Interview
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„DO WOXT WOS“

Horst Wild ist im Controlling einer Versicherung tätig. Nicht unbedingt der spannendste Job im Süden. Aber Horst Wild ist auch  der Obmann der Winzer in Kärnten. Das bedeutet, er hat immer einen guten Tropfen bei der Hand und kann uns sagen, wie verrückt man sein muss um in Kärnten Wein anzubauen. Deshalb haben wir ihn auf seinem Weinberg am Ufer des Wörthersees besucht und interviewt.

Hochmotiviert bemüht sich der goldenen Herbst gerade redlich all das wieder gut zu machen, was sein fauler Vorgänger, der unsägliche Sommer heuer gewaltig verbockt hat, als wir uns im Weingarten der Wörtherseewinzer umsehen. Und was wir da sehen ist nicht von schlechten Eltern. Unten glitzert der See, rundherum leuchtendes Herbstlaub und im Rücken das schöne Freyenthurn, ein Lustschloss, das sich diesen Namen auch in der aktuellen Nach(t)nutzung noch redlich verdient. Horst Wild, der Obmann der Kärntner Winzer, schwitzt ganz schön in der glühenden Herbstsonne während er seine kostbaren Beeren behutsam, Traube für Traube von den Reben schneidet. Jede Beere eine kleine Kostbarkeit und bald ein edler Tropfen Kärntner Wein. Aber bevor es soweit ist, ist noch viel zu tun. Zum Beispiel ein Interview mit uns zu führen:

IMSÜDEN.AT: Hallo! Wer bist du, woher kommst du und was treibst du hier im Süden?
Horst Wild: Mein Name ist Horst Wild und ich wurde im Lavanttal geboren. Nach der Handelsakademie war ich Berufsoffizier bis ich mich als Mittzwanziger dafür entschieden habe, ins Versicherungsgeschäft einzutreten, weil die Karrierechancen beim Heer, sagen wir mal „übersichtlich“ waren (lacht). Heute bin ich für das Controlling der Generali-Versicherung für die Steiermark, Kärnten und Osttirol zuständig. Ich war während der Schulzeit und beruflich viele Jahre in Bregenz, Niederösterreich und Salzburg – bin aber froh, jetzt wieder zurück in Kärnten zu sein. Und zwar weil wir hier an einem begnadeten Ort leben, Paradies will ich sagen.

IS: Also ganz schön herumgekommen… Aber wie wird man Winzer an diesem „begnadeten Ort?
Horst Wild: Ich bin über meinen Schwiegervater zum Weingenuss gekommen, der beruflich mit Wein zu tun hatte. Wein getrunken hab ich natürlich schon vorher (lacht). Mit ihm war ich des Öfteren in der Weingegend auf Einkaufstour und da habe ich mich immer mehr für das Weinmachen interessiert.

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IS: Und dann hast du einfach mal die schönste Weinwiese im Süden, direkt über dem Wörthersee, bepflanzt?
Horst Wild: Nein, so einfach geht das natürlich nicht. Ca. 2002 habe ich Wind davon bekommen, dass sowas in Klagenfurt geplant ist und habe mich dann auf der „Seewiese“ engagieren dürfen und bin seither einer von acht sogenannten Stadtwinzern. Ein echtes Privileg wie ich finde, denn man kann es von der Lage her wirklich schlechter treffen (lacht).

IS: Apropos Lage, die ist ja besonders wichtig für den Wein, wie ist selbige in Kärnten.
Horst Wild: Hoch. Ziemlich hoch sogar. Wenn man weiß, dass man pro 100 Höhenmeter ca. eine Woche Wachstum im Jahr verliert, dann hat man im Seewinkel auf 120 Metern natürlich ganz andere Voraussetzungen als hier in Kärnten, wo wir echte WeinBERGE haben, nämlich meist über 400 Meter Seehöhe. Da wird der Cabernet Sauvignon zum Beispiel nicht immer reif. Aber dafür kommt uns der Klimawandel entgegen (lacht). Trotzdem pflanzen wir aber eher frühreifende Sorten an.

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IS: Das kommt wieder uns entgegen, denn wir waren auch eher von der frühreifen Sorte (lacht). Das sind ja nicht immer die einfachsten
Horst Wild: (lacht) Das stimmt, aber wir Kärntner Winzer haben es da bei unseren Weinen leichter als die Eltern mit ihren Kindern (lacht). Der Kärntner Wein ist sogar ein richtiger Musterschüler, mittlerweile national und international anerkannt und gewinnt sogar Preise. Die Qualität ist sehr hoch!

IS: Und als Chef der Kärntner Winzer wachst du darüber, dass das auch so bleibt?
Horst Wild: Nein, nein, darüber wacht schon jeder Winzer selbst und das Bundesgesetz, das den Österreichischen Qualitätswein sicherstellt. Mein Aufgabe als Obmann des Weinbauverbandes ist es, unter anderem, die Marke „Wein aus Kärnten“ nach Außen zu repräsentieren. Das machen wir mithilfe des Arbeitskreises „Wein aus Kärnten“, einem eigenen Verein innerhalb des Verbandes, der die Marketingaktivitäten durchführt. Und „DO WOXT WOS!“ kann ich nur sagen.

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IS: Was soll das jetzt wieder heißen: „DO WOXT WOS!“? Wos woxtn do, ha?
Horst Wild: Das ist der neue Slogan der Marke „Wein aus Kärnten“ und wurde vom WIFI Lehrgang Werbung und Marktkommunikation entwickelt. Wir versuchen diesen nun umzusetzen und überall wo ich hin komme, wird der neue Markenauftritt sehr positiv aufgenommen.

