Interview
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„Wir sind das BACK-OFFICE für euch Unternehmer!“

Melanie Jann vom Gründer- und Unternehmerservice der Wirtschaftskammer Kärnten hat schon über 1700 Menschen auf ihrem Weg zum erfolgreichen Unternehmen begleitet. Uns rät sie: Kammerscheu ablegen, Service in Anspruch nehmen, beraten lassen was das Zeug hält und zum Ausgleich Holzkrippen bauen.. hä?

Die Wirtschaftskammer Kärnten, ein graues Gebäude in der Klagenfurter Bahnhofstraße (auch wenn die Adresse auf Europaplatz 1 lautet) – nicht besonders einlandend auf den ersten Blick. Wir gehen trotzdem rein und riskieren einen zweiten Blick, einen fragenden. Die freundliche Dame am Informationsschalter erwidert diesen und winkt uns zu sich. Die bequemen Stühle in der loungigen Eingangshalle sind irgendwie komisch ausgerichtet, so in Reihe und Glied. Aber egal, wir treten mal an den Schalter, zu der freundlichen Dame:

IMSÜDEN.AT: Hallo, wir wollen ein Unternehmen gründen, wo geht‘s hier zum Gründerzentrum?
Empfangsdame: Sie meinen wahrscheinlich Gründerservice. Setzen Sie sich doch, es wird sie gleich jemand abholen.

Melanie Jann: Hallo, willkommen beim Gründerservice, ich bin Melanie Jann, kommen sie doch mit in mein Büro.
IS: Dabei haben wir uns grade erst hingesetzt… Was machen Sie hier genau?
Melanie Jann: Erstmal wär ich für‘s DU. Was ich mache? Ich berate StartUps.

IS: Und wieso im Süden?
Melanie Jann: Weil der Süden das braucht und weil ich schon immer hier war. Ich bin hier zur Schule gegangen und hab in Klagenfurt erst BWL und dann Wirtschaft und Recht studiert. Ich war zwar einmal für mehrere Monate in Vicenza, Italien, aber auch wenn‘s schön war, bin ich dann trotzdem gern wieder zurück gekommen. Ich bin hier einfach auch sehr stark verwurzelt. Vielleicht auch, weil ich meinen heutigen Ehemann schon mit 15 hier kennengelernt habe.

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IS: Jaja, verliebt im Süden, ein Klassiker! Aber wie bist du hier im Gründerservice der Wirtschaftskammer gelandet?
Melanie Jann: Naja, da ergab eines das andere. Ich hab während des Studiums schon immer gearbeitet, weil mir die Praxis immer schon wichtig war. Ich war auch Studienassistentin am Institut für Unternehmensführung der Alpen Adria Universität Klagenfurt. Von dort aus kam ich dann über Umwege zu einem Praxissemester in die Wirtschaftskammer. Dann hab ich mein Studium abgeschlossen und bin irgendwie hier picken geblieben (lacht).

IS: Na endlich…
Melanie Jann: Für mich war das erstmal nicht so eine Erleichterung (lacht). Ich hab ehrlich gesagt schon überlegt, ob ich zur Kammer passe. In meiner Familie gibt es einige Unternehmer und die hab ich oft über die Kammer schimpfen gehört. Die hatten dieses – Bild: „alt und verstaubt, verkrustete Strukturen, Versorgungsposten und Verhinderer“. Das hat mich dann noch mehr gereizt, mir „diese Kammer“ mal anzuschauen. Und ich dachte bei mir, na vielleicht bring ich frischen Wind mit. Der Volksmund sagt ja: Neue Besen kehren gut (lacht).

IS: Und lass uns raten: die Wirtschaftskammer ist gar nicht so wie alle glauben… oder?
Melanie Jann: (lacht) Ist sie wirklich nicht. Davon konnte ich auch schon die Meisten überzeugen. Vielleicht war es einmal so, aber heute verstehen wir uns – als absoluten Servicebetrieb für euch Unternehmer. Und nein, ich hatte keine Gehirnwäsche (lacht)

IS: Schön für dich! Und was macht das Gründerservice?
Melanie Jann: Leichter zu beantworten wäre die Frage, was wir nicht machen (lacht). Wir machen vieles um Unternehmensgründer zu unterstützten. Von der Hilfe bei der Geburt einer Idee, über die Hilfe beim Weg durch den Behördendschungel, bis hin zur Beratung in Rechts- und Steuerfragen oder Förderungen.

