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Die 10 Magic Words der Jungunternehmer-Lingo

Die Jungunternehmer- bzw. Start-up Szene hat es endlich auch in unseren Breiten geschafft, auf sich aufmerksam zu machen und sich laut zu positionieren. Man kann beinahe von einem Trend sprechen, der sich im Süden etabliert hat, und einem progressiven obendrein. Dies bringt den Nebeneffekt mit sich, dass sich viele Leute damit beschäftigen. Wobei es wenige gibt, die Vieles wissen und viele, die leider nur wenig Relevantes wissen. So wird in fachlicher Konversation und Diskussion mit eigentlich ganz einfachen und geläufig erscheinenden Worten, zu meist anglistischen Ursprungs, herumgeworfen, die in der richtigen Verwendung zu mondänen Fachtermini mutieren und den Verwender unglaublich profund erscheinen lässt.

Auffallend ist, dass es sich hierbei um bestimmte Wörter handelt, zehn an der Zahl, mit denen sich dieser neue Jargon, die Lingo der Jungunternehmer begründet und durch deren Verwendung man sich im Nu den Imagemantel eines Jungunternehmers überwerfen kann.

Diese zehn neuen Fachtermini sind seit jeher bekannte Wörter, die noch immer mit sehr tiefer und kraftvoller Bedeutung ausgestattet sind, die oftmals vergessen oder missverstanden werden. In ganz speziellen Fällen (meine Lieblingssituationen) werden diese traditionellen Wörter kontextuell gar als Euphemismus verwendet.  Daher erscheint es notwendig, die ursprüngliche Bedeutung dieser Worte wieder in Erinnerung zu rufen.

Hier also eine Liste der 10 Magic Words:

Leidenschaft/Passion
Dieser Ausdruck ist ein integraler Bestandteil einer jeden Konversation im Bereich des Unternehmertums. Zu meist in Sätzen wie “wenn du nur deiner Leidenschaft folgst, kommt auch der Erfolg”. Was für ein Klischee!
Während ich absolut der Meinung bin, dass Leidenschaft neben Glück eine der Primärvoraussetzung für Erfolg ist, ist es leider kein Garant dafür.
Viele Unternehmer scheitern kläglich, obwohl an ihrer notwendigen Leidenschaft nicht gezweifelt werden kann. Während ausreichend Leidenschaft verfügbar ist, mangelt es oft an Geschäftsverstand, Geld, zahlungswilligen Kunden und vielem mehr.
Hier ein weiterer Gedanke: Leidenschaftliche Mitarbeiter sind großartig, aber nur kompetente sind wirklich hilfreich.

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Team
Die reine Präsentation seiner Mitarbeiter als Team, bedeutet noch lange nicht, dass diese auch als erfolgreiches Team agieren.
Für mich gehört der Terminus “Team” in den Sport. Im Sport gibt es viele misslungene Spielzüge, Fouls und Fehler und im Sport verliert ein Team durchschnittlich 50% aller Wettkämpfe.
Im Business geht es aber um makellose Exekution! Eine Erfolgsquote von 50% wird dem wohl kaum Genüge tun.

Unternehmenskultur / Corporate Culture
Die Idee von einem immer flexibler werdenden Arbeitsumfeld à la Google mit Tischtennistischen, Verkleidungstag zu Fasching, “Bring your kids (or dogs, or cats) to work day”, und der generellen Schwerpunktlegung auf Spaß am Arbeitsplatz bindet vielleicht das Personal, sagt aber nichts darüber aus, wie zum Beispiel Kunden behandelt werden.
Spaß am Arbeitsplatz ist sicher wichtig, sollte aber nicht der Kern einer Unternehmenskultur sein. Eine Unternehmenskultur sollte meiner Meinung nach primär profit- und kundenorientiert sein.  Es sollte klar sein, wie weit man für seine Kunden geht, wie Kunden behandelt werden, was vom Personal erwartet wird, wie sich Mitarbeiter untereinander behandeln und welche Ergebnisse erwartet werden.

Transparenz
Transparenz ist sicherlich in vielen Fällen wertvoll und konstruktiv. Es sollte beispielsweise wesentlich mehr Transparenz im Bereich der Politik geben. Kunden würden Transparenz ebenfalls begrüßen.
Es gibt aber Bereiche in denen Transparenz nichts zu suchen hat, dann zum Beispiel, wenn einem Mitarbeiter ein Gehaltsvorschuss gegeben wird. Meiner Meinung nach soll und kann nicht alles transparent sein.

