IMSÜDEN
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Von iPhones, Golfschlägern und Vollbärten…

Ein Praktikumsbericht von Alina Hainig alias „GrumpyTrainee“. Gestresste Redakteure in Anzügen und mit gelecktem Haar schwirren wie die Bienchen durch die Gegend und scheinen dabei stets ihr Ziel vor Augen zu haben. Das Klappern von Tastaturen verliert sich, gemeinsam mit dem kratzenden Klang der Schreibtischsessel-Rollen, in den Weiten der Büroräume. Der Umgangston ist rau und förmlich. Überall Langweiler und Schnösel, die ihre Arbeit und die Monotonie ihres Alltags hassen. Einzig wilde Diskussionen bieten mir großes Kino und bereiten mir wenigstens ein kleines bisschen Freude am sonst so faden Alltag. Ich muss Kaffeekochen und irgendwelches Zeug kopieren… hin und wieder darf ich den anderen auch beim Arbeiten zusehen, aber grundsätzlich gilt es für mich den Sklaven zu spielen. Respekt meinerseits ist gefragt, also pass auf, was du sagst, Alina! Hoch lebe die Hierarchie! So würde mein Praktikum bei IMSÜDEN.AT ablaufen, versprach mir meine Vorstellung.

Die Realität präsentierte mir vor allem Vollbärte, einen Chef, den man ohne Golfschläger kaum antrifft (die Frage nach dem Grund dafür quält mich nach wie vor so sehr, dass ich manchmal nachts davon träume… ich glaube er weiß einfach nicht, wofür man das Ding eigentlich verwendet und trägt es nur deshalb mit sich rum…), einen anderen Typen, der auf den ersten Blick keine andere Aufgabe, als „lächeln und winken“ zu haben scheint (auf den zweiten Blick ist er der Key-Account, was auch immer das sein soll) und einen Chefredakteur, der seine Füße am liebsten neben den fein säuberlich gestapelten, leeren Kaffeetassen auf seinem Schreibtisch parkt. Es ist hier aber auch echt kuschelig (abgesehen von dem Golfschläger, der mir echt Angst macht). Könnte an der Musik oder an der Discokugel, deren Farben durchs ganze Büro tanzen, liegen. Also Langweiler sind das keine, der Umgangston ist weder rau, noch förmlich, sonderlich gestresst sehen sie auch nicht aus und Hierarchie ist was anderes…

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So… und eigentlich müsste man jetzt meinen, ich hätte mich sofort wohl gefühlt. Dem war aber nicht so! Anfangs kam ich mir ein bisschen vor, wie der Englishman in New York. Auf subtile Art willkommen, dennoch etwas deplatziert. Planlos und sehr eingeschüchtert von all den Eindrücken, die ich niemals erwarten hätte können, stand ich da an meinem ersten Tag und wollte eigentlich wieder heim und weiterschlafen, doch ich wusste ja, das geht nicht. Wäre ich ein Dackel gewesen, hätte ich wohl angefangen meinem Schwanz nachzujagen. Außerdem verstand ich nicht, was die zu mir sagten. Jedes fünfte Wort war eine Abkürzung, jedes dritte war Englisch und der Rest waren Fachausdrücke… Leute, ich bin erst 16 und hab noch nie wirklich gearbeitet… Ich hab keine Ahnung, was ihr von mir wollt, wenn ihr so redet!!! Manchmal tat ich dann so, als wüsste ich nicht, dass man mit mir spricht und immer, wenn deutlich mein Name zu hören war, versuchte ich halt einfach ab und zu mal „ja“ zu sagen und zu lachen und hoffte, dass es an den richtigen Stellen war. Offensichtlich waren es aber nicht die richtigen Stellen, denn ehe ich mich versah, saß ich in einem Auto und war auf dem Weg zu einem Interview. Tja… so kann’s einem gehen… Shit!

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Von da an gab ich lieber den stillen Beobachter und sagte so ca. zwei Stunden kein Wort mehr, was mich aber auch nicht gerade aus meiner peinlich berührten Lage befreite… Ich saß also stillschweigend, gemeinsam mit drei Männern, die eine völlig andere Sprache zu sprechen schienen, an einem Tisch. Vor mir drei Ray-Ban und drei iPhone 5, die abwechselnd im Minutentakt vibrierten. Status Ahoi!! Ich überlegte kurz, ob ich vielleicht mein drei Jahre altes Samsung mit dem zerbrochenen Bildschirm, das sich alle paar Tage mal bei mir meldet, und meine 7€ Sonnenbrille von H&M dazulegen sollte… ich entschied mich dagegen.

Aber der Mensch kann sich ja so ziemlich an alles gewöhnen (was eigentlich echt erschreckend ist) und so fühle auch ich mich inzwischen schon ganz schön wohl in diesem komischen Haufen hier (was auch ein bisschen erschreckend ist). Erstaunlicherweise hab ich auch einiges gelernt bei meinem, nennen wir es Praktikum (zum Beispiel, dass es nicht viel mehr als eine Katze braucht, um Menschen zu begeistern), ich durfte sehr viele interessante Menschen kennenlernen und habe extrem viel gelacht. Diese Werbe- und Medienleute sind schon ein lustiges Völkchen…
Mir hat es hier im Endeffekt sogar so gut gefallen, dass ich gar nicht will, dass mein Praktikum schon aus ist… „Die nächsten zwei Jahre bist du ja eh noch fix hier in Kärnten, oder? Da kannst ja eigentlich noch weiterschreiben für IMSÜDEN.AT, wenn du das willst!“, hat man mir gesagt… und ich will… Deshalb wird wohl auch in Zukunft noch der ein oder andere Text von mir hier erscheinen.

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Und für alle, die mein Praktikum auf Facebook verfolgt haben und jetzt denken, ich wurde über Wochen hinweg gequält, gedisst, zu irgendwelchen Sachen gezwungen und behandelt, wie der Sklave eines Sklaven: WAR DOCH NUR SPASS!! Also keine Sorge! Wie der Kopierer funktioniert, weiß ich bis jetzt noch nicht… ich weiß noch nicht einmal, ob der überhaupt funktioniert, Kaffee hab ich wenn, dann nur für mich selbst, oder für ein Foto gemacht, am Boden sitz ich irgendwie generell ganz gerne und grantig war ich auch so gut wie nie. Hatte ja keinen Grund dazu…

pix: Johannes Wouk, Nicole Petritz


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Alina Hainig
Alina Hainig | im Süden geboren, aufgewachsen und (fast schon) ausgewachsen | besucht derzeit das BG Tanzenberg | machte ein Praktikum ..
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