Interview
Edelstoff Organisatorinnen_hoch_vlnr_Sabine Hofstätter_Simone Aichholzer (c)Gregor Schweinester
Dieser Artikel wird unterstützt von


„Der Süden scheint richtig AUSGEHUNGERT zu sein…“

Die beiden Südländerinnen Simone Aichholzer und Sabine Hofstätter haben den Designmarkt Edelstoff erfunden und in Wien etabliert. Mittlerweile zieht es sie aber auch wieder mehr in den Süden, meint Sabine, die wir zum Interview getroffen haben.

Das Stadthaus zu Klagenfurt. Normalerweise wird sich hier getraut. Das passt aber auch ganz gut zu Sabine Hofstätter, die traut sich nämlich, hier einen Designmarkt zu veranstalten. Wir treffen die quirlige Edelstofflerin beim Plakataufhängen im Empfangsraum an und machen gleich die Besichtigungstour mit, denn schließlich muss man die Location erstmal auf Herz und Nieren prüfen, bevor man über 50 DesignerInnen aus dem In- und Ausland hier ein Wochenende lang ausstellen, verkaufen und vernetzen lässt. Zwischendurch haben wir Zeit für ein paar Fragen…

IMSÜDEN.AT: Hallo, Sabine, wo ist Simone?
Sabine Hofstätter: Meine Kollegin Simone Aichholzer ist noch in Wien, ich bin sozusagen die Vorhut (lacht). Gemeinsam organisieren wir ja seit 2012 den Edelstoff Designmarkt in Wien, aber mittlerweile sind wir auch wieder zurück im Süden, deshalb bin ich hier!

IS: Zurück im Süden?
Sabine Hofstätter: Naja, Simone und ich sind ja beide Südländerinnen. Als wir mit unserem Konzept dann in die Bundesländer gehen wollten, war klar, dass Klagenfurt der erste Stopp sein muss. Und seit 2013 gibt es auch hier einmal im Jahr den Designmarkt Edelstoff.

IMG_0202
IMG_0201
IMG_0203
IMG_0208

IS: Was ist das eigentlich, so ein Edelstoff? Klingt teuer…
Sabine Hofstätter: Ist es aber nicht. Die Preise der Designstücke sind total unterschiedlich – man bekommt bereits lässige Sachen für ein paar Euro, aber wir haben natürlich auch Sachen dabei, die 200-300 Euro kosten. Wir selber verlangen beim Eintritt einen Unkostenbeitrag von nur 2 Euro. Die Idee an sich ist schon sooooo alt (lacht). Inspiriert haben uns sicher die Märkte rund um die Bricklane in London, zum Beispiel der Sunday-Up-Market und wie sie alle heißen. Meinen ersten Design-Markt hab ich glaub ich vor 20 Jahren in London gesehen. Das war alles indoor auf verschiedenen Etagen. Allerdings hab ich den nie mehr gefunden, obwohl ich wie blöd danach gesucht habe (lacht).

IS: Also alles in London geklaut? Was sich die Hofstätter da wieder erlaubt hat… (lacht)
Sabine Hofstätter: Nicht nur die Hofstätter, auch die Aichholzer (lacht). Ich hab ja vielen Leuten gesagt, „sowas müssma auch in Österreich machen“, und Simone hat dann als einzige sofort gesagt: „Dann mach mas!“

IS: So sind sie, die tatkräftigen Südländerinnen.
Sabine Hofstätter: Genau. Aber trotzdem mussten wir in Wien starten, erstens weil wir beide dort leben und zweitens, weil du einfach eine gewisse kritische Masse brauchst, damit die Sache funktioniert. Das geht in einer Großstadt einfach leichter.

Edelstoff 05  Edelstoff 05

IS: Ihr habt ja auch nicht grad bescheiden begonnen…
Sabine Hofstätter: Stimmt! Das war ziemlich irre, als wir in der leeren 2.000 Quadratmeter großen ehemaligen Anker Expedithalle im 10. Bezirk standen. Ziemlich angsteinflößend. Wir haben mit 80 Ständen angefangen und einem kleinen Gastrobereich. Das ging richtig gut los. Auch auf Facebook hatten wir im Handumdrehen 1000 Fans. Und heute – also knapp 2,5 Jahre später – sind’s bereits über 7.500… Schau doch mal auf unsere FB Seite! 2-3 Wochen vor den Events, gibt’s da auch immer lässige Designstücke zu gewinnen!

IS: Machen wir. Edelstoff war also von Anfang an ein voller Erfolg?
Sabine Hofstätter: Tja, der erste Schritt war es, sowas mal zu probieren. Danach haben wir eigentlich gesagt: „Das machma nie wieder, viel zu viel Stress.“ (lacht). Aber dann kommt das ganze gute Feedback und die Aufmunterungen und natürlich vergisst du mit der Zeit auch den ganzen Stress. Auf einmal steckst du schon in der Konzeption für die nächste Veranstaltung.

IS: Was ist denn überhaupt euer Konzept? Was macht so ein Edelstoff?
Sabine Hofstätter: „So ein“ Edelstoff ist eine Präsentations-, Verkaufs- und Vernetzungsplattform für junge Kreative und DesignerInnen.

IS: Also irgendwie sowas wie ein IMSÜDEN.AT
Sabine Hofstätter: Naja, ihr verlasst euch ja auf dieses Internet (lacht). Uns kann man angreifen und erleben: Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst in Wien, seit letztem Jahr in Klagenfurt und seit heuer auch in Graz. Weitere Bundesländer sollen folgen, wenn wir mehr Zeit oder mehr Leute haben. Wir sind ja nur ein kleiner gemeinnütziger Verein und haben auch noch „echte“ Jobs und Familien.

IMG_0206
IMG_0207
IMG_0205
IMG_0204

IS: Warum tut ihr euch das dann an?
Sabine Hofstätter: Naja, wir haben schon auch eine Mission: Weg von den großen Marken und wieder hin zu den Menschen, die selbst produzieren, die man ansprechen kann und die persönlich hinter ihrem Produkt stehen. Das Feedback von den DesignerInnen und BesucherInnen ist, dass wir bei Edelstoff eine gute Mischung haben und das es gemütlich ist. Man muss ja auch bedenken, dass es eine gute Vernetzungsplattform ist, auch wenn man vielleicht direkt nicht so viel verkauft. Es gibt da Erfolgsgeschichten, wo sich Leute bei uns kennengelernt haben und jetzt zusammen arbeiten oder zusammen ausstellen und verkaufen.

IS: Super! Und ihr verdient auch was dabei?
Sabine Hofstätter: (lacht) Naja, wir arbeiten zumindest seit Beginn kostendeckend. Jetzt investieren wir und machen endlich eine neue Website, die geht hoffentlich noch vor Klagenfurt online. Mühsam nährt sich das Eichhörnchen… (lacht).

IS: Also eigentlich ein Hobby, trotzdem expandiert ihr nach Klagenfurt, warum? Ihr hättet doch auch einfach in der Hauptstadt bleiben können, oder?
Sabine Hofstätter: Hätten wir, und Klagenfurt war im Vorjahr auch nur ein Versuch. Aber der hat super funktioniert. Der Süden scheint richtig ausgehungert zu sein, was Designmärkte angeht. Heuer haben wir in Klagenfurt mehr als 50 Labels, darunter natürlich auch einige Kärntner Labels wie Katrin Kafka, die Mädels von Gransis, Otto&AnnaPezolita, Grünschnabel&GänseblümchenDeKappa, Fadenfreude, Ulli Egger, Umgarnte Steinen und dieses wunderbare Projekt von Contrapunktre:souled. Aber da hab ich jetzt sicherlich viele vergessen…

 

IS: Na hoffentlich ist da jetzt keiner beleidigt. Wie kommt ihr zu euren Ausstellern?
Sabine Hofstätter: Wir kriegen ca. dreimal so viele Bewerbungen, wie wir dann tatsächlich präsentieren können. Mittlerweile haben wir einen Verteilerschlüssel entwickelt: Ungefähr ein Drittel sollen aus dem Ausland sein, die anderen beiden Drittel aus Österreich und dabei im besten Fall die Hälfte neue AusstellerInnen… Die Mischung macht‘s!

IS: Aus welchen „Ausländern“ zum Beispiel.
Sabine Hofstätter: Hauptsächlich natürlich aus den Nachbarländern. Das spricht sich nämlich scheinbar auch über die Grenzen rum. Im Vorjahr war zum Beispiel eine Kroatin bei Edelstoff in Klagenfurt und die hat ihrer slowenischen Freundin davon erzählt, plötzlich hatten wir für den Frühjahrsmarkt in Wien zehn Bewerbungen aus Ljubljana und Umgebung. Irre! (lacht).

IS: So ist der Süden eben: IRRE! (lacht)
Sabine Hofstätter: Allerdings, deshalb überleg ich auch wieder zurück zu kommen… Den Wörthersee hab ich schon immer sehr vermisst.

am markt_3 (c)Walter Scheucher

IS: Guter Plan! Der Süden braucht dich! Was sind die nächsten Schritte der Edelstofflerinnen?
Sabine Hofstätter: Erstmal das Ding in Klagenfurt über die Bühne bringen. Immer alles Schritt für Schritt. Derzeit bin ich dabei 10.000 Flyer zu verteilen und hunderte Plakate aufzuhängen. Innovativ beim heurigen Markt ist sicher die neue Location im Klagenfurter Stadthaus. Da haben wir viel Platz und mehrere Räume, den großen Ausstellungssaal, den Trauungssaal und auch dieses süße kleine Gärtchen, wo ja auch eure IMSÜDEN.AT-After-Stoff-Party stattfinden wird…

IS: Ja, genau: „We put the STOFF in EDELSTOFF“ oder so…
Sabine Hofstätter: Siehst du, wieder ein Grund mehr, das ALLE kommen müssen!

pix: Johannes Wouk & Gregor Schweinester & Walter Scheucher


TINEFOTO_IMSÜDEN Launch-Party 2014-05-28_029_LOWRES
Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
Infos
Businessbeach
IMG_0120
Termine