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Flying TEnt
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“Man muss das Große wollen”

100% finanziert bei Kickstarter in weniger als 24 Stunden. 150.000 € Investment bei 2 Min 2 Mio. Irgendwas scheinen die Jungs und Mädels von der STARTRAVELLER GmbH, der Gesellschaft hinter dem Flying Tent, hier hart richtig zu machen.

Flying Tent ist eine Hängematte, die gleichzeitig auch Zelt und Regenponcho ist. Und irgendwie auch als Sitzkissen dienen kann. Was die sieben aus St. Veit und Klagenfurt da entwickelt haben und nun auf den Markt bringen wollen, scheint ein echter Allrounder zu sein. Also bin ich in’s schöne St. Veit gefahren um herauszufinden, was sonst noch an tollkühnen Plänen in den Köpfen von Joachim „Jim“ Leitgeb, Eva Rieseman und Co. steckt.

IMSÜDEN.AT: Fangen wir mal von vorne an: Was ist ein Flying Tent?
Jim: Das Flying Tent ist eine Hängematte mit Überdachung und Moskitoschutz, die aber nicht nur zwischen den Bäumen aufgespannt werden kann, sondern auch am Boden stehen kann. Und es ist auch ein Regenponcho. Wir nennen es ein multifunktionales Outdoor-Tool.2016_04_06_flying tent biwakzelt_(c)Eias Jerusalem

IMSÜDEN.AT: Ein multifunktionales Outdoor-Tool. Wohl wahr. Wie kommt man auf die Idee, eine Hängematte zu entwickeln, die auch Regenponcho ist? Was habt ihr vermisst?
Jim: Ja, die Geschichte hab ich jetzt schon oft erzählt: Ich war in Kuala Lumpur. Ich bin in der Hängematte abgehangen und dann hat es zu regnen angefangen. Und weil das manchmal so schnell geht, hatte ich nix zur Hand und habe eine weitere Hängematte über mich geschmissen. Das hat gut als Regenschutz funktioniert und so ist die Idee entstanden. Jetzt bräuchte es nur noch einen Schlitz, hab ich mir gedacht und dann hätte ich schon einen Regenponcho. Aus der Idee ist dann das Flying Tent geworden. Ein Hängematten-Regenponcho: Ich fand das ganz lustig.
Ich habe dann der Eva davon erzählt, die die Idee auch super und interessant gefunden hat. Wir haben weiter überlegt, was es noch braucht: Ein Moskitoschutz wäre noch super, weil die Mücken können ja wirklich nervig sein. Das Ur-Produkt hieß Starfox und war eine Kombination von Regenponcho, Hängematte und Rucksack. Die Überlegung war: Ich fahre an den See, kann mein Buch einpacken, und wenn’s am See zum Regnen anfängt, kann ich mit dem Regenponcho heimradln. Passiert ja ständig (lacht).

IMSÜDEN.AT: Also mir passiert das leider wirklich sehr oft. Danke, dass sich endlich jemand darum kümmert. Wie habt ihr anschließend euer Team zusammengestellt?
Jim: Die Eva war von Anfang an dabei. Dann habe ich den David kennengelernt und in’s Boot geholt. Er ist unser Crowdfunding Experte. Nachdem David, Kevin und Markus überzeugt waren, haben wir zu Arbeiten angefangen. In der Produktentwicklung war das wirklich klasse. Jeder hat verschiedene Vorschläge und Verbesserungen – die haben wir weitergedacht und weitergedacht, bis es das geworden ist, was es jetzt ist.

2016_04_06-flying tent-Verpackung (c) flying tent

IMSÜDEN.AT: Ihr habt bei 2 Min 2 Mio ein Investment von 150.000 € bekommen. Wir durften alle Zeugen sein beim, übrigens sehr amüsanten, Public Viewing im Park Haus. Wie kam’s zur Bewerbung?
Eva: Unser lieber David hat uns da beworben und uns damit überrascht. Wir hatten eine Woche Zeit uns vorzubereiten, sind aber gleich eingeladen worden zu den Vorausscheidungen. Da haben wir überzeugt und dann ist es eh ratzfatz gegangen. Im Oktober haben dann die Aufnahmen stattgefunden. Wir sind ein bisschen überrumpelt worden, aber im Nachhinein natürlich total glücklich darüber, dass der David sich da durchgesetzt hat.

IMSÜDEN.AT: Seid ihr zufrieden über die Entscheidung und die Zusammenarbeit mit euren Investoren?
Jim: Ich muss ja gestehen: Ich bin kein Fan von Casting Shows. Ich hab mich immer lustig gemacht über solche Shows, und jetzt war ich selbst in einer.
Wir haben Glück gehabt, es hat wunderbar gepasst. Wir wurden nicht zerrissen. Und jetzt bin ich natürlich total froh darüber, dass wir hingegangen sind. Das ist eine riesen Geschichte für uns.
Eva: Ja, die Öffentlichkeit, die uns das bringt ist das eine, aber natürlich hätten wir uns ohne Investoren niemals in der Geschwindigkeit so weiterentwickelt, wie’s jetzt möglich war. Wir sind sehr froh, da mitgemacht zu haben.

2016_04_09-flying tent_Millstättersee(c) flying tent

IMSÜDEN.AT: Wenn du nicht gerade Vollzeit Startuper bist, Jim, hast du eine Designagentur für Messebau. Hat dir dieser Background bei der Produktentwicklung geholfen?
Jim: Ja, aber es war trotzdem die Herausforderung: Textile Materialien reagieren natürlich ganz anders als feste Konstruktionen. Da mussten wir viel ausprobieren und herumtüfteln. Von der Idee bis zum Prototypen, wie er jetzt ausschaut, hat es zweieinhalb Jahre gedauert. Man glaubt es kaum.

