Interview
Noah & Sue 2012-04-26_018
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„Wenn du es hier SCHAFFST, hättest du es überall geschafft.“

suestarSusie Banfield-M.M. ist Kindermodendesignerin, Grafikerin und alleinerziehende Mutter eines zukünftigen Rockstars. Warum sie es sich nicht immer leicht gemacht hat, alle ihre Produkte gänzlich im Süden produzieren lässt und heute sogar Paul McCartneys Tochter zu ihren Kunden zählt hat sie uns in ihrem Laden erzählt und sich auch gleich zum Bloggen IMSÜDEN.AT gemeldet. Gute Frau!

Direkt an der „Bobo-Kreuzung“ Bahnhofstraße – Paradeisergasse, dem Rosenthalerplatz Klagenfurts, schräg gegenüber vom Cafè Como und neben dem kuschligen Schlafraum findet sich das Ankleidezimmer (aber dazu ein andermal mehr) und gleich davor hängen bunte Babystrampler auf einem Kleiderständer. „suestar – designed with passion“ hat jemand drauf geschrieben und dieser jemand steht auch schon daneben und lächelt sympathisch. „Hallo, hereinspaziert“ sagt Susie Banfield-M.M. und öffnet die Türe zu ihrem Schmuckkästchen.

IMSÜDEN.AT: Hallo Susie. Schön hast du es hier, aber wie kommst du eigentlich in den Süden?
Susie Banfild-M. M.: Warum bist du noch da, ist schon eher die richtige Frage. Ich wurde in Klagenfurt geboren, bin dann nach der Schule viel zwischen Klagenfurt und Wien gependelt, weil ich wollte, dass mein Sohn Noah im Süden aufwächst. Ich hab hier studiert und Noahs Papa hat damals in Wien Eishockey gespielt.

IS: Klingt anstrengend!
SB: Das klingt nicht nur so! Aber die Lebensqualität, vor allem auch mit Kind, ist hier einfach viel höher. Beruflich wär‘s wo anders sicher besser gewesen. Als Grafikerin ist es zwar eher egal wo du sitzt, ich mach‘ zum Beispiel derzeit auch das Corporate Design für eine Konferenz im Jüdischen Museum in Berlin und hatte auch schon ein paar internationale Aufträge, aber als Modedesignerin wären Mailand, Wien, Berlin oder die Schweiz sicher die bessere Wahl gewesen.

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IS: Du bist also einfach stur und in Kärnten geblieben? 
SB: Genau so ist es! Ich habe mir gesagt: wenn du es hier schaffst, dann hättest du es überall geschafft (lacht). Denn so schwer hat man es sonst sicher nirgends als Modedesignerin. Vom Publikum her und auch weil der Kreativsektor nicht übermäßig viel Beachtung findet. Es gibt ja auch keinerlei Förderungen im Modebereich. Als ich mein Label suestar vor drei Jahren angemeldet habe, haben die mich am Gewerbeamt gefragt: „Was genau wollen Sie machen? Mode? Für Kinder? Echt jetzt?“ Das war sehr motivierend! Hier ist man also wirklich ganz auf sich gestellt und da als alleinerziehende Mutter ein Kindermodelabel aufzubauen kann man wahrscheinlich richtig mutig nennen.

IS: Oder richtig dumm…
SB: Ja, oder das (lacht). Ich bin ja schon immer lieber den steinigen Weg gegangen, hab‘s mir nie einfach gemacht. Vor allem, weil ich es auch geschafft habe meine Sachen gänzlich im Süden zu produzieren. Es ist wirklich alles aus der Umgebung. Genäht wird in Laibach, gedruckt wird bei Thomas Petzner und verkauft unter anderem hier im Ankleidezimmer in Klagenfurt, „alles aus dem Süden“ sozusagen.

IS: Ist die regionale Produktion ein Vorteil?
SB: Erst war es schon schwierig die richtigen Firmen zu finden, ich bin ja sehr anspruchsvoll und suestar steht für Qualität, aber mit der Zeit und den richtigen Leuten wurde die Regionalität sicher zu einem Vorteil. Auch bei all‘ den Skandalen rund um Kindermoden und Spielzeug, diesen Giftstoffgeschichten aus China und so weiter. Da stellt es einem als Mutter natürlich die Haare auf. Grade gestern waren wieder zwei Kundinnen bei mir im Laden, die ganz begeistert davon waren, dass alles in der Umgebung produziert wird. Ja, heute ist die regionale Ausrichtung von suestar sicher ein Vorteil, aber es war ein harter Kampf!

