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Von Karin Huber, Fotos: vom Autor

Spieleabend mit Gemetzel

Mhm… So sieht also so ein ominöser „Pärchenabend“ aus:  Der Gott des Gemetzels heißt das Stück, das mir im Stadttheater Klagenfurt einen Abend wunderbare Unterhaltung und einige aufschlussreiche Informationen über das Sozialverhalten von Eheleuten beschert hat.

Eigentlich müsste ich über das Eheleben „in meinem Alter“ ja genug aus eigener Erfahrung wissen, witzelte meine Mutter kurz vor Spielbeginn. Was für ein Scherzkeks, die Mama. Dabei weiß sie doch selber, wie das mit der Ehe ist. Zuerst alles supi, und ehe (Ehe!!!!) man sich versieht, ist man mitten im Alltagstrott und kommt aus den Fingerschellen nur noch mit viel Kinderherzschmerz wieder raus. Gesellschaftlich angeschossen obendrein, weil rein gesellschaftlich gesehen Beziehungen ja auch supi laufen. Kein Wunder also, dass Singles immer noch als Outlaws betrachtet werden. Aber auch kein Wunder, wenn man als Single ins Theater geht, um etwas über Beziehungen zu erfahren. Bei heiklen Themen war ich noch nie gerne Protagonist!

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Auf der Bühne also gleich 4 Protagonisten; 2 Paare, die den handfesten Streit ihrer Kinder gerade biegen wollen. Anfangs läuft das Gespräch gesittet und zumindest oberflächlich höflich – aber es dauert nicht lange und das Publikum weiß, woher die Bälger den Hang zur Konfliktbereitschaft haben. Zunächst wird zurückhaltend kritisiert, bald schon wird auf Zurückhaltung gepfiffen und letztendlich eskaliert das Gespräch vollends. Es fliegen Beleidigungen, Tulpen und Erbrochenes, es wird geweint, ein Handy trocken geföhnt und ein Hamstermord angedichtet. Bis auf das Abmurksen des Hamsters erkenne ich mich in einigen Handlungen wieder (aktiv und passiv, bitte!). Das Publikum lacht schallend, zu Recht. Und ich bin mir sicher, dass es den meisten so geht wie mir.

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Was ich beruhigend finde, schließlich hat bei mir der Gott des Gemetzels schon durchaus ordentlich gewütet. Umsonst bin ich ja auch nicht Single. Weniger beruhigend finde ich aber, dass ich mir so diese Pärchenabende vorstelle. Früher stand man auf der Gästeliste der angesagtesten Clubs, nach 6 Monaten Beziehung steht man auf Spieleabende und dreht am Rad (beim Spiel des Lebens). Pfuh. Diese Abende laufen vermutlich genau so ab, wie der Streitschlichtversuch auf der Bühne im Stadttheater. Alles eitel Wonne, bis der Kegel bei „Mensch-ärgere-dich-nicht“ kurz vom Ziel von der eigenen Partnerin rausgekickt wird. Vorbei mit „Zuckerschnäuzchen“, her mit Schnauze und dem Wodka. Die Manieren werden spätestens beim dritten Stamperl vergessen und freizügig über die Probleme in der Beziehung geplaudert. Oder über Urinstein in der Toilette. Das Gemetzel schlechthin, Waterloo ist ein Dreck dagegen.

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Ich frage mich ja sowieso, wann genau der Punkt in einer Beziehung gekommen ist, an dem man Contenance gegen Cholerik tauscht. Wann man nur noch nach außen glücklich ist. Wann der Gott des Gemetzels mit voller Wucht zuschlägt, und nicht mehr sanft, in kleinen, gesunden Dosen. Denn die wären ja halb so schlimm; ja eigentlich sogar wohltuend. Wie reinigende Gewitter, die den Gestank des letzten Lagerfeuers wegwaschen. Nachdem ich ganze Waldbrände verursacht habe, weiß ich, wovon ich rede. Warum diese kleinen Dosen in Beziehungen aber gerne ausbleiben und erst geballt – praktisch als Überdosis – auftreten, weiß ich allerdings nicht.

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Nachdem ich als Single reichlich wenig über Beziehungen sagen darf, sich aber umgekehrt Pärchen-Paare immer gerne als Single-Ratgeber geben, nehme ich mir – beflügelt durch das tolle Stück –  mal heraus, einen Rat an alle Singles, Profis wie Neos, Verliebte, Verlobte, Verheiratete, Geschiedene und solche, die das alles noch werden wollen, zu geben: wartet nicht den letzten Tropfen ab, der das Fass zum Überlaufen bringt. Das kann ziemlich hässlich mit Kotze und so enden. Versucht, den Gott des Gemetzels zu mäßigen, denn dann ist er ziemlich das Beste, was ihr vollziehen könnt. Manchmal kann eben „halt’s Maul“ die einzige richtige Antwort vor der Eskalation sein. Manchmal ist es eben besser, nach außen nicht supi zu sein und seine Emotionen nicht ganz weit rein zu fressen. Die kommen nämlich eh wieder raus, wie man auf der Bühne im Stadttheater sehen kann.

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Wer den Grad zwischen gemäßigt und cholerisch nicht kennt; wer sehen möchte, dass es auch woanders ordentlich unter der Oberfläche brodelt, oder wer einfach nur einen kurzweiligen Abend mit viel Lachen verbringen möchte (und den Alten mal zu Hause lassen will): ich kann euch das Stück nur wärmstens empfehlen.

…und sollte sich jemand für den nächsten Spieleabend rüsten wollen: es gibt das „double couple“ Angebot. Have fun :) ….aber murkst mir keine Hamster ab!


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Karin Huber
Karin liebt Kommunikation. Egal ob reden oder schreiben, beruflich oder privat, Hauptsache, sie kann ihre Meinung geigen. Und: Karin ist ..