IMSÜDEN.AT: Und jetzt seid ihr die perfekten Schneider.
Eva: Naja, nur der Jim. Wir sind dafür gut im Feedback geben. Wir sind jetzt die perfekten Nörgler.

IMSÜDEN.AT: Zurück zum Produkt. Das Flying Tent ist ja nicht nur eine Hängematte, sondern kann auch am Boden aufgestellt werden.
Jim: Genau, der Aufbau ist patentiert: Die Längszugkräfte und die Schnittform des Zeltes sorgen dafür, dass das Zelt mit nur zwei Heringen stabil steht.
Und der große Vorteil bei unserem Modell ist, dass die Bögen, die dann für die Form des Zeltes sorgen, beim zusammenklappen einen kleinen Durchmesser ergeben. Du kannst es gut zusammenpacken.

2016_04_06-Regenponcho (c)Elias Jerusalem

IMSÜDEN.AT: Und wie transportiere ich das Flying Tent. Muss ich’s immer als Regenponcho anziehen?
Eva: Es gibt eine Tasche, in der ist alles verstaut. Die einzelnen Teile sind aber extra, zum Beispiel der Regenponcho. Außerdem liefern wir Schnüre, Karabiner, Heringe und alles, was du zum Aufbau brauchst, mit. Es war für uns wichtig, dass das ein Paket ist, wo alles drin ist und du nicht noch Befestigungsmaterial o.Ä. kaufen musst. Damit ist man für jede Situation ausgerüstet. Das hat uns angetrieben.

IMSÜDEN.AT: Erzählt mir ein bisschen über die Materialien: Auf was habt ihr geachtet, wo waren die Schwierigkeiten?
Jim: Erst mal: Die Materialauswahl ist, wie der Prototyp, noch nicht final. Wir arbeiten aktuell mit beschichtetem Ripstop-Nylon. Wir schauen noch nach dem besten Lieferanten. Die Materialien sind jetzt alle Öko-zertifiziert, d.h. umweltverträglich.
Eva: Am Anfang war es uns sehr wichtig, alles fair und grün zu produzieren. Am liebsten in Österreich. Aber wir sind realistisch geblieben. Es war nicht möglich alle unsere Ziele zu 100 % durchzuziehen und trotzdem bei einem bezahlbaren Preis zu produzieren. Das ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit.

2016_04_06_flying tent fischer_(c)Eias Jerusalem

IMSÜDEN.AT: Erschwert euch eurer Idealismus die Materialsuche?
Jim: Naja, es ist einer von viele Faktoren. Leichter wird’s sicher auch nicht damit.

IMSÜDEN.AT: Apropos Idealismus: Warum habt ihr euch dafür entschieden, dieses Projekt umzusetzen, warum startuppen? Ihr hättet ja auch bei euren alten Jobs bleiben können?
Eva: Hm.
Jim: Tja.
(Schweigen)
Jim: Ja, das frage ich mich auch manchmal. (Lacht)
Eva: Also für mich ist das definitiv die Selbstverwirklichung, nach der jeder doch ein bisschen strebt. Das ist ein Produkt, das es in dem Ausmaß und in der Art noch nicht auf dem Markt gibt. Das ist cool, leicht, schlau und ich konnte mir vorstellen, dass das zu mir passt – das ich da meine Energie reinstecken will. So ist der Traum dann immer größer geworden. Die Vision ein Produkt und eine Marke aufzubauen, das fand ich spannend.

IMSÜDEN.AT: Muss man Abenteurer sein für das Wagnis Startup?
Eva: Natürlich. Man muss das Große wollen. Mutig sein, das eint uns sicher im Team. Sonst wären wir jetzt nicht da.

2016_04_09-flying tent Biwakzelt (c) Elias Jerusalem

IMSÜDEN.AT: Und, wie is es im Süden zu gründen? Warum seid ihr in Kärnten geblieben?
Eva: Es war für uns gar keine Frage aus Kärnten wegzugehen. Definitiv nicht. Wir wollen auch dazu beitragen, dass Kärnten ein Wirtschaftsstandort wird, wo junge Leute nicht mehr wegwandern. Startups bringen die Kärntner Wirtschaft voran. Auch hier gibt es kreative Leute, das sollte nicht untergehen.

IMSÜDEN.AT: Wie soll’s nun für euch und das Flying Tent weitergehen?
Jim: Unser Ziel ist es, mit Startraveller eine Outdoor-Marke zu etablieren und Folgeprodukte zu produzieren. Mein Ding ist die Produktentwicklung – wenn ich da den Fokus drauf legen kann und voll weiterarbeiten kann – das wär’s.
Eva: Wir haben jetzt die großen Investoren im Rücken und da wird der Businessplan natürlich nach oben hin korrigiert. Jetzt gibt es höhere Ziele. Unser ganzes Team steht da dahinter. Wir wollen mit unserem Produkt gut in den Markt reinkommen um dann mit weiteren Produkten nachzukommen.

IMSÜDEN.AT: Mich habt ihr schon überzeugt. Ich wünsche euch viel Erfolg.

(PIX: Elias Jerusalem)


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Lucia Schöpfer
  Lucia Schöpfer | Mag ihre bayerische Heimat und dass Kärnten der so ähnlich ist | IMSÜDEN immer da, wo’s was ..