Interview
Groove Night 2013-11-10
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„Einfach und ohne GSCHISTI GSCHASTI“

Klaus „Klausi“ Kirchauer aka. DJ Barry Bahia hat mit seinem Cafè Ingeborg ein ungemein gastliches Wirtshaus und einen ganz besonderen Mikrokosmos am Fuße des Klagenfurter Kreuzbergls etabliert. Außerdem legt er (gerne) Soul und (lieber) Groove auf und ist nach Jahren in New York, München, Genf und Wien nun wieder ganz glücklich im Süden, auch wenn er immer ein Suchender bleiben wird. Wir waren mal auf einen Kaffee bei ihm, wie eigentlich eh jeden Tag.

„Guten Morgen, ich bin gleich bei euch“, schallt es aus der Küche. Wir bestellen noch schnell einen Kaffee, bis „der Klausi“ Zeit für uns hat. Jetzt am späten Morgen ist das Kaffee Ingeborg gut gefüllt, alle Tische sind besetzt, alle Zeitungen im Umlauf und das Personal rotiert. Trotzdem ist es überraschend ruhig hier, im Hintergrund etwas Lounge FM, manche Gäste unterhalten sich, die meisten sind aber in die Zeitungslektüre vertieft, hin und wieder kreischt die Kaffeemaschine auf.
Auftritt Klaus „Klausi“ Kirchauer, in der rechten Hand ein Teller mit einem ungemein köstlich aussehendes Spiegelei, daneben ein mächtiges Basilikumblatt plus Butterbrot, in der linken eine Lesebrille. „So hier, bitte sehr. Und das hab ich bei der Nachbarin organisiert, zum Zeitunglesen.“, der Gast mit dem Spiegelei hatte seine Lesebrille vergessen und ist ein Stammgast. Entweder schon immer, oder ab jetzt, denn hier wird man leicht Stammgast, fühlt sich willkommen und will daher immer wieder kommen. Das macht das „Erlebnis Ingeborg“ aus und Schuld daran ist „der Klausi“. Wie er das macht wollen wir jetzt gerne wissen und werden zum Interview ins Hinterzimmer gebeten, das fast größer als der eigentliche Gastraum ist und in dem „der Klausi“ gerade die neue Farbe der Markise für seinen Gastgarten aussucht, dazwischen stellen wir mal ein paar Fragen…

IS: Lieber Klaus, wieso bist du eigentlich im Süden?
Klaus Kirchauer: Ich komme natürlich aus Klagenfurt, war aber 20 Jahre lang nicht da. Ursprünglich habe ich Kellner gelernt und war dann im mittleren Hotelmanagement in New York, Genf, Wien und München für InterContinental und Sheraton unterwegs. Aber das Problem ist, dass du in diesen Hierarchien, wenn du schnell aufsteigst, immer weniger Kontakt zum zufriedenen Kunden hast, der dein Hotel glücklich verlässt. Ich war irgendwann nur noch der Mistkübel für alle Beschwerden und Probleme, das haltest ja nicht aus. Hier in Klagenfurt mach ich jetzt wieder das, was mir immer am meisten Spaß gemacht hat, einfach einen Kaffee servieren und mit den Leuten reden.

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IS: Und zwar in deinem „Ingeborg“. Erzähl uns doch mal die Geschichte des Cafés.
Klaus Kirchauer: Das ursprüngliche Ingeborg war 1952 das erste so genannte „Espresso“ in Klagenfurt. Ein komplett radikales Konzept und absolut konträr zum klassischen Kaffeehaus, das damals vorherrschte. Das muss so gewesen sein, wie als der McDonald‘s nach Kärnten kam (lacht). Aber das Ingeborg war auch eher was für den Abend, nach dem Theater. Seit über sechs Jahren hab ich es jetzt und betreib und seh es eher als Kaffeehaus, manchmal auch als Speisesalon…

IS: Und als Showroom für zeitlose Designermöbel, kommt uns vor…
Klaus Kirchauer: Naja, du musst dich auch immer ein wenig neu erfinden, das liegt mir. Ich bin immer ein Suchender. So ist auch die Ingeborg, in ständiger Metamorphose (lacht). Außerdem arbeite ich ja zwölf Stunden am Tag in diesem Lokal. Wenn‘s MIR hier nicht gut geht,  gehts dem Kunden sicher auch nicht gut. Für mich ist es ein erweitertes Zuhause. Ich komm praktisch von Daheim nach Daheim und beweg mich so nur in einer angenehmen Atmosphäre. Übrigens bau ich auch zuhause ständig um – da leidet die Familie natürlich auch unter meiner Suche (lacht).

