Interview
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Von Johannes Wouk, Fotos: Arnold Pöschl

„Die Qualität der Mitarbeiter ist ein großer Vorteil hier im Süden.“

Heimo Egger hat Mazda Österreich übernommen und damit die Aufgabe eine der großen Automarken dieser Welt von Klagenfurt aus erfolgreich auszubauen. (Na) Gratuliere!

Kaum einer weiß: Mazda hat sein Hirn in Klagenfurt. Zumindest den Teil, der sich mit Österreich beschäftigt. Auf einem eher unscheinbaren Werksgelände am Rande der Kärntner Landeshauptstadt sitzt das Headquarter von Mazda Austria, von wo aus der japanische Autokonzern Anfang der 90er ganz Süd-Ost-Europa eroberte und noch heute mit Ersatzteilen beliefert. „Schneller als eine Postkarte“, seien die Teile unterwegs, behauptet das 99-köpfige Team, das seit 1. April 2016 einen neuen Leader hat: Heimo Egger, aus Bad Kleinkirchheim hat die Geschäfte in Österreich übernommen und deshalb haben wir mal nachgefragt, wer der Herr überhaupt ist und warum die von Mazda so südlich eingestellt sind.

IMSÜDEN.AT: Hallo, wer bist du und was machst du im Süden?
Heimo Egger: Mein Name ist Heimo Egger und ich arbeite seit 1998 bei Mazda im Süden. Das war gleich mein erster Job nach der Uni. Händlernetzentwicklung für Österreich für ca. eineinhalb Jahre. Dann war ich die letzten 16 Jahre hauptsächlich in Süd-Ost-Europa tätig. Ganz zum Schluss war ich verantwortlich von Tschechien im Norden bis in die Türkei im Süden, 16 Länder. Zumindest bis zum März 2016.

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IMSÜDEN.AT: Dann hat dich Österreich eingeholt?
Heimo Egger: Kann man so sagen. Seit 1. April bin ich Geschäftsführer von Mazda Österreich. Einem der erfolgreichsten „Mazda-Länder“…

IMSÜDEN.AT: Wie meinst du das genau?
Heimo Egger: Wir haben hier einen Marktanteil von 3,3%. In den meisten anderen Europäischen Ländern liegen wir um die 1,5% und blicken auf eine sehr lange, erfolgreiche Markengeschichte zurück.

IMSÜDEN.AT: Wer trägt die Schuld? Woher kommt dieser Erfolg?
Heimo Egger: Dafür tragen allein unsere wunderbaren Händler hier und die Leute, die Mazda über die Jahrzehnte so umsichtig und weitsichtig aufgebaut haben die Schuld (lacht).

IMSÜDEN.AT: Und euer Auto? Eure Marke? Hat nix damit zu tun?
Heimo Egger: (lacht) Na klar doch. Unser Produkt, unsere Marke ist natürlich der Hauptgrund für den Erfolg. Vielleicht schätzen es die Österreicher, dass Mazda die Dinge immer etwas anders anpackt als andere Automarken. Nicht umsonst haben wir Innovationen wie den RX8 Wankelmotor oder das MX5 Cabrio zu Ikonen der Autobranche gemacht. Dieser Ansatz, immer neue Wege zu beschreiten, prägt Mazda bis heute.

IMSÜDEN.AT: Neue Wege seid ihr auch Richtung Süd-Ost-Europa gegangen.
Heimo Egger: Ja, ich kenne auch keine andere Firma im Süden, die bereits Anfang der 90er so aktiv ihr Süd-Ost-Geschäft aufgebaut hat. Da waren wirklich Weitblicker am Steuer hier in der Klagenfurter Zentrale, die bereits 1992, praktisch direkt nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, nach Ungarn, Kroatien und Slowenien gegangen sind.

IMSÜDEN.AT: Ist das so ein Hobby von euch? Aufbauarbeiten nachdem alles zerstört war? Ihr kommt ja ursprünglich aus Hiroshima, oder?
Heimo Egger: Ja, Mazda stammt aus Hiroshima. Das Werk dort lief bereits 12 Monate nach der Atombombe wieder auf vollen Touren. Dieser „Hiroshima-Spirit“ ist in der Marke, im Unternehmen und in allen Mitarbeitern tief verwurzelt.

IMSÜDEN.AT: Na dann ist uns jetzt auch klar, warum ihr in Kärnten geblieben seid. Hier sieht‘s ja wirtschaftlich auch fast so aus wie in Hiroshima 1945…
Heimo Egger: Naja, jetzt übertreiben wir mal nicht! Die Lage ist sicherlich keine einfache, aber ich kann aus unserer Erfahrung mit der Wirtschaftskrise in Süd-Ost-Europa sagen: Man kann aus sowas sehr viel lernen und gestärkt daraus hervorgehen. Das wünsche ich mir auch für Kärnten. Was Mazda angeht, so stehen wir ganz klar zu diesem Standort, weil wir Kärnten als Drehscheibe und Tor nach Süd-Osten sehen und weiter ausbauen wollen.

IMSÜDEN.AT: Klingt als wärst du schon ganz scharf auf deine neue Aufgabe!
Heimo Egger: Absolut! Für mich persönlich bedeutet es sehr viel Geschäftsführer von Mazda Österreich zu sein. Weil Österreich ein wichtiger Markt ist, mit vielen guten Händlern und einem sehr großen, tollen Team am Standort. Eigentlich ist dieser Standort sogar ziemlich einzigartig; keine andere Landesorganisation hat ein eigenes Lager, eine eigene IT-Abteilung oder ein eigenes Technikzentrum, in dem wir auch ausbilden können. Das motiviert mich natürlich alles sehr!

