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„Jetzt oder nie!“

Anne Hauptmann kommt ursprünglich aus Dresden, war längere Zeit in England, lebt seit acht Jahren in Kärnten und hat sich hier selbstständig gemacht. Mit dem RUHERAUM hat die sympathische Jungunternehmerin eine kleine Wohlfühl-Oase am Kreuzbergl geschaffen und bietet Kosmetik, Massagen, Maniküre und Pediküre, Haarentfernung uvm. an. Eine Osteopathin, ein Shiatsu-Therapeut  und eine Ärztin runden das Angebot der entspannten Gemeinschaftspraxis ab. Die Gründung verlief schnell und recht reibungslos, trotzdem bekam sie es kurzfristig mit der Angst zu tun. Heute ist aber alles wieder gut und Anne kann darüber lachen!

Hallo Anne! Warum hast du dich selbstständig gemacht?

Naja, meinen alten Arbeitsplatz gibt es einfach nicht mehr. Das Haus, in dem ich früher als Geschäftsführerin tätig war, wurde aufgelöst. Und dann musste ich ziemlich schnell eine Entscheidung treffen, ich habe praktisch innerhalb von vier Wochen gegründet. Da ich aber eben schon in der alten Firma die Geschäfte geführt habe, lag die Entscheidung für die Selbstständigkeit natürlich auf der Hand.

Sozusagen eine Express-Gründung in vier Wochen?

Ja, sehr express sogar. Innerhalb dieser vier Wochen hab ich nicht nur die ganze Planung hinter mich gebracht, sondern bin auch in die neue Praxis umgezogen. Das war ein ziemlicher Stress.

Was war bzw. ist deine Geschäftsidee?

Ich wollte natürlich kein einfaches Kosmetikstudio aufmachen, die gibt’s ja wie Sand am Meer. Die Idee war eigentlich eine kleine Beautyfarm, eine Art Day-Spa in dem der Schönheits- mit dem Gesundheitsaspekt harmoniert. Momentan ist es noch ein eher kleines Zentrum, aber wer weiß, vielleicht wird es ja demnächst größer…

Was bietest du konkret an?

Ich persönliche biete Kosmetik, Fußpflege und Massagen an. Meine Spezialität ist allerdings das sogenannte Threading, eine besonders schonende Art der Gesichtshaarentfernung mit einem speziellen Wollfaden, das ich von einem Inder in England erlernt habe, DER Beauty-Metropole. Daneben bietet meine Partnerin Tanja Bächler Osteopathie an und abgerundet wird unser Angebot mit einem Shiatsu-Therapeuten, sowie einer Ärztin.

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Wo hast du als erstes recherchiert bzw. dich umgehört bevor du gegründet hast?

Dadurch, dass es so schnell gehen musste, hatte ich natürlich nicht besonders viel Zeit groß zu Recherchieren. Ich war im Gründerprogramm des AMS und hatte einen sehr hilfreichen Berater beim BIT. Der hat mich, vor allem was Förderungen, aber auch Marketing angeht, sehr gut beraten. Das genaue Konzept für den RUHERAUM, ist aber nicht über Nacht, sondern während vieler schlafloser Nächte gewachsen. Nachdem es meinen alten Job so nicht mehr gab, und ich beruflich keinen Schritt zurück machen wollte, war die Entscheidung klar: Jetzt oder nie!

Wie hat dein erstes Grobkonzept für die Gründung ausgesehen,  Anne?

Sehr grob eben (lacht). Aber es war gut, gewisse Dinge genauer zu überdenken und durch meinen Berater vom BIT auch eine andere Sichtweise auf Manches zu bekommen.

Was ist davon heute noch übrig?

Naja, in dem ersten Konzept stand natürlich nur mal die grobe Richtung drin. Wie viel ich im Monat Umsatz machen muss um was zu verdienen usw.. Aber auch das Marketing war schon Teil des Konzepts, das setze ich allerdings erst jetzt Schritt für Schritt um. Der Standort, hier in der Radetzkystraße war aber zum Beispiel von vornherein klar. Mein alter Job und somit mein Kundenstamm waren ganz in der Nähe und das Umfeld ist hier auch einfach ideal: Die Privatklinik Maria Hilf ganz in der Nähe, die vielen Ärzte, Friseure und der Blumenladen nebenan, bieten eine tolle Infrastruktur und jede Menge Publikum. Außerdem vermitteln wir uns innerhalb der Praxis natürlich auch gegenseitig die Kunden, da sind wir uns nix neidig. So hat der Kunde alles, was er braucht an einem Ort. Wir haben also nicht nur eine gemeinsame Praxis, sondern sind eine echte Gemeinschaftspraxis.

Hast du Marktrecherche betrieben?

