Interview
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„Wir sind auf einem gutem Weg hin zu einem echten GRÜNDERLAND“

Harald Baier ist in der Kärntner Sparkasse zuständig für Unternehmensgründungen. Er weiß alles über Förderungen, Fortbildungen, Tipps und Tricks rund um das Thema Gründung, aber vor allem weiß Harald, was ein erfolgsversprechendes Gründungskonzept ausmacht.

Harald Baier hat keinen schlecht sitzenden, grauen Anzug vom Vögele auf die verantwortungsvoll gekrümmten Schultern gehängt und sieht auch sonst nicht so aus, wie man sich den klassischen, faden Banker eben vorstellt. Er hat aber auch kein übergeltes Haupthaar, eine fette Golduhr und die Gier in den Augen, wie Gordon Gekko. Noch ein Banker-Klischee das Harald nicht erfüllt. Der Mann ist sympathisch, wirkt ehrlich, entspannt und irgendwie funkelt da was in seinen Augen als wir uns im Foyer-Cafè der Kärntner Sparkassen-Zentrale am Neuen Platz in Klagenfurt treffen. Wahrscheinlich weil Harald dauernd mit Leuten zu tun hat, die auch so ein Funkeln in den Augen haben – denn Harald spricht täglich mit Gründern im Süden.

IMSÜDEN.AT: Hallo Harald, wie kannst du heute überhaupt noch Banker sein? Nicht gerade der sympathischste Job der Welt, oder?
Harald Baier: Ach, das geht schon. Die Kärntner Sparkasse ist ja nicht gerade eine seelenlose Wallstreetbank (lacht). Wir haben noch mit echten Menschen zu tun. Das liegt mir nach wie vor.

IS: Gut rausgeredet. Und wie bist du vom Menschen zum Banker geworden?
Harald Baier: Ich bin sogar ein Mensch geblieben (lacht). Ich komm ursprünglich aus Friesach und bin seit 2001 in Klagenfurt. Ich hab mich schon während dem Bundesheer hier beworben und sie waren so nett, ein paar Monate auf mich zu warten. Und dann habe ich die klassische Bankkarriere gemacht. Vom Schaltergeschäft über‘s Back-Office, hin zu den Firmenkunden, wo ich auch meinen eigenen Kundenstock hatte. Seit 2007 bzw. 2008 betreue ich überwiegend das „Gründer- und Förderthema“ in der Bank, was ja gut zusammen passt.

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IS: Klingt sogar spannend. Man stellt sich das Arbeiten in einer Bank ja immer so öde vor.
Harald Baier: Tut man das? Ist es sicher nicht! Für mich hat sich viel verändert seit ich hier angefangen habe, deshalb blieb es auch interessant.

IS: Das glauben wir. Da war ja mal so eine Bankenkrise oder? Wie wirkt sich die aus auf den Süden?
Harald Baier: Am Höhepunkt der Krise war sicherlich eine gewisse Vorsicht aus Bankensicht da. Das hat sich gebessert, allerdings geben die sich verschärfenden gesetzlichen Vorgaben auch Rahmenbedingungen vor, an die wir uns halten müssen. Ich finde, die Sparkasse hat während der sogenannten Krise gut daran getan ihren Vertrieb zu stärken und wir haben jetzt im Gründerbereich wieder mehr Freiheiten.

IS: Gut, dann also zum Gründen. Wenn wir was anstellen wollen und dafür Kohle brauchen, kommen wir zu dir, nicht wahr?
Harald Baier: So ungefähr (lacht). Die Kärntner Sparkasse beschäftigt sich mit dem Gründerthema ja schon seit über zehn Jahren und ich durfte da fast von Anfang an mit dabei sein. Also bin ich sicher kein schlechter Ansprechpartner (lacht). Aber auch alle unsere anderen Berater, in den einzelnen Bezirken, sind gut informiert oder können bei mir rückfragen, bzw. komm ich auch gern zu Kunden-Gesprächen mit.

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IS: Was macht die Kärntner Sparkasse konkret für Gründer?
Harald Baier: Zum Beispiel den i2b-Businessplan-Wettbewerb. Da geht es uns in erster Linie aber nicht um den Wettbewerbsgedanken, sondern wir wollen damit erreichen, dass sich angehende Unternehmer gut vorbereiten und wirklich einen Plan haben! Da sind wir uns auch in der Zusammenarbeit mit dem Gründerservice der Wirtschaftskammer, vor allem mit Melanie Jann, einig. Wie weit die Gründer es dann beim Ausformulieren wirklich treiben, bleibt ja ihnen überlassen.

IS: Wo finden wir Infos zu eurem Gründerangebot?
Harald Baier: Da gibt‘s sowas, das nenne wir I N T E R N E T. Schaut da mal rein… (lacht). Auf www.gruender.at/kaernten versuche ich immer wieder sinnvolle Infos und Artikel mit Mehrwert rund um‘s Gründerthema zu sammeln. Die Seite wird bis Jahresende in neuem Glanz erstrahlen. Unter anderem gibt’s dort unsere beliebte Toolbox, wo wir eine Linksammlung zu sinnvollen „Werkzeugen“ und Vorlagen zusammengestellt haben. Das ist sicher hilfreich. Aber am besten kommst du gleich zu unserer Gründer Akademie!

