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Von Alina Hainig, Fotos: vom Autor

Grumpy ist reif

Hört, hört, liebe Leute! Schwarz auf weiß steht nun geschrieben: Ich bin reif. Der schon leicht zerknitterte Zettel im Kunstledereinband, der so tut als wäre er was Besonderes und sich wichtigtuerisch „Reifeprüfungszeugnis“ (vorzugsweise auch „Matura“) nennt, ist ein für alle Mal mein Eigentum. Würde ich noch letzte Worte an die Schule verlieren, wären diese schlicht und vielsagend: Schule, du kannst mich mal!

Der Ort, an den ich bisher den Großteil meiner Lebenszeit verschwendet habe, gehört jetzt der düsteren Vergangenheit an. In den Jahren, die ich im Klassenraum abgesessen habe, habe ich auch so einiges zu hassen gelernt. Natürlich war nicht immer alles blöd, aber über die coolen Dinge zu reden/schreiben, macht mir einfach keinen Spaß, deshalb hier ein kleiner Überblick über all den Schwachsinn, den ich über mich ergehen lassen musste und mir lieber erspart hätte:

Lehrpersonen, die mich zum Weinen brachten
Dass Leute in der Schule weinen, passiert ja öfters und es ist noch nicht so lange her, dass einer mit einem zehnminütigen Monolog, in dem er mich nutzlos und dumm nannte, dazu brachte eine komplette Stunde am Klo zu heulen.
Nach einer Prüfung, für die ich nicht einen Strich gelernt hatte und die in logischer Folge dessen negativ war, durfte ich mir von einem Lehrer Folgendes anhören: „Weißt du, Alina, es gibt Menschen, die haben mehr Talent und dann gibt es Menschen, die haben kein Talent. Es gibt Menschen, die haben viele Fähigkeiten und dann gibt es welche, die haben nur ganz wenige. Manche Menschen sind intelligent und andere halt nicht……“, ja und es gibt Menschen, die haben Minderwertigkeitskomplexe und glauben diese zu beseitigen, indem sie andere Menschen beleidigen. „…aber ich bin mir sicher, du hast ein großes Herz.“ Oh ja, mein Herz ist wirklich überdurchschnittlich groß. Außerdem dunkelschwarz, bezahnt und es frisst die Seelen fieser Lehrpersonen, nur damit Sie`s wissen.

 

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Turnunterricht
Existiert eigentlich etwas, das noch sinnloser ist, als der Turnunterricht? Kann mir jemand erklären, was ich davon habe, wenn ich zweimal die Woche für zehn Minuten im Kreis gejagt werde und mich danach einer halbstündigen Bauch-Beine-Po-Step-Aerobic-Yoga-Pilates-Tortur unterziehe? Nichts nämlich, absolut gar nichts, außer Wadenkrämpfe. Die Jungs dürfen wenigstens Fußball spielen. Aber auf die Idee, dass man die Gruppen für den Turnunterricht lieber nach Interessen statt nach Geschlechter teilt, ist wohl noch niemand gekommen. Außerdem könnte man den Turnunterricht mit Inhalt füllen und vertiefend etwas über das Funktionieren und Aktivieren des Körpers lernen und zum Beispiel beigebracht bekommen, wie man diese besagten Wadenkrämpfe vermeidet. Ist nur ein Vorschlag.

Leute, die „Aula“ und „Laufsteg“ nicht unterscheiden können
Dazu muss ich sagen, ich hasse nicht prinzipiell die Leute, die sich gerne für die Schule herausputzen. Ich hasse nur die Sorte von ihnen, die andere verurteilen, weil sie sich nicht herausputzen. Tschuldige, dass ich die zwanzig Minuten, in denen ihr euch morgens Gedanken über euer Outfit macht und/oder euch schminkt, meistens lieber in Schlafen investiere. Warum ich mir dann von euch anhören muss „Boah Alina schaust du heute fertig aus. Hahaha, alter!!!“, habe ich noch nicht so ganz verstanden.

