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Weniger Neid aber mehr Guinness

Irland lag am Boden und rappelt sich nun ziemlich schnell wieder auf. Davon kann der Süden mal was lernen! Daher waren wir auf StartUp-Reise in Dublin und haben gelernt: Weniger Jammern, weniger Neid, weniger Steuern dafür aber mehr raus gehen, mehr Privat-Public-Partnership und mehr GUINNESS!

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Bereits zum dritten Mal hat uns die Wirtschaftskammer Kärnten auf eine StartUp-Reise mitgenommen. Nach Berlin und Kopenhagen ging es diesmal nach Dublin. Am Programm standen zum Beispiel Besuche bei IBM, GOOGLE und MICROSOFT. Die waren allerdings nicht übermäßig aufschlussreich, da so große Brummer eben ungern viel herzeigen und lieber viel Wind um wenig machen. Das Resultat sind Marketingpräsentationen über Suchmaschinen-Werbung, selbstfahrende Busse und lernende Chat-Bots. Alles auch in ein paar Stunden Youtube-Recherche zu erfahren. Deshalb soll es hier auch gar nicht darum gehen, was diese Big Player in Zukunft so vor haben, sondern darum was wir uns im Süden so vornehmen könnten und was wir dabei von den Iren lernen können. Denn das ist schließlich eines der Hauptziele dieser StartUp-Reisen: Von anderen zu lernen wie sie ihr StartUp-Ökosystem aufgebaut haben und es selbst dann noch besser zu machen. Also lernen wir mal.

Irland war im Arsch, aber jetzt geht es bergauf
Zunächst einmal zur Ausgangslage. Wer sich noch an den Ausbruch der Wirtschaftskrise erinnern kann (Ja, genau, der Film mit Kevin Spacey), wird wissen, dass es Irland ziemlich hart erwischt hat. Das Bankensystem ist dort praktisch völlig zusammengebrochen, die EU hat eingegriffen und das Land ging fast vor die Hunde. Kurzum: Irland war am Arsch! Aber mittlerweile geht es wieder halbwegs. In Dublin hat man den Eindruck die Talsohle ist durchschritten und es geht wieder steil bergauf. Leider schlafen in den Nebenstraßen noch viele junge Menschen als Obdachlose auf der Straße, weil Wohnraum unanständig teuer und das Lohniveau niedrig ist. Aber man sieht mittlerweile zumindest wieder viele Baukräne in den grauen Himmel wachsen, die einen Bauboom ankündigen. Beispielsweise hat man in den letzen Jahren ein ganzes Hafenviertel zu „Silicon Docks“ ausgebaut und dort u.a. die Europa-Zentrale von Google angesiedelt.

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Weniger Steuern, mehr Englisch, mehr GUINNESS..
Überhaupt nutzen die großen Global Player Irland gerne als Einfallstor für den europäischen Markt. Da können Österreich und speziell Kärnten auch noch etwas lernen. Wir könnten ja zum Beispiel einmal klein anfangen und das Einfallstor unserer südlicheren Wirtschaftspartner Italien und Slowenien in den DACH-Raum werden (wie ich genau hier schon einmal angeregt habe). Wie das geht haben die Iren, zugegebenermaßen unter großem Druck und schlimmen Umständen, vorgezeigt:

