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Durch Integration und Ökologie zum „enkelsicheren“ Südkärnten.

In und rund um Völkermarkt setzt Regionalmanager Peter Plaimer (rechts im Bild), unter anderem, auf Ökologie und Integration, um seine Region „enkelsicher“ zu machen. Das Paradebeispiel dafür ist das Interkulturelle Zentrum Völkermarkt und der beliebte Völkerball. Auf unserer Unterkärnten-Tour haben wir bei ihm vorbeigeschaut…

Wir fahren in die Regionen des Südens und reden mit denjenigen die schauen und tun, damit dort wirtschaftlich, gesellschaftlich und überhaupt was weitergeht. Nachdem wir das Wolfsberger Haus der Region und Behördenjungleführerin Vanessa Reiner kennegelernt haben, reisen wir etwas südlicher und treffen Peter Plaimer, Regionalmanager der Region Südkärnten, Mitgründer der Regionalkooperation Südkärnten und damit sowas wie die Vanessa von Völkermarkt….

IMSÜDEN.AT: Hallo Peter, was tut ein Regionalmanager hier in Völkermarkt?
Peter Plaimer: Die Bezeichnung mag ich gar nicht so. Ich versteh mich mehr als Regionalentwickler. Ich „manage“ ja nicht kurzfristig, sondern plane langfristig und versuche „enkelsichere“ Entscheidungen zu treffen, die der Region Auftrieb geben.

IMSÜDEN.AT: Was hast du denn so „enkelsicheres“ auf Lager?
Peter Plaimer: Ein großer Schwerpunkt meiner Arbeit ist sicher die ÖBB Haltestelle Kühnsdorf/Völkermarkt, die durch den Bau der Koralmbahn und des Koralmtunnels abgeschnitten werden könnte. Da arbeiten wir massiv daran das zu verhindern, und gleichzeitig die Voraussetzungen für die zukünftige Standortentwicklung zu schaffen, indem wir einen regionalen Verladebahnhof mit interkommunalem Gewerbepark schaffen. Eine Chance, die es so in Kärnten kein zweites Mal gibt und der heimischen Wirtschaft gewaltige Zukunftschancen bieten wird.

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IMSÜDEN.AT: Na das klingt doch vielversprechend. Soviel also zur Zukunft, aber was habt ihr hier schon umgesetzt?
Peter Plaimer: Vieles, sehr vieles. Wir haben hier im Bezirk Völkermarkt, mit seinen 13 Gemeinden und rund 43.000 Einwohnern, sicherlich einen eher ökologischen Schwerpunkt gesetzt. Wir betreiben zum Beispiel eine Klima- und Energiemodellregion und haben in diesem Rahmen alle Kläranlagen im Bezirk mit eigenstromverbrauchsoptimierten Photovoltaikanlagen ausgerüstet. Wir betreiben darüberhinaus ein Mobilitätsbüro am Busbahnhof, um den öffentlichen Verkehr zu promoten und zu begleiten. Besonders stolz sind wir darauf die ersten in Kärnten zu sein, die neue Wege in der Grünschnittkompostierung gehen.

IMSÜDEN.AT: Was soll das bedeuten?
Peter Plaimer: Wenn unsere Einwohner ihre Hecken schneiden oder den Rasen mähen, dann sammeln wir das in der Pilotgemeinde Eberndorf ganz dezentral ein, damit die Nutzer nur wenige Schritte gehen müssen und bringen das zu einem Bauer, der daraus wertvollen Humus macht, der dann wiederum in der Gemeinde eingesetzt wird. Ein perfekter, und vor allem sehr nachhaltiger, Kreislauf, der gut angenommen wurde und jetzt schon auf die Nachbargemeinden überschwappt.

IMSÜDEN.AT: Du scheinst dich mit Humus auszukennen…
Peter Plaimer: Ja, das kommt sicher vom Boku-Studium (lacht). Ich bin ja hier geboren, in Ruden um genau zu sein, war aber lange Jahre in Deutschland, der Steiermark und vor allem in Wien. Je länger ich allerdings in der Großstadt war, desto lieber wollte ich wieder zurück in den Süden. Da hat sich dann 1999 dieser Job hier ergeben, und seither bin ich wieder in Völkermarkt.

IMSÜDEN.AT: Und hast die Lokale Aktionsgruppe Unterkärnten mitbegründet?
Peter Plaimer: Ja, genau! Als damals das EU LEADER-Programm aufkam, haben sich meine Kollegen aus dem Lavanttal, dem Rosental und ich gedacht: Tun wir uns zusammen, dann können wir mehr erreichen. Wir haben dann ein gemeinsames Entwicklungskonzept geschrieben und seither machen wir gemeinsame Sache. Auch schon über 15 Jahre mittlerweile!