IS: Aha. Klingt nicht so schlecht. Aber wer sind deine Kollegen? Man muss ja schon ein wenig verrückt sein um gerade in Kärnten Wein anzubauen, oder nicht?
Horst Wild: Verrückt vielleicht nicht, aber sicher mutig (lacht). In Kärnten ist Weinbau natürlich in den meisten Fällen ein Hobby oder wird nebenberuflich ausgeübt. Es gibt nur um die zehn Weinbauern, die komplett davon leben. Ca. 125 Hobbywinzer produzieren mehr als 100 Liter Wein im Jahr.

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IS: Es ist also noch viel Luft nach oben?
Horst Wild: Auf jeden Fall. Es gibt derzeit eine Reihe von neuen Interessenten, deren Weingärten demnächst Früchte tragen werden und viele „alteingessene“ professionalisieren sich beständig. Derzeit sind wir auf knapp über 100 ha Anbaufläche im Land, im Jahr 2000, waren es 4 ha. Bis 2020 wollen wir eine Dreiviertel Million Flaschen Wein aus Kärnten jährlich herstellen. Das ist zwar österreichweit gerechnet noch immer eine Kleinigkeit, aber trotzdem ein sehr rasantes Wachstum. Übrigens gibt es schon jetzt mehr Winzer in Kärnten als in Wien (lacht).

IS: In Your Face, Bundeshauptstadt! Ist es eigentlich ein Nachteil, dass viele Winzer in Kärnten nur hobbymäßig Wein machen?
Horst Wild: Nein, eigentlich ist das ein große Chance. Denn dadurch, dass viele von uns noch andere Berufe haben, sind wir auch gut vernetzt. Das fördert Kooperationen, wie etwa jene mit dem Carinthischen Sommer, wo wir ein Festival-Cuvèe servieren dürfen. Wein und Kultur passen ja ganz gut zusammen. Aber es gibt auch viele andere Kooperationen, mit der KARNERTA haben wir einen Weinschinken gemacht, es gibt auch einen Weinspeck und gemeinsam mit dem Rotaryclub Feldkirchen und den Kärntner Erwerbsfischern haben wir zum Beispiel ein Sozialprojekt durchgeführt.

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IS: Was machen denn die Kärntner Winzer so im Hauptberuf?
Horst Wild: Alles mögliche. Die Familie Klade aus dem Lavanttal hat ein Transportunternehmen, Alois Hribernig aus Wutschein ist klassischer Landwirt, Felix Kucher ist Mittelschullehrer, mein Stadtwinzerkollege Robert Passegger arbeitet beim Stadtgartenamt, der Weinbauer Janko ist hauptberuflich Baupolier, ich mache in Versicherungen und der Herr Riedl von Taggenbrunn verkauft nebenher glaub ich Uhren (lacht).

IS: (lacht) Ja, das haben wir auch schon mal gehört. Und all diese unterschiedlichen Charaktere und Professionen eint die Faszination Weinbau. Warum?
Horst Wild: Da hat sicher jeder seine eigenen Gründe. Es ist eben auch ein wunderbar natürliches Hobby, das das ganze Jahr dauert. Es beginnt im Feber, März mit dem Rebschnitt, im April treibt dann alles aus, wenn der Saft wieder in die Pflanze steigt. Dann kommt die Zeit der Blattarbeit. Ich hab ja das Glück, dass mein Weingarten auf der Wörtherseewiese genau zwischen meinem Zuhause in Krumpendorf und meinem Büro in Klagenfurt liegt, da schau ich auf dem Weg zur, oder von der Arbeit, gern mal vorbei und arbeite ein wenig an meinen Reben.

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IS: Da kommst du ja richtig ins Schwärmen
Horst Wild: Das ist ja noch gar nichts (lacht). Nach der Blüte, wenn die Beeren anfangen zu wachsen, schneide ich manche Trauben ab um mehr Nährstoffe in die anderen zu bekommen. Dann färben sich die Beeren langsam um, bei den Rotweinen, und dann kommt die spannende Zeit, in der man den Erntetermin festlegt. Hauptsächlich durchs Kosten der Beeren. Eine gefinkelte Angelegenheit.

IS: Und dann ist endlich Ernte und es gibt Wein?
Horst Wild: Noch lange nicht. Dann beginnt erst die Kellerarbeit. Die Trauben werden gerebelt und gepresst, vergären und dann gibt es noch viele weitere Verarbeitungs- und Veredelungsschritte bis man den neuen Jahrgang endlich abfüllen kann und wir unsere Werke dann als Kärntner Wein präsentieren.

IS: Na das dauert ja. Wo kriegt man den guten Tropfen dann zu kosten, oder zu kaufen?
Horst Wild: Ersten bei den Winzern selbst, aber auch in vielen Vinotheken und mittlerweile auch in den Regionalregalen bei SPAR, BILLA, MERKUR usw.. In der gehobenen Hotellerie und Gastronomie sind wir auch schon ganz gut vertreten, aber bei den Kärntner Wirten haben wir sicher noch Überzeugungsarbeit vor uns. Darauf freuen wir uns, den schließlich sind wir absolut überzeugt von unserem Produkt!

IS: Na dann lassen wir uns jetzt auch überzeugen! Zum Wohl!

 

Pix:  Johannes Wouk


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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