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Herausforderungen / Challenges
In den meisten Fällen, wenn dieses Wort fällt, geht es ganz einfach um Probleme. Das Wort „PROBLEM“ klingt jedoch einfach zu negativ, also nennt man es „Herausforderung“ oder noch besser „Challenge“. Die beiden Ausdrücke haben aber eine grundlegend andere Bedeutung.
Produktivität in einem gut und effizient strukturierten Betrieb zu steigern, oder außergewöhnliche Mitarbeiter zu finden, ist eine Herausforderung. Keine Liquidität zu haben und/oder die Hälfte aller Mitarbeiter kündigen zu müssen, ist ein Problem.

Wachstumspotenzial
Wie oft wird über das Wachstumspotenzial einer Idee philosophiert? Mit der Verwendung dieses Wortes klingt man sofort wie ein Venture Capitalist! Was zum Teufel impliziert der Ausdruck „Wachstumspotenzial”?
Bedeutet es auf 2 oder 10.000 Kunden anzuwachsen, sich regional oder international zu betätigen, 10.000 Euro oder eine Milliarde zu verdienen. Dieser Terminus ist mit so viel Relativität ausgestattet, dass er eigentlich gänzlich an Bedeutung verliert. Wenn eine Idee wirklich Wachstumspotenzial hat, muss über das Wachstumspotenzial nicht gesprochen werden.

Finanzierung / Funding
“Ich bin auf der Suche nach einer Finanzierungsrunde”…ohhh klingt das sexy und professionell in den Ohren der Start-uppers, Business Angels, VCs, usw. Die wesentlichere Frage ist aber eine ganz andere: Hat man bisher bereits Erfolg mit dieser Idee gehabt bzw. gibt es realistische Erfolgsaussichten?
Die meisten erfolgreichen Unternehmen (mit Ausnahme von Technologie- und Pharmaunternehmen) wachsen durch den Einsatz von eigenem Geld oder der Unterstützung aus dem Kreis der Familie und Freunden (and Fools) oder Banken und das wird auch immer so bleiben.

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Verantwortlich / Verantwortungsvoll
Dieses Wort wird in der Jungunternehmer-Lingo oft mit dem wesentlich angsteinflößenderen Wort „HAFTUNG“ verwechselt. Eine grundlegende Differenzierung ist aber unbedingt notwendig.
Politiker sollten haftbar sein, Unternehmen sollten haftbar sein, Geschäftsführer sollten haftbar sein. Mitarbeiter hingegen sollten (im Normalfall) verantwortlich sein. Die Bedeutung ist eine grundlegend Verschiedene.
„Verantwortung“ impliziert die Möglichkeit ein Problem, das aufgrund von Fehltun entstanden ist, ohne (grobe) Konsequenzen lösen zu können. „Haftung“ bedeutet Verantwortung ohne diese Möglichkeit.
Hier ein Beispiel:
Würdest du einen Babysitter einstellen, der nicht verantwortungsvoll, aber im Zweifelsfall haftbar ist? Wohl kaum!

Motivation
Es gibt unzählige Methoden um Leute zu motivieren; Geld, Beförderungen, Titel, Boni, Partys, usw. Was aber wesentlicher ist, sind die ebenso unzähligen Wege Leute zu DEMOTIVIEREN, mangelnde Verantwortung, negativer Umgang, mit Leuten arbeiten zu müssen, die inkompetent, faul, beleidigend, usw. sind, keine klaren Anforderungen zu bekommen und Vieles mehr.
Es ist notwendig, alle Faktoren die zu Demotivation führen können, auszumerzen, bevor man sich um Motivationsmethoden Gedanken macht.

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Business Model
Dies ist mein erklärter Lieblingsterminus. Der Ausdruck “Business Model” hat Inhalt und kommuniziert eigentlich alles, worauf in der Businesswelt wert gelegt werden sollte. Die Phrase ist für mich mit einer ganz wesentlichen weiteren Floskel eng verknüpft: „PROFIT“!
Speziell im Start-up Bereich (dies inkludiert alle Gründer) wird dem Term “Wachstumspotenzial” fast unermessliche Bedeutung beigemessen. Dieser Ausdruck ist absolut aufgeblasen, während “Profit” eine gänzlich untergeordnete Bedeutung zukommt.
Während fast aller Konversationen, gespickt von den hier aufgelisteten “Fachausdrücken”, ruft die Frage nach Profit meist lange Gesichter hervor, doch nur darauf kommt es am Ende doch an. Ohne Profit kein Unternehmen!!!


Paul Tiefling
Paul Tiefling
Paul Tiefling: Managing Partner bei Treuhand Union | Co-founder & Partner bei MultiFunding LLC | VP of Innovation bei Advanta | Adjunct Professor bei Temple University | CMO bei BizEquity | The University of Hong Kong | Leopold-Franzens Universität Innsbruck Mehr: LinkedIn
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