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„Oft hat der Kunde ja auch Recht!“

Der Süden hat nicht nur richtig schön viel Süden und richtig schön viel gute Werber, sondern auch einen CREOSprämierten Werbespot, der das beweist: „Kärnten – Der Moment“ von der Kärnten Werbung in Auftrag gegeben, von Airborne Motion Pictures produziert und weltweit ausgezeichnet. Aber wie ist das Ding entstanden? Wir haben nachgefragt.

Kommen ein Oberösterreicher, eine Salzburger und ein Steirer in ein Bar… ähhh zu einer Filmproduktion. Nein, das ist jetzt kein lahmer Steirerwitz, sondern eine echte Erfolgsgeschichte IMSÜDEN.AT. Denn Linzer Martin Doblhammer hat als Marketingleiter der Kärnten Werbung mit dem Bad Gasteiner Regisseur Bernd Pfingstmann und dem Obersteirer Filmpoduzenten Lukas Schwarzkogler von Airborne Motion Pictures mindestens zwei Dinge gemeinsam: Die Liebe zu ihrer Wahlheimat Kärnten und den genialen und weltweit ausgezeichneten neuen Kärnten-Werbespot „Kärnten – Der Moment“, den sie gemeinsam produziert haben. Das war nicht nur einen CREOS wert, sondern ist auch eine Story, die man erzählen sollte. Also fragen wir das Wahlkärntner-Dreamteam mal, wie das so vor sich ging.

IMSÜDEN.AT: Hallo, als erstes mal eine Frage, die uns schon immer mal interessiert hat: Was zum Teufel tut die Kärnten Werbung eigentlich?
Martin Doblhammer: Werbung für Kärnten natürlich. Wir sind die touristische Werbeagentur für die Urlaubsdestination Kärnten, arbeiten hauptsächlich außerhalb der Grenzen Kärntens, um mögliche, internationale Gäste für unser Land zu interessieren.

IMSÜDEN.AT: Na bei den geilen Werbespots, die ihr so dreht, auf jeden Fall! Wie kam es zu „Kärnten – Der Moment“, kannst du uns etwas in die Entstehungsgeschichte einführen?
Martin Doblhammer: Klar. Am Anfang stand unser Bedürfnis nach einem neuen Imagefilm für die Destination Kärnten. Auf unsere, absichtlich sehr offen gehaltene, Anfrage hin kam die Rückmeldung von ca. 10 Kärntner Agenturen. Und darunter auch die der Airborne Motion Pictures gemeinsam mit Bernd Pfingstmann. Das war ein sehr kreativer, neuer Ansatz…

IMSÜDEN.AT: Das ist jetzt wohl dein Stichwort Lukas…
Lukas Schwarzkogler: …wir wollten das Lebensgefühl hier neu einfangen, nicht das übliche Landschaftsbild zeigen, sondern eben Situationen, Momente schaffen, die wirklich stattfinden könnten. Mit Leuten, die man hier wirklich treffen kann. Eine Geschichte, die spannend und anders ist, mit echten Persönlichkeiten, oder Bernd?
Bernd Pfingstmann: Ja, das war sicher der Ansatz. Wir wollten die lässigen, kreativen und entspannten Leute im Süden zeigen. Vielleicht kam die Grundidee auch daher, dass ich mich, wenn ich wo anders war, sei es in Hamburg oder Wien, immer rechtfertigen musste, warum ich in Kärnten lebe als Filmemacher. Dabei gibt es hier eine sehr lebendige, kreative Szene…

IMSÜDEN.AT: Wem sagst du das. Aber wie passt das jetzt in die Aufgabe der Kärnten Werbung? Welcher Tourist kommt hierher nur, weil die Leut hier so suppa kreativ sind?
Martin Doblhammer: Du wärst überrascht (lacht)! Die Grundidee des Spots hat tatsächlich unsere Ausrichtung sehr gut getroffen. Wir haben aus zahlreichen Gästebefragungen die Rückmeldung, dass gerade die Mentalität der Menschen hier besonders anziehend wirkt. Wir leben ja am Schnittpunkt dreier Kulturen und das bringt schon einen ganz besonderen Menschenschlag hervor. Die Begegnungen mit diesen Menschen schätzen wiederum unsere Gäste sehr. Und genau das bildet der Spot auf sehr zeitgenössische Art und Weise ab.