IS: Also von A bis Z alles was das StartUp so braucht?
Melanie Jann: Ja genau. Wir gehen den Weg zusammen mit den Gründern. Das ist ja auch meistens kein gerader Weg, sondern es sind viele Umwege und natürlich auch Hochs und Tiefs. In der Beratung nennen wir das Stolpersteine. Aber auf die kann man sich vorbereiten und dafür sind wir da!

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IS: Die Wunderwuzzis vom Gründerservice!
Melanie Jann: Nein, Wunderwuzzis sind wir keine. Wir unterstützen einfach und stehen rund ums Thema Gründung zur Seite.

IS: Wie lang ist ein Gründer eigentlich ein Gründer?
Melanie Jann: Für uns: so lang er sich als Gründer fühlt. Ich hab Leute bei mir in der Beratung, die sind seit Jahren selbstständig und kommen noch immer zu mir. Selbst bei Umgründungen kommen wir ins Spiel, da wird ja der „gstandene“ Unternehmer wieder zum Gründer. Wir heißen ja auch Gründer- UND Unternehmensservice!

IS: Was tut ihr also konkret für die „gstandenen“ Unternehmer?
Melanie Jann: In der Wirtschaftskammer gibt es ganz viele, auch viele junge Mitarbeiter, die sich als Dienstleister verstehen, als Dienstleister für euch Unternehmer. Überspitzt gesagt sind wir sowas wie euer Back-Office, und das ist grade für EPUs oft ungemein hilfreich.

IS: Na bumm, eine neue Generation in der WK! Gibt‘s auch eine neue Gründergeneration?
Melanie Jann: Ja, ich glaub da gibt es wesentliche Änderungen im Moment. Die Person des Gründers verändert sich. Früher waren es eher so „gstandene“ Unternehmer, die gleich mit vier Leuten angefangen haben. Heute verstehen sich die Leute oft gar nicht als Unternehmer, oft ist es sogar ein Nebenjob. Viele überstürzen es vielleicht auch, denken sich „machma halt schnell“. Nit so gut (lacht). Man merkt auch, die jungen Gründer haben auch ganz neue Ideen, oft ganze Paletten von Dienstleistungen, da tu ich mir bei der Brancheneinordnung schon recht schwer. Vielleicht muss die Gewerbeordnung da auch lernen und flexibler werden.

IS: Und Gründer im Süden? Wie sind die so drauf?
Melanie Jann: Es gibt hier seit einiger Zeit eine recht aktive Gründerszene, es gibt Stammtische und so Einrichtungen wie Change The Box udgl. Das ist natürlich super. Wir haben hier im Alpen-Adria-Raum ja auch alle Möglichkeiten. Und die junge Generation nutzt das auch. Wir verstehen uns ja auch als Teil eines Gründernetzwerks. Da gehören natürlich auch Institutionen wie das build!-Gründerzentrum oder der KWF dazu. Auch die Kärntner Sparkasse mit ihrer GO!-Gründerakademie sehen wir als Teil dieses Netzwerks, und viele mehr.

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IS: Jaja, Netzwerk, Alpen-Adria usw. alles klar. Aber was macht einen erfolgreichen Gründer aus?
Melanie Jann: Ich hab die Erfahrung gemacht, dass sehr viel von der Person des Gründers abhängt. Ein „Mauserl“ das den Mund nicht aufkriegt und Vertreter werden will, wird keine große Chance haben. Gleiches gilt für jemanden, der unkreativ ist und eine Werbeagentur aufmachen will. Natürlich kann‘s aber trotzdem funktionieren. Dann sind natürlich auch die „Hausaufgaben“ wichtig: Branchen-Knowhow und eine klare USP helfen viel. Aber ich find, die Leidenschaft spielt einfach ein ganz große Rolle.

IS: Hast du ein Beispiel für Leidenschaft?
Melanie Jann: Unlängst war eine junge Frau bei mir, die war fertige, Allgemein-Medizinerin und hat schon als solche praktiziert. Sie hat aber gemerkt, dass ihr Hobby, das Backen, ihre Leidenschaft ist. Und jetzt sattelt sie um, von der Ärztin zur Konditorin. Sie hat vor, die Meisterprüfung zu machen, denn das ist ja natürlich ein reglementiertes Gewerbe. Ich glaub, die zieht das wirklich durch – ich hab bei ihr soviel Liebe zu ihrem Produkt gespürt, die schafft das!