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  • Irland hat die Körperschaftssteuer auf 12,5% gesenkt. Deshalb fakturieren Firmen wie bspw. Apple auch gerne über die grüne Insel, obschon ihre Produkte niemals irischen Boden berühren. Das Geld kommt, der Stress bleibt am Festland.
  • Irland ist seit 1973 EU-Mitglied und nach dem Brexit das einzige (!!!) englischsprachige Land der EU (mal abgesehen von Malta)! Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen… Damit ist das Land natürlich für viele angloamerikanische Unternehmen noch attraktiver als Brückenkopf in der EU.
  • Die Arbeitsgesetze im Land sind sehr liberal und dabei gibt es einen großen Pool an gut ausgebildeten und jungen Arbeitskräften.
  • Die Ansiedelung von Big Playern wie Google, IBM, Microssoft und Facebook führt natürlich auch zu einer gewaltigen Clusterbildung rundherum. Es wimmelt nur so von kleineren Zulieferern und StartUps. Gleiches gilt für andere Sektoren.
  • Aber nicht nur der IT-Bereich ist stark, auch die Pharmaindustrie schätzt zum Beispiel die gute Verfügbarkeit von sauberem Wasser und so kommen 33% aller Kontaklinsen und 80% aller Stents aus Irland während 25% aller Diabetiker weltweit Pen und Insulinpatronen von dort verwenden.

Das sind jetzt nur ein paar der Eckpunkte, die der österreichische Wirtschaftsdelegierte Wilhelm Nest bei seinem Vortrag in Dublin angesprochen hat.

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Neid abschaffen!
Jetzt werden wir in Kärnten vielleicht nicht so gut Englisch sprechen wie die Iren, vielleicht auch keinen Pharmacluster zusammenbringen auch wenn wir super Wasser haben und auch eine Steuersenkung ist vielleicht nicht von heute auf morgen umzusetzen (*rofl*). Aber dennoch können wir einiges von den Iren lernen. Denn die Iren haben den Neid abgeschafft. Seit der großen Krise verstehen sie es als Erfolg fürs Land, wenn einer von ihnen ein gutes Geschäft macht. Sie teilen sich Kontakte, sie vermitteln sich Ressourcen, kurz: Sie arbeiten zusammen! Auch wenn sie vielleicht Konkurrenten sind.

Hauptsache: südlich!
Angenommen es kommt ein chinesischer Großhändler nach Kärnten, geht zu einem Zirbenholzschnitzer und will 20.000 handgeschnitzte Zirbenherzen kaufen. Was macht dann der Kärntner Zirbenholzschnitzer? In neun von zehn Fällen wird er dem Großhändler sagen, dass er das nicht zusammenbringt, weil er nur drei Zirbenherzen am Tag schnitzen kann und die Lohnnebenkosten ihm Angestellte verleiden usw. *mimimi* halt. Am Ende macht der Zirbenherzenschnitzer keine Kohle und der Großhändler hat keine Zirbenherzen. Geht der chinesische Großhändler aber nach Irland und will dort von einem irischen Drechselmeister 20.000 Stück von dem was irische Drechselmeister halt so drechseln, dann wird der irische Drechselmeister nicht gleich abwinken, sondern zu allen anderen irischen Drechselmeistern gehen und (auf Gälisch) sagen: „Burschen passt’s auf. Der Chinese will 20.000 Drechseldinger, wenn jeder von uns 1.000 liefert mach’ma alle a G’schäft!“ Und genau das würde ich gerne von den Iren lernen. Diesen Zusammenhalt. Dieses: „Hauptsache irish!“ Denn nur wenn alle mit anpacken können wir den Karren aus dem Dreck ziehen. Und der Karren steckt hier im Süden noch ordentlich im Dreck, auch wenn es schön langsam wieder vorwärts geht. Nehmen wir uns ein Beispiel an den Iren! Hauptsache: südlich!

