LOVENTAL IMSÜDEN.AT
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Von Gerhard Smuck, Fotos: KK

Wie viel Regional ist für die Menschen optimal

Reinhold Weinländer ist Bereichsleiter für Privatkunden der neuen RAIKA MITTLERES LAVANTTAL, dem Zusammenschluss von fünf ehemals eigenständigen Geldinstituten zwischen Wolfsberg und St. Stefan. IMSÜDEN.AT erzählt er warum im LOVENTAL jetzt 1x 5 mehr ist als Fünf mal eins, der Blechtrottel auch nach der Fusion einer bleibt, und die Kunden vor Ort am wichