Erfahrung erzählt
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Erfolg im Tourismus und wie aus 30 Millionen 300 werden könnten.

Karl Grossmann oder Charly, wie ihn alle nennen, hat im Tourismus nahezu alles gemacht, was Mann dort machen kann. Am Ende aus einer kleinen Privatpension eine Hotelgruppe mit drei feinen Betrieben. Jetzt mit 60 steigt er nochmals auf’s Gas und weiß auch aus Erfahrung, was sonst noch besser laufen kann.

Angefangen hat alles vor mehr als dreißig Jahren in Maria Wörth. Die Gemeinde war auf der Suche nach einem Tourismusmanager und der Charly hat, gerade mit dem Wirtschaftsstudium fertig, sofort zugegriffen. „Mut kann man nicht kaufen“, dachte er und schließlich hatten sie zu Hause vier Privatzimmer an Stammgäste vermietet, um die Zinsen für den Kredit zu bedienen. Das ist Erfahrung genug, und was soll im Großen schon anders sein?

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IMSÜDEN.AT: Kürzlich habe ich in einem Kärntner Industriebetrieb folgenden Spruch gelesen: „Alle sagten das geht nicht. Da kam einer der wusste das nicht und machte es.“
Charly Grossmann: Es ist schon gut, dass man vorher nie wirklich weiß, welche Schwierigkeiten auf einen lauern. Die Unbeschwertheit der Jugend und der Hunger danach etwas zu beweisen, sind jedenfalls gute Triebfedern für den Erfolg. Es gibt sowieso zu viele Meister im Ideen abstechen. Und im bürokratischen Prügelwerfen. Als junge Tourismusmanager haben ein paar von uns in Kärnten in den Neunzigern mit gezieltem Eventmanagement in gewisser Weise Neuland betreten. Die notorischen Neinsager hatten mangels Erfahrung keine Killerargumente und ließen uns gewähren.

IMSÜDEN.AT: Beispiel GTI Treffen.
Charly Grossmann: Als ich das GTI Treffen gestartet habe, hatten wir gerade einmal 57 Anmeldungen. Dann 1.000, im nächsten Jahr 2.000 und so weiter. Die Diskussionen über den umweltschädigenden Autokult sind dann richtig hochgegangen, so dass VW ausgestiegen ist. Das GTI Treffen fand trotzdem statt. Das Ergebnis ist bekannt. Wer sich heute noch über Lärm oder Spektakel aufregt, sollte lieber über die langfristigen Chancen nachdenken, die eine Bindung von jungen Menschen an unsere Region mit sich bringt. Und laut ist es in einer Hauptsaison allemal, mit oder ohne GTI.

IMSÜDEN: Da gab es aber noch mehr um den Wörthersee.
Charly Grossmann: In der Bucht von Maria Wörth veranstalteten wir, ohne millionenteure Seebühne, Musikfestivals, bei denen sich alle Größen des Austro Pop die Ehre gaben. In Velden organisierte Hans Falle Jazztage mit internationaler Besetzung. In Pörtschach Max Strafinger seine Zwillingstreffen und sein Vorgänger Manfred Neumayer sorgte mit der Ankündigung, dass das oben ohne Baden am Wörthersee straffrei sei für millionenfache Gratisberichterstattung. Wir haben also schon vor 25 Jahren sehr professionell gearbeitet und viel Erfahrung gesammelt.

IMSÜDEN: Dann war vorerst Schluss mit Tourismus.
Carly Grossmann: Das Angebot der Villacher Brauerei die Marketingleitung zu übernehmen war zu verlockend. Eine spannende Zeit. Das Glockner Pils führten wir in bis dato unbekannte Höhen, die Frauen erhielten erstmals in Österreich ihr Pfiffglas und tausende Kärntner reimten seitenweise bierige Sprüche. Aber als ich meine Frau Andrea kennenlernte, zog es mich wieder zurück in den Tourismus. Zuerst 10 Jahre eine gemeinsame Tourismusberatung mit Max Strafinger, dann folgten mehrere Jahre als Bereichsleiter in der Kärnten Werbung. Zwischendurch gab es einen kurzen Ausflug in die Politik, den ich mir hätte ersparen können. Obwohl: Wenn man die Denkweise in der Politik verstehen lernt, kann das auch ein Vorteil sein.