IS: Die Armen. Aber zurück zum Geschäft…
Klaus Kirchauer: Geschäft? Ich seh das Ingeborg nicht als Geschäftsmann oder Unternehmer, ich lebe es. Ihr kennt ja sicher den Unterschied zwischen Gast- und Wirtshäusern. Das Ingeborg ist zum Glück beides.

IS: Ja, das stimmt. Kompliment dem Dirigent!
Klaus Kirchauer: (lacht) Lustig, ich seh mich hier nämlich wirklich ein wenig als Dirigent. Denn das Lokal ist ein Microkosmos, vielleicht ein bißchen so wie in Wien am Naschmarkt. Bei uns sitzt der Postler neben dem Unternehmer, der Arbeiter neben dem Kreativen, die Oma neben der Schülerin, und alle verstehen sich weil die Mischung auch passt. Das schlimmste für‘s Ingeborg wäre es, wenn eine Clique das Café übernehmen würde. Weil wenn die dann weg ist, dann ist die Bude leer und die anderen kommen auch nichtmehr. Ich spür in meinem kleinen Mikrokosmos ja sogar Trennung und Verliebungen, auf einmal sitzen andere Partner da, werden neue Stammgäste, bleiben vielleicht sogar länger als die Beziehung dauert und so weiter. Ich und meine Mitarbeiter sind da sehr bedacht darauf, dass die Stimmung bei allen immer gut ist.

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IS: Und die Stimmung ist auch immer bestens, dürfen wir als Stammgäste  mal anmerken!
Klaus Kirchauer: Ja? Das freut mich, dass euch das auffällt. Besonders zwischen halb acht und zehn am Morgen, wo ihr ja auch immer herkommt, ist mir das besonders wichtig. Da wissen meine Mitarbeiter und ich schon wenn die Leut reinkommen, was sie trinken oder frühstücken, welche Zeitung sie nehmen, da musst du kein Wort mehr sagen, da ist es Zuhause oder im Büro fast schon lauter und stressiger als bei uns im Ingeborg (lacht).

IS: Apropos Stress, du wirkst recht ausgeglichen, kein Gastrostress?
Klaus Kirchauer: Also für sowas wie Stress habe ich aber wirklich keine Zeit (lacht). Nein, ich bin meiner Frau Nataleen und meiner Tochter Romy sehr dankbar, dass sie mich das alles machen lassen und mich unterstützen, und auch das Ingeborg-Team ist einfach super, Eva meine Schwester und Grafikerin, Susie meine rechte Hand und alle anderen im Service, „meine“ Fotografen Gernot Gleiss, Tine Steinthaler und alle, die überall mithelfen. Klar fragen immer alle nach dem „Klausi“, aber das Ingeborg ist viel mehr als nur ich, es steht ein großes Team dahinter und alle diese Leute machen das Ingeborg aus und überhaupt erst möglich.

IS: Kurze Zwischenfrage: Warum heisst das Ding eigentlich „Ingeborg“? Sicher wegen der Bachmann oder (gähnt).
Klaus Kirchauer: Nein, eigentlich nicht. Es wurde ursprünglich nach der Frau des Architekten Esterl benannt. Aber ich hab da ein Projekt mit Josef Winkler. Wir sind in Kontakt mit den Erben von Ingeborg Bachmann und bitten um die Erlaubnis das ganze in „Café Ingeborg Bachmann“ umzubenennen. Aber nicht so auf Mozartkitsch, sondern sehr dezent mit einem einfachen Bild von ihr und fertig. Aber das ist noch geheim, also sagt‘s es nit weiter bitte.

IS: Sowas würden wir niemals tun, Klausi. Dein Geheimnis ist bei uns absolut sicher! Du hast vorher gemeint, das Ingeborg ist auch ein Speisesalon, inwiefern?
Klaus Kirchauer: Früher gab es so After-Work-Party hier, aber ich mag diese Bar-Atmosphäre hier herinnen nicht mehr haben, das ist mit zu spritzig und aggressiv für die Räumlichkeiten. Ich mag‘s lieber gemütlich und entspannt. Trotzdem wollte ich einmal die Woche was nettes für die Stammkunden machen, mit der Party-Musik funktioniert‘s für mich nicht mehr, also mach ich „Café am Meer“.

