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Von Clemens Huss, Fotos: vom Autor

Papa muss zum Frauenarzt

Jetzt ist schon wieder was passiert! Aber keine Angst – war alles so geplant. Nur diese angsteinflößenden Frauenarztbesuche schlagen mir noch auf den Magen.

Mit Tränen in den Augen lässt meine Frau den Schwangerschaftstest fallen. Ob vor Freude oder Enttäuschung, das sehe ich nicht. Nach einem kurzen Moment des Innehaltens und Durchschnaufens flüstert sie leise: „E-E-Es hat geklappt. Ich bin schwanger!“ BINGO! Dass ich das so schnell hinbekomme, damit hat sie anscheinend nicht gerechnet. Jaja… meine Jungs sind halt auf Zack und haben den Weg zur Gebärmutter quasi schon beim ersten Versuch gefunden. Warme Wogen des Glücks keimen in mir auf. Wie ein Gärtner, der im Frühling, während der ersten wärmenden Sonnenstrahlen, die Samen für Blumen, Gemüse und Kräuter behutsam in die Erde pflanzt, habe auch ich den Samen des Lebens weitergegeben. Wieder einmal.

Nun heißt es für mich also zum zweiten Mal die Prozeduren, die Mann während einer Schwangerschaft ausgesetzt ist, hinter mich zu bringen. Frauenarztbesuche, Organscreening und Geburtsvorbereitungskurs. Klingt zuerst mal – zumindest für Männer – angsteinflößend. Ist es auch! Obwohl ich das ganze ja bereits einmal hinter mich gebracht habe, spüre ich wie mir die Gänsehaut über den Rücken steigt. Dabei war das ja alles gar nicht so schlimm. Nein, es war sogar wirklich spannend! Aber der Reihe nach…

Der erste gemeinsame Termin beim Frauenarzt

Ultraschall

Vage erinnere ich mich an die letzte Schwangerschaft meiner Frau. Und wenn ich mich recht entsinne, waren die gemeinsamen Besuche bei der Frauenärztin nicht gerade das, was man(n) als „entspannt“ bezeichnen würde. Wie ich auch diesmal wieder erfahren muss, hat sich seither leider nicht viel geändert. Kaum sind wir in der Praxis angelangt, beschleicht mich Beklemmung. Ich fühle mich so deplatziert wie eine leicht bekleidete Frau in einer arabischen Zigarrenlounge und so verloren wie auf einem Tretboot mitten im Atlantik.

Frauen mit Beschwerden, die ich als Mann niemals werde nachvollziehen können, sitzen wie an einer Perlenkette aufgefädelt auf bunten Stühlen an der Wand. Blicke treffen mich wie Nadelstiche, die Luft lässt sich in Scheiben schneiden. Peinlich betreten und um mich von den Blicken abzuschotten, schnappe ich mir das erstbeste Magazin, das auf einem kleinen Tischchen vor mir liegt. „Schlangenbrut – Zeitschrift für feministisch interessierte Frauen“ steht darauf. Mein Unbehagen steigt. Kurz nachdem ich mich durch den Artikel „Entwicklungen der feministischen Exegese“ gequält habe und gerade als ich verwundert eine Werbeanzeige für ein Mittel gegen vaginale Trockenheit studiere, wird der Name meiner Frau ausgerufen. Endlich! Wir lassen die bedrückende Atmosphäre im Wartezimmer hinter uns und begeben uns in den Behandlungsraum.

schwanger

Die Ärztin begrüßt uns freundlich aber etwas reserviert. Sie hat bestimmt schon viel erlebt – so was stumpft ab. Trotzdem hat sie auch für mich ein Lächeln und einen Händedruck übrig. Sehr zuvorkommend und geduldig beantwortet sie einige Fragen meiner Frau, die sich in den letzten Schwangerschaftsmonaten ergeben haben. Die Atmosphäre ist sachlich und angenehm. Auch meine Beklemmung löst sich langsam und die Vorfreude auf den für mich interessanten Part der Untersuchung – den Ultraschall – steigt. Nach Abschluss des kurzen Gesprächs begibt sich meine Frau endlich auf diesen Stuhl, auf den man sich nur mit gespreizten Beinen setzen kann und den die Männerwelt nur aus dem Fernsehen kennt.

