LERNEN IMSÜDEN.AT
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Von Alina Hainig, Fotos: vom Autor

Grumpy am NUKE

Mit 17 will man in den allerletzten Sommerferien seiner Schullaufbahn eigentlich nur für recht wenig Geld recht viel erleben, recht viel Mist bauen und recht wenig dafür bestraft werden. So habe ich mich natürlich extrem darüber gefreut, dass zwei der  Karten fürs NUKEfestival, die von IMSÜDEN.AT verlost wurden, tatsächlich an meine Cousine gerieten. Noch mehr habe ich mich gefreut, als sie mich (öffentlich auf Facebook) fragte, ob ich sie denn begleiten würde. Meine Antwort ist wohl offensichtlich.

Ich machte mich also Freitagnachmittag auf den Weg nach Graz, checkte in der WG meiner Cousine ein, bezog die Couch und fieberte einem spannenden Wochenende entgegen. Dann bekamen wir Hunger, beschlossen eines der zahlreichen Bausatzlokale aufzusuchen und DANN begann das Fiasko!!! Aus unerklärlichen Gründen fand ich mich an einem Tisch voller Junglehrer_innen und Biochemiker_innen, was ein echt fragwürdiger Mix ist, wieder. Womit zur Hölle hab ich das denn verdient bitte? Die Gespräche wiesen eine Bandbreite von „Wie geht’s denn den Gewebezellen, die du gezüchtet hast“ bis „Von den Schülern in meiner Klass is ana hässlicher/doofer als der ondre!“ auf. Ich hatte also die Wahl mir entweder Geschichten über Hautkrankheiten reinzuziehen, was beim Essen nicht gerade angenehm ist, oder aber daran erinnert zu werden, was mich in zwei Wochen, wenn die Ferien aus sind, wieder erwartet, was sowieso niemals angenehm ist.

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Aus meiner Verzweiflung heraus tat ich etwas, was ich vielleicht besser nicht hätte tun sollen: Ich kam auf das Angebot meiner Cousine, ins Kino zu gehen, zurück. Zumindest ließen wir die freudigen Tischgespräche hinter uns, auch wenn wir dann in einem Film landeten, der den Namen „I Surrived a Zombie Holocaust“ trug. Die Dialoge waren gut durchdacht: „Aber hast du ihm nicht die Gabel in den Hinterkopf gerammt?“ „Ja… deshalb ist er jetzt ja ein Schlaganfall-Zombie!“ (Was ist das für kranker Shit?) Zombies mag ich noch weniger als Hautkrankheiten.

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Am nächsten Tag machten wir uns dann auf zur Stadthalle, wo das NUKE von Statten ging. Dort ereignete sich gleich folgender Wortaustausch: „Yo, ich stehe auf der Gästeliste!!“ „Alles klar, darf ich mal in deinen Rucksack schaun?“ „Sicher!“ „Was ist denn das da?“ „Ääääähm… äh.. ähm… ein Selfie-Stick…“

Den blöden Stecken nahmen uns die vom Sicherheitsscheck ab, wir bekamen aber ein Kärtchen, mit dem wir ihn nach dem Festival wieder abholen konnten. Meiner Cousine genügte das offensichtlich aber nicht, sie wollte sich den Selfie-Stick zurückklauen. Sie scheiterte. Ich wollte heim. Ich musste da bleiben. Bitte ein Bier!

Wir schauten uns um und traten näher an die Bühne und somit auch an den über Frieden, Liebe und Freiheit rappenden Typen darauf. Bitte ein Bier!!!!!! Dann fanden wir Liegestühle und Seifenblasen. Seifenblasen sind cool.

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Die Zeit verging, wir gammelten glückselig im Schatten des mühsam eroberten Sonnenschirms vor uns hin und ließen uns von der Musik beregnen. Und irgendwann dann geschah das Unvermeidbare: Ich musste pinkeln. Auf Festivals gibt es üblicherweise nur Dixi-Klos. Dixi-Klos sind schrecklich. Leute denken, die ganze Klokabine sei das Klo. Ihr könnt nicht einfach alles voll pinkeln! Bäh, grausig!! Mono und Nikitaman bewegten mich schließlich dazu, meinen Liegestuhl zu verlassen. Ich entschied mich dann aber doch gegen die schwitzende und tobende Menge und für den Toilettengang. Erst als die Boys von Bilderbuch die Bühne betraten, zerrte mich die Hand meiner Cousine in die Masse. Wir schwitzten und tanzten, wie es alle taten, bis der Köperkontakt mit den ganzen fremden Menschen nicht mehr auszuhalten war und Bilderbuch von CRO abgelöst wurde. Zeit für ein Nickerchen in unserem guten alten Freund, dem blauen Liegestuhl (mittlerweile war nicht mehr nur der Liegestuhl blau…).

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Nach CRO begaben wir uns mit Vorfreude auf Parov Stelar wieder ins Gedränge. Und dann passierte etwas, was alle Erwartungen sprengte, für Gänsehaut am ganzen Körper sorgte und zu Nachdenklichkeit in dem Gedränge führte. Die gesamten Künstler_innen des Festivals sammelten sich auf der Bühne. Auf den Videowalls erschien das Gesicht von Charlie Caplin und seine Schlussrede in „The Great Dictator“, darüber war der Schriftzug „Refugees Welcome“ zu lesen und die gesamte Partymeute schwieg. Ja, es wäre bei einem solch sensiblen Thema vielleicht besser einen gesamten Artikel nur über die Schweigeminute am NUKEfestival zu verfassen und mehrere Aspekte der Situation zu zeigen. Die paar Zeilen, die ich hier verliere, sind vermutlich zu schwach und zu wenige. Die Schweigeminute fand ich im Großen und Ganzen trotzdem angebracht. Und es war schwer von einem so nachdenklichen Moment wieder in Festivalstimmung zu kommen. The Parov Stelar Band meisterte den Übergang aber nicht schlecht. Es haben sich wohl alle etwas in Sängerin Cleo Panther verliebt, behaupte ich jetzt mal…

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Nach Parov Stelar kam Seeed und ich hielt bis zum Ende durch in der Crowd. Peter Fox teilte zum Schluss dem Publikum noch mit, dass er seinen Auftritt geiler fand als die Schweigeminute (wtf?) und meine Cousine und ich traten die Heimreise an.

Ein kleines Problem stellte sich uns dann doch noch in Weg: Unser gesamtes Geld, unsere Bim-Tickets, unsere Handys und der Wohnungsschlüssel befanden sich in der Tasche von einer Freundin meiner Cousine, die wir schon vor Stunden in der Menge verloren hatten…

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Dafür hatten wir den Selfie-Stick wieder. Selfie-Sticks kommen auch mit auf die Liste, auf der schon Hautkrankheiten, Zomies und Dixi-Klos stehen.

Naja… eine Stunde Fußmarsch und eine viertel Stunde Sturmklingeln später waren wir dann in der Wohnung.

Goodbye NUKE. Wenn ich nochmal eine Karte geschenkt krieg, geh ich nochmal hin!

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Alina Hainig
Alina Hainig | im Süden geboren, aufgewachsen und (fast) ausgewachsen | hat das BG Tanzenberg besucht | hat ein Praktikum bei IMSÜDEN.AT gemacht ..
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