IMSÜDEN.AT: Aber nicht nur das, der Spot klingt auch irgendwie… anders…
Bernd Pfingstmann: Ja, es war auch von Anfang an die Idee, einen eigenen Song zu machen. Den hat der Manfred Plessl komponiert, der Text stammt von Fabjan Hafner, der Richi Klammer und die Andrea Ogris haben gesungen und wir haben im Tonstudio von Andreas Frei aufgenommen. Wieder eine feine Kärntner Co-Produktion (lacht).
Martin Doblhammer: Das war, aus meiner Sicht, das größte Risiko beim Spot. Wir hatten ja anfangs noch keine Musik, das wurde ja erst alles komponiert. Mit Musik, die jeder kennt wären wir auf der sicheren Seite gewesen…
Lukas Schwarzkogler: Aber wir wollten nicht nur an der Oberfläche kratzen, keine bloße Hülle produzieren, sondern echten Inhalt generieren. Das hat sich natürlich auch auf den Text ausgewirkt.
Martin Doblhammer: Das Schöne ist, obwohl die Musik sehr ungewöhnlich ist – traditionell mit moderner Anmutung – und der Text auf Kärntnerisch, kommt der Song gut an. Und wenn wir ehrlich sind: Gott sei dank verstehen wenige die Texte der Bloodhoundgang, sehr ordinär und trotzdem werden sie im Radio gespielt.

IMSÜDEN.AT: You and me, baby, ain’t nothin‘ but mammals, so let’s do it like they do on the Discovery Channel.(lacht) Aber zurück zum Thema: Wie läuft die Produktion so eines Films ab?
Lukas Schwarzkogler: Zuerst mal brainstormen, eh klar. Da stellen wir die Charaktere zusammen; suchen die passenden Umgebungen für den Kunden.
Martin Doblhammer: Zum Beispiel haben wir den Glockner als Startbild.
Lukas Schwarzkogler: Schließlich bleibt es ja ein Tourismusvideo. Aber wir haben auch versucht Brauchtum und Zeitgenössisches zu verweben, zum Beispiel mit dem Trachtenpärchen vorm Graffit…
Bernd Pfingstmann: … es ist immer wieder ein Bruch im Bild….
Lukas Schwarzkogler: … so wie wir hier zusammenleben, verschiedene Kulturkreise, die doch zusammengehören. Das macht es stimmig.
Martin Doblhammer: Besonders schön find‘ ich auch den Breakdancer im Wappensaal, das sind für’s Auge irrsinnig interessante Momente, die hängen bleiben. Da werden unsere Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Assets zur Bühne.

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IMSÜDEN.AT: Ja, das stimmt. Und wie führt man Regie auf dieser Bühne, Bernd?
Bernd Pfingstmann: Wir hatten nur den Juli und den August für die Produktion und waren natürlich massiv wetterabhängig. Also mussten wir sehr flexibel arbeiten können. Das geht am besten in kleinen Teams…
Lukas Schwarzkogler: …da verbraucht man dann auch weniger Budget …
Bernd Pfingstmann: … (lacht) und wenn man natürliches Licht und Handkameras verwendet, braucht man noch weniger Budget. Wir hatten zwar vergleichsweise viele Drehtage, aber waren eigentlich fast immer nur zu dritt unterwegs um flexibel zu bleiben. Zum Glück war das ja von Anfang an unser Konzept.
Martin Doblhammer: Weniger Budget? (lacht)
Bernd Pfingstmann: Authentizität! (lacht)

IMSÜDEN.AT: Ist das so die klassische Diskussion zwischen Produktionsfirma, Regisseur und Kunde?
Lukas Schwarzkogler: Nein, das war jetzt natürlich Spaß. Zum Glück sind wir nicht so die klassische Produktionsfirma, die nur aufs Geld schaut. Wir sind ja selbst Kreative und mit dem Bernd funktioniert auch immer alles ganz easy.
Martin Doblhammer: Absolut, man hat während der ganzen Produktion gemerkt, dass alle an einem Strang ziehen…
Bernd Pfingstmann: Wir kennen uns gut und wissen, was das Gegenüber kann, da macht die Arbeit natürlich doppelt Spaß. Aber es ist schon klar, der Regisseur will immer möglichst viele Möglichkeiten und die Produktionsfirma will möglichst wenig Geld ausgeben.

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IMSÜDEN.AT: Eigentlich ein Scheißjob, oder Lukas?
Lukas Schwarzkogler: (lacht) Überhaupt nicht! Außerdem ist die Airborne Motion Pictures ja eine sehr kreative Filmproduktionsfirma. Wir machen viel TV und Werbespots, aber auch Visual Effects fürs Kino. Wir haben zum Beispiel auch „Bad Luck“ von Thomas Woschitz gemacht, den ihr ja auch interviewt habt. Dann natürlich den STREIF-film und für das RedBull Mediahouse sind wir immer wieder tätig, sowohl in Produktion, als auch in der Postproduktion. Gerade ist „Brüder im Wind“ im Kino, da sind die Effects und auch die Drohnenflüge von uns.

IMSÜDEN.AT: Drohnen! Da war ja mal was, oder? Hat die Airborne ihre Luftwaffe jetzt ausgegliedert?
Lukas Schwarzkogler: Könnte man so sagen (lacht). Patrick Brandstätter konzentriert sich jetzt mit einer eigenen Firma nur auf die Entwicklung der Drohnen. Das ist ja mittlerweile ein eigener Industriezweig geworden. Also haben wir uns sozusagen gegenseitig ausgegliedert. Aber natürlich arbeiten wir noch eng zusammen. Er ist bei der Luftwaffe der Geschäftsführer, ich hier in der Filmproduktion, wo wir „nur noch Träume zum Fliegen bringen“.

