DaddysDiary
Weihnacht0314-2
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Von Clemens Huss, Fotos: vom Autor

Weihnachtsbaum abgebrannt, Kind tränenüberströmt!

Naja, ganz so schlimm ist es natürlich nicht gewesen, das letzte Weihnachtsfest. Das was fromme Christen als „Hochfest der Geburt des Herrn“ besingen, war es aber auch nicht gerade. Um das auszubügeln, habe ich meiner Familie und mir dieses Jahr die Weihnachtslatte extrahoch gelegt.

Die Weihnachtszeit. Leuchtende Kinderaugen, kitschig geschmückte Straßen, Kekse, Weihrauch, Zimt, Vertrauen, Geborgenheit, Liebe und Freude. Jajaja. So wild romantisch und schön kann das ja alles sein. Vor allem mit Kind und zumindest in meinem glühweingeschwängerten Kopf. Zwischen Vorstellung und Realität klafft dann aber oft eine Lücke, so groß wie von hier bis nach Betlehem. Einige Anekdoten aus meinem und unserem familiären Weihnachtsprogramm sollen diese These untermauern:

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Geschenke besorgen
So lief es letztes Jahr …
Am 23.12. fällt mir die schreckliche Erkenntnis wie Schuppen von den Augen: Heiligabend steht vor der Tür und ich hab noch kein einziges Geschenk besorgt! Erstaunt über meine eigene Gedankenlosigkeit raffe ich mich gezwungenermaßen auf und mache mich auf den Weg ins Shopping-Center. Nachdem ich den Weihnachtsstau hinter mir gelassen habe, finde ich nach der 15. Runde auf dem Parkdeck endlich eine Lücke, in die ich mein Auto mit Ach und Krach reinquetschen kann.

Menschenmassen (hauptsächlich gedankenlose Väter und Ehemänner wie ich) schieben sich wie ein zähflüssiger Brei an den Läden vorbei. Lärmpegel, Hitze und schlechte Luft lassen mich nach Atem ringen. Ein wahrer Alptraum! In dieser Stresssituation tragen mich meine Füße wie ferngesteuert in einen der wenigen Shops, der mich nicht dazu bringt mich ans nächstbeste Kreuz nageln zu lassen. SATURN! Ein Paradies für technikaffine Männer!

Der engagierte Verkäufer dreht mir das Bügeleisen „Easygliss“ an, für besonders faltenfreies Bügeln. Perfekt! Da wird meine Frau aber Augen machen! Da ich nicht wieder in die überfüllte Mall zurück will, schlendere ich noch weiter durch den Laden und führe mir die neuesten technologischen Errungenschaften zu Gemüte. Leider übersehe ich dabei die Zeit und kaufe danach in Windeseile willkürlich DVD-Sammelboxen für den Rest der Familie. Für meine Tochter erstehe ich noch schnell ein Bilderbuch, das sie, wie ich später entdecke, bereits besitzt.

Zuhause angekommen, bemerke ich, dass ich weder Geschenkspapier noch Schleifen oder Kärtchen gekauft habe. Gottseidank finde ich im Arbeitszimmer noch Papier von der Geburtstagsfeier meiner Tochter. Bärchen, Lutscher und Zuckerln schmücken das Papier, das in weihnachtlich passendem rosarot gehalten ist. Optimal! Eifrig mache ich mich ans Werk. Nach einer kleinen Ewigkeit bin ich endlich fertig. Ich lege die Geschenke ins Versteck gleich neben die, die bereits meine Frau eingepackt hat. Ein kurzes irres Lachen steigt mir die Kehle empor. Meine Geschenke sehen aus, als hätte sie ein betrunkener, einarmiger Schimpanse eingepackt. Egal! Zumindest meiner Tochter dürfte das nicht auffallen.

