Interview
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„Du MUSST das Paradies eben leben…“

Fotograf Martin Steinthaler ist eigentlich Architekt, ehemaliger Profi-Segler und passionierter Pfeifenbauer, aber vor allem ist er jemand, der den Süden in vollen Zügen auskostet. Wir haben mit ihm ein (bis zwei) Bier getrunken und ihn zum Fotobloggen überredet. Es hat etwas länger gedauert, aber dafür erfahrt ihr wie man Architektur und Fotografie verbindet, was ein Hawai-Tag ist und was ein REPHIL so tut!

Betritt man das Studio von Fotograf Martin Steinthaler von der grauen Straße aus, steht man plötzlich im bunten Großraumbüro Schrägstrich (/) Fotostudio mit lauter Plumen an der Decke. Inmitten von, vorherrschend grünen, Designermöbeln, ein Heer von Mac‘s aller Generationen und Fotoequipment vom Feinsten. Gute Laune und Inspiration sind hier vorprogrammiert. „Hallo Wouke und REPHIL, wollt‘s a Bier?“ begrüßt uns der „Tine“, wie er in der Branche und wohl auch Zuhause gerufen wird, und wir sagen natürlich ja, schließlich wollen wir ja immer positiv bleiben IMSÜDEN.AT.
Die riesigen Blitzschirme sind gerade außer Betrieb und wirken eher als wollte jemand mit ihnen „nach Hause telefonieren“ als etwas fotografieren. Das erste Bier ist da und der „Tine“ hängt schon wieder vor einem der vielen Bildschirme und zeigt sich mitreißend begeistert vom letzten Shooting mit den Clowns und Königinnen aus der Branchen-Nachbarschaft. „Schau dir das an. Wahnsinn oder? Gib dir das G´sicht.“ Während er auf dem Bildschirm die Bilder durchblättert schneidet er gekonnt ein paar Ausdrucke am Schnittbrett zurecht und lacht sich krumm. Man spürt die Begeisterung sofort, die dieser Mann für seinen Beruf hat. Er steht völlig hinter dem, was er tut und weiß immer genau, was er machen will. So plattitüd das auch klingen mag, aber Martin Steinthaler lebt das Paradies, dass Kärnten für ihn ist und liebt seinen Job so unanständig, dass man als Beobachter fast rot werden mag. Aber dazu kommen wir ja gar nicht, denn schon geht‘s los mit „Interview, IMSÜDEN.AT und so…“

IMSÜDEN.AT: So Tine, was treibt dich wieder zurück in den Süden, du warst ja schon fast ausgewandert, oder?
Martin Steinthaler: Ja. Nach ungefähr 16 jähriger Absenz von Kärnten bin ich zurück gekommen. Ich war sehr lang in Graz Architektur studieren, immerhin 14 Semester (lacht). Dann war ich ein Jahr in New York, bin aber bald wieder zurück nach Graz, wo ich dann mit zwei Partnern das Architekturbüro X-Ray gegründet und als Architekt gearbeitet habe.

IS: Du bist also eigentlich Architekt?
MS: Ja, aber das mit der Fotografie ist eigentlich immer mitgeschwommen. Hauptsächlich eben in der Produkt- und Architekturfotografie, ganz selten in den anderen Sparten in denen ich heute arbeite.

IS: Die Fotografie war eigentlich nur ein Hobby?
MS: Naja, eher ein alte Liebe. Mein ältester Bruder Kurt hat mich als Sechs-, Siebenjährigen immer mitgenommen in sein Schwarz-Weiß-Labor. Das hat ja ganz einen speziellen Geruch, das Bearbeiten von Fotos. Das ist bei mir hängen geblieben. Außerdem war es für ein Kind natürlich extrem faszinierend zuzuschauen wie so ein Bild vor den Augen entsteht. Man sieht wie das Bild zum Leben erwacht.

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IS: Wie kamst du dann von der Architektur zur alten Liebe?
MS: Nach meiner Sportkarriere, während dem Studium hab ich wieder zu Fotografieren begonnen. Auch für andere Architekten, zum Beispiel für: Domenig, Eisenköck usw.. So hab ich mir was nebenher verdient. Dann hab ich während der X-Ray-Zeit natürlich auch viel fotografiert, zwischen 2003 und 2004 wurde das immer mehr und schließlich hatte ich Kunden wie die Kärnten Werbung, die mit Architektur nicht mehr viel zu tun hatten. Dann bin ich auch immer mehr in die Werbe- und Produktfotografie abgedriftet. Plötzlich sind Werber auf mich aufmerksam geworden, Ilia Krammer war da einer der Ersten, und die haben mich da dann endgültig reingezogen (lacht).

