DaddysDiary
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Hallo, ich bin jetzt mal da – die Nachwehen

Von Kuscheleinheiten, Schlafmangel, Kindesverwechslungen und Kot. Der erste Kontakt.

1. Oktober, 3:45 Uhr schreibt die Hebamme mit kugeligen, weiblichen Lettern, die so gar nicht zu ihr passen, auf das Geburtsbillet. Es ist geschafft! Erstmals kehrt etwas Ruhe ein. Während meine Frau mit Infusionen versorgt und in einen Ruheraum gerollt wird, bekomme ich meine Tochter zum ersten Mal bewusst zu Gesicht. Arme, Beine, Kopf, strahlend blaue Augen – alles da und ganz der Papa. Die Ohren leicht abstehend – das hat sie von der Mama, und viele, viele dunkle Haare! Ein bisschen wie ein Inuit. Ob ich wirklich der Vater bin? Das kleine Ding wird gewogen und gemessen. 3450 Gramm, 51 Zentimeter. Ein Prachtexemplar! Natürlich bin ich der Vater! Männerwelt, nimm dich in Acht, da kommt meine Tochter! Stolz überkommt mich. Ich kann es kaum erwarten die Kleine in die Arme zu schließen.

Während meine Frau noch im Ruheraum liegt, bekomme ich die Möglichkeit, meinen Sprössling etwas näher kennenzulernen. Bonding – so nennen es die Experten. Klingt wichtig und ist es auch. Unbeholfen lege ich die Kleine auf meine nackte, vor Stolz geschwellte Brust. Erstaunlich kräftig, das Ding. Es kann bereits seinen Kopf heben. Nicht lange, aber für kurze Momente immerhin. Und es sucht meine Brustwarze um daran zu nuckeln. Falsche Adresse – ich hab leider momentan keine Milch. Da heißt es wohl auf Mama warten. Nach etwa 2 Stunden wird sie endlich hereingeschoben. Müde, aber glücklich kuscheln wir uns zu dritt in ein Bett.

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Ups … das ist ja gar nicht mein Kind!
7:30 Uhr am Morgen. Die erste Untersuchung steht an. Während sich die frischgebackene Mama im Krankenhausbett räkelt und sich von den Strapazen erholt, werde ich ins Untersuchungszimmer gerufen. Schön langsam zeigt der Schlafmangel seine Wirkung. Wie in Trance schleppe ich mich durch den Flur, vorbei an Putzfrauen und Krankenschwestern, in einen großen, abgedunkelten Raum. Rechts an der Wand liegen auf einer langen Theke drei neugeborene Babys in Reih und Glied. Merkwürdiges Bild. Eine Hebamme empfängt mich am Eingang und sagt mir, ich solle mich doch bitte zu meiner Tochter bewegen – die Kinderärztin kommt gleich um die ersten Untersuchungen vorzunehmen. Ich glaube, meine Tochter an ihrer Haarpracht zu erkennen und taumle auf das mittlere Baby zu. Dort gesellt sich sofort eine junge Mutter zu mir, die mich mit einem irritierten Blick mustert. Kein Wunder – es ist schließlich ihr Baby. Für einen kurzen Moment wird mir etwas heiß und ich spüre wie mir das Blut ins Gesicht schießt. Zum Glück ist die Hebamme geistesgegenwärtig genug um mich mit sanftem Druck zu meiner Tochter – links davon – zu bugsieren und mich aus dieser peinlichen Situation zu befreien. Egal, kann passieren. Hier liegt sie also – und hat genau so viele Haare wie das Baby neben ihr. Ich frage mich wie oft es in Krankenhäusern wohl zu Kindesverwechslungen kommt. Wie viele Eltern ziehen eigentlich gar nicht ihr eigen Fleisch und Blut groß, ohne es zu wissen? Fragen, für deren Beantwortung mir keine Zeit bleibt. Die Kinderärztin ist da und überprüft mit schnellen, geübten Handbewegungen Körperfunktionen, die bei Babys halt so überprüft werden. Atmung … in Ordnung, Gelenke … okay, Augen … sehr schön, Ohren … etwas abstehend aber sonst alles in Butter. Und so viele Haare!

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Die erste Prüfung noch vor der Heimfahrt
Nach der Untersuchung geht es zurück zur Mama. Ich nehme meine Tochter auf den Arm und mache mich auf den Weg. Das erste Mal Wickeln steht bevor. Kindspech, so nennt sich die Ausscheidung, die Neugeborene in den ersten Tagen nach der Geburt absondern. Beim Anblick dieser schwarz-grünlichen Substanz muss ich unwillkürlich an Fensterkitt denken. Was sich damit wohl so alles zusammenkleben lässt? Mit Hilfe der Hebamme meistere ich diese erste Prüfung als Papa hervorragend. Weitere werden folgen, aber mit Sicherheit wird am Ende alles gut!

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Genau das denkt sich auch meine Frau. Schnell ist sie wieder so fit und erholt, dass wir bereits am nächsten Tag unsere Sachen packen und nach Hause fahren dürfen. Ich schnalle meine Tochter ins vorsorglich mitgebrachte Maxi Cosi. Winzig klein und zerbrechlich wirkt sie darin. Mein Beschützerinstinkt macht sich bemerkbar – immerhin geht’s jetzt raus in die große weite Welt. Vorher aber noch nach Hause nach Klagenfurt. Vorsichtig verfrachte ich sie ins Auto und fahre los. Langsam legt sich die Anspannung. Wir sind jetzt zu dritt. Meine Nackenhaare entspannen sich. Ich entspanne mich. Es war wohl doch kein Tag wie jeder andere!

pix: Clemens Huss


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Clemens Huss
Clemens Huss Geboren in Tirol, aufgewachsen in Kärnten. Papa seit 2013. Selbstständig als Texter, Webdesigner und Experte für Online Kommunikation ..
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