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IMSÜDEN.AT: Deine Frau Andrea war so was wie eine Fügung.
Charly Grossmann: Das war mein Glück, weil sich sehr schnell ihre außerordentlichen Qualitäten herausstellten. Sie ist ein Multitalent an Kreativität und besitzt unglaubliches Energiepotenzial. Da mussten wir fast zwangsläufig selbstständig aktiv werden. Zuerst Ausbau der kleinen Privatpension zu einem Familienhotel, dann ein Apartmenthaus und schlussendlich das Hotel Balance. Alle in Rufweite voneinander entfernt. Heute bewirtschaften wir 200 Gästebetten und erreichen schon eine Auslastung von 140 Vollbelegungstagen. Keine Kleinigkeit in einer Region mit durchschnittlich nur 6 Wochen Sommer-Hochsaison.

IMSÜDEN.AT: Und jetzt mit 60 Jahren noch einmal voll aufs Gas.
Charly Grossmann: Wir wollen den Ganzjahrestourismus und streben schon heuer 180 Vollbelegungstage an. Das gelingt aber nur, wenn die entsprechenden Qualitätsstandards geboten werden. Deshalb auch die aufwendige Ausweitung und Neuplanung der Wellness– und Begegnungszonen. Das war allerdings Action pur, ein unglaubliches Wettrennen gegen die Zeit und ich bin mehr als froh, dass noch vor dem Schneefall alles fertig war. Nicht nur wir als Familie, sondern alle unsere Mitarbeiter haben außerordentliches geleistet. Ich bin sehr stolz auf alle. Zum Gas geben ist es für mich nie zu spät, und 60 ist bekanntlich das neue 50. Das ist doch kein Alter. Außerdem haben wir mit unserem Sohn Philipp einen interessierten Nachfolger. Er verdient sich seine Sporen gerade in einem Züricher Top Hotel.

IMSÜDEN.AT: Schon wieder ein Glück, denn so viele potenzielle Nachfolger wollen gar nicht nachfolgen. Warum?
Charly Grossmann: Viele wurden als Junge schon intensiv zur Mitarbeit angehalten und haben die Freude verloren. Manche wurden zu lange von der Mitsprache ausgeschlossen. Andere haben gesehen wie schwer es ist, mehr als nur den Unterhalt zu verdienen. Wer nicht genug Eigenkapital besitzt, dem gelingt es kaum Investitionskapital aufzutreiben. Von der Förderbürokratie will ich gar nicht reden. Die Jugend kann auch rechnen und wenn es sich nicht rechnet, wozu dann übernehmen. Dann lieber ein Amt oder eine sichere Stelle, ohne die täglichen Überlebenssorgen. Aber es ist sehr schade und schadet der touristischen Wertschöpfung mehr als wir glauben.

IMSÜDEN.AT: Was sind denn die Hindernisse und Probleme bei der Finanzierung: Und was vor allem die Lösung?
Charly Grossmann: Das Hauptproblem ist die meist zu geringe Eigenkapitaldecke. Viele aus der Vorgängergeneration haben wohl gedacht, dass es immer so weiter gehen würde wie in den goldenen 80igern: Im Sommer das verdienen, was man im Winter ausgibt. So lässt sich kein Eigenkapital aufbauen. Dann kamen Basel II und III, und damit waren auch den regionalen Banken, die oft unbürokratisch finanziert haben, die Hände gebunden. Wir selbst hatten eine Eigenkapitalquote von 40 %, damit lässt es sich vernünftig kalkulierbar investieren. Um einen entsprechenden Cash Flow zu erwirtschaften und Rücklagen zu bilden, braucht man halt mindestens 130 Vollbelegungstage. Eine fürchterliche Eigenkapital – und damit Investitionsbremse – sind auch die hohen Steuerbelastungen auf die Lohnkosten. Wir müssen die Zimmer 20 Tage im Monat vermieten, um die Lohnkosten abzudecken. In Asien braucht man dafür nur 4 Tage. Dazu kommt noch der nahezu undurchdringbare Förderdschungel. Und obendrauf als Sahnehäubchen die langwierigen und komplizierten, allzu oft vom „Ermessen“ eines Beamten abhängigen, Genehmigungsverfahren. Ach ja, die laufenden Vorschriften und kleinen Willkürlichkeiten bei den Kontrollen nicht zu vergessen.

