GRÜNDEN
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„Hätte ich es nicht gemacht, hätte ich mir irgendwann in den Hintern gebissen!“

Carina Edlinger ist erst 21 Jahre jung, aber schon ausgelernte Friseurin, Fitnesstrainerin, Versicherungsmaklerin und seit Jänner 2015 Betreiberin von Kärntens erstem Poledance-Studio. Das Bewegungstalent lehrt im „POLE POSITION – Sport and Dance Studio“ akrobatische Tanzeinlagen an der Stange (Pole) und verbringt den Großteil seiner Arbeitszeit in der Luft… Dagegen war Carinas Gründung ein echtes Kinderspiel!

„Poledance kommt aus den USA und ist eine anerkannte Sportart in der auch Meisterschaften stattfinden. Das Ganze hat nichts mit dem Rotlichtmilieu zu tun, sondern eher was mit Akrobatik und Turnen.“ erklärt uns Carina gleich zu Anfang, damit keine Verwechslungen aufkommen.

In ihrem Sport und Dance Studio unterrichtet die 21-Jährige seit Anfang 2015 über 50 sportbegeisterte Frauen in der Kunst der Stangenakrobatik. Insgesamt hat sie derzeit 24 Kursstunden in der Woche, Tendenz steigend.

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Hallo Carina, wieso ausgerechnet Poledance? Sieht anstrengend aus…

Soll es ja auch sein (lacht). Die Frauen, die zu mir kommen wollen fit werden oder bleiben und dabei Spaß haben. Bei kaum einem Sport hat man schon anfangs so viele Erfolgserlebnisse wie beim Poledance. Das motiviert natürlich.

Gutes Stichwort. Was hat dich zum Gründen motiviert?

Ich hab’ ehrlich gesagt einfach einen Markt gesehen. Als ich mich für Poledance zu interessieren begann, hab ich mir eine Stange gekauft und im Internet recherchiert, wie man das macht. Immer, wenn ich eine neue Figur drauf hatte, hab ich das auf Facebook gepostet. Dann haben mich ganz viele Freundinnen und Bekannte gefragt, woher ich das kann und wo sie das lernen könnten. Also hab ich recherchiert und erkannt, Kärnten ist das einzige Bundesland ohne echtes Poledance-Studio. Also hab ich eines gegründet.

Mit 21 macht sich nicht jeder gleich selbstständig, warum traust du dich das?

Ach, was gibt‘s da zu trauen. Ich hab mich eher nicht getraut mich nicht zu trauen. Hätt’ ich das jetzt nicht durchgezogen und jemand anderes hätt’ ein Studio aufgemacht, hätt ich mir in den Hintern gebissen. Oder wenn ich mal als Omi zurückschau’n würd’ und mir denk’, „Hätte ich das damals doch durchgezogen“. Ich bin nicht so der „Hätte ich, wäre ich“-Typ. Außerdem bin ich gern mein eigener Chef, muss nicht unbedingt jemanden haben, der mir sagt, was ich zu tun hab. (lacht)

Klingt logisch. Also hast du dir alles selbst beigebracht? Braucht man da keine Ausbildung oder ein Gewerbe?

Nein, braucht man nicht. Leider, muss ich dazusagen. Denn ich tanze ja schon mein Leben lang, habe viel Modern- bzw. Contemporary-Dance gemacht, bin auch ausgebildete Fitnesstrainerin –  aber im Grunde hätte ich keinen Befähigungsnachweis gebraucht, um das Studio zu eröffnen. Das kann also eigentlich jeder machen. Durch meine Ausbildungen als Tänzerin und Fitnesstrainerin kann ich meinen Kundinnen natürlich ein ganz anderes Service bieten. Ich weiß zum Beispiel genau über den perfekten Ablauf einer Trainingseinheit bescheid und biete auch Stretch- und Fitnesskurse an. Die Showdance-Gruppe WoMenArt, bei der ich mittanze, probt übrigens auch hier. Bei allem Geschäftlichen hilft mir meine Ausbildung zur Versicherungsmaklerin sehr weiter.

Und wie hast du gelernt zu unterrichten?

Ich habe sehr viel in Innsbruck von der Österreichischen Poledance-Meisterin gelernt und in ganz Österreich Workshops besucht. Außerdem hab ich vorher schon in einem Tanz-Verein unterrichtet und über ein Jahr als Fitnesscoach gearbeitet. Zudem habe ich eine Befähigungsprüfung zur Lehrlingsausbilderin absolviert.

Wo und wie hast du dich dann über deine bevorstehende Unternehmensgründung informiert? 

Anfangs habe ich überall angerufen, bei der SVA, in der Wirtschaftskammer, beim Finanzamt usw. Aber irgendwie konnte mir keiner genau sagen, was für die Gründung eines gewerbelosen Unternehmens notwendig ist. Daher war ich froh, als ich auf meine Unternehmensberaterin, Christiane Holzinger getroffen bin, die mich von Anfang an unterstützte. Das hat super funktioniert und war im Rückblick auch eine sehr gute Entscheidung, da ich auch POLE-DANCE-Zubehör verkaufe und somit ein Handelsgewerbe anmelden musste. Kann ich nur empfehlen!

Du warst also gar nicht bei der Gründerberatung der Wirtschaftskammer?

Nicht direkt. Aber die WKO war trotzdem sehr hilfreich. Zum Beispiel habe ich mir meine AGBs dort rechtlich prüfen lassen. Das war sehr sinnvoll, kostenlos und ging schnell. Auch in Zukunft will ich die Services der Kammer natürlich nutzen.