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Das Verharmlosen von vergangenen Stressphasen
Diese Situationen bekam ich vor allem während der Maturazeit stark zu spüren. Während ich wenige Tage vor einer Prüfung oder Präsentation vermehrt mit Nervenzusammenbrüchen – seien es meine eigenen oder die von anderen – konfrontiert war, bekam ich unmittelbar nach dieser Prüfung oder Präsentation immer öfter Phrasen wie „War eh gar nicht schlimm!“ , „Is eh voll locker gegangen!“ oder „War eigentlich super chilled…“ zu hören.
Was mich daran so nervt, ist, dass die Erinnerung an den Stress und Druck, den man vor einer Prüfung oder Präsi erleben musste, durch die Erleichterung danach verloren geht. Und wenn mir jemand sagt „War eh gar nicht schlimm…“ dann ist das einfach die größte Lüge. Ich weiß genau, dass es schlimm war, also tu doch nicht so!

Unsinnige Regeln
Huch, dieser Punkt ist so umfangreich, dass ich gar nicht erst weiß, wo ich mit konkreten Beispielen dafür anfangen soll. Aber zum Beispiel steht in der Hausordnung sowas geschrieben wie, dass die Rangniedrigsten (nämlich die Schüler_innen) alle, die in der Nahrungskette über ihnen stehen (vor allem Lehrpersonen, aber auch alle anderen Leute, die sich so durch eine Schule bewegen), zu grüßen haben. Ok, stellen wir uns das mal vor: Am Tag laufe ich zirka fünfzig Mal an einer Lehrperson vorbei. Diese wiederrum begegnet täglich, sagen wir mal, 400 Schüler_innen. Das bedeutet 400 Mal „Guten Tag“ für jede Lehrperson und wenn diese dann auch noch 400 Mal zurückgrüßen, na dann aber Pfiat di! Den Chor aus „Guten Tag“s würden man vermutlich auch noch in einem Kilometer Umkreis entfernt von der Schule wahrnehmen können und gut wäre dann wohl niemandes Tag mehr.

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Der Konkurrenzkampf
Wenn ich einen Test zurückbekomme und – noch bevor ich mir selbst das Ergebnis angesehen haben – sofort gefragt werde „Und? Und was hast?“, dann würde ich am liebsten antworten „Einen Grant auf dich, weil du nervst!!!“. Gute Noten und Erfolg haben wollen, ist ok. Bessere Noten und mehr Erfolg als andere haben wollen, ist nicht ok.

Die Doppelmoral im Verhältnis zwischen Schüler_innen und Lehrpersonen
Wenn eine Lehrperson in den Klassenraum schreitet, müssen dreißig Schüler_innen aufstehen, damit ihr ja der Respekt zu Füßen gelegt wird, der ihr gebührt. Das allstündliche Erheben würde für mich Sinn machen, wenn es einen klaren Start der Unterrichtsstunde signalisieren würde, tut es aber in den meisten Fällen nicht.
Ich als Schülerin muss die Hand heben und darum bitten aufs Klo gehen zu dürfen, wenn ich muss. Was soll das? Der Unterricht wird doch viel weniger gestört, wenn ich einfach aufstehe, rausgehe und wiederkomme, ohne ein Wort zu sagen, oder? Und wann hat mich schon mal eine Lehrperson gefragt, ob sie aufs Klo darf, hä? Noch nie!
All dies fällt eigentlich ja auch unter „unsinnige Regeln“, die diese Doppelmoral nur noch bestärken.

Der ganze Rest
Schule ist einfach blöd. Nicht immer und nicht immer alles, aber im Großen und Ganzen ist Schule echt blöd.
Aber das Gute an der Schule ist, dass sie irgendwann endet und dass ich nun diesem verstaubten Gebäude mit den dicken Wänden endgültig meine Mittelfinger entgegenstrecken kann.
Tschüss Schule, danke, das war´s.

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Alina Hainig
Alina Hainig | im Süden geboren, aufgewachsen und (fast) ausgewachsen | hat das BG Tanzenberg besucht | hat ein Praktikum bei IMSÜDEN.AT gemacht ..
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