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IMSÜDEN.AT: Was verbindet „deine“ Region Südkärnten aka. Völkermarkt mit dem Rosental und dem Lavanttal, das ihr gemeinsam agieren wolltet?
Peter Plaimer: Wir haben sehr ähnliche Problemfelder bzw. Chancen. Einerseits betrifft uns natürlich die Sogwirkung des Zentralraumes. Die Leute wandern ab und wir müssen ihnen Anreize bieten hier zu bleiben. Andererseits verbindet uns auch der Grenzraum. Da haben wir drei Unterkärntner Regionen sehr viele (auch wirtschaftliche) Chancen, die wir nutzen können.

IMSÜDEN.AT: Gibt’s da Beispiele für grenzüberschreitende Maßnahmen?
Peter Plaimer: Natürlich, ganz ganz viele! Unter den Brillenschafzüchtern, den Bienenzüchtern, aber auch der Ausbau des Drauradweges ist ein gute Beispiel. Das Paradebeispiel für die logische Vereinigung unserer drei Regionen, und dem Blick nach Slowenien, ist aber sicherlich der Geopark, der sowas wie ein Naturpark mit geologischem Schwerpunkt ist und die Petzen, den Hochobir und das Gebiet um Zell Pfarre inklusive Koschutta umfasst. Da konnten viele gemeinsame und aufeinander abgestimmte Bildung- und Tourismusprojekte realisiert werden.

IMSÜDEN.AT: Aber ihr macht hier nicht nur grenzüberschreitende Projekte, sondern kümmert euch auch um diejenigen, die Grenzen überschreiten, oder?
Peter Plaimer: Ja, könnte man so sagen (lacht). Evelin Pirčer hat da mit dem Interkulturellen Zentrum, kurz IKZ, ein Integrationsprojekt gestartet, das den Nerv der Zeit trifft und das auch in unsere Fördervorgaben seitens der EU passt, was generationenübergreifende Integration angeht.

IMSÜDEN.AT: Was ist das Ziel des Interkulturellen Zentrums Völkermarkt?
Peter Plaimer: Im Grund geht es darum, eine Anlaufstelle für Migranten und Österreicher zu schaffen, die Fragen zum Thema Integration haben. Das können soziale Fragen sein, aber natürlich auch ganz profane zu Behördenwegen usw. Hier werden auch Sprach- und „Werte“-Kurse angeboten. Dazu hat Evelin mit ihrem Team jetzt auch ein art Willkommenspaket geschnürt, das mit einem mehrsprachigen Folder die ersten Fragen für Neuankömmlinge klärt. Zum Beispiel: Wo ist die nächste Schule, wo ist die nächste BH, wie komme ich zu meinen Genehmigungen und Dokumenten. Das ganze funktioniert aber auch für andere „Zugezogene“, das müssen nicht gleich Migranten sein.

IMSÜDEN.AT: Ein Crashkurs in österreichischer Bürokratie sozusagen. Das ist sicher notwendig, aber ein paar Zettel allein werden auch nicht reichen, um Migranten und Völkermarkter zusammen zu bringen, oder?
Peter Plaimer: So ist es. Deshalb ist ein großer Teil von Evelins Arbeit hier im IKZ natürlich Orte und Anlässe zu schaffen, um Migranten und Österreicher zusammenzubringen. Da gibt es sehr beliebte Interkulterelle Frühstücke, wo so ca. 30 Leute zusammenkommen und es Essen aus einem bestimmten Land gibt. Heuer gab es schon Frühstücke aus Indien, Südamerika, China – praktisch eine kulinarische Weltreise. Das wird sehr gut angenommen!  Dazu gibt es sogenannte „Begegnungscafès“ in den verschiedenen Gemeinden und natürlich den Völkerball, der heuer schon zum zweiten mal durchgeführt wurde und ein echtes Fest der Interkulturalität ist.

IMSÜDEN.AT: Hehe, Völkerball… geiler Name! Funktioniert’s denn?
Peter Plaimer: Ich denke schon, dass wir da auf einem guten Weg sind. Evelins Ansatz ist es, den Österreichern und Migranten die Angst vor der Begegnung zu nehmen. Denn nur wenn sie sich begegnen, können sie zusammen leben. Ich finde das sehr klug, den Statistiken zeigen ja auch, dass die Ablehnung gegenüber Migranten dort am stärksten ist, wo am wenigsten oder gar keine leben. Dort wo man sich begegnen kann, und einander kennenlernt, gibt es viel weniger Ablehnung.

IMSÜDEN.AT: Das ist gut, das nehmen wir gleich als Schlusswort. Danke und noch weiterhin viel Erfolg!

DIE REGIONALKOOPERATION UNTERKÄRNTEN ARBEITEN

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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..