BUSINESSBEACH
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„Wir sind sicher nicht die Wohlfahrt, aber auch keine Kapitalmaschine“

Stefan Oberhauser ist bei allem dabei, was in K mit START beginnt und mit UP aufhört und seit kurzem verfügt er über das Geld anderer Leute, um damit auch ordentlich was in die Wirtschaft des Landes zu investieren. Der Investors Club Carinthia ist der erste seiner Art im Süden und Stefan sein Geschäftsführer.

Stefan Oberhauser ist sowas wie der Geburtshelfer des StartUp-Ökosystems im Süden. Der Mann war nicht nur lange Jahre als Hebamme beim build! Gründerzentrum tätig, sondern auch im Regierungsbüro des Wirtschaftslandesrats dafür zuständig, dass bei den jungen Wilden der Wirtschaft was weitergeht. Stefan war zum Beispiel auch einer derjenigen, die den BUSINESSBEACH von einem kleinen Event zu einer landesweiten Infrastruktur gepusht haben. Wenn der Mann was anpackt, dann geht was weiter, soviel ist mal sicher! Daher sind wir schon sehr gespannt, was er denn jetzt schon wieder am Start hat, als wir den Villacher, der im Hauptberuf mittlerweile Immobilienentwickler ist, am BUSINESSBEACH VELDEN AM WÖRTHERSEE beim arbeiten treffen…

IMSÜDEN.AT: Hallo Stefan, wie gefällt’s dir hier im OpenAirBüro am Wörthersee?
Stefan Oberhauser: Einfach der perfekte Arbeitsplatz für den Sommer im Süden. Aber ich bin ja auch gern am BUSINESSBEACH DROBOLLACH AM FAAKER SEE, wenn es meine Zeit zulässt. Da ich zwischen Klagenfurt und Villach pendle, hab ich da die freie Auswahl.

IMSÜDEN.AT: Tja, wer so einen Arbeitsplatz hat, braucht keinen Urlaub mehr.
Stefan Oberhauser: (lacht) Ein bisschen Urlaub geht trotzdem noch, aber momentan haben wir ohnehin viel zu viel zu tun mit dem INVESTORS CLUB CARINTHIA

IMSÜDEN.AT: Ist das dein neuester Beitrag zum StartUp-Ökosystem im Süden?
Stefan Oberhauser: Könnte man so sagen, aber es ist nicht mein persönlicher Beitrag, sondern ein Zusammenschluss erfolgreicher Kärntner Unternehmer, die ihr Netzwerk, ihre Erfahrung und ihr Geld zur Verfügung stellen, um innovativen Jungunternehmern den nächsten Entwicklungsschritt zu ermöglichen.

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IMSÜDEN.AT: Wie bei 2 Minuten 2 Millionen auf Puls 4?
Stefan Oberhauser: So ähnlich, nur mit weniger Show und mehr fundiertem Unternehmerwissen. Die Investoren sind jetzt nicht so öffentlichkeitswirksam wie Haselsteiner und Hillinger, aber haben dafür geballtes Know-how und starke Netzwerke aus jahrelanger Unternehmensführung zu bieten. Alfred Außerlechner ist zum Beispiel ein sehr erfahrener Versicherungsmakler, Walter Nadrag ist seit 34 Jahren in der Halbleiterbranche erfolgreich, Primus Spitzer macht seit 20 Jahren Sonnenkraft, Johannes Steiner ist Maschinenbauer, Bernhard Unterlerchner Mechatroniker, Herbert Waldner Immobilienentwickler, Gert Wulz ist Baumeister und Robert Rogl und Ronald Schwarz sind Steuerberater. Michael Stahl und Gerhard Thomaschitz, mein Co-Geschäftsführer, kommen auch wieder aus dem Versicherungssektor.

IMSÜDEN.AT: Klingt nach einem großen Batzen Unternehmerwissen, aber wieso wollen die Herren ihr Wissen und vor allem ihr Geld wieder loswerden?
Stefan Oberhauser: Einerseits haben unsere Gesellschafter durch Fleiß und vielleicht auch durch das nötige Quäntchen Glück viel erreichen können und wollen das nun teilweise an Jungunternehmer weitergeben, die vielleicht aufgrund der Wirtschaftskrise oder ihres Standortes hier im Süden einfach von den Banken nicht mehr so einfach Geld bekommen wie früher. Gleichzeitig wollen wir ein positives Signal setzen gegen den Trend, dass immer alles schlecht geredet wird. Es geht also darum als private Risikokapitalgeber in die Presche zu springen und wenn dabei dann am Ende was übrig bleibt, auch nicht so schlimm…

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IMSÜDEN.AT: Also wollt ihr schon auch profitieren?
Stefan Oberhauser: Na klar, aber wir sehen Profit in diesem Fall differenzierter. Das können auch Gegengeschäfte sein, von denen einzelne Unternehmer der Gruppe wiederum etwas haben, oder aber es erweitert unser Netzwerk bzw. bringt der Region einen Mehrwert. Wir sind sicher nicht die Wohlfahrt, aber auch keine Kapitalmaschine, die nur Geld machen will.