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IS: Netter Freestyler Herr Kirchauer, aber zu deiner Musikkarriere kommen wir erst später. Was ist jetzt das „Café am Meer“? Ibiza im Ingeborg, oder wie?
Klaus Kirchauer: Nein. es ist einfach ein netter Abend mit gutem Essen hier im Ingeborg. Der Name kommt ursprünglich aus Berlin Kreuzberg, wo ich einmal mit meiner Frau an einem verdammten Regentag unterwegs war. Es war dreckig, kalt und grausig, wie Berlin eben manchmal sein kann und dann sah ich auf der anderen Straßenseite plötzlich dieses große, blaue Schild auf dem stand: „Café am Meer“. Das war ein richtiger Glücksmoment. Das Café selbst war natürlich zum Vergessen (lacht), aber ich wusste schon damals, mit dem Titel mach ich mal was. Der hat einfach was in mir ausgelöst. Und so wurde er dann auch der ideale Titel für diese netten Abende, mit bestem Essen von Stefan Petutschnig im Ingeborg.

IS: „Café am Meer“ ist jetzt aber nicht das selbe wie deine „Soulkitchen“ oder? Wir sind verwirrt.
Klaus Kirchauer: Oder schwer von Begriff (lacht). Nein, die Soulkitchen ist ein netter Sonntag-Nachmittag für die 40-jährigen, die gerne gute Soulmusik hören und fein Essen. Das ganze findet immer in einer anderen Location statt und es gibt auch immer ein anderes kulinarisches Motto. Einmal gibt‘s Faschierte Laibchen, dann wieder das feinste aus heimischen Gewässern – das kommt immer auf die Location an, was der Wirt dort auftischen will. Die Sache wird sehr gut angenommen, vor allem auch weil „Soulkitchen“ sehr Familienfreundlich ist und ich immer wieder andere Gastronomen miteinbinde.

IS: Und du legst als DJ Barry Bahia Soul auf während die anderen schlemmen?
Klaus Kirchauer: Genau. Als DJ bin ich ja für meinen Soul bekannt, manchmal kommt‘s mir fast vor, als ob ein kleiner Barry White über mir schweben würd, aber Hauptsache den Leuten g‘fallts!

IS: Das klingt jetzt etwas resignierend? Kein Soulbrother mehr?
Klaus Kichauer: Doch schon, aber als DJ hab ich mich natürlich in den Jahrzehnten seit ich in New York damals mit meinen Soul-Abenden recht erfolgreich war, weiter entwickelt. Leider reduzieren mich, auch noch heute und hier, viele darauf. Dabei bin ich persönlich viel mehr an aktueller Musik interessiert, durchforste jede Woche mindestens sechs Stunden lang virtuelle Plattenläden und bestelle mir neuestes Vinyl aus der halben Welt.

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IS: Und am Abend wollen dann wieder alle nur den alten Barry White…
Klaus Kirchauer: Genau. Das kommt natürlich auch vom sehr erfolgreichen GrooveNight-Konzept, das ich gemeinsam mit Mr. Heyn und Freddy Sunshine umgesetzt habe. Da wollten wir uns einen Platz schaffen, einfach und ohne Gschisti Gschasti, ohne Security, ohne Gästelisten, ohne VIPs und Society-Fotografen. Das ist schon ziemlich einzigartig im Süden. Aber zu Ostern gibt‘s diesmal trotzdem keine Groove Night, weil die beiden Jungs ein Pause brauchen (lacht) und weil ich mich vom alten Barry White auch mal erholen muss.

IS: Oje… Was machen wir denn da?
Klaus Kirchauer: Ganz einfach was Neues (lacht): „Electronic Easter“ im Parkhaus. Barry Bahia legt seine Elektro-Linie auf und ein Gitarrist aus LA ist auch dabei. Dazu kommt mein Kollege Felix Sommer mit seinen Sounds und so wird das sicher wieder was ganz besonderes! Felix ist ja eine völlig andere Generation und von ihm kann ich nur lernen, das finde ich im Moment sehr, sehr spannend. Ich freu mich schon auf Ostern (lacht).

IS: Na wenn das so ist, dann freuen wir uns mit dir! Sonst noch irgendwelche Projekte in der Pipeline?
Klaus Kirchauer: Vieles, vieles, zum Beispiel wird‘s bald eine „Fashion Kitchen“ mit dem B15 am Fleischmarkt geben. Diesmal wird‘s also nicht um‘s Essen sondern um Mode gehen. Dazu haben wir ein wunderschönes, exklusives T-Shirt in Planung. Das wird eine absolute Rarität, die es nur an diesem Tag geben wird. Benjamin Hösel ist da auch involviert – also wird‘s sicher genial ausschaun und lässig verpackt sein.

Da sind wir sicher, schließlich sieht IMSÜDEN.AT ja auch genial aus! Wir kommen sicher vorbei. Ciao Klausi! 

Klaus Kirchauer: Ciao, baba, schönen Tag noch euch…

pix: Johannes WoukMartin Steinthaler


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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