 

IMSÜDEN.AT: Gut. Das motiviert dich! Aber was motiviert Mazda hier im Süden zu bleiben?
Heimo Egger: Der eine Grund ist sicher, dass das Geschäft hier sehr erfolgreich weiterentwickelt wurde, wie ich ja schon gesagt habe. Aber die Qualität der Mitarbeiter ist auch ein großer Vorteil hier im Süden. Allein wenn ich mir unsere Geschwindigkeit in der Ersatzteilversorgung und unsere geringe Fehlerrate anschaue, dann haben wir einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil mit unserem erfahrenen Mitarbeiterstamm hier vor Ort!

IMSÜDEN.AT: Erklär‘ uns das mal, bitte. Ihr verschickt von hier aus Ersatzteile?
Heimo Egger: Ja, genau. Hier ist unser Ersatzteillager für ganz Süd-Ost-Europa. Wenn dein Mazda, in sagen wir mal Ungarn, heut‘ vormittags eine Delle in den Kotflügel bekommt, weil jemand nicht ausparken kann und die zertifizierte Werkstatt dort den Ersatzteil bis zum Nachmittag bestellt, ist er morgen vor Ort, eingebaut bevor dein Urlaub vorüber ist und du kannst wieder nachhause fahren. Wir sagen immer: „Unsere Ersatzteile sind schneller als eine Postkarte!“

IMSÜDEN.AT: Naja, beim Kotflügel. Aber was ist, wenn mir der Motor vom Mazda verreckt?
Heimo Egger: Kann nicht sein!

IMSÜDEN.AT: Warum kann das nicht sein?
Heimo Egger: Naja, ist schließlich ein Mazda (lacht)!

IMSÜDEN.AT: Touché! Welches Modell würdest du uns empfehlen?
Heimo Egger: Ganz klar, MX-5 Cabrio. Unser klassischer Roadster, der in der neuesten Auflage gerade die Trophäen für „bestes Auto“ und „bestes Design“ bei den World-Car-of-theYear-Awards 2016 abgeräumt hat. Der passt zu aufstrebenden Online-Magazinen im Süden (lacht).

IMSÜDEN.AT: Na, bitte nit schleimen. Lieber mal eine Probefahrt organisieren! Apropos: Wohin geht die Fahrt von Mazda Österreich mit dir am Steuer?
Heimo Egger: Die Ausgangslage ist sicher nicht leicht, denn der Markt hier in Österreich ist relativ gesättigt und das Wachstum der Autobranche ist generell eher gering. Aber wir glauben, wir können unseren Marktanteil dennoch von 3,3 auf 4% ausbauen.

IMSÜDEN.AT: Und wie? Was hast du konkret vor?
Heimo Egger: Ich sehe noch großes Potential bei den Gewerbekunden. Dieser Markt wächst in Österreich überproportional und wir sind da, historisch bedingt, noch zu wenig verankert. Ein zweiter wichtiger Punkt wird es sein, uns mit unseren Produkten und Dienstleistungen mehr vom Mainstream in Österreich abzuheben und die Marke auch hier emotionaler zu machen. Auch über das Design von Mazda, das ja eine unserer Haupttriebfedern der Marke ist. So wollen wir neue Zielgruppen ansprechen. Ein dritter Punkt ist natürlich die immer weiter fortschreitende Digitalisierung, die auch was das Kundenverhalten angeht eine große Herausforderung darstellt. Dafür müssen wir in Zukunft Rezepte und Lösungen anbieten können und diese natürlich auch umsetzen um unseren Standort zu verbessern.

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IMSÜDEN.AT: Und umgekehrt, was kann der Standort für euch tun? Was muss im Süden funktionieren, um einen Weltkonzern wie Mazda hier in Klagenfurt zu halten?
Heimo Egger: Eigentlich ist es ja ok für uns, sonst wären wir ja nicht mehr an diesem Standort. Aber ein richtiger Showstopper wäre natürlich, wenn der Flughafen wegfiele. Auch weil unsere „Mutter“ in Deutschland ist und wir naturgemäß viel reisen.

IMSÜDEN.AT: Klar. Und generell so? Hat der Süden als Wirtschaftsstandort Zukunft? Was meinst du?
Heimo Egger: Wenn man unter ‚dem Süden‘ nicht nur Kärnten versteht, sicherlich. Der Alpen-Adria-Raum hat ein irrsinniges Potential, es gibt überhaupt keinen Grund zu gehen. Mein Learning aus den letzten Jahren ist, dass es ist egal ist, wo du sitzt, du kannst überall gute Geschäfte machen. Da sitz‘ ich doch lieber an so einem schönen Ort (lacht).

IMSÜDEN.AT: Sehen wir auch so!
Heimo Egger: Aus eigener Erfahrung kann ich auch berichten, dass Österreicher im Allgemeinen, und Kärntner im Speziellen, einen sehr guten Ruf im Geschäftsleben haben; unsere Geschäftspraktiken sind überaus geschätzt. Rechtssicherheit ist da ein wichtiger Punkt und da haben wir einfach eine gute Reputation.

IMSÜDEN.AT: Von der ein oder anderen Ex-Bank mal abgesehen (lacht). Aber Spaß beiseite, wir wünschen dir viel Erfolg mit Mazda Österreich, sagen Danke für’s Interview und wären dann bereit für die Probefahrt mit dem MX-5 Cabrio. Wo ist der Schlüssel?

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PIX BY: ARNOLD PÖSCHL (arnoldpoeschl.com)


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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