IS: Tja, von diesem INTERNET haben wir schon gehört, aber was ist diese Gründer Akademie genau?
Harald Baier: Die Gründer Akademie gibt‘s schon seit fünfzehn Jahren. Einmal im Jahr findet sie statt, heuer nach langer Zeit endlich wieder in Kärnten. Drei Tage lang, von Freitag bis Sonntag, arbeitet ein externes Trainerteam mit den angehenden Gründern. Am ersten Tag geht‘s um strategische Überlegungen, am zweiten eher um Planung und Zahlenwerk und am dritten Tag dann um dem Marktauftritt. Wir von der Sparkasse stehen auch für Expertenvorträge zur Verfügung und sind das ganze Wochenende über, als Ansprechpartner vor Ort. Das Feedback ist immer sehr gut.

IS: Klingt geil. Wir kommen!
Harald Baier:  Im Vorjahr war die Akademie bereits früh ausgebucht. Das zeigt, dass wir da einfach ein tolles Angebot haben. Und auch der Preis ist super: 390,- Euro für das Seminar inklusive 3 Tage Vollpension im 5*-Hotel Schloss Seefels.

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IS: Gibt‘s echt sowas wie einen Gründerboom? Auch hier bei uns im Süden?
Harald Baier: Ich glaube schon, dass das Thema „Gründer“, „StartUps“ usw. momentan ziemlich groß ist. In den letzten zwei bis drei Jahren nehme ich da schon wahr, dass sich etwas entwickelt. Es bilden sich eigenständige Gruppen, die von StartUps ins Leben gerufen wurden und damit sehr lebendig sind, die Aktivitäten des Teams im build!-Gründerzentrum tragen viele Früchte, die FH hat auch schon eine eigenen StartUp-Initiative und das Gründerservice leistet sowieso tolle Arbeit. Das Thema ist präsent wie nie und ich freu mich, dass wir als Kärntner Sparkasse da bei immer mehr Projekten einbezogen werden, für eine Bank nicht selbstverständlich.

IS: Da freuen wir uns auch für die Sparkasse, aber was ist mit dir persönlich? Bock zu gründen?
Harald Baier: Voll (lacht)! Ich hab natürlich schon oft drüber nachgedacht. Das Thema steckt ja an. Wenn man den ganzen Tag mit mutigen Leuten zu tun hat, die nur so vor Ideen sprühen, dann reißt einen das natürlich schon mal mit. Vor einiger Zeit hab ich sogar schonmal angefangen einen Businessplan zu schreiben, aber ich hab‘s dann nicht durchgezogen (lacht)…

IS: Na, was hören wir denn da? Selber zu feig zum Gründen?
Harald Baier: (lacht) Zu feig nicht, aber vielleicht fehlt noch die richtige Idee.

IS: Das lassen wir jetzt gerade nochmal so durchgehen (lacht). Nein, im Ernst, was ist aus deiner Sicht der wichtigste Punkt beim Gründen?
Harald Baier: Sicherlich die gezielte Vorbereitung. Wenn der Gründer zu uns, also zur Bank kommt, dann muss er einfach wissen und vor allem auch rüberbringen können, was er machen will, wofür genau er Geld braucht, wer seine Zielgruppe ist und wieviel er verkaufen muss, damit er davon leben kann. Das klingt eigentlich sehr selbstverständlich, aber leider ist das nicht immer der Fall.

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IS: Wann sollen die Gründer überhaupt zur Bank kommen?
Harald Baier: Am besten schon in der Vorgründungsphase. Ich berate die Gründer gerne schon bevor sie überhaupt ein Konto oder einen Kredit brauchen. Man darf den ersten Eindruck auch nicht unterschätzen, wenn ich gleich von Anfang an den Eindruck habe, das ist ein gut durchdachtes Projekt, das kann funktionieren, dann ist das sicher besser, als wenn der Gründer auf die wichtigsten Fragen keine Antworten hat. Aber auch dann kann ich vielleicht noch etwas helfen.

IS: Gut kommen wir zum Geld. Her damit!
Harald Baier: Banküberfall oder was (lacht). Naja, wir können immer über Finanzierungsmöglichkeiten reden, aber wir machen auch Förderberatung. Von Haftungsübernahmen durch Förderstellen über Zuschüsse bis hin zu geförderten Fixzinskrediten für Investitionen versuchen wir das Förderpotenzial für unsere Kunden bestmöglich auszunutzen. Aber da setzen wir uns am besten noch mal unter vier Augen zusammen (lacht).

IS: Schade. Naja, wie geht‘s dem Wirtschaftsstandort im Süden? Aus der Sicht eines Bankers?
Harald Baier: Ich glaub, da muss man unterscheiden zwischen den bestehenden, alteingesessenen Unternehmern, die noch eher vorsichtig agieren – da ist sicher noch nicht der große Investitionsboom ausgebrochen – und der sich auftuenden Gründerlandschaft. Ich glaub, bei letzterer sind wir auf einem guten Weg hin zu einem echten Gründerland!

IS: Dein Wort in Gottes Ohr und bis demnächst bei der Gründerakademie.

pix: Johannes Wouk & Kärntner Sparkasse


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..