So wird es dieses Jahr laufen …
Klug wie ich bin, habe ich dieses Jahr bereits lange vor Weihnachten mit der Geschenksbeschaffung begonnen. Ganz ohne Stress und Menschenmassen shoppt es sich nun mal leichter. Flugs rein ins Auto und ab ins Shopping-Center. Völlig staulos und mit freier Bahn lenke ich mein Auto auf das Parkdeck am Dach des Centers, wo ich innerhalb einer Minute einen Parkplatz direkt am Eingang finde. Lässig gleite ich über die Rolltreppe in den dreigeschossigen Konsumtempel hinab. Meiner Angetrauten besorge ich das Silberkettchen, das sie sich schon so lange wünscht, für meine restliche Verwandtschaft habe ich längst alles ganz easy und per Mausklick online bestellt.

Meine Frau sagt immer, ich sehe aus als ob mich Verstopfung plagt, sobald ich auch nur einen Schritt in ein Einkaufscenter setze. Tiefe Furchen auf der Stirn und kleine glänzende Schweißtropfen im Gesicht. Da diesmal aber alles so schön geklappt hat, gönne ich mir an der Smoothie-Bar noch einen Viertelliter köstlichen „Tango Marango“ und mache mich beschwingt wieder auf den Heimweg – ganz ohne Furchen und Schweiß. Zuhause angekommen, packe ich – ruckzuck – die Geschenke in das Geschenkspapier welches ich vorher vorsorglich um einen lächerlichen Spottpreis erstanden habe. Schleife rundherum. Kärtchen dazu. Fertig. Sieht doch gut aus!

Kekse backen
So lief es letztes Jahr …
Während Oma alleine in der Küche die Stellung hält und in Akkordarbeit, sklavengleich Unmengen von Teig anrührt, ausrollt und Kekse aussticht, setze ich mich gemeinsam mit den männlichen Familienmitgliedern an den Tisch und trinke Bier. Meine Tochter flitzt währenddessen gemeinsam mit den anderen Kindern kreuz und quer durch die Wohnung und verteilt den Keksteig auf dem Fußboden, dem großelterlichen Ehebett und der Computertastatur. Die Mamas hecheln hinterher und kämpfen mit vollem Einsatz gegen das unchristliche Chaos. Nachdem ich mir das fünfte Bier genehmigt habe (oder waren es doch sechs?), frage ich meine Frau, warum sie sich denn eigentlich nicht zu uns auf ein, zwei Grappas setzt. Seltsamerweise nehme ich daraufhin leichte Verstimmungen unter den Frauen wahr. Nach dem sechsten (oder siebten?) Bier ist meine Frau mit den Nerven am Ende, packt mich und meine Tochter ein und kutschiert uns nach Hause.

So wird es dieses Jahr laufen …
Die gesamte Familie trifft sich zeitig vor Weihnachten um gemeinsam genügend Kekse zu backen. Oma teilt mit ihrer Erfahrung im Keksebacken alle weiteren Familienmitglieder mit Aufgaben ein. Die Kinder helfen dabei den Teig anzurühren, naschen zwischendurch etwas davon und sind glücklich. Meine Tochter sticht vergnügt die Kekse aus dem ausgerollten Teig und strahlt wie ein frisch polierter Nikolausstiefel. Auch den Erwachsenen merkt man die Vorfreude auf das bevorstehende Fest an. Sorgen und Kummer des Alltags verschwinden und gemeinsam erschaffen wir mehrere Kilo köstlicher Kekse. Ein wirklich herrlicher Tag! Das abschließende Bier haben wir uns redlich verdient.

