Interview
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„Meine MISSION ist Party“

DJane Nina Love dreht die Turntables schon lange genug, um bei jeder Party den richtigen Ton zu treffen. Die Psychologin am Plattenteller und professionelle Paradiespendlerin hat uns erzählt, warum sie sich eher als Dienstleisterin denn als Künstlerin sieht, schon mal auf einen Kaffee nach Zürich fährt und was sie IMSÜDEN.AT gern schreiben würde.

Wir treffen Nina Love am helllichten Tag im Cafè Parkhaus im Goethepark in Klagenfurt. Blonde Locken, die Bräune vom letzten Austrialienaufenthalt noch im Gesicht, dazu ein ehrlich freundliches Lächeln und glasklare, blaue Augen schauen uns an als wir uns gemütlich an einen der klassisch eleganten Kaffeehaustische setzen. Irgendwie ungewohnt, denn normalerweise steht die DJane ein paar Meter weiter, hinter den Plattentellern, lacht, tanzt und singt lauthals mit während sie ihren Lockenkopf schüttelt. Und wir tanzen vor ihr auf und ab, zumindest im Rahmen unserer Möglichkeiten. Ziemlich laut ist es immer und die Musik ist immer ziemlich gut – zum Glück ist es jetzt aber leiser und wir können so die erste dumme Frage stellen…

IMSÜDEN.AT: Hallo Nina Love, wir treffen uns hier im Parkhaus, warum eigentlich…?
Nina Love: Na, weil ich im Parkhaus arbeite. In doppelter Hinsicht unter der Woche mache ich den Frühdienst und bewirte unsere Richter,  Angeklagten und Schauspieler und am Wochenende lege ich hier auf.

IS: Wem legst du was auf?
Nina Love: Zum Beispiel dir, die Musik die du magst (lacht). Am Wochenende mutiere ich zur „DJane Nina Love“ und mache für euch Party.  Da bin ich dann auch auf keine spezielle Musikrichtung festgelegt und schau mir einfach nur die Situation an. Schau mir an, was für Leute kommen, versuche auf die Menschen einzugehen und zu schaun, dass sie alle Spaß haben. Es ist ein cooles Gefühl, wenn sie raus gehen und es gut für sie war…

IS: Und wie kriegt man das hin?
Nina Love: Am besten man macht es schon lang, so wie ich (lacht). Außerdem habe ich kein vorgefertigtes DJ-Set, meine Mission ist Party. Ich verwirklich mich da sicher nicht selbst, es freut mich einfach wenn es den Leuten taugt. Ich seh mich da mehr als Dienstleister denn als Künstler. Mein Glück dabei ist, dass mir fast alles gefällt, sogar die abgedroschensten „Hochzeitsnummern“ wie „I will survive“ find ich immer noch super (lacht).

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IS: Wie bist du zur dienstleistenden Party-DJane geworden?
Nina Love: Das hat sich so entwickelt. Angefangen hat es, als ich in meinem Lieblingslokal den DJ immer am meisten genervt habe: „spiel dies, spiel das“ usw. – da war die kleine Nina recht hartnäckig (lacht). Irgendwann ist der Typ dann sternhagelvoll vom Pult gekippt und der Chef hat gemeint, ich soll doch gleich übernehmen. Das hab ich dann gemacht. Von da an ging‘s immer weiter, ich hab überall aufgelegt, in den unterschiedlichsten Lokalen und auf den verschiedensten Veranstaltungen in Klagenfurt, rund um den See, in Graz usw.

IS: Wo am liebsten?
Nina Love: Am liebsten überall (lacht). Ich hab da keine großen Vorlieben, jeder Abend ist anders, jede Veranstaltung ganz eigen. Irre ist natürlich das Partyboot beim Beachvolleyball, da sind die 16 bis 23 jährigen, die machen richtig Party, da gehts ab. Lustig sind aber auch die Schülerbälle, interessanterweise sind da heutzutage die Jungs die Tänzer, während die Mädels eher abwarten. Bei uns war das damals anders.

IS: Apropos, woher kommst du eigentlich? Eingeborene Südländerin?
Nina Love: Ja, die ersten drei Jahre meines Lebens hab ich in Pörtschach verbracht, dann war ich zwar dreizehn Jahre lang in Liechtenstein und Vorarlberg, bin dann nach Graz zum Jus studieren, aber dann wieder zurück an den See. Jura war irgendwie doch nicht so meins, obwohl ich die Diplomarbeit fertig hatte, hab ich einen Tourismuslehrgang mit Marketingschwerpunkt gemacht und dann am Wörthersee in diversen Lokalen gejobbt. In Bars und in Restaurants – lange war ich auch Geschäftsführerin der Seebar von Hotel Linde in Maria Wörth.