IS: Na mit deiner Hilfe, bestimmt! Wie viele deiner Schützlinge haben‘s denn eigentlich geschafft?
Melanie Jann: Moment, das kann ich nachschaun. Von den 1719 von mir beratenen Personen, sind 1516 heute noch am Markt, 17 mussten Konkurs anmelden – der Rest hat von sich aus aufgehört, aus welchen Gründen auch immer…

IS: WOW! Jetzt hast du so viele Gründer begleitet. Selber keinen Bock auf Gründung?
Melanie Jann: Absolut, sehr viel Bock sogar, aber als Mitarbeiterin der Wirtschaftskammer darf ich das natürlich nicht. Wenn ich nach den ganzen Beratungen mal selbst wirklich was schaffen will, dann geh ich zuhause in meine Werkstatt und baue Holzkrippen.

IS: Wie bitte? Holzkrippen??? So richtig, mit kleinem Jesus und kleinen Eseln usw.?
Melanie Jann: Ja, so richtig (lacht). Das macht mir Spaß, ich bin sogar beim Krippenbauverein der Krippenfreunde Klagenfurt und wir bieten auch Krippenbaukurse an. Das ist mein Ausgleich. Aber soviel Ausgleich brauch ich ja gar nicht, denn ich lebe im Grunde für dieses Gründerservice hier und kann hier ohnehin sehr selbstständig arbeiten.

IS: Also gut, was tu ich wenn ich gründen will? Die Kurzfassung bitte!
Melanie Jann: Der erste Schritt ist die Idee, oder auch der Keim zur Idee. Was will ich besser machen oder anders als andere? Auch da können wir weiterhelfen, dafür haben wir das InnoLab.

IS: InnoLab? Klingt ungesund…
Melanie Jann: Gar nicht, im Gegenteil, das ist total gesund für die Geschäftsidee. Unser Berater Claudio Kratzmüller vom InnoLab ist praktisch sowas wie ein Trendexperte. Der setzt sich zwei Stunden mit dir zusammen und checkt deine Geschäftsidee. Ob‘s sowas schon gibt, wer sowas brauchen könnt usw.

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IS: Ok, Ideen haben wir genug, aber was dann?
Melanie Jann: Dann kommst du zu uns und alles wird gut (lacht). Oder du nutzt die anderen Anlaufstellen im Gründernetzwerk, wir arbeiten ja alle sehr gut und sehr gern zusammen. Ich rate jedenfalls jedem: „Lass dich beraten, beraten, beraten, was das Zeug hält.“ Aber dann ist es auch wichtig tatsächlich zu gründen. Wir haben leider auch Fälle, die nach fünf Jahren Beratung immer noch nicht gegründet haben. Da wird‘s dann schön langsam Zeit (lacht).

IS: Zeit ist ein gutes Stichwort, was steht in nächster Zeit am Programm?
Melanie Jann: Der Gründer- & Jungunternehmertag am 3. Oktober ist unser nächster großer Tag, der findet heuer schon zum elften Mal statt. Da findest du an einem Tag alles, was du als Gründer brauchst, hier direkt vor Ort in der Wirtschaftskammer. Egal bei welchem Schritt der Gründung du gerade bist, dieser Tag ist perfekt um dich mit Wissen aufzuladen. Wir bieten die unterschiedlichsten Workshops zu Steuern, Finanzierung und Marketing, aber auch zu Softskill, wie zum Beispiel zu Rhetorik und Stimme. Wir bieten aber auch einen Blick hinter die Kulissen erfolgreicher Unternehmer. Patrick Brandtstätter von Airborne Motion Pictures und Valentin Latschen von der Pfau Brennerei, werden uns erzählen, wie es Ihnen als Unternehmer so geht, welche Hürden sie meistern mussten, welche Erfahrungen sie gemacht haben und so weiter. Außerdem haben wir auch alle unsere Partner aus dem Gründernetzwerk hier, und IMSÜDEN.AT wird ja auch mit dabei sein!

IS: Na klar. Aber was ist, wenn ich den Gründertag verpasse?
Melanie Jann: Dann haben wir in Zukunft ganz was besonders für dich. Wir arbeiten an eine Website, die dich Schritt für Schritt auf deinem Weg zum erfolgreichen Unternehmen unterstützt. Da ist dann also jeden Tag Gründertag.

IS: Mehr verrätst du nicht?
Melanie Jann: Nein! (lacht) Wir haben ja jetzt auch lang genug geplaudert. Wir sehen uns beim Gründertag!

IS: Jawohl, Frau Jann!

pix: Johannes Wouk & Daniela Heiden


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..