Zum Gründen braucht man einen Plan! Dazu muss man genau recherchieren, die Lage analysieren, sich eine Strategie überlegen und Ziele definieren, um sie dann auch zu erreichen. Wenn man dabei Profis zu Rate zieht, um so besser!

Hast du einen ersten Businessplan verfasst?

Da ich von Anfang an eine Unternehmensberaterin hatte, war das alles sehr reibungslos. Nach dem Erstgespräch mit Christiane Holzinger habe ich gleich ein Konzept geschrieben. An dem haben wir dann noch ein wenig gefeilt und eigentlich habe ich es auch so umgesetzt wie geplant. Nur die Zahlen sind jetzt schon höher als gedacht! Aber das ist ja auch kein Fehler (lacht). Es hat sich nämlich mittlerweile abgezeichnet, dass ich die Umsatzgrenze von 30.000 Euro überschreiten werde und somit nicht mehr in die sogenannte Kleinunternehmerregelung falle, also eine UID-Nummer anmelden musste. Das hätte ich von Anfang an einplanen können, da war ich ein bisschen zu vorsichtig. Der Boom war damals eben noch nicht so absehbar, man weiß ja nie, ob es anläuft. Da wäre ich jetzt gleich mutiger.

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In der Gründungsphase muss man Tatkraft beweisen und den Plan dann wirklich durchziehen. Mit guter Vorbereitung gelingt meistens auch alles, trotzdem ist man manchmal im Nachhinein klüger… 

Wie verlief dein Gründungsakt?

Ohne besondere Vorkommnisse. Mit den Ämtern und Behörden hatte ich dank meiner Unternehmensberaterin keine Probleme und Kunden hatte ich schon einige, also lief es am 5. Jänner schon super an.

Du hast dir aber noch andere Profis ins Boot geholt und kaum etwas dem Zufall überlassen…

Stimmt. Ich hab dann noch mit Isabella Schöndorfer eine PR-Beraterin und mehrere Makler für die Location-Suche beauftragt. Damit haben sich die Profis um das gekümmert, mit dem ich mich nicht so auskenne und ich hab mich auf „das Produkt“ konzentrieren können. Eigentlich ideal.

Mit meiner PR-Beraterin habe ich ganz schön viel Werbung gemacht. Es gab viele Presseartikel über die Eröffnung und ich hab auch fleißig Flyer verteilt. Und die Eröffnung war natürlich sowieso der Hammer – ich hätte nie gedacht, dass da so viele Leute kommen.

Erzähl uns mehr!

Ja, meine Familie und Freunde waren alle da, dazu noch viele, viele Kundinnen und Interessierte. Es gab eine Showeinlage, ein feines Buffet und natürlich ein paar Flaschen Prosecco (lacht). Außerdem haben sich gleich ein paar neue Kundinnen angemeldet. Also hat‘s perfekt funktioniert.

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Wie hast du dich gefühlt, als du deine eigene Chefin warst? Hattest du Existenzängste oder war eh alles super?

Ich hatte überhaupt keine Ängste. Wenn es nicht funktioniert hätte, würde ich halt was anderes machen.

Macht dir das Selbstständigsein auch so viel Spaß?

Na klar (lacht). Absolut. Es war sicherlich die richtige Entscheidung für mich. Ich hätte mich sonst grün und blau geärgert, wenn jemand anderes damit während diesem aktuellen Boom erfolgreich gewesen wäre. So bin ich die Erste gewesen. Mittlerweile kommen eh schon weitere Studios nach. Gutes Timing also.

Was kostet eine Stunde Poledance eigentlich und wie hast du deine Preise kalkuliert?

Ich hab das zuerst im Internet recherchiert. Normalerweise kostet einen Stunde 15 – 30 Euro. Da es das Produkt in Kärnten aber noch nicht gegeben hat, unterrichte ich für 10 Euro die Stunde. Allerdings kostet die Mitgliedschaft 80 Euro im Monat und man hat damit zwei Stunden pro Woche und eine Bindung von sechs Monaten. Das funktioniert ganz gut. Derzeit habe ich über 50 Kundinnen und es werden immer mehr.

Wie sehen deine typischen Poledancerinnen aus?

Die gibt‘s nicht. Im Grunde kann das jede Frau lernen, die fit werden will und zwar mit einer Sportart, die super motivierend ist. Man hat nämlich ständig Erfolgserlebnisse und wird immer besser. Das macht ziemlichen Spaß. Schon nach dem Schnupperkurs kannst du mindestens drei verschiedene Tricks. Und so geht‘s immer weiter.

Und was sind deine weiteren Pläne?

Ich bin gerade dabei mich zu entlasten, indem ich meine erste Mitarbeiterin einstelle. Denn 24 Wochenstunden an der Pole sind ganz schön anstrengend (lacht).

poleposition.cc

Weitere Gründerinterviews und alles rund ums Gründen im Süden: www.startup-stayup.at


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www.startup-stayup.at ist der einfachste Weg zur Selbstständigkeit im Süden. Die Online-Plattform der Jungen Wirtschaft Kärnten und des Gründerservice der Wirtschaftskammer Kärnten bietet dir eine übersichtliche Roadmap zur Gründung und darüber hinaus. Außerdem findest du dort Interviews mit Gründern aus den verschiedensten Branchen, die über ihre Erfahrungen berichten.
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