Förderungen sind immer besser als keine Förderungen!
Wir müssen den Neid aber auch bei öffentlichen Förderungen abschaffen. Wenn in Österreich jemand oder etwas vom Staat gefördert wird, dann wittern alle die nicht vom Staat gefördert werden, oder weniger Förderung bekommen sofort einen Skandal. Da wurde sicher jemand bestochen, oder der kennt wen, oder ist verwandt mit wem usw… Da sind Neid und Missgunst sehr ausgeprägt. Das können wir besser! Übrigens bin ich der Ansicht, dass man sich nicht darüber aufregen sollte, dass etwas gefördert wird, denn das ist jetzt grundsätzlich mal eine positive Sache. Aufregen sollte man sich vielmehr darüber wer und was alles nicht, oder nicht mehr, gefördert wird. Da fangen nämlich die Probleme an. Mir persönlich ist es lieber die öffentliche Hand gibt das Geld, das sie mir aus der Tasche zieht weiter an andere Leute die was damit anfangen können, als es versickert langsam in diesem gewaltigen Bürokratieapparat den wir uns in diesem Land (noch) leisten (können). Nachsatz: Natürlich muss die Umsetzung der Projekte kontrolliert und evaluiert werden und das möglichst transparent und öfffentlichkeitswirksam. Denn daher kommt der Neid ja oft: in den Medien steht: 100.000 Euro für XY und dann hört man nie wieder was aus XY wurde… Da gibt es auch noch Luft nach oben bei der Kommunikation des Fördereffekts. (Ein gutes Mittel sind übrigens Artikel auf IMSÜDEN.AT wie die Regional-Kooperation Unterkärnten hier und hier und hier beweist!)

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Wirtschaftsförderung muss aus der Wirtschaft kommen!
Die Fördermentalität in Österreich hat aber noch eine andere Seite. Leider gehen hier viele Menschen grundsätzlich einmal davon aus, dass der Staat sie fördern muss. Das sehe ich nicht unbedingt so. Das mag für Projekte zutreffen, die ohne staatliche Förderungen undurchführbar wären bzw. unrentabel aber notwendig sind. Was vor allem im Kultur- und Sozial-Bereich der Fall sein mag. In der Wirtschaft und gerade auch bei StartUps sehe ich persönlich auch die Wirtschaft selbst in der Pflicht. Das irische Beispiel dazu ist die GUINNESS-Brauerei. Die ist nicht nur sowas wie ein nationales Heiligtum der grünen Insel sondern auch karitativ, aber vor allem wirtschaftsfördernd unterwegs. So leisten sich die Bierbrauereien zum Beispiel das GUINNESS ENTERPRISE CENTER , sowas wie das build!-Gründerzentrum von Dublin. Ein Teil der alten GIUNNESS-Brauerei wurde dafür umgebaut und nun findet sich dort der angeblich beste Inkubator mit Uni-Anschluss weltweit. Das wär doch auch mal was für den Süden, oder? Villacher Brauerei? Hirter? Inkubator anyone? Nein, muss ja keine Brauerei sein. Aber ich sehe Infineon und Konsorten schon in der Pflicht da was zu unternehmen. Wenn schon clustern, dann nicht kleckern!

Raus mit euch!
Aber fangen wir doch damit an nach außen hin gemeinsam aufzutreten. Jede Menge Gelegenheiten dafür bietet das Außenwirtschaftsservice der Wirtschaftskammer Kärnten. Meinrad Höfferer und sein Team checken nicht nur super StartUp-Reisen, sondern auch sonst alles was ihr für den Schritt nach draußen so braucht. Zum Beispiel kann man sich sündteure Stände auf Fachmessen im Ausland sparen indem man sich am Gruppenstand der WK einbaut. Diesen Service bietet Kärnten als einziges Bundesland an und zwar als Rund-Um-Sorglos-Paket. Das ist Teil der Exportoffensive, die  das Land Kärnten und die Wirtschaftskammer Kärnten mit einer Million Euro dotiert haben und die nicht nur StarUps auf Reisen und KMUs auf Messen schickt, sondern auch schon erste Früchte trägt wie die Wirtschaftskammer hier berichtet. Gut so, schließlich verdient die Kärntner Wirtschaft sechs von zehn Euro im Ausland. Also: RAUS MIT EUCH!

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PS: Wo die Iren übrigens noch ganz ganz viel von uns hier im Süden lernen können ist beim Wetter. In Irland ist es eindeutig zu kalt, zu wolkig und zu grau! Ich Wette die Iren würden auch ganz gerne bei uns am BUSINESSBEACH arbeiten…


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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