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Christbaum aufputzen
So lief es letztes Jahr …
Eine Aufgabe, der ich nur gemeinsam mit meinen Brüdern gewachsen bin! Der langen, ermüdenden, schlussendlich aber erfolgreichen Suche nach dem Christbaumständer folgt ein nicht minder ermüdendes Gespräch über die Doppeldeutigkeit des Worts „Christbaumständer“. Zumindest meine Brüder amüsieren sich köstlich. Kindsköpfe! Anschließend plagen wir uns damit den Baum im Wohnzimmer in aufrechter Stellung zu positionieren. Danach bringen wir den bunten, wenig aufeinander abgestimmten Christbaumschmuck am leicht windschiefen Baum an. Jetzt noch die Kerzen anzünden und fertig! Gerade als wir uns in der Küche – zur Belohnung – ein paar Gin Tonics mixen, nehme ich einen leichten Rauchgeruch wahr. Panik bricht aus. AAAAAAHH, der Baum brennt! Hals über Kopf stürzen wir uns ins Wohnzimmer. UFFF … dem Heiland sei Dank – es steht nicht der ganze Baum in Flammen, sondern nur die kleine Weihnachtskrippe unterm Baum. Die ersten Zweige über der Krippe sind gerade dabei Feuer zu fangen. Gottseidank haben wir bereits vorher daran gedacht einen Eimer Wasser neben dem Baum abzustellen. Ich schnappe mir den Eimer und entleere ihn über dem Feuerherd. Geschafft! Das Feuer ist gelöscht! Zurück bleibt jede Menge Rauch und ein leicht angekokelter Christbaum. Gemeinsam drapieren wir den übrigen Baumschmuck über der angekokelten Stelle. Picobello! Fällt garantiert niemandem auf!

So wird es dieses Jahr laufen …
Gemeinsam mit meinen Brüdern, die sich nach langer Zeit extra für das Fest wieder im elterlichen Hause eingefunden haben, mache ich mich daran den Christbaum aufzustellen. Ruckzuck ist der Ständer aus dem Keller geholt und der Baum in perfektem 90 Grad-Winkel aufgestellt. Weihnachtskugeln, kleine Glöckchen, Holzfigürchen, Lametta, Kerzen – alles in edlen Goldtönen – finden ihren Platz auf dem Baum. Während der Arbeit wird gequatscht, geblödelt und Gin Tonic  getrunken. Es fühlt sich gut an, wieder einmal alle Brüder gemeinsam unter einem Dach versammelt zu haben. Die gute Stimmung wirkt sich auch auf unsere Arbeit aus. Unser Baum sieht aus wie aus der Coca-Cola-Reklame und braucht sich vor jenem am Wiener Rathausplatz nicht zu verstecken! Das Fest kann kommen!

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Glühwein und Punsch trinken
So lief es letztes Jahr …
Ein Brauch in meiner Familie ist es, jedes Jahr am Nachmittag vor Heiligabend den Feuerkorb im Garten anzuwerfen und uns bei Glühwein und Kinderpunsch gemeinsam mit Verwandten und Bekannten auf das heilige Fest einzustimmen. So waten wir Jahr für Jahr gemeinsam durch Nieselregen, Nebel und den matschigen Gartenboden. Schnee hat es schon ewig keinen mehr gegeben. Zumindest nicht zu Weihnachten. Meine Tochter wälzt sich mit ihren schönsten Festtagskleidern wild im Schlamm herum. Die Rauchschwaden, die vom Feuer aufsteigen, wehen allen abwechselnd ins Gesicht. Mit tränenden und zugekniffenen Augen wärmen sich die Älteren an ihren Glühweintassen und diskutieren dabei über die Versäumnisse des vergangenen Jahres.

So wird es dieses Jahr laufen …
Während die letzten Sonnenstrahlen des Tages wärmend auf uns herabscheinen, stapfen wir durch die weiße Schneepracht durch den Garten und bauen dort unter den kitschig schneebehangenen Baumkronen eine kleine Theke für Glühwein und Punsch auf. Meine Tochter tollt mit den Kindern aus Verwandt- und Bekanntschaft mit glockenhellem Lachen um uns herum, baut Schneemänner und nimmt eifrig an einer lustigen Schneeballschlacht teil. Die Älteren blicken unterdessen sentimental auf das Jahr zurück und unterhalten sich bestens.

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Weihnachtslieder singen
So lief es letztes Jahr …
Aus den Kehlen der weiblichen Familienmitglieder ertönt ein schrilles Geheule, das der Katze die Haare zu Berge stehen lässt. Dieses Geheule verschmilzt mit dem dumpfen, eintönigen Brummen der männlichen Familienmitglieder zu einer Kakofonie des Grauens. Spätestens nach der ersten Strophe jedes Liedes verebbt zumindest das dumpfe Brummen der Männer aufgrund mangelnder Textkenntnis. Zurück bleibt das schrille Geheule, unterstützt von den Missklängen der ungestimmten Gitarre und der nicht ganz fehlerfrei gespielten Flöte. Immerhin kann ich zwischendurch meine eigene Textunsicherheit vertuschen, da ich meine Tochter daran hindern muss, bereits jetzt alle Geschenke aufzureißen und sich auf den Baum zu werfen.

