DaddysDiary
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Hallo, ich bin jetzt mal da!

Schweiß, Tränen und Blut – so schön kann eine GEBURT sein. Ein Bericht aus erster Hand.

Ein Tag wie jeder andere. Der Wecker klingelt, ich mache mich fertig für den Arbeitstag. Die Geburt meiner Tochter ist in meiner Welt noch ein fernes Hintergrundrauschen. Immerhin sind es bis zum offiziellen Geburtstermin ja noch sieben Tage. Glaube ich zumindest. Doch weit gefehlt. Um 15 Uhr am Nachmittag erreicht mich folgende SMS: „Fruchtwasser ist grad abgegangen. Bring doch bitte noch ein paar Laugenstangerln oder so mit, wenn du nach Hause kommst.“ Fruchtwasser? Laugenstangerln? Verwirrt versuche ich, die Zeilen zu entschlüsseln. Nach einiger Zeit erreicht die wichtigste Information mein Großhirn. Es geht los! Ich springe aus meinem Bürosessel auf, spüre wie sich meine Nackenhaare aufstellen und mein Puls ruckartig ein anderes Tempo anschlägt. Bevor ich mich auf den Weg nach Hause mache, wollen die Arbeitskollegen noch letzte Unterweisungen für meine Vertretung. Mit zitternden Händen versuche ich dem nachzukommen und verlasse schließlich das Büro.

Zuhause angekommen empfängt mich meine Frau mit einem breiten Grinsen. Keine Spur von Nervosität: „Keine Panik, wir haben noch Zeit. Wenn wir in einer Stunde losfahren, reicht das völlig.“ Normalerweise bin ich der ruhige Part in unserer Beziehung, doch heute ist alles anders. Wie ein aufgescheuchtes Huhn laufe ich in der Wohnung herum und packe unser Geburts-Survival-Package zusammen. Pflaumen, Müsliriegel, Laugenstangerl, Massageöl, Stoffwindeln, Tücher um das Blut wegzuwischen und ein paar CDs. Alles was man laut Vorbereitungskurs so braucht. So eine Niederkunft ist ja schließlich kein Kindergeburtstag. Obwohl… naja… lassen wir das.

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9 Zentimeter sind einer zu wenig
Ab ins Auto. Einige Überholmanöver später kommen wir gegen 17 Uhr im Krankenhaus an. Dort dürfen wir auch gleich unser Zimmer beziehen. Ein Bett, ein Schrank, Kommoden, ein CD-Player und ein Gerät, das wohl die Wehen aufzeichnen soll. Das Projekt Geburt kann starten. Noch halten sich die Schmerzen aber in Grenzen. Doch das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Die Stunden vergehen und die Wehen werden häufiger und heftiger. Ich lege „Rock my Baby“ von George McCrae auf um für eine entspannte Atmosphäre zu sorgen und in die passende Stimmung zu kommen. Irgendwie komme ich mir nutzlos vor. Der funkige Sound schlägt aber sofort an. Das Kind will raus und die werdende Mama wird von einer Monsterwehe gebeutelt.

Es ist schwül im Zimmer. Ich mache das Fenster auf. Während von draußen eine angenehme frische Brise ins Zimmer weht, trägt es die Schmerzensschreie meiner Frau hinaus auf die Straße. Was sich die Leute da draußen wohl denken? Sie werden es wahrscheinlich gewohnt sein.

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Während wir gemeinsam versuchen die Wehen wegzuatmen, schneit die Hebamme immer wieder herein und steckt ihre Finger in die unteren Regionen meiner Frau. 4 Zentimeter! 6 Zentimeter! 8 Zentimeter! Uff. Das dauert. Bei 10 Zentimetern sollte es soweit sein. Doch wir bleiben bei 9 Zentimetern stehen. Stundenlang. Auf Anweisung der Hebamme starten wir trotzdem einen ersten Versuch, das Kind herauszupressen. „Entspannen! Sie müssen sich entspannen!“ schreit die Hebamme, während sie mit ihrer gesamten Hand im Geburtskanal steckt. Klar doch. Überhaupt kein Problem. Wir sind die Ruhe in Person. Doch es hilft alles nichts. Das gute Kind will nicht raus. Die Arme findet den Weg nicht. Um 3 Uhr früh teilt uns die diensthabende Ärztin schließlich mit, dass unsere Tochter irgendwo im Becken festhängt. Ein Kaiserschnitt muss her!

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Betäubungsmittel, Blut und die Erlösung
Jetzt geht auf einmal alles ganz schnell. Flugs wird der werdenden Mutter eine Mordsspritze in die Kanüle gejagt. „Wehenblocker – damit die Schmerzen nachlassen“, erklärt die Ärztin kurz angebunden. Ein rollendes Bett wird hereingeschoben und Hebamme und Ärztin helfen meiner Frau hinein. Gemeinsam schieben wir sie durch die neonbeleuchteten Krankenhausgänge und achten darauf, nirgends anzustoßen. Schließlich kommen wir im OP-Saal an. Ich muss mich in OP-Kleidung schmeißen, was ich auch gerne mache. Atemschutz, Haube, grüner Kittel und Crocs. Sehr kleidsam. Und dann warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit bittet mich schließlich die Hebamme in den OP-Raum. Außer uns beiden sind auch noch meine Frau, die Ärztin und ein, zwei Assistenten im Raum. Glaube ich zumindest. Meine Wahrnehmung ist mittlerweile schon äußerst diffus. Ich werde zu einem Schemel neben dem Kopf der werdenden Mutter geleitet. Hier bitte, Platz nehmen! Kein Problem. Ich sehe nur das Gesicht meiner Frau. Vom Hals weg spannt sich ein Sichtschutz nach oben. Wir können also beide nicht sehen, was die Ärzte da eigentlich machen. Was ich aber sehr wohl sehe, ist, wie vom Fußende meiner Frau immer wieder blutgetränkte Tücher zur Wand mir gegenüber geschmissen werden. Der Tücherberg wächst mit besorgniserregendem Tempo. „Damit wird das Blut weggewischt“, erklärt der Assistenzarzt. Aha. Wie beruhigend. Immerhin lächelt mich meine Frau seelig und ruhig an. Sie scheint glücklich und zufrieden und spürt dank der Wehenblocker und einem ganzen Arsenal an Betäubungsmitteln nichts mehr. Gutes Zeug! Das schlimmste ist anscheinend überstanden. Wir versuchen, uns gegenseitig abzulenken und quatschen über Belanglosigkeiten. Im Augenwinkel erkenne ich, wie ein kleines, blutiges Bündel aus dem Raum getragen wird. War das unsere Tochter? Es ist alles ein bisschen unwirklich – wie in einem Kafka-Roman.

Es war unsere Tochter, wie mir die Hebamme mitteilt. Nicht mehr lange und ich darf einen ersten Blick auf sie werfen …

pix: Clemens Huss


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Clemens Huss
Clemens Huss Geboren in Tirol, aufgewachsen in Kärnten. Papa seit 2013. Selbstständig als Texter, Webdesigner und Experte für Online Kommunikation ..
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