IS: Was unterscheidet Architektur und Fotografie, was verbindet sie?
MS: Der kreative Prozess ist gar nicht so verschieden. Es geht bei beidem um ein gutes Zusammenspiel von Planung, Mitwirkenden, Ausführung und Nacharbeit. Die Nachbearbeitung gibt’s in der Architektur nicht unbedingt, aber alle anderen Teile gibts dort sehr wohl. Die Planung heißt in der Fotografie halt Konzeption oder wie wir im Süden sagen: „Denk nach bevor du was machst, und dann mach’s auch so!“ (lacht).

IS: Oh, nachdenken? Davor? Echt jetzt? Wie schaut das aus, wenn du mal nachdenkst bevor du was machst?
MS: Jaja, wird wohl Zeit für’s nächste Bier. Die Jungs aus dem Süden werden schon frech (lacht). He, REPHIL hol‘ uns noch mal was solang ich deinem Kollegen hier erklär‘ was Nachdenken ist (lacht). Im Ernst: Ich hab bei einem Fotoshooting natürlich schon vorher alles genau im Kopf, vom Licht, über die Models, das Outfit, die Maske bis hin zum Setting. Dann mach ich das Foto, geb‘ das Ganze ab und der Kunde bekommt genau das, auf was er mich vorher gebrieft hat.

IS: Und in der Architektur?
MS: In der Architektur dauert der Planungsprozess halt extrem lang, aber Themen wie Licht, Schatten, dreidimensionales Empfinden, die Gestaltung usw. gelten ja in der Grafik, in der Fotografie, in der bildenden Kunst und natürlich auch in der Architektur. Daher hab ich von der Architektur viel für die Fotografie mitnehmen können.

IS: Danke, REPHIL und prost, Tine!
MS: Prost!

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IS: Wir hoffen jetzt aber mal, dass du für ein Foto nicht so lang brauchst wie für ein Haus.
MS: Tja, zum Glück nicht, und das ist sicher einer der Hauptgründe warum ich jetzt in der Fotografie stecke und nicht mehr in der Architektur. Die Ausführung, das Miteinander mit den ausführenden Firmen, den Bauherrn und den Behörden ist viel zu langwierig geworden in der Architektur, und außerdem geprägt von juristischen Spitzfindigkeiten. Das kann nicht nur existenzbedrohend sein, sondern hemmt auch die Kreativität. Da bin ich in der Fotografie viel freier!

IS: Du bist aber doch eher sowas wie ein bildnerischer Fotograf. Plastische Gestalten, gut ausgeleuchtet in spektakuläre Raumfluchten oder gar vor endlos scharfen Landschaften, so sehen die „Tinefotos“ doch aus oder nicht?
MS: Ja, sicher. Mein Stil ist sicherlich von der Architektur geprägt. In der Architektur ist ja das Streben nach Perfektion, nach dem perfekten Winkel, der perfekten Proportion viel stärker ausgeprägt. In der Fotografie ist das tragende Element eher die Emotion. Diese beiden Dinge versuche ich zu verbinden wo es geht.

IS: Was fasziniert dich an deinem Beruf?
MS: So blöd das jetzt klingt, aber die richtig coolen Jobs sind immer die, die einem viel Freiraum lassen. Manchmal sind das befreundete Familien, die deshalb zu mir kommen, weil sie bei fünf anderen Fotografen immer die gleichen Familienfotos bekommen haben. Wenn ich mit denen dann was entwickeln kann, oft nur eine Kleinigkeit, dann kann das sehr spannend werden.

IS: Wie gehst du vor, wenn du mit deinen „Objekten“ was entwickelst?
MS: Da frag ich dann gern wie die Machtverhältnisse in der Familie so ausschaun (lacht), oder zum Beispiel welche Hobbys die Leute verbinden. Vielleicht ist Papa Bergsteiger, die Tochter aber lieber Mountainbiken. Die Leute bereiten sich dann oft selber vor, kaufen Kostüme und kommen mit eigenen Idee. Dann stellen wir zum Beispiel eine Extrem-Szene nach, eine Filmszene oder eine Familien-Hierachrchie. Da sitzt dann die Mutter als Königin am Thron umringt von ihren Rittern, oder es ist eine Szene aus Cliffhanger, wo Papa alle am seidenen Faden hält und so weiter. Das – nicht etwas sondern – ganz andere Foto eben (lacht).

Hair Award (EVI) MAN 2013-05-21
Hair Award (KUSS&KUSS) Avantgarde 2013-04-28
Hair Award (KUSS&KUSS) MAN 2013-04-28
Hair Award (KUSS&KUSS) WOMAN 2013-05-06

IS: Klingt als hätten bei dir alle immer Spaß im Studio.
MS: Ja, denn das ist mir auch wichtig. Natürlich ist man nicht immer gut drauf, aber wenn man seine Arbeit liebt dann kann einem der Spaß an ihr ja nur schwer vergehen. Am Ende hilft aber der ganze Spaß auch nix, wenn die Qualität nicht stimmt. Die Qualität muss immer stimmen.

