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Von Johannes Wouk, Fotos: vom Autor

„Ich wollte einfach meine Ideen verwirklichen!“

Christina Frank hat sich als Malermeisterin, mit 24 Jahren, in einer Männerdomäne selbstständig gemacht. Dabei ist Sie methodisch vorgegangen und trotzdem ganz schön in Stress geraten. Heute blickt Sie kritisch zurück, würde einiges anders machen, aber sicherlich den grundsätzlichen Weg beibehalten. Schließlich läuft ihre Firma prächtig und Sie ist mit zwei Angestellten und einem Lehrling auf einem guten Weg. Trotzdem hat die Jungunternehmerin noch viel vor!

Gab es einen bestimmten Moment indem du gesagt hast: „So und jetzt mach ich mich selbstständig?“
Nein, nicht direkt. Ich hab mir das immer schon gedacht, weil ich immer schon meinen Kopf durchsetzen und meine Ideen verwirklichen wollte. Ich wusste schon, als ich die Lehre begann, dass ich mich irgendwann selbstständig machen werde.

Wie bist du Malerin geworden?
Gelernt hab ich drei Jahre lang in Klagenfurt bei der Malerei Rom, wo ich dann auch vier Jahre als Gesellin war. Dann hab ich die Meisterprüfung gemacht und mit 24 dann meine eigenen Firma gegründet. Ich bin damals einfach ins kalte Wasser gesprungen.

Warum genau hast du dich selbstständig gemacht? Was war die Grundidee?
Ich wollte einfach meine Ideen verwirklichen, echte Raumkonzepte machen, nicht nur einfach anstreichen. Natürlich führe ich die Malerarbeiten aus, aber ich fühle mich auch als Beraterin. Das ist auch etwas, was es in der Form noch nicht wirklich gibt. Ich zeige zum Beispiel, welche Wirkung bestimmte Farben auf uns haben. Gelb etwa regt zum kreativen Denken an, zum Arbeiten und sorgt für gute Laune. Das ist aber nur das Offensichtlichste. Ich hab meine Farbpalette immer eingesteckt und kann zu jeder Farbe ganze Referate halten (lacht).

Mit deinen Farben scheinst du dich ja auszukennen, aber wie hast du dich für deine Unternehmensgründung orientiert, wo hast du recherchiert und mit wem gesprochen?
Ich hab beim Gründerservice der Wirtschaftskammer angerufen und auch sofort einen Termin bekommen. Die erste Gründerberatung war so professionell, dass ich sogar nur eine gebraucht habe. Ich wusste ja, was ich will (lacht). Wir haben gleich beim Erstgespräch in der Wirtschaftskammer die Gewerbeanmeldung und auch die NeuFög-Förderung ausgefüllt, mit der ich meine ersten Investitionen teilfinanziert habe. Alles Weitere hat dann mein Steuerberater für mich übernommen.

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Zum Gründen muss man einen Plan entwickeln, das heißt genau recherchieren, die Lage analysieren, Ziele definieren und sich eine Strategie überlegen, um diese dann auch zu erreichen. Christina hat bei ihrer Gründung alles so durchgezogen, wie sie es sich vorgenommen hat. Also, was hast du dir so aufgeschrieben
Natürlich hab ich einen Businessplan schreiben müssen – für das Gründerservice der Wirtschaftskammer Kärnten. Außerdem hab ich aufgeschrieben, was ich zur „betrieblichen Leistungserstellung“ brauche, wie man so schön sagt. Das war ja nicht so kompliziert: Das Werkzeug, die Leitern und ein Auto, in das alles reinpasst. Lager und Büro hatte ich damals noch Zuhause. Ursprünglich war mein Firmensitz ja in Feldkirchen, heute bin ich wieder in Klagenfurt.

Hast du für deinen Businessplan auch eine USP, ein Alleinstellungsmerkmal, ausgearbeitet?
Natürlich. Aber als Malerin ist das natürlich nicht so leicht. Schließlich machen wir im Grunde alles dasselbe – wir malen eben (lacht). Ich versuche durch individuelle Beratung zu punkten und auf die Kunden einzugehen, anstatt einfach nur alles anzustreichen.

Wie läuft ein Auftrag bei dir konkret ab? Hast du dir da ein bestimmtes System zurechtgelegt?
Ja, das habe ich. Durch meine Erfahrungen als angestellte Malerin hatte ich natürlich schon viel Vorwissen, dass hat es mir sicher leichter gemacht. Ein Auftrag läuft in etwa so: Ich komme zum Kunden, der sagt mir was er gerne hätte. Dann mache ich mir Gedanken, hole meine Farbkarte raus und je nach Komplexität des Projekts, mach ich auch schonmal ein paar Skizzen. Sind wir uns dann grundsätzlich einig, mache ich einen Kostenvoranschlag. Wenn der passt, dann erwarte ich mir eine schriftliche Auftragsbestätigung, ohne die mach ich gar nichts mehr! Dann gibt‘s einen Termin, da wird erst abgepickt, dann gemalen und schließlich alles wieder besenrein übergeben und vom Kunden mittels Abnahmeprotokoll bestätigt. Dann wird die Rechnung am Postweg zugestellt.

