Kreativwirtschaft
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Kalbsledersitze, Edelkuli oder doch lieber SELBSTBESTIMMUNG?

Firmenauto, Mont Blanc-Schreiber und fette Prämien. Status ist das, was zählt. Oder etwa doch nicht? Wie geht die junge, arbeitswillige Generation mit Statussymbolen um und welche sind schon lange keine mehr?

Wer arbeitet, der kann sich was leisten. Wer erfolgreich ist, der zeigt, dass er Erfolg hat und deckt sich laufend mit dem Neuesten ein. Doch was bedeutet heute Status und was wollen wir damit ausdrücken? Fragt man die Wissensarbeiter nach ihrer Definition von Erfolg, bekommt man meist den gleichen Satz zu hören: Es bedeutet, dass zu tun, was man will und damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Viel seltener hört man die Worte Wachstum und Eigentum. An erster Stelle stehen immer mehr Selbstbestimmung und -verwirklichung.

Welche neuen Symbole nutzen KreativunternehmerInnern um ihren Erfolg herzuzeigen?
Meinen Beobachtungen nach, geht es in der neuen Arbeitswelt weniger darum, materiellen Besitz zu präsentieren, als viel mehr darum, Individualität, Originalität und Unabhängigkeit auszudrücken. Waren es vor einigen Jahren noch die beliebten Freitag-Taschen, sind es heute großteils MacBooks, Designklassiker, umgebaute Citybikes und Co. Besprechungen werden seltener in Multimediaräumen mit schwarzen Ledersesseln abgehalten, sondern entspannt an der Theke oder am Flohmarkttisch mit Second Hand Eames-Sesseln. Der Style ist also das, was zählt. Atmosphäre und Lifestyle, mit dem Bewusstsein für Qualität, will vermittelt werden.

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In der Kreativwirtschaft geht es also weniger um Gegenstände der materiellen Kultur. Es werden eher Zugehörigkeiten symbolisiert. ArchitektInnen zum Beispiel gönnen sich dann schon mal einen simplen Notizblock um € 35,-. Natürlich mit schwarzem Einband und unliniert. (siehe auch http://imsüden.at/ins-schwarze-getroffen/)

„Meistens sind es die Kunden, die das bessere Auto fahren. Ich kann mir aber meinen Tag selbst einteilen und mit meinen Kindern um 15.00Uhr einen Spaziergang machen. Wenn die Kinder schlafen, setz ich mich anstatt vor den Fernseher wieder an die Arbeit.“, hörte ich unlängst einen befreundeten Kollegen sagen.

Diesen Freiraum können wir uns also nehmen. Ob am Ende des Monats dabei ein Audi A8 rausschauen muss, sollte jeder für sich entscheiden.

 

Wenn man den Spieß mal umdreht, dann sind wir Kreative manchmal die Statussymbole unserer KundInnen. Unsere Leistungen werden vielfach als Luxus verstanden. Wer leistet sich schon einen Designer oder Architekten? Unsere Leistungen aus dem Luxussegment in ein alltägliches Qualitäts- und Werteverständnis zu manövrieren – das ist ein wichtiges Ziel für alle Branchen der Kreativwirtschaft.

KundInnen sollte man fordern und nicht immer gewohnte Bilder der Professionalität bieten.
Man würde sich von klassischen Berufen mehr Mut wünschen. Ein Termin beim Steuerberater am Biedermeiertisch könnte durch eine kommunikative Billardrunde ersetzt werden. Da redet es sich über Steuervorauszahlungen gleich viel leichter.
In einem kürzlich erschienen Artikel in DER ZEIT lesen wir: „Was Glück stiftet, kostet nicht einmal Geld: Herr über die eigene Zeit sein. Selbstbestimmung ist das Statussymbol meiner Generation.“ Dem kann ich mich persönlich nur anschließen und gehe jetzt nach Hause. Es ist 20:39 Uhr – ein arbeitsreicher Tag geht zu Ende. Morgen schlafe ich erstmal aus und treffe dann einen Kunden im Cafè.

pix: Barbara Abel


Barbara Abel
Barbara Abel
Barbara Abel: Architekturstudium an der FH Kärnten – Spittal an der Drau und an der Arkitektskolen Aarhus Dänemark Diplom 2009 | Seit ..
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