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Wie man Geflügel reich wird

Stefan Reichel ist Geschäftsführer der Gackernwirte in St. Andrä im LOVENTAL. Eine verschworene Gemeinschaft von Gastronomen, für die Neid ein Fremdwort ist. Und auch das ist nur die eine Seite eines Events, dessen Erfolgsgeschichte ausschließlich auf der Geflügelküche basiert.

Ich treffe den Chef der Gackernwirte im Gastgarten des elterlichen Gasthauses Poltl in Maria Rojach direkt neben der Wehrkirche. Am Kirchturm vorbei hat man direkten Blick auf das weitläufige Lavanttal. Es ist ein warmer Tag und die Ruhe vor dem Ansturm zahlreicher Fußball Fans. Der Braten brutzelt im Rohr und allein die Vorstellung davon macht mich etwas nervös und unkonzentriert. Aber Stefan Reichel ist voll relaxt. 50 Fußballfans sind ja auch ein Kinderspiel gegenüber Österreichs größtem Geflügel Event. Wir machen es uns also gemütlich, philosophieren über die stetige Zunahme der Auflagen und bürokratischen Schikanen, die den Wirten das Überleben schwer machen. Und warum das Gackern seit 17 Jahren nachhaltig Erfolgsgeschichte schreibt, obwohl ausschließlich Geflügel angeboten wird.

Siebzehn Jahre Erfolg.
Der Gackern Erfolg liegt für Stefan Reichel klar auf der Hand: „Wir sind interessant und unschlagbar im Angebot. Wir setzen auf die Qualität und Vielfalt der Geflügelküche, bleiben dieser Grundidee treu und erfinden uns doch jedes Jahr neu“. Anfangs ist er nur für den Vater zu einem Meeting gegangen, weil dieser ihm von einer komischen Idee erzählt hat, die der Feichtinger (Geschäftsführer des Lavanttaler Geflügelproduzenten WECH) den heimischen Wirten vorgeschlagen hat. Die Idee, ein Fest zu organisieren auf dem ausschließlich Geflügel angeboten wird. Wie soll das funktionieren, äußert sich der Vater skeptisch. Aber gerade diese Herausforderung fasziniert den saisonerfahrenen Koch, weil sie so einzigartig ist. Er beschließt also im Jahr 2000 seine gut bezahlten Jobs als Küchenchef aufzugeben, und die Gastwirtschaft vom Vater zu übernehmen.

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Erfolgreicher als geplant.
„Bereits im ersten Jahr sind 30 % mehr Besucher gekommen, als erwartet, und das hat sich seither immer gesteigert,“ sagt Reichel. Jetzt ist er seit 17 Jahren dabei, betreut mittlerweile drei Gackern-Stationen, und ist damit einer von sieben Wirten aus dem Tal, die den Event gastronomisch schupfen und Jahr für Jahr den Umsatz steigern. „Besucherzahlen von 70.000 und mehr sind wir heute bereits gewohnt“, so Reichel und erinnert sich an Besucher die oft drei mal pro Tag kommen. „Für manche sind wir einfach Zufluchtsort, andere nutzen die Loreto-Wiese als Business Base, viele Unternehmen organisieren hier ihre Firmenfeiern oder kommen um gesellschaftliche Kontakte zu knüpfen. Touristen planen ihren Urlaub zur Gackern Zeit und alle sind sich einig darüber, dass dieser Event noch lange Besuchermagnet bleiben wird.“

Das Gegenteil von Neid ist Gemeinwohl
Die Stimmung unter den Wirten ist gut und neidlos. Alle sind zufrieden und helfen sich gegenseitig wo sie können. Jeder weiß, dass die beste Werbung zufriedene Gäste sind und daher reißen sich in den elf Tagen alle den sprichwörtlichen Haxn aus. Sie arbeiten auch unter Vollausstattung wie im Gasthaus zu Hause. Die Schauküchen sind professionell eingerichtet, alles ist Wetterfest gebaut und die Rohware wird von WECH täglich frisch angeliefert. Die Kühlkette funktioniert perfekt, das Bier geht nie aus und wenn es irgendwo einmal knapp wird springen die Kollegen ein. Gemeinwohl geht heute über Einzelwohl, aber das war schon ein Lernprozess, der seine Zeit gebraucht hat.