IMSÜDEN.AT: Wer kann sich bewerben? Was sucht ihr?
Stefan Oberhauser: Wir wollen in Jungunternehmer investieren, die bereits einige Jahre gut gewirtschaftet haben, Potential haben, aber an einem Punkt stehen, wo sie nicht mehr weiterkommen, weil ihnen vielleicht eine entscheidende Investition in Produktionsmittel oder für den Aufbau eines Vertriebsnetzes fehlt. Das sind wahrscheinlich nicht immer nur klassische StartUps, sondern vielleicht eher KMU.

IMSÜDEN.AT: Kannst du uns da vielleicht ein Beispiel geben?
Stefan Oberhauser: Ja, unsere erste Beteiligung ist Berger Automation, ein Lienzer Unternehmen, das auf Sondermaschinenbau und Automatisierungstechnik spezialisiert ist und sich in den ersten 10 Jahren seines Bestehens als innovativer Nischenanbieter mit namhaften Kunden auf der ganzen Welt etabliert hat. Die sind dort sehr innovativ unterwegs, aber der Chef ist eher der Erfindertyp und nicht in erster Linie Kaufmann. Da haben wir mit unserem Know-how in Unternehmens- und Steuerberatung schon einiges an Potential erkannt und neben der Investition auch schon an anderen Stellen optimieren können. So wollen wir Michael Berger und seinen zwölf Mitarbeitern dabei helfen das Wachstum der letzten Jahre zu vervielfachen.

IMSÜDEN.AT: Von wieviel Kohle reden wir da eigentlich?
Stefan Oberhauser: Von jedem Gesellschafter wurden 50.000 Euro eingebracht, bei elf Gesellschaftern sprechen wir jetzt also von 550.000 Euro, die im Topf sind.

IMSÜDEN.AT: Pfff…. und nach welchen Kriterien geht ihr bei der Auswahl der Investments vor?
Stefan Oberhauser: Wir sind da sicherlich noch in einer gewissen Selbstfindungsphase, denn wir sind zwar erfahrene Unternehmer, aber noch keine erfahrenen Investoren. Das bedeutet, derzeit ist da noch nix in Stein gemeißelt und wir lernen noch dazu. Jedenfalls fällt die Entscheidung dann mit 75% Mehrheit der Gesellschafter. Wir wollen eher größere Summen, so im 50.000 bis 100.000 Euro Bereich investieren, vor allem auch, weil wir uns ja persönlich um die einzelnen Beteiligungen kümmern. Das wird sonst zu aufwändig. Es wird nämlich immer einer der Investoren als Mentor für das Investment nominiert und der berichtet dann allen anderen wie es läuft. Übrigens sind wir kein exklusiver Club. Es ist durchaus denkbar, dass wir neue Investoren aufnehmen.IMSÜDEN.AT: Alles klar. Wir kennen da ein innovatives Online-Magazin, dass für die eine oder andere Finanzspritze durchaus empfänglich wäre, um zu wachsen…
Stefan Oberhauser: Am besten ihr schreibt eine Mail an pitch@investorsclub.at. Wenn euere Argumente meine Vorauswahl bestehen, dann kommt euer Paper in eine der regelmäßigen Gesellschaftersitzungen und dann sehen wir weiter…

IMSÜDEN.AT: Gebongt. Apropos „weitersehen“ wie siehst du als sein Geburtshelfer die Entwicklung des StartUp-Ökosystems in Kärnten mittlerweile?
Stefan Oberhauser: Differenziert. Ich denke, es ist einiges weitergegangen, aber ich sehe auch neue Herausforderungen am Horizont. Ich denke, aus der build!-Ecke und den „Absolventen“ dieses Gründerzentrums hat sich schon der Kern einer StartUpSzene gebildet. Auch ist das Thema in der Breite angekommen. Da haben wir einiges schaffen können…

IMSÜDEN.AT: Ja, voll! Aber wo siehst du die neuen Probleme?
Stefan Oberhauser: Vor allem in der Abstimmung zwischen den Akteuren! Für so ein kleines Land gibt es sehr viele Initiativen, Netzwerke und Institutionen in Kärnten, aber keinen, der das alles koordiniert. Es ist natürlich legitim, dass die einzelnen Treiber autonom agieren, aber ich denke es müsst jemanden geben der das alles in eine Richtung lenken kann.

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IMSÜDEN.AT: In welche Richtung zum Beispiel?
Stefan Oberhauser: Meine Hoffnung ist nach wie vor die Alpen-Adria-Region, also eine Vernetzung nach Süden mit den Kollegen von Podim und Start:up Slovenia aber auch Friuli Innovazione usw. Gemeinsam mit den Unis und Forschungseinrichtungen der Region können wir da unsere Stärken bündeln, ein Leitthema herausfiltern und daraus ein Produkt entwickeln, hinter dem alle stehen. Vielleicht ist das Hardware im Sinne von „angreifbaren“ Produkten im Kontrast zu reinen Apps. Da haben wir schon Leitbetriebe, Mittelständler und KMUs vor Ort. Aber es braucht eben einen Schulterschluss, in der StartUp-Szene im Süden. Davon bin ich überzeugt.

IMSÜDEN.AT: Wir auch! Danke und vergiss nicht unserer Bewerbung vorzureihen….

Stefan Oberhauser: (lacht)


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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