So wird es dieses Jahr laufen …
Glückliche und erwartungsfrohe Gesichter von Vätern, Müttern, Kindern, Omas und Opas erstrahlen sanft im beruhigenden Kerzenschein des Weihnachtsbaumes. Alle Familienmitglieder haben sich gewissenhaft auf diesen Part des Festes vorbereitet. Liedtexte wurden auswendig gelernt, die Gitarre neu gestimmt und die Flöte geputzt. Engelsgleich trällert die gesamte Familie im perfekten Einklang sämtliche Strophen von Weihnachtsliedern wie „Leise rieselt der Schnee“, „Oh Tannenbaum“, „Stille Nacht“ und vielen mehr. Unterstützt wird unser Chor durch herzerwärmende Klänge von Gitarre und Flöte. Meine Tochter sitzt brav auf meinem Schoß und versucht mitzusingen. Noch süßer geht es kaum!

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Bescherung
So lief es letztes Jahr …
Meine Tochter will alle Geschenke alleine aufmachen. So schnell wie möglich! Besonders die größten Packerln haben ihre volle Aufmerksamkeit. Mit einigem Bemühen gelingt es uns, die ihr zugedachten Packerln auf einen Haufen zu legen und sie ihr so quasi offiziell zu „überreichen“. Mit aufgeregtem Glucksen reißt sie die Geschenkspackerln auf, lässt den teuer erstandenen Inhalt links liegen und spielt vergnügt mit dem Geschenkspapier. Kurze Zeit später entdeckt sie aber doch noch die neuen Malkreiden, mit denen sie in einem unbeobachteten Eck ein Kunstwerk auf Omas und Opas frisch gestrichener Wand hinterlässt. Währenddessen öffnen alle anderen in einem wilden Durcheinander ebenfalls ihre Geschenke. Die unbeliebten Geschenke werden achtlos auf die Seite gelegt und die etwas weniger unbeliebten zuvor noch kurz beäugt. Danach widmen sich alle wieder ihren Getränken.

So wird es dieses Jahr laufen
Kekse und Knabberzeug schmücken den Wohnzimmertisch um den es sich die ganze Familie gemütlich gemacht hat. Das Feuer im Kachelofen sorgt für wohlige Wärme und eine romantische Atmosphäre. Unter dem Baum wartet ein Vielzahl von bunten Packerln darauf ihren künftigen Besitzern Freude zu machen. Meine Tochter sieht mit großen staunenden Augen zu, wie mein kleiner Bruder geduldig die Geschenke an die vorgesehenen Empfänger verteilt. Abwechselnd werden die Packerln geöffnet und mit liebevollen Worten gewürdigt. Alle sind glücklich und überaus zufrieden mit ihrer Ausbeute. Liebe und Eintracht legt sich wie eine kuschelige Wolldecke über den Raum.

Weihnachtliches Fazit
Ganz egal, wie es dann wirklich läuft – ob apokalyptisch oder himmlisch – zu Weihnachten läuft es einfach ein Stückchen leichter und unbekümmerter. Sorgen und Alltagsprobleme verschwinden und eine gewisse warmherzige und sentimentale Stimmung ist allgegenwärtig. Ich mag das und bin froh meiner Tochter dieses Fest näherbringen zu dürfen. So freue ich mich jedes Jahr von Neuem darauf allen „Frohe Weihnachten!“ zu wünschen! Deshalb: Frohe Weihnachten!


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Clemens Huss
Clemens Huss Geboren in Tirol, aufgewachsen in Kärnten. Papa seit 2013. Selbstständig als Texter, Webdesigner und Experte für Online Kommunikation ..
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