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IMSÜDEN.AT: Wie wurde die „Airborne“ eigentlich zum Überflieger? Eine kleine Firmengeschichte bitte!
Lukas Schwarzkogler: Das ist schnell erzählt. Patrick Brandstätter hatte ein Projekt, wofür wir Luftaufnahmen gebraucht hätten. Da es keine lässigen Luftaufnahmen gab und gerade ein James Bond mit Drohnen gedreht worden war, haben wir gesagt, das machen wir auch!

IMSÜDEN.AT: Drohnen?
Lukas Schwarzkogler: Ja, wir haben eine Firma gegründet und versucht einen kleinen ferngesteuerten Hubschrauber zu bauen, an den wir alles dranhängen können, was man für gute Luftaufnahmen so braucht. Was soll ich sagen: Hat geklappt (lacht).

IMSÜDEN.AT: Aber wieso g’rade in Kärnten?
Lukas Schwarzkogler: Ganz pragmatisch, hier haben wir die entsprechenden Förderungen bekommen. Ich kam damals aus New York, wo ich als Motion Designer gearbeitet hatte und das war schon ein etwas starker Kontrast. Aber es hat sich schnell herausgestellt, dass man hier im Süden viel ungestörter und konzentrierter arbeiten kann. Da kommt der Kunde eben nicht jeden zweiten Tag auf einen Kaffee vorbei und macht Druck, oder hat „Ideen“, weil er in Wien oder Berlin sitzt. Das ist auch ganz fein.

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IMSÜDEN.AT: Zumindest bis ihr euch dann mit der Kärnten Werbung eingelassen habt, oder (lacht)?
Martin Doblhammer: (lacht) Ja, da wars dann vorbei mit der Ruhe. Nein, es war wirklich eine ganz wunderbare, hochprofessionelle Zusammenarbeit mit einem tollen Ergebnis. Das zeigen ja auch die ganzen Preise, die der Film abgeräumt hat.

IMSÜDEN.AT: Genau, da ging ja einiges, oder?
Lukas Schwarzkogler: Von Los Angeles über die ITB in Berlin und Cannes bis nach Baku haben wir bei vielen Tourismusfilmfestivals Preise bekommen.
Bernd Pfingstmann: In Baku waren Tourismusfilme aus der ganzen Welt am Start und da wird man ja nach zwei Stunden Landschaftenschaun ganz irre. Da kann man einfach nicht mehr unterscheiden, was wo ist. Da sticht unser Spot natürlich schon ziemlich heraus. Das ist sicher ein Qualität.
Lukas Schwarzkogler: In Baku waren wir unter den besten sieben Tourismusfilmen weltweit!

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IMSÜDEN.AT: Den CREOS nicht vergessen, bei der ganzen Euphorie…
Martin Doblhammer: Natürlich nicht! Aber was für mich als Kunden zählt sind ja nicht die Preise, sondern vor allem die Wirkung und da ist für mich die größte Auszeichnung die Durchschauquote auf Youtube. Da haben wir beim 90-Sekünder über 60%! Das ist irre…
Lukas Schwarzkogler: Das stimmt, da hast oft mit einem 7-Sekünder zu tun sowas zu erreichen.

IMSÜDEN.AT: Und was macht einen guten Werbespot wirklich aus? Außer einem Haufen Preise und einer hohen Durchschauquote auf YouTube?
Lukas Schwarzkogler: Aus der Sicht der Produktionsfirma muss jedenfalls das Handwerk perfekt sitzen und die Technik muss State of the Art sein. Ein Profi macht technisch sicher keinen Schnitzer. Aber eine gute Werbeproduktion braucht einfach Zeit und darf auch mal ein paar Schritte zurückgehen um Anlauf zu nehmen. Ein Problem unserer Zeit ist sicher, dass die Zeit oft nicht da ist. Man muss immer schnell die besten Ergebnisse erzielen. Das war bei der Kärnten Werbung zum Glück nicht der Fall, dafür bin ich heute noch dankbar.
Martin Doblhammer: Was an der Zusammenarbeit auch super war, ist, dass es ein sehr offener Prozess war, sowas wie eine lebendige Diskussion. Die Kreativen haben sich auf unsere Ideen als Auftraggeber eingelassen und wir haben uns auch nicht zu stur gestellt. Das war wirklich sehr angenehm.
Lukas Schwarzkogler: Ja, das kann ich nur bestätigen und oft hat der Kunde ja auch Recht (lacht)! Nein, im Ernst, wir hatten schon oft Produktionen, wo wir im Nachhinein eingestehen mussten, dass die Kritik des Kunden das Produkt absolut verbessert hat. Da tut man sich als Kreativer ja immer ein wenig schwer, aber da muss man sich öffnen, finde ich.

IMSÜDEN.AT: Öffnen finden wir gut! Das nehmen wir als Schlusswort.

(PIX: Johannes Wouk & AIRBORNE)


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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