Naja, ich hab ja jahrelange, internationale Erfahrung in dieser Branche und weiß daher natürlich, dass der Markt im Grunde hier übersättigt ist. Daher auch das Konzept der Gemeinschaftspraxis und dem in Kärnten einzigartigen Threading.

Das ist also deine Besonderheit, die dich von den anderen abhebt?

Ja, sicher ein Teil davon. Das sogenannte Threading ist eine besonders hautschonende Art der Epilation für den Gesichtsbereich. Ich verwende dafür einen speziellen Wollfaden. Gelernt hab ich es von einem Inder in London, DER Beauty- Metropole, wo Threading die Haarentfernungsmethode Nummer eins ist. In Kärnten bin ich die Einzige, die das anbietet. Jedoch plane ich in Zukunft auch Kurse anzubieten.

Wie war dein Behördenmarathon bis zur Gründung?

Überhaupt kein Marathon, man kann ja alles über die Wirtschaftskammer machen, das ist super! Das würde ich auch jedem empfehlen. Was für mich aber auch sehr wichtig war, war mein Steuerberater, der mir die ganzen Finanzamtssachen abgenommen hat. Ich selbst musste dann nur noch einmal zur SVA und mich sozusagen anmelden.

Hast du Tipps oder Abkürzungen?

Ja, zum Beispiel kann man alle nötigen Dokumente für das Gründerprogramm des AMS auch online einfach hochladen und muss nicht immer durch die ganze Stadt fahren. Das war sehr hilfreich. Man sollte auch unbedingt bei der Namensfindung kräftig googeln, bei mir war zum Beispiel meine Wunschdomain schon weg. Und: Auf jeden Fall alle Freunde, Bekannte und sonstigen Kontakte nutzen und in die Pflicht nehmen, als Umzugshelfer, als Grafiker, für Installationsarbeiten und natürlich für Mundpropaganda.

Na, das ist ja einiges. Hattest du gröbere Probleme beim Gründen?

So richtige Probleme jetzt nicht, aber ich bin zum Beispiel vier bis fünf Mal auf den Ämtern rumgerannt bis mir klar wurde, dass das Firmenbuch nix mit dem Namensschutz zu tun hat (lacht). Das Gründen selbst war aber, wie gesagt, erstaunlich unkompliziert.

Nachdem alles erledigt und du endlich deine eigene Chefin warst, hast du dich doch sicher toll gefühlt oder?

Ehrlich gesagt: Ich hatte da große Angst! Bei mir ging ja alles sehr schnell, aber als ich dann den Mietvertrag unterschrieben hab, bekam ich richtige Existenzängste und hab mir erstmal den ganzen Stress und die schlaflosen Nächte von der Seele geheult. (lacht). Nach einer Stunde und einem Gläschen Wein war dann alles wieder gut und ich freute mich auf mein neues Leben! Zum Glück hatte ich auch meine Kollegin Tanja, die das Ganze auch schon mal „durchgemacht“ hat; sie war mir eine große Stütze. Im Nachhinein war’s aber wahrscheinlich eine ganz natürliche Reaktion, wenn man nicht ganz blauäugig in sowas hinein geht.

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Du hast also deine Eröffnungsparty sozusagen mit dir selbst gefeiert?

Sozusagen (lacht). Für eine echte „Eröffnung“ war keine Zeit, weil ich gleich los gearbeitet habe. Spätestens beim 10-jährigen Jubiläum gibt’s dann eine große Party.

Wenn du jetzt zurück blickst, was ist von deinen ursprünglichen Plänen noch übrig, was hast du umgesetzt?

Sagen wir so, mein Anfangsbudget habe ich etwas überschritten (lacht). Aber die Erstausstattung kostet halt. Sonst ist aber alles im grünen Bereich. Am Anfang ist man sehr euphorisch, will keinerlei Abstriche machen, mit der Zeit wird man jedoch realistischer und merkt, dass man nicht alles gleich und sofort braucht.

Was würdest du das nächste Mal anders machen? 

Ich würde mir sicher mehr Zeit nehmen, mich mehr über Förderungen informieren. Es war, wie gesagt, alles sehr stressig. Wenn man einmal am Arbeiten ist, bleibt dann auch vieles liegen. Vieles, was nur provisorisch gedacht war, wird dann schnell zum Dauerzustand, als Perfektionistin eine Herausforderung (lacht). Außerdem würde ich das nächste Mal einen klaren Strich unter meine berufliche Vergangenheit ziehen und alles schriftlich vereinbaren, bevor ich einen Neuanfang wage. Ohne die Hilfe meiner Familie, Freunde und Bekannten wäre auch nicht alles so schnell und unproblematisch über die Bühne gegangen.

http://www.ruheraum-klagenfurt.at

Weitere Gründerinterviews und alles rund ums Gründen im Süden: www.startup-stayup.at


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..