Grosswerden
20140815_160221
Dieser Artikel wird unterstützt von


Nachrichten aus dem Lalelu-Land, wobei…

Eigentlich, ganz wirklich müsste es heissen: Nachrichten aus dem Walk the line- Land, denn in den ersten Lebensmonaten meiner Kinder habe ich dieses Lied wie ein Mantra vor mich hingesungen, gemurmelt und gesummt.

Because you‘ re mine, I walk the line.
Lalelu erschien mir eindeutig zuwenig dramatisch. Mutter zu werden, dieses einschneidende Erlebnis, in meinem Fall tatsächlich einschneidend, da ich beide Male einen Kaiserschnitt erleben „durfte“, ist eine großartige Sache. Natürlich ist die Geburt (d)eines Kindes eine überwältigende Sache, allerdings gestehe ich, dass ich die Geburt(en) meiner Söhne ein bisschen weniger pathetisch erlebt habe als zu erwarten war. Die Tatsache an einen OP Tisch festgeschnallt, Brustäbwärts gelähmt und bei lebendigem Leibe aufgeschnitten zu werden, relativiert das Ganze schon ein bisschen. Ich fand es irritierend, dass mich die Ärzte gefragt haben ob ich das Skalpell denn spüren würde, als sie schon den ersten Schnitt setzten. Auch war ich gedanklich ein bisschen abgelenkt, als fremde Hände an/auf/in meinem Körper herumgerüttelt haben. Das eigentliche Highlight -mein Kind- war nach einem kurzen, blutintensiven Schmatzer ( den ich soooo eigentlich nicht haben wollte), schwuppsdiwuups beim Papa, der sogleich mit dem „Beziehungsaufbau“ begann. Unsereins wird da noch zugenäht….ist aber super glücklich. Natürlich.

I find myself alone when each day’s through
Seit nun 4 Jahren bin ich Mutter, seit einem Jahr sogar zweifache Mama, und ich liebe meine Kinder. Punkt. Absolut. Es gibt diesen Moment, wenn das Bündel Mensch in deinen Armen liegt, wo du dir sicher bist, dass es nichts gibt was du nicht für diesen kleinen Menschen tun würdest. Dieser Augenblick, wenn dich die maternale Urkraft überwältigt und du dir -vollgepumpt mit Hormonen- das Leben unglaublich schön vorstellst. Ich erlebte dies, beide Male, als nach der Entbindung die erste Dosis Schmerzmittel langsam in meinen Zugang tröpfelte, sich mein Körper entspannte und wir als Familie das erste Mal im Bett kuschelten. Mama, Papa, Kind(er). Es war das normalste der Welt. Das sollte es doch auch sein. Natürlich. Normal und trotzdem überwältigend… Piep. Erste Sms. Zweite Sms….Anruf. Familie, Freunde.

I found it very very easy to be true, because you’re mine; I walk the line.
2 Stunden nach der offiziellen Geburt trudeln erste Besucher ein. Die Omas. Die Opas. Die Tanten. Die Onkel. Nur ganz kurz, natürlich. Natürlich stoßen alle an. Der glückliche Papa. Die selige Mama. Nur ganz kurz. Wir wollen das Kleine ja nicht stören. Darf ich ihn kurz halten. Oh es schläft. Nur ganz kurz. Natürlich.

2

Yes, I’ll admit that I’m a fool for you, because you’re mine, I walk the line
Die erste Nacht. Papa fährt nach Hause. Diese erste Nacht, in der alles möglich ist. Instinktiv wusste ich: Hey Kumpel…wir schaffen das! Natürlich. Natürlich stillen wir. Das erste Anlegen -so heisst das in der Fachsprache- aha. Da kommt jetzt also die Milch raus? Ich ernähre also nun unser Kind. Das ist so unfassbar….autsch. Wir arbeiten uns nuckelnd durch die Nacht. Es zieht unten und oben und überall. Das Kolostrum -die Vormilch- reicht nicht ganz. Also weiter fleissig anlegen…Wir stillen, wenn wir schon keine natürliche Geburt gehabt haben.

As sure as night is dark and day is light, because you re mine I walk the line.
Dann die Visite. Menschen, die in deinen intimsten Regionen herumstochern, die in deinem Körper an Stellen waren – die du nicht mal dem Namen nach kanntest- reichen dir die Hand und gratulieren. Dann noch die unvermeidliche Frage: Wann war der letzte Stuhl? Das Kind weiter anlegen. Der Papa kommt, verkatert vom „Papa Feiern“ mit Blumen und einer Piccoloflasche. Wie war die erste Nacht? Super. Natürlich. Dann plötzlich Milcheinschuss. Viel zu früh sagt die Hebamme und tadelt uns, weil der Kleine so oft angelegt wurde. Na hoffentlich gibt das keine Brustentzündung. Bitte was? Mitten in die elterliche Idylle kommt dann jenes furchterregende Gerät, welches dir auf der Wochenstation den letzten Rest Menschlichkeit raubt. Die elektrische Milchpumpe. Ich schaue meinen Mann an. Er liebt mich, doch ich verwandle mich vor seinen Augen in eine Milchkuh und in das Hauptnahrungsmittel unserer Söhne. Leider gehöre ich zu der eitleren Sorte Mensch, und das Bild von mir an der Melkmaschine treibt mir zum ersten Mal Tränen in die Augen.

birth

For you I know I’d even try to turn the tide, because you’re mine, I walk the line
Es gibt noch einen dieser denkwürdigen Momente. Das ist der Tag der Entlassung. Wenn Sie dich mit deinem Kind einfach so nach Hause gehen lassen. Ich wollte protestieren -beide Male- schließlich kann man uns doch nicht einfach so ALLEIN HEIM gehen lassen. Was ist… wenn… Mein Mann gab mir die Hand. Er stützte mich. Er sagt: Du kannst das. Du bist die Mama. Ich bin die Mama. Natürlich.

I keep a close watch on this heart of mine
I keep my eyes wide open all the time
because you re mine,
I walk the line

In den letzten 4 Jahren habe ich keine weltbewegende Erkenntnis erlangt, außer der Einen….vielleicht: Einfach weitergehen. Walk the line….denn nach Heimgeh- Hibbeln, Kacka-Klauberei und Windelterrorismus kommt immer gleich die nächste Überraschung.

pix: Stephanie Venier und vemafilms.


11150656_10152925360713983_7276395572756803398_n
Stepanie Venier
Stephanie Venier lebt mit ihren zwei Söhnen und ihrem (Nicht Ehe) Mann in Schiefling am See. Nach ihrer „Flucht“ aus den Tiroler ..
Infos
Businessbeach
DSC03202
Businessbeach
IMG_0120
Termine