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Von Alina Hainig, Fotos: Alina Hainig

Grumpy goes Matura

Vor etwas mehr als zwei Wochen wurde es nun wieder kühl genug, um sich in der Schule den Arsch abzufrieren. Die Ferien haben mich im Stich gelassen. Der Schlaf-Wach-Rhythmus nimmt schön langsam wieder geregelte Zeiten ein, und dieses süße Gefühl von „ich habe absolut keine Pflichten“ war schon verflogen, als ich zum vierten Mal „neue standardisierte, zentralisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung“ gehört habe (und das war Montag vor zwei Wochen, erste Stunde). Die nächste Person, die mich fragt, ob ich meine VWA (für alle Nicht-Schüler_innen: Vorwissenschaftliche Arbeit; dritter, letzter und zeitaufwendigster Teil der neuen, standardisierten, zentralisierten, kompetenzorientierten Reifeprüfung) schon fertig geschrieben hätte, will wohl ein High-Five ins Gesicht…

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Die Schule hat mich dieses Jahr eh noch nicht oft gesehen, weil ich mit meiner Klasse am Anfang des Schuljahres auf Abschlussfahrt (?!) in Rom war. Es lässt sich hier ein Schema erkennen, nach dem Schulreisen so aufgebaut sind: In möglichst wenig Zeit sollen möglichst viele, wenn’s geht langweilige, Standard-Tourismusziele erkundet werden. Meistens wenig informativ, dafür aber anstrengend as hell, weil man ja vom langweiligen Tourismusobjekt A zum langweiligen Tourismusobjekt B zu Fuß eine Stunde durch Rom gejagt wird. Wenn es Pausen bzw. Freizeit gab, dann fernab von jeglicher Zivilisation, dafür bei 30 Grad in der prallen Sonne.

Ja, meine Erlebnisse in Rom waren sehr absurd und deshalb irgendwie genial. Um 23:00 war Bettruhe. Um 23:15 habe ich meinen Nintendo DS gepackt und mich in ein fremdes Zimmer geschlichen, um dort mit 7 weiteren Leuten Mario Kart zu zocken. Immer wenn es an der Tür klopfte, riefen alle „Psssssssssst, schalt auf Pause, versteckt euch im Bad/im Schrank/unterm Bett!!!!“. Und das wurde dann gemacht. Dann stand irgendwann die Lehrerin im Zimmer und alle kicherten lautlos in ihren Verstecken. Bis sich eine Person nicht mehr beherrschen konnte, und die ganze Aktion aufflog. War aber halb so schlimm, denn im anderen Zimmer wurde gekotzt, geraucht und Bier getrunken. „Wir kriegen unser Leben trotzdem in den Griff“, sagen dann immer alle…

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Und dann entstehen hitzige Diskussionen über das Leben und die Zukunft und irgendwann ist man selbst in der Situation, in der man gefragt wird: „Was willst du eigentlich nach der Schule machen, Alina?“. Eine klassische High-Five-ins-Gesicht-Situation ist das. Ich könnte sagen „Ich werde Jus studieren und Menschenrechtsaktivistin“ (das wäre aber gelogen). Ich könnte aber auch sagen „Ich werde lernen müssen, wie man Verträge unterschreibt, welche Verträge es überhaupt gibt, wie ich nicht ausgenützt werde. Ich werde mir einen Nebenjob suchen müssen, bei dem ich genug verdiene, um mir mein Leben selbständig finanzieren zu können, oder ich werde die IMSÜDEN.AT Chefs dazu bringen, dass sie mich endlich mal wieder bezahlen… Wenn ich so weit bin, werde ich lernen müssen, wie man ein Konto eröffnet, bei dem man mehr als 50 € wöchentlich abheben kann, welche verschiedenen Konten es gibt, wie ich nicht ausgenützt werde. Ich werde herausfinden müssen, welches Amt wofür zuständig ist, wo ich mir für was Unterstützung suchen kann, und…. und…. und…“.

Bisher habe ich es immer mehr oder weniger erfolgreich geschafft, mich vor all dem zu drücken. Die Pforten von Bankgebäuden durschreite ich nur, weil die Zuckis, die sie dort im Empfang verschenken, nach Gletschereis schmecken… Und eingeschüchtert von den Blicken, gegen meine Dreistigkeit und der dort ständig vorherrschenden Förmlichkeit, den Anzugmenschen und dem Gefühl, als Jugendliche in der Welt der Finanzen sowieso nicht wertgeschätzt zu werden, versuche ich dann immer, so schnell wie möglich wieder zu fliehen. Gut, dass mir noch ganze neun Monate bleiben, bis ich die Matura (hoffentlich) habe. Andere kriegen in der Zeit ein Kind, da werde ich doch wohl „mein Leben in den Griff kriegen“…. (hoffentlich)

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Alina Hainig
Alina Hainig | im Süden geboren, aufgewachsen und (fast) ausgewachsen | hat das BG Tanzenberg besucht | hat ein Praktikum bei IMSÜDEN.AT gemacht ..
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