Die letzten Schritte zur Gründung, also sein eigener Chef zu werden, sind nicht immer die leichtesten… Wie war dein Behördenmarathon, hast du Tipps, kennst du Abkürzungen?
Das war sehr stressfrei bei mir und hat auch nur wenige Tage gedauert. Das lag natürlich auch daran, dass ich in meiner „Firma“ ja nicht arbeite, sondern immer bei den Kunden vor Ort bin. Deshalb brauchte ich auch keine Betriebsstättengenehmigung. Wenn du natürlich im Lager Türen lackierst, oder ähnliches, dann brauchst du eine Absauganlage für den Lackierstaub. Das spar ich mir, und miete die Lackierbox, bei Bedarf wo anders an.

Und wie war dann die Eröffnung vom „Malermeisterbetrieb Christina Frank“?
Da war gar nix (lacht). Ich habe einfach losgearbeitet, weil ich schon so viele Aufträge hatte. Wahrscheinlich auch zu viele. Ich war jeden Tag erst um neun oder zehn zaus und hab mich sicherlich übernommen am Anfang. Aber man nimmt halt zuerst mal jeden Job an, weil man Angst hat, dass bald nix mehr nachkommt. Mit der Zeit und der Erfahrung findet man dann auch seine Organisationsform.

Hattest du echte Angst beim Gründen?
Nein, richtige Angst nicht. Ich wusste ja immer, wenn es nix wird, dann geh ich eben wieder arbeiten. Man wird dann auch ehrgeizig und will es unbedingt schaffen. Das ist ja auch gut so! Mit dem Wissen von jetzt würde ich es aber gleich riskieren und voll starten, weil es anfangs sehr stressig war und ich kaum noch Freizeit hatte, mit einem Job und einer Firma. Zuerst hab ich nämlich nur ein Kleingewerbe neben meiner Festanstellung angemeldet, einfach um mal zu testen, ob das was wird. Ich hab dann drei Monate lang den ganzen Tag gearbeitet und am Abend oder am Wochenende meine eigenen Aufträge erledigt. Da bleibt auch privat einiges auf der Strecke. Und als ich gemerkt habe, es greift, hab ich erst das normale Gewerbe angemeldet. Das muss nicht nochmal so sein, sonst würde ich aber alles wieder ganz gleich planen, hat ja funktioniert!

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Wenn man dann endlich sein eigener Chef ist, liegt es ganz in der Hand des Neo-Unternehmers ganz durchzustarten und seinen Betrieb am Laufen zu halten. Das ist eine große Herausforderung für Jungunternehmer, nicht wahr Christina?
Aber Hallo! Ich hatte bereits nach nur acht Monaten den ersten Mitarbeiter, weil ich eben sehr viel Arbeit hatte. Das war zwar schon ein großer Schritt, aber es ist sich ausgegangen. Zwischenzeitlich hatte ich zwei Gesellen, jetzt habe ich noch einen plus ein Lehrmädchen. Wir haben jetzt ein kleines Büro, ein Lager und sogar einen Pausenraum für meine Mitarbeiter. Mit ein wenig Planungssicherheit dank größeren Kunden wie Wohngenossenschaften, ist das mittlerweile möglich.

Kaum selbstständig schon ein Lehrbetrieb?
Ja, seit 2014. Außerdem mache ich mittlerweile auch Bodenverlegearbeiten und Fassaden. Nur Vollwärmeschutz und dergleichen mach ich nicht, dazu braucht man viel Material und große Lagerräume.

Was steht als nächstes am Aufbau-Programm?
Ich hab schon ein paar Palettenmöbel für Kunden gebaut, vielleicht wird das noch mehr. Und ich will auf jeden Fall noch abstrakte Kunstbilder als Dekoration anbieten und dazu bei mir im Lager eine kleine Galerie machen. Außerdem bin ich mittlerweile als Funktionärin in der Malerinnung aktiv und bin ab nächstem Jahr auch als Gesellenprüfer tätig. Ich selbst bin auch viel auf Schulungen und Seminaren unterwegs, um mich weiterzubilden. Unlängst ging‘s einen Tag lang um Schimmel.

Man lernt eben nie aus! Bist du froh dein eigener Chef zu sein?
Aber sowas von! Es taugt mir irrsinnig!

www.malermeisterin-frank.at

Weitere Gründerinterviews und alles rund ums Gründen im Süden: www.startup-stayup.at


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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