IS: Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen gerade Kindermoden zu machen?
SB: Tja, das verdanke ich wohl der Patchworkfamilie, aus der ich stamme. Wir sind insgesamt sieben Kinder und mein jüngster Bruder ist gleich alt wie mein Sohn. Da ich seine Taufpatin bin, wollte ich ihm was ganz besonderes zum ersten Geburtstag schenken, hab aber nichts gefunden. Da hab ich kurzerhand selbst was gezeichnet und drucken lassen. Das „Flöckchen“ war das damals. Und dann ging‘s in der Familie los: „Was du kannst sowas?“, „Kannst du mir auch sowas machen?“, dann kamen die Freunde dazu und am Ende meines Publizistik Studiums hatte ich schon einen richtigen Kundenstock. Da hab ich‘s dann ganz einfach riskiert und heute läuft‘s ganz gut, sogar die Tochter von Paul McCartney trägt meine Sachen.

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IS: Aha, klingt ja, als hättest du es geschafft. Wahrscheinlich lehnst du dich nur noch zurück und lässt deine „Schüler“ machen, so wie Karl Lagerfeld oder dieser unsägliche Joop…
SB: Ja, genau und demnächst bin ich dann auch Jurorin bei so einer doofen Castingshow. Nein, natürlich nicht! Die Ex-Frau von Paul McCartney, Heather Mills kam nur durch Zufall auf mich, sie ist ja viel in Kärnten, da haben wir uns kennengelernt und sie kauft seither für ihre Tochter bei mir ein. Sonst ist mein Alltag aber weniger glamourös.

IS: Und wie sieht dann so ein typischer „Alltag“ aus?
SB: Den typischen Tag gibts natürlich nicht. Aber meistens versuch‘ ich meinen Sohn bis halb acht soweit herzurichten, dass man ihn außer Haus gehen lassen kann. Dann kümmere ich mich um meine „Grafikjobs“, hauptsächlich Corporate Design aber ab und zu auch Karten, Einladungen und solche Sachen für Familienangelegenheiten. Da hab ich eine kleine Nische gefunden, weil ich durch die Kindermode Zugang zu diesem Bereich habe. Der Übergang zu den „Modejobs“ ist dann meistens fließend. Ich hab ja auch das Problem, dass ich meine eigene Grafikerin bin und somit auch meine schlimmste Kundin (lacht). Kritischer ist höchstens noch mein Sohn. Ich recherchiere natürlich auch viel zu Modetrends, vor allem zu Materialien. Der Rest des Arbeitstages vergeht mit der Organisation und Planung von Kollektionen, Fotoshootings und Vertriebsarbeiten. Wenn der Arbeitspart dann erledigt ist, kommt der Mamapart. Noah und ich essen gemeinsam, machen Hausübung und dann arbeiten wir an seiner Musikkarriere, denn er spielt E-Gitarre.

IS: Du hast ja auch einen Webshop oder?
SB: Ja genau, auf www.suestar.at kann man meine Sachen auch online bestellen. Dann verpacke ich die Stücke extra fein und trage alles zur Post um es zu versenden. Sonntags zwischen vier und sechs bin ich Stammkunde auf der Post am Klagenfurter Hauptbahnhof, weil sonst komm ich meistens nicht dazu.

IS: Ach herrje, und jetzt willst du auch noch für IMSÜDEN.AT bloggen?
SB: Ja, weil ich mir schon oft gedacht habe, dass so etwas wie IMSÜDEN.AT hier fehlt. Außerdem will ich wieder mehr schreiben und auch aus dem Nähkästchen plaudern, das macht mir Spaß und das hier ist die ideale Gelegenheit.

IS: Und was wirst du schreiben?
SB: Ich schreib‘ über’s GROßWERDEN im Süden. Über das Leben und Arbeiten mit Kindern aus der Sicht einer berufstätigen Mutter in Kärnten. Ich will klare Standpunkte vertreten. Zum Beispiel das mit den Impfungen. Auf Facebook kursiert ja einiges an Propaganda von Impfgegnern, das find ich schon ziemlich arg. Ich denke einfach, es gehört mehr dazu, als das Impfen komplett zu boykottieren und impfende Eltern als Rabeneltern zu bezeichnen. Und außerdem…..

IS: HALT! STOPP! Nicht zuviel verraten. Wir lesen ja demnächst mehr von dir!
SB: Ok, ok, schon gut, dann freu ich mich einfach darauf für IMSÜDEN.AT zu schreiben.

IS: Daraus freuen wir uns auch!

Pix: Johannes Wouktinefoto


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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