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Crashkurs für den Papa

Blut, Schweiß und Tränen der Geburt geraten in Vergessenheit. Nun wollen die ersten Wochen zu dritt unfallfrei überstanden werden. Von Zoobesuchen, Körperausscheidungen und was sich mit einer Restnabelschnur so alles anstellen lässt.

Uff. Endlich zuhause. Eine intensive und fordernde Geburt liegt hinter uns. Nun kann alles wieder seinen gewohnten Weg gehen. Halt! Kann es nicht, denn es gibt viel zu tun. Vorsorglich habe ich mir zweieinhalb Wochen freigenommen um meine Frau zu unterstützen und meine Tochter gleich mal richtig kennenzulernen. Vorbereitet auf diese Zeit wurde ich auch durch die Kursleiterin der Geburtsvorbereitung, die vor allem die Väter in die Pflicht nahm.

„Handy abschalten, die Frauen verwöhnen und Verwandte abwimmeln“, betete die Leiterin des Kurses den werdenden Vätern immer wieder mantraartig vor, „Ruhe und Erholung ist für Baby und Mutter in den ersten Wochen das Wichtigste!“. Alles klar, sie muss es ja wissen – immerhin hat sie bereits vier Geburten hinter sich. Und das ganze klingt theoretisch auch ganz gut, lässt sich in der Praxis aber nur schwer umsetzen. Vor allem wenn man eine solche Attraktion wie ein frischgeborenes Baby zuhause hat.

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Hereinspaziert, herrreinspaziert! Kommen Sie und staunen Sie!
Während Besuchermassen in den Schönbrunner Tiergarten strömen, um Pandababy Fu Bao auf die kleinen Pratzen zu glotzen, stehen bei uns frischgebackene Omas, Opas, Uromas, Uropas, Onkel und Tanten Schlange, um unsere Kleine zu verhätscheln. Zwischendurch fühlt man sich wie ein Zoowärter im Tiergarten. Rein vom Gefühl her ist der Ansturm auf unsere Tochter sogar noch größer als in Schönbrunn. Und das zu Recht! Meine Tochter ist schließlich um einiges hübscher und mit Sicherheit um vieles intelligenter als so ein doofes Pandababy. Das beweisen auch die zahl- aber wenig abwechslungsreichen Kommentare unserer Verwandschaft: „Mei, ist die aber lieb“, „So eine Zuckerpuppe“, „Hat die aber viiiele Haare“, „Kutschiliwutschilipuu“ kreischen sie mit hohen Stimmen, die mich an die Teletubbies erinnern.

An einen regelmäßigen und ruhigen Tagesablauf ist so nicht zu denken. Aber wenigstens die Zeit zwischen den Besuchen gestaltet sich einigermaßen regelmäßig: Baby wickeln, Kotze wegwischen, Baby hoppen, Mama verwöhnen, kurz Schlaf finden, Kotze wischen, Baby baden, Baby hoppen, Baby wickeln, Mama verwöhnen, Kotze wischen, Baby wickeln, kurz schlafen, Baby wickeln, Kotze wischen, Baby hoppen.

Damit wir dieses Programm unfallfrei bewältigen, schaut ein bis zweimal pro Woche unsere Hebamme vorbei. Fast gleich breit wie groß und mit starken Händen weiß sie, wie man Babys richtig anpackt. Mit geübten Griffen weist sie uns ins Wickeln und Baden ein, zeigt uns wie man das Baby massiert, die Restnabelschnur richtig pflegt und gibt uns auch noch weitere wertvolle Ratschläge und Tipps für den Alltag: „Baden ist wichtig – aber erst nach der ersten Woche. Bis dahin sorgt die Käseschmiere, die noch am Baby klebt, für die optimale Hautpflege. Da können sich auch Vichy und Konsorten noch eine Scheibe davon abschneiden. Und vergesst die ganzen Babycremen beim Wickeln – die könnt ihr in die Tonne hauen. Dem Babyhintern reicht Wasser und Liebe – ganz natürlich soll es sein.“ Alles in allem ein Goldstück! Das Baby und die Hebamme!

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Irritationen im neuen Leben
Trotz aller Unterstützung ist es nicht immer leicht, sich an dieses „neue Leben“ zu gewöhnen. Neben den alltäglichen Pflichten eines Papas sorgt bei mir auch die Restnabelschnur meiner Tochter immer wieder für Irritationen. Diese Restnabelschnur ist nichts anderes als ein eitriges, schorfiges Dingens, das sich dort wo eigentlich der Bauchnabel sein sollte und früher die Nabelschnur endete, befindet. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie ekelt es mich vor dem Ding. Manche Eltern kleben es sobald es abfällt in ein Babyalbum oder vergraben es im Garten und pflanzen Bäume darauf. In manchen Familien findet es angeblich sogar den Weg auf den Teller und wird verspeist. Gruselig. Bei uns wird das Ding wohl eher in den Mülleimer wandern.

Im Großen und Ganzen ist die erste Zeit zu dritt aber eine herrliche Zeit! Ein Abenteuer. Ich fühle mich wie Käpt‘n Kirk. Unendliche Weiten und unbekannte Rituale, neue Erfahrungen und eine Tochter, die mich jeden Tag aufs Neue über das Wunder des Lebens staunen lässt. Leider muss ich nach zweieinhalb Wochen Papaurlaub wieder zurück in die Arbeit. Ich vermisse meine Tochter jetzt schon.

pix: Clemens Huss


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Clemens Huss
Clemens Huss Geboren in Tirol, aufgewachsen in Kärnten. Papa seit 2013. Selbstständig als Texter, Webdesigner und Experte für Online Kommunikation ..
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