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Mein Entzug mit positiven Nebenwirkungen!

Eine gesunde Ernährung kann die Psyche positiv unterstützen – durch den Weizenentzug geschah bei mir kurzfristig jedoch genau das Gegenteil. Mein Verzicht auf Butterzopf mit Marmelade, frische Zuckerreinkerln vom Bäcker zum Frühstück und Mamas herrliche Biskuitroulade löste heftige Reaktionen in meinem Körper aus. Heißhungerattacken, Kopfschmerzen, schlechte Laune und ähnliche Gemütszustände – dabei wollte ich doch eigentlich mein tägliches Bauchweh nach über einem Jahrzent endlich los werden.

„Es schlägt mir auf den Magen…“, „es hat mir den Appetit verdorben…“ und ähnliche Formulierungen kennen wir alle aus dem Volksmund. Oftmals so dahingesagt, ist der Zusammenhang von seelischen Gemütszuständen und Ernährung bzw. den Verdauungsorganen  tatsächlich vorhanden. So können seelische Erkrankungen auf die Verdauung schlagen und umgekehrt.

Die Wirkung von Weizen auf das Gehirn ist jenen von Opiaten ähnlich, durch das große Angebot der Lebensmittelindustrie und das vielfache Zusetzen von Weizen ist dieser quasi omnipräsent – ein Verzicht und das Streichen aus dem Alltag ist nur schwer möglich. Es erfordert viel Disziplin, ein großes Maß an Vorbereitung in der Küche und die tägliche Liebe zum Zubereiten frischer Lebensmittel. Die Liebe für Lebensmittel und das Verarbeiten liegen mir im Blut – mit der Disziplin hab ich es nicht immer so.

Dr. William Davis beschreibt ein Weglassen von Weizen in seinem Bestseller, Weizewampe – Warum Weizen dick und krank macht, so: „Wer auf Weizen verzichtet löst sich von etwas, das intensiv auf unsere Psyche und Gefühle einwirkt und uns ähnlich in den Klauen hat wie das Heroin den verzweifelten Junkie … Weizen kann uns die Nahrungsauswahl, die Kalorienzufuhr und die Essenszeiten diktieren, Verhalten und Laune beeinflussen und sogar unser Denkvermögen einschränken.“ Letzteres klingt ziemlich krass, aber die ständigen Schwankungen des Blutzuckerspiegels durch ernährungsphysiologisch wertlose Mahlzeiten, wie zum Beispiel einer Buttersemmel mit Marmelade, kennt vermutlich fast jeder. Nach kürzester Zeit ist man wieder hungrig und verlangt nach mehr. Es gibt so viele gesunde Lebensmittel ohne Weizen – allein die Vielfalt an Gemüse am Benediktinermarkt ist grandios.

Ein Grund, warum Weizen heutzutage so verteufelt wird ist relativ einfach: Weizen in Zuchtform steht erst seit circa 500 Jahren auf unserem Speiseplan und wurde durch intensive Züchtung und Genforschung so verändert, dass das Getreide in seiner ursprünglichen Form kaum mehr existiert. Der Glutengehalt wurde von circa 5 % auf das Zehnfache erhöht – und das in den letzten 50 Jahren. Die besonders hilfreiche Eigenschaft des so genannten Klebereiweißes, das dem Teig zusammen mit Mehl und Wasser seine klebrige Konsistenz verleiht, ist ein Grund hierfür. Das Gluten auch als Geschmacksträger fungiert, ein anderer. Daraus resultieren immer mehr Zöliakie-Erkrankungen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Die Lebensmittelindustrie hat zahlreiche Produkte für Konsumenten mit speziellen Bedürfnissen auf den Markt gebracht – was für Betroffene natürlich sehr hilfreich ist. Fakt ist aber auch, dass Produkte ohne Gluten und Laktose, nicht besser oder gesünder sind. Um die Eigenschaften von Gluten zu ersetzen greifen die Produktentwickler oftmals zu Fett und Zucker, was den Konsumenten aber nur selten bewusst ist. Ein Milliardengeschäft mit Folgen. Fehldiagnosen sind aufgrund der Komplexität auch häufig der Fall. (Spannender Artikel dazu von Johannes von Gudow.)

Nach ein paar Tagen voller Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, erhöhter Reizbarkeit und ähnlichen Entzugserscheinungen wer er da – jener Tag, wo es mir plötzlich gar nicht mehr schwer viel, und es ganz normal war, kein Getreide in Form von Weizen, Roggen, Hafer oder Dinkel zu essen. Anfangs von Nebenwirkungen übertüncht, konnte ich feststellen, dass sich mein ständiges Bauchweh eklatant verbessert hatte. Und plötzlich fühlte ich mich generell viel besser – mehr Energie, besserer Schlaf, keine Heißhungerattacken mehr. Fantastisch!

Auch das erste Familien-Geburtstagsessen bei jenem Italiener, wo alles begann (siehe dazu meine ersten Blogeintrag), hatte ich gemeistert. Für mich gab es Prosciutto mit Melone und einen herrlichen Salat – kein Völlegefühl und keine Müdigkeit! Der Rest der Family war nach der Pizza dann doch etwas träge, während ich schon vergnügt mit einem meiner Neffen auf den Spielplatz ging. Ein köstliches „gelato“ hätte ich schon gerne genossen in der traumhaften Kulisse in der Ostbucht des Wörthersees – kann Spuren von Weizen und Ei enthalten, den Satz las ich neuerdings ja ständig. Kann man nix machen! Und wie löst man das sonst unterwegs beim Essen außer Haus? Fleisch, Fisch, Reis, Kartoffel und Gemüse kann ich ebenfalls essen – selbst in der italienischen Küche, die für Nudel und Pizza bekannt ist, wird man fündig. Salat kann ich immer essen – und zählt zum Glück zu meinen Leibspeisen.

Welche Alternativen ich für Getreide, Paniermehl & Co. gefunden habe, und wie mich Crossfit-Expertin und Ernährungswissenschaftlerin Grete Passegger zu noch gesünderer Ernährung zu motivieren versuchte, lest ihr beim nächsten Mal…


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Caroline Aspernig
Leidenschaft für Lebensmittel, Kochen und alles rund um Ernährung.