IS: Also ein echtes Seekind?
Nina Love:  Ein TOTALES Seekind. Graz ist ja nett und viel los ist da auch, aber da gibt es halt keinen See. Ich bin sehr wasserverbunden, schwimme viel, surfe und SUPe gern. Da muss schon ein See sein. Hier ist einfach das Paradies für mich. Das nächstbeste Paradies ist leide rzu weit weg, in Australien, wo ich jedes Jahr hinfahre, aber das ist halt schon ein Stückal…

IS: Du Paradiespendlerin du!
Nina Love: (lacht) Ja, genau. Ich pendel überhaupt gern, sitz gern im Auto, fahr auch schonmal auf einen Kaffee mit meiner besten Freundin nach Zürich oder für ein Abendessen nach Italien, für eine Ausstellung nach Paris, für ein Konzert nach London. Da liegt Kärnten praktisch perfekt mittendrin.

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IS: Genug herumgeschweift, kommen wir zurück zum Auflegen, dein Spezialgebiet sind doch Hochzeiten oder?
Nina Love: Genau. Das ist immer was Besonderes. Da ist jeder Abend völlig offen. Ich treff mich zwar vorher mit den Brautleuten, aber 80% der Gäste kenn ich natürlich nicht. Daher versuche ich, so viel Musik wie möglich mit zu haben und mich in die Hochzeitsgesellschaft „einzufühlen“, damit das wirklich der schönste Tag im Leben der Kunden wird. Das funktioniert auch fast immer.

IS: Was für Hits gehen zur Zeit am besten?
Nina Love: Wie gesagt, auf den Hochzeiten ist das sehr, sehr unterschiedlich, aber im Parkhaus zum Beispiel derzeit, oder eigentlich seit letztem Oktober, dieses „Happy“ von PHARELL WILLIAMS… Ich kann’s nimma hören!!! Aber den Leuten taugt‘s immer noch.

IS: Und abgesehen von diesem unsäglichen „Happy“, deine Top-Five-Partyhits im PARKHAUS?
Nina Love: Das ist leicht: „The Tide Is High“ von SEED, „Als gäb‘s kein Morgen mehr“, die inoffizielle Parkhaus-Hymne von PHILIPP POISEL. Dann natürlich „Hinter dem Burn-Out“ von FLO MEGA, das wird unsere neu Hymne, „Chelsea Dagger“ von den FRATTELLIS“ geht immer und „New Shoes“ von PAOLO NUTINI ist sowieso der Hammer.

IS: Na das kam ja wie aus der Pistole geschossen. Hat sich eigentlich was am Beruf geändert, seit du das machst?
Nina Love:
Das Publikum hat sich, im Vergleich zu vor fünfzehn Jahren sicher verändert. Wir waren damals immer gut drauf, wenn wir unterwegs waren, da musste der DJ nicht viel machen, wir sind abgegangen. Heute bist du viel mehr Animateur und wirst auch komplett gescannt, fast schon kritisch beäugt. Außerdem haben die Leute früher ihre Musikwünsche auf Zettel geschrieben heute schreien sie „ICH HABS AM HANDY, ICH HABS AM HANDY“ (lacht). Allerdings glauben sie dir dann halt leider nit, dass du keinen iPhone-Stecker hast (lacht).

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IS: (lacht) jaja, so ändern sich die Zeiten. Was würdest du heutzutage einer Anfängerin in deinem Metier raten?
Nina Love: Spiel nicht so oft „Happy“ (lacht). Mich wundert sowieso, wo der Nachwuchs bleibt, so viele junge Leute in den Lokalen und die DJs sind irgendwie immer noch die alten… Wer DJane werden will muss einfach Engagement zeigen, natürlich brauchts auch Gefühl und man muss sich musikalish auskennen, aber das wichtigste am Anfang ist sicher, wie überall, einfach Engagement. Fragt einfach in eurer Lieblingskneipe, ob ihr mal hinter die Turntables dürft.

IS: Dann bleibt nur noch die alles entscheidende Frage: WAS WIRST DU FÜR UNS SCHREIBEN?
Nina Love: Ich würd‘ natürlich gern die Musik in den Mittelpunkt stellen, aber aufgefächert und spartenübergreifend. Es soll um Konzerte gehen, um Locations, um lässige Cafès mit guter Musik, feine DJ‘s usw. Wir haben ja eine gute Szene in Klagenfurt – sie  unterstützt sich nur zuwenig, finde ich. Wir sollten uns mehr zusammen tun, weniger Neid wäre wichtig. Konkurrenz belebt, das sollten wir endlich verstehen. Alle reden immer nur davon, was zu tun. Wir wollen nun was tun!

IS: So schaut‘s aus! Wilkommen IMSÜDEN.AT wir freuen uns auf deine Beiträge. 

pix: Johannes Wouk, Nina Love


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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