BESSER IMSÜDEN.AT
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Es geht um Leidenschaft, aber es muss auch einen Markt geben.

Der Holländer Tiemen van Dillen ist mit Leib und Seele Taucher und Erfinder. Also hat er beides in seinem Kärntner StartUp SnorkelDiveInnovations verbunden und das weltweit erste Familientauchsystem entwickelt: STEPDive.

Für unsere Serie BESSER IMSÜDEN.AT powered by Mazda Austria, sind wir immer wieder auf der Suche nach Leuten, die etwas besser machen, eine Herausforderung annehmen und die Welt so ein Stück weiterbringen. Ein solcher Typ ist Tiemen van Dillen. Der Holländer, mit Ausbildung in den USA, Frau aus Deutschland und viel Taucherfahrung in Italien, hat in Kärnten ein Ding erfunden, das es möglich macht, gemeinsam mit seinen Kindern zu tauchen. Sowas wie Stützräder für unter Wasser… Aber lassen wir ihn das mal lieber selbst erklären.

IMSÜDEN.AT: Hallo Tiemen, was verschlägt dich in den Süden?
Tiemen van Dillen: Das hat sich so ergeben. Ich bin sicher jemand, der auch im Job viel Leidenschaft und Aufregung braucht. Und ich war eigentlich schon immer viel unterwegs. Schon als Kind bin ich mit meinen Eltern innerhalb Hollands viel herumgereist. Dann sind wir in die USA emigriert, dort hat mein Vater eine Firma gegründet und ich bin dort zur Schule gegangen und hab studiert. Dann war ich bei Bauknecht und Whirlpool auch sehr international unterwegs. Drei Jahre in Stuttgart, dann sieben Jahre in Italien und jetzt, sozusagen als Schnittpunkt: Kärnten.

IMSÜDEN.AT: Wie ist es dazu gekommen?
Tiemen van Dillen: Meine Frau ist aus Deutschland und nachdem wir sieben Jahre in Italien gewohnt haben, wollten wir wieder wohin, wo die deutsche Sprache vorherrscht.

IMSÜDEN.AT: Wie seid ihr dann auf Kärnten gekommen (lacht)?
Tiemen van Dillen: (lacht) Ja, warum eigentlich? Nein, im Ernst – wir wollten nicht zu weit weg von den Bergen und dem Mittelmeer, und da habe ich zufällig eine Stelle bei Philipps in Klagenfurt gefunden. Es war also ein Glücksfall. Näher zum Mittelmeer kommst du mit der deutschen Sprache eigentlich nicht. Und es ist ja auch wahnsinnig schön hier. Unsere Jungs sind jetzt fünf, acht und elf und eigentlich ist das Umfeld perfekt für die Familie.

IMSÜDEN.AT: Auch zum Gründen?
Tiemen van Dillen: Ja, das Gründen habe ich hier sehr positiv erlebt! Hier in Kärnten gibt es eine kleine, aber feine StartUp-Community, die sehr hilfsbereit ist. Alle die ich getroffen habe, haben mir viele Tipps gegeben. Zum Beispiel war Alexander Mann für mich ein echter Türöffner, der mich schnell unter die Leute gebracht hat. Das hat mir sehr geholfen.

IMSÜDEN.AT: Cool. Aber was hat dir von deiner Ausbildung her geholfen? Was hast du eigentlich studiert?
Tiemen van Dillen: Ich hab an der University of Michigan drei unterschiedliche Diplome gemacht: Elektrotechnik, Mechanik und Flugzeugbau. Ich habe eine Leidenschaft für Technik und Problemlösung, schon seit frühester Jugend. Deshalb habe ich auch drei Diplome, aus drei verschiedenen Bereichen, zusammengeführt.

IMSÜDEN.AT: Wow, also der geboren Erfinder?
Tiemen van Dillen: Ja, zum Teil. Ich hatte schon zu meiner Zeit bei Whirlpool viele Ideen im Kopf, und viele bis zum Patent entwickelt. Aber das alleine reicht nicht für eine Innovation! Ich habe dann Erfahrung als Innovation Manager gesammelt, habe Beurteilungen und Strategien zur „Businessfähigkeit“ von Ideen für das Leadershipteam gemacht, und dabei sehr viel gelernt.

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IMSÜDEN.AT: Was würdest du dann anderen „Erfindern“ raten?
Tiemen van Dillen: Ich kann nur von mir sprechen. Es geht sicher darum mit Leidenschaft bei der Sache zu sein, aber es muss auch einen Markt geben – einen Markt, auf dem ich meine Position, auch durch Patente, absichern kann. Am besten einen Markt, in den ich hineinwachsen kann, der skalierbar ist.

IMSÜDEN.AT: Erklär uns das bitte genauer. Wie wächst man in den Markt?
Tiemen van Dillen: Naja, es gibt zum Beispiel einen Markt für Kaffeemaschinen. Aber um dort innovativ zu sein braucht man sehr viel Kapital. Man muss nämlich die Produktionskosten von Anfang an niedrig halten können, das geht nur mit den entsprechenden Kapazitäten, und das wiederum braucht viel Kapital. Das bedeute am Ende ist es teuer, in einen bestehenden Markt einzusteigen bzw. dort innovativ zu sein. Besser ist es, mit einem Markt mitzuwachsen…

IMSÜDEN.AT: Wie zum Beispiel?
Tiemen van Dillen: Wie zum Beispiel mein Vater, der in den USA eine Firma gegründet hat die sich mit Autos für körperlich Beeinträchtige beschäftigt hat. Ein Nischenmarkt, im Grund ein Luxusprodukt, aber man kann als Firma mit diesem Markt gut mitwachsen.