Backhendl bleibt Kassenschlager.
„Unser Vorteil ist die Flexibilität. Wir bieten den Gästen die Klassiker, die sie am liebsten mögen, und gleichzeitig lassen wir uns neue Kreationen einfallen,“ sagt Reichel. Insgesamt können die Gäste aus 36 Hauptgerichten wählen. Wer kein Fleisch mag, kommt auch nicht zu kurz. Wer sein Lieblingsgericht bei einem der anderen Wirte gesehen hat, holt es sich einfach, oder wenn Zeit ist, organisiert das auch der Wirt bei dem man gerade sitzt. Das meistverlangte Gericht ist aber nach wie vor das Backhendl. Was beim Gackern gut schmeckt ist auch das ganze Jahr über gefragt, daher haben die Wirte die beliebtesten Gackern Gerichte auch in ihren Stammgasthäusern auf die Speisekarte gesetzt.

Klingt skurril, schmeckt trotzdem – auch weil von feschen Dirndln serviert.
Die Flexibilität zeigt sich schon in den ausgefallenen Geflügelkreationen, die sich die Wirte jedes Jahr neu überlegen. Heuer gab es zum Beispiel: Gackernburger (GH Brenner), Geflügel-Currywurst (GH Zechner), Frühlingsrolle (GH Poltl), Chili con Pavo (GH Sieber), Hendl Lutscher (Crazy Chickens), Gackernpfanne (Grafs Gastronomy), Hendlstreifen im Bierteig (Cafe Burgi), Gefüllte Hühnerbrust mit Wokgemüse (GH Deutscher). Und das ist nur ein kleiner Auszug aus dem Spezialitätenangebot. Die Klassiker wie Backhendl, Hendlwiener usw. sind sowieso fixer Bestandteil der Menükarte. Der Burger aus herrlich zartem Putenfaschierten erweist sich als Renner. Auch vegetarische Gerichte werden mehr und mehr gefragt. Damit schielt man wohl auf die jungen, alternativen Zielgruppen und bleibt trotzdem für alle interessant. Weil die Gerichte durchwegs von feschen Madln und Burschen serviert werden, isst man auch mit den Augen und ist rundum zufrieden. Stefan Reichel (lacht): „Dass es bei uns im Lovental die feschesten Dirndl gibt is eh allgemein bekannt. So, jetzt hab ich aber unser wirkliches Erfolgsgeheimnis verraten.“

Interessante Tagesausflüge mit Gackern Besuch.
Zimmer sind leider noch Mangelware im Lavanttal. Allzu oft werden Gruppen auf der Koralpe untergebracht, oder müssen hinunter bis zum Klopeinersee ausweichen. Warum das so ist, erschließt sich einem nicht ganz, wenn man sieht was von den Gemeinden und auch von Privatinitiativen für Attraktionen im Tal angeboten werden. Für Gackern Besucher zahlt sich jedenfalls ein Tagesausflug mit der ganzen Familie aus. Vormittags z. B.: Alpaka Zucht am Josefsberg oder Bienen Lehrpfad nahe der Stadt. Auch in der neuen Kunstgalerie in St. Andrä finden immer interessante Ausstellungen statt, und seit die Kirche Maria Loreto zur Basilika erhoben wurde, und der Marien Pilgerweg durch das Tal führt, ist auch das spirituelle Angebot attraktiver denn je. Beim Gackern selbst wird für die Kinder Gaudi einiges geboten, wie Stroh Tummelplatz, Erlebnisreiten oder die gerne gebuchten Kutschenfahrten.

Lavanttaler Weine und Loungen mit Tischreservierungen.
„Wenn wir in unseren Gaststätten Tische reservieren würden, bräuchten wir für jeden Tisch einen Aufpasser“, lacht Reichel, „weil sich die Besucher in den Stoßzeiten um jeden Tisch raufen.“ Dafür hat man das große Gackernzelt, früher der Fluchtort bei Regen, nach und nach adaptiert und schöne Loungen eingerichtet, die gerne von Firmen und auch Gruppen gebucht werden. Hier gibt’s auch Reservierungen und Pauschal-Menü’s auf Vorbestellung, welche dann a’la minute gemacht und serviert werden. Nicht weg zu denken ist auch der Stand mit ausgezeichneten Lavantaler Weinen von Gartner, Klade, Lenzbauer & Co.

Nach dem Gackern ist vor dem Gackern.
Am Ende jeder Gackernsaison, wenn mehr als 600 Bierfässer geleert sind und der Lavantaler Wein seinen Heimvorteil weidlich genutzt hat, setzt man sich wieder zusammen, zieht die Lehren aus den Fehlern und entwirft Ideen die schon jetzt Appetit machen auf das nächste Gackern, welches vom 4. bis 15. August 2017 stattfindet und ganze 12 Tage dauert.

Gackern Nachlese 2016: www.gackern.at


Foto Gerhard Smuck
Gerhard Smuck
GERHARD F. SMUCK ist Absolvent der „Universität des Lebens“. Vorher: Schulabbrecher, Lehrling und Fachmann im Grafischen Gewerbe. UNO Soldat. Dann ..