IS: Gutes Stichwort, was würdest du einem jungen Fotografen im Süden raten, wenn er zu so einer Marke werden will, wie du es in der Branche bereits geworden bist?
MS: Gib denen von IMSÜDEN.AT kein Interview (lacht). Nein, ich glaub der Standort wird zunehmend irrelevant je mehr du an deiner Qualität arbeitest. Zum Beispiel sagen mir Auftraggeber aus Monaco und Nizza, es ist völlig egal, ob sie den Fotografen jetzt aus München, Wien oder Klagenfurt einfliegen lassen, Hauptsache du bist dort vor Ort unkompliziert, schnell und qualitativ hochwertig, lieferst was die Auftraggeber wollen. Wenn du das erfüllst bist du in der Sportevent-fotografie zum Beispiel vorn dabei und es ist völlig egal woher du kommst.

IS: Also gute Chancen für Fotografen im Süden?
MS: Ich geb zu, der Start kann im Süden vielleicht härter sein, aber das Umfeld ist es nicht. Klar kannst du in Wien, wenn du Glück hast, total explodieren und extrem groß werden. Der Prozentsatz derjenigen, die in Wien groß werden sind, ist aber ziemlich klein. Du hast auch viel mehr Ausgaben, längere Wege und du hast viele Nachahmer, die am Anfang in deinem Niveau mitschwimmen. In Kärnten ist das alles übersichtlicher. Wenn du es in Kärnten schaffst, etwas aus der Masse rauszukommen, stehen dir die Türen auch in anderen Märkten wesentlich leichter offen.

IS: Naja, und auch die Fotomotive hier sind nicht so schlecht, oder?
MS: Ja, auf jeden Fall. Ich arbeite sehr gerne hier, weil ich den Beruf auch sehr gut mit dem Lebensgefühl verbinden kann. Ein Fotograf, der Landschaftsaufnahmen macht lebt selten in der Großstadt. Ich hab das in New York probiert und bin regelrecht verhungert ohne die Berge. Ich mein, hier im Süden kann ich, wenn‘s einen wirklichen Hawaii-Tag gibt, und den gibt‘s im Frühjahr hin und wieder, am Vormittag aufs Goldeck eine Schitour gehen und Fotos für die Kärnten Werbung machen. Um 13 oder 14 Uhr bin ich wieder frisch geduscht im Studio und hab am Nachmittag noch das ein oder andere Produktshooting oder eine neue Modelinie oder sowas. Du musst das Paradies eben leben um es zu fotografieren (lacht).

im Ruderboot am Wörthersee 2013-09-04
Lakeside 2013-08-12
Nationalpark Hohe Tauern 2013-07
Nationalpark Hohe Tauern 2013-08-07

IS: Und lieben, denn bei dir wirkt es immer so, als wärst du ein klein wenig  verliebt in deine Projekte.
MS: Nicht ein klein wenig, sonder meistens voll und ganz! Das ist mir auch extrem wichtig. Es wird nicht bei jedem Shooting so sein, aber wenn es so ist, dann kann ich mit allen meinen Ideen voll dahinter stehen. Dann kann man auch die positive und negative Kritik besser aufnehmen.

IS: Was ist derzeit deine große Liebe?
MS: 
Natürlich geht’s dabei um Frauen (lacht). Zur Zeit mach ich ein Projekt gegen Gewalt an Frauen, ausgelöst von der Diskussion und Berichterstattung über Vergewaltigungen in Indien. Das wollen wir im Mai oder Juni in einem kleinen Magazin veröffentlichen. Ich zeige da Frauen in fast schon abstoßenden Posen, ein wenig Helnwein, würd‘ ich sagen. Es sind Kärntner Teilprominente, die sich dafür engagieren. Zum Beispiel eine Dame im Nachthemd mit Blindenschleife unter der Blut herausrinnt… stoppt das Wegschauen. das Berührt mich derzeit sehr. 

IS: Können wir sowas dann auch auf deinem Fotoblog erwarten?
MS: Ja, sicher. Ich will auf IMSÜDEN.AT meine eigenen Projekte herzeigen, die lässigen Projekte anderer und vielleicht mit euch zusammen, die ein oder andere Idee umsetzen. Ich hab da sowas mit Korruption und Verbrechen im Süden im Kopf, da könnten wir einfach Mafiafilmszenen nachstellen mit Kärntner…

IS: Stopp Tine, das mit der Mafia besprechen wir unter Ausschluss der Öffentlichkeit beim nächsten Bier (lacht).
MS: Ok, REPHIL wallte bitte deines Amtes (lacht).

Pix: Johannes Wouk, Martin Steinthaler


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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