahre älter sind als du selbst, tatsächlich aber der Meinung sind, wir Schüler_innen wären einem völlig anderem Zeitalter entsprungen, als sie. Sie sagen dann so Sachen wie „Kennt man in eurer Generation Robbie Williams eigentlich noch?“. Robbie wer? Und im Falle, dass du während der Stunde eines Junglehrers einmal aufs Klo musst, hast du gefälligst deine Hand zu heben und den Typen, der jünger ist als dein Bruder, um Erlaubnis zu fragen. Und wenn der dann auch noch nein sagt… tja dann haste Pech gehabt!

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Wenn du dann schon kurz davor bist, das undichte Fester, neben dem du sitzt und wegen dem es im Klassenraum angenehme 11°C hat, zu öffnen und rauszuspringen, betritt mit mehr Elan, als einem einzelnen Menschen zusteht, dein Religionslehrer die Klasse, wünscht dir einen wuuuunderschönen Guten Morgen, teilt Mandalas und Buntstifte aus, stellt Entspannungsmusik an und lädt dich herzlich dazu ein, über deine Probleme zu reden. Danke, nein!

Du vergräbst dann deinen Kopf unter den Armen und träumst dich in die Zukunft, in der du alles schon überstanden hast. Aber dann fällt dir auf, dass sich „zentral“ nicht nur auf „katastrophal“, sondern auch auf „phänomenal“ und auf „genial“ reimt und dann denkst du an den Satz deiner Mutter: „Was danach kommt, wird noch schlimmer!“.

Vielleicht ist Mandalas ausmalen gar nicht so schlimm. Vielleicht ist auch Mathe ganz nützlich. Und Chemie, und Physik, und Englisch und Deutsch und Latein… Non scolae sed vitae discimus, haben wir in Latein gelernt. Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir!

 

Pix: Alina Hainig


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Alina Hainig
Alina Hainig | im Süden geboren, aufgewachsen und (fast) ausgewachsen | hat das BG Tanzenberg besucht | hat ein Praktikum bei IMSÜDEN.AT gemacht ..
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