IMSÜDEN.AT: Wir wollten jetzt eigentlich auf dein Produkt hinaus…
Tiemen van Dillen: Ach stimmt ja, deshalb sitzen wir ja hier (lacht). Mit meinem Produkt ist es auch so – es ist nicht billig, aber es ist auch kein Massenprodukt. Ich kann langsam mitwachsen, mit einem kleinen Team, Schritt für Schritt. Das ist wichtig für ein StartUp. Man muss sich die Zeit und Ressourcen freihalten, um schwierige Zeiten zu überbrücken und mehrere Ideen zu überlegen und auszuprobieren. Die StartUps, die heute aussehen, als hätten sie das absolut richtige Produkt zum richtigen Zeitpunkt erfunden, haben oft in Wahrheit sehr viel rumprobiert, bevor sie richtig lagen.

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IMSÜDEN.AT: Was ist die Grundidee von SnorkelDiveInnovations?
Tiemen van Dillen: Das ist die Firma, das Produkt heißt STEPDive und ist das erste Familientauchsystem der Welt. Die Idee kommt eigentlich vom Schifahren. Mir hat in Österreich gleich gut gefallen, dass hier schon Vierjährige mit dem Schifahren beginnen können, weil sie Schritt für Schritt herangeführt werden an den Sport und Spaß daran haben zwischen den Schritten. Erst gehen Sie auf die blaue, dann auf die rote und mit neun sind sie dann schon auf der schwarzen Piste, und sie sind erfahren genug das auch zu schaffen. Das gleiche machen wir mit STEPDive. Wir haben mit unserem Oberflächenluftsystem eine technische Lösung dafür, das Tauchen in einfacheren und sichereren Schritten zu lernen.

IMSÜDEN.AT: Und das Teil wird sich verkaufen?
Tiemen van Dillen: Naja, der Markt ist insofern gegeben, dass es einige Millionen Taucher, alleine in Europa, gibt und das Familientauchen zwar ein Nischenmarkt ist, aber kein so kleiner. Ich habe mich viel mit anderen Tauchern unterhalten, war auf einer großen Tauchmesse in Düsseldorf usw. Das Problem des Familientauchens ist ja ein viel diskutiertes.

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IMSÜDEN.AT: Was ist da genau das Problem?
Tiemen van Dillen: Der Flaschentauchsport ist ein relativ komplexes Verfahren und die Tauchindustrie hat da für die Kinder einfach noch keine befriedigende Lösung. Das Mindestalter für einen Flaschentauchkurs liegt mittlerweile bei 10 Jahren, aber ich, und vielen andere, sehen es als sehr riskant unter 12 oder 14 Jahren. Gleichzeitig ist Tauchen aber auch ein sehr leidenschaftlicher Sport, den die Eltern mit ihren Kindern teilen wollen. Am liebsten schon mit 6 bis 10-jährigen. Das versteh ich natürlich, denn ich möchte es auch gerne mit meine Kinderen teilen.

IMSÜDEN.AT: Klingt nicht gerade als wäre der Meeresgrund der ideale Ort für Kids…
Tiemen van Dillen: Stimmt – zumindest für’s Flaschentauchen. Flaschentauchen ist sehr schwierig für Anfänger. Es ist schwierig ohne Erfahrung eine Tiefe von nur 1 bis 2 Meter einzuhalten. Entweder man steigt aus Versehen wieder zur Oberfläche, oder man geht aus Versehen tiefer. Deswegen wird oft in Pools geübt, die nur 1 bis 2 Meter tief sind! Beim Flaschentauchen im Meer ist es einfacher, gleich 5 bis 10 Meter tief zu gehen, aber dafür muss man alle Techniken beherrschen und einen kompletten Tauchkurs machen. Und selbst dann ist es, meiner Meinung nach, und das sehen auch viele andere Taucher so, immer noch zu tief für Kinder.

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IMSÜDEN.AT: Und das Problem löst StepDive?
Tiemen van Dillen: Genau. Mit STEPDive kann man über den Luftschlauch die Tauchtiefe sehr einfach, genau und sicher einstellen. Erst auf 0 Meter, dann auf 1 oder 2 Meter, und so weiter, bis maximal 5 Meter. So kann man eine normale Tauchkurs in drei bis vier Minikurse aufteilen, und bei jedem Schritt die Techniken für den nächsten Schritt, durch sehr viel Übung, richtig erlernen. Statt wenigen Tagen, Wochen oder höchstens ein paar Monaten für einen Flaschentauchkurs, kann man sich mit STEPDive locker mehrere Jahre Zeit nehmen. Wie mehrjährige Skikurse und das Üben mit der Familie auf der blauen oder rote Piste zwischendurch.

IMSÜDEN.AT: Ok, wir verstehen. Übung macht den Meister sozusagen…
Tiemen van Dillen: Ja, genau; und mehr! STEPDive vermittelt gleichzeitig die Leidenschaft und den Spaß am Tauchen, denn ich kann ja schon ab dem erste Schritt richtig Unterwasser schwimmen und schweben mit den Fischen und Tieren. Ein ganz anderer Eindruck, als ein Schnuppertauchgang mit Flaschen im Pool. Dazu gibt es die gemeinschaftliche Freude am Tauchen für die ganze Familie. Der tauchzertifizierte Vater oder die Mutter können am gleiche System bis auf 5 Meter Tiefe mittauchen.. Da hat man einen riesen Spaß zusammen.

IMSÜDEN.AT: Na dann wünschen wir dir viel Erfolg damit und gutes Tauchen!

PIX: Johannes Wouk, SnorkelDiveInnovations
ILLUS:  Tim Jost


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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