Das Wunder in Bild und Ton

Kurz darauf flimmern auch schon die ersten Bilder unseres zweiten Kindes über den Bildschirm. Ich spüre wie mein Herz mit kräftigen Stößen versucht Blut in mein Hirn zu pumpen. Ohgottohgott, wie spannend! Ob wohl alles in Ordnung ist? Man hört und liest ja vorher so einiges. Vor allem auch was alles NICHT passen könnte. Die eigene Fantasie tut dann noch das Übrige und zum Schluss sitzt man – so wie ich – schweißgebadet und zitternd wie ein nervöses Wrack hinter seiner Frau und starrt gebannt auf den Monitor.

Obwohl die Bilder für mich oft schwer zu erkennen sind und eher wie ein abstraktes Kunstwerk wirken, schafft es die Ärztin mit ihrer ruhigen Stimme alles genau zu erklären und mich zu beruhigen: „Zwei Arme, zwei Beine, Finger, Zehen, alles da. Kopfumfang, und generelle Proportionen absolut in Ordnung. Und das Herz! Wunderschön! Und so kräftig! Hören Sie mal!“ BADAMM-BADAMM-BADAMM-BADAMM schallt es durch die kleinen Computerlautsprecher. Wahnsinn, was für ein Affentempo! Und was für ein Lebenszeichen erst! Feuchtigkeit sammelt sich in den Augen meiner Frau, und als ich das sehe, vielleicht auch ein bisschen in meinen. „O.K. Dann sehen wir uns mal das Geschlecht an“, sagt die Ärztin in ihrem ruhigen, routinemäßigen Tonfall. HÄ? Das Geschlecht? Bis zu diesem Zeitpunkt bin ich eigentlich immer davon ausgegangen, dass es ein Bub wird. Zwei Kinder. Einmal Mädchen, einmal Bub. Genauso hab ich mir das vorgestellt. „Ahja, eindeutig ein Mädchen!“, konstatiert die Ärztin. Wie sie das anhand der abstrakten Bilder auf dem Monitor bestimmen will, ist mir ein Rätsel. Ich kann es ihr auch nicht ganz glauben. Die Folgen für mich wären verheerend. Der einzige Mann in der Familie! Ein aussterbendes Geschlecht! Obwohl … wenn ich genauer drüber nachdenke … hmmm … ich bin ja dann doch der Hahn im Korb, der Chef im Ring! Klingt doch gar nicht so schlecht. Sich bedienen und verwöhnen lassen, bewundert werden für Kraft, Ausdauer und Männlichkeit. Klingt ehrlich gesagt sogar fantastisch! JUHUUU! Ein Mädchen!!!

So bereitet sich Papa vor

Ultraschall

Wie man einen Zopf bindet, hab ich ja schon dank meiner ersten Tochter gelernt. Jetzt, mit dem zweiten jungen Frauenzimmer im Haus, muss ich mir wohl ausgefeiltere Techniken im Flechten und Frisieren zulegen. Seitenzopf, französischer Dutt, Gretchenzopf, holländischer Pferdeschwanz. Ich will sie alle! Vielleicht besuche ich auch ein, zwei Seminare an der Volkshochschule … mal schaun. Man will ja schließlich ein cooler Vater sein. Zuvor steht mir aber noch die unsägliche Zeit der Schwangerschaft bevor. Geburtsvorbereitung, weitere Frauenarztbesuche und die typischen Launen einer schwangeren Frau. Ich bin mir sicher, es wird ein Wahnsinn!


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Clemens Huss
Clemens Huss Geboren in Tirol, aufgewachsen in Kärnten. Papa seit 2013. Selbstständig als Texter, Webdesigner und Experte für Online Kommunikation ..
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