IMSÜDEN.AT: Das waren jetzt viele Probleme, was aber kann der Betrieb selbst beeinflussen?
Charly Grossmann: Hier finden sich viele Verbesserungsmöglichkeiten, die noch nicht zwingend große Investitionen erfordern. Große Schwächen erlebe ich im Marketing. Viele Hoteliers sind brillante Baumeister, versagen aber bei der Vermarktung total. Zum einen investierten Euro kommen mindestens 10 % an Vermarktungskosten. Meistens mehr. Wer das nicht einkalkuliert, hat es schon schwer. Auch die Adressenverwaltung und Bearbeitung wird oft grauslich vernachlässigt. Die Homepage gleicht einem verlassenen Bahnhof, und mit den Sozialen Netzwerken kennen sich sowieso nur die wenigsten aus. Da wird viel Potential nicht genutzt. Und schließlich darf der Verkauf nicht nur delegiert werden. Ein Beispiel: Wir haben 10 Golfclubs in der Umgebung, aber auf der wichtigsten Golfmesse in Deutschland waren meine Frau und ich die einzigen Hoteliers am Stand. Wer kann konkrete Verhandlungen führen und Zusagen machen, wenn nicht der Hotelier selbst.

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IMSÜDEN.AT: Auf Landesebene entstehen immer wieder neue Strukturen und Leitbilder, sind hier Auswirkungen spürbar?
Charly Grossmann: Leider wird es mit jeder neuen Struktur komplizierter. Wir können aber nur mit flachen Hierarchien und klare Aufgabenverteilung am Markt erfolgreich sein. Derzeit fließt das meiste Geld in die Regionen. Die konkurrenzieren sich am Markt gegenseitig. Das ist international gesehen so, als ob wir unsere drei Häuser im Wettbewerb zueinander auftreten lassen. Der Kärnten Werbung bleibt zu wenig, um am Markt richtig wahrgenommen zu werden. Wenn wir den Regionen die Aufgabe der Orts– und Angebotsentwicklung zuteilen, die sie gemeinsam mit den örtlichen Vereinen wahrnehmen, dann ersparen wir uns hier bis zu 30 Millionen.

IMSÜDEN.AT: Was soll dann mit den 30 Millionen passieren?
Charly Grossmann: Ganz einfach – die Kärnten Werbung erhält 15 Millionen und kann die Märkte wirksamer bewerben. Die restlichen 15 Millionen fließen in unkomplizierte Betriebliche Förderungsmaßnahmen. Die Betriebe werden mit 10 % der Investitionssumme gefördert, die dem Eigenkapital gleichgestellt werden. Damit würden viele den Schwellenwert für die Basel III Richtlinien überschreiten. Das kann, wenn es funktioniert, wohl ein Investitionsvolumen von 300 Millionen auslösen. Und das ist wiederum reinstes Schmieröl für den wirtschaftlichen Antriebsmotor.

IMSÜDEN.AT: Klagenfurt hat endlich einen Tourismusverein. Ist dieser jetzt im Wörtherseeverband willkommen?
Charly Grossmann: Wenn es klar ist, dass jeder so viel mitzureden hat wie er einzahlt, ist Klagenfurt herzlich willkommen.

BALANCE**** Superior –
Das 4 Elemente SPA & GOLF Hotel am Wörthersee
Familie Andrea und Karl Grossmann
Winklerner Straße 68
9210 Pörtschach
Tel: +434272 2479
Fax: +434272 2479-90
www.balancehotel.at
office@balancehotel.at

(Pix von Gerhard Smuck, Martin Assam und BalanceHotel)


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Gerhard Smuck
GERHARD F. SMUCK ist Absolvent der „Universität des Lebens“. Vorher: Schulabbrecher, Lehrling und Fachmann im Grafischen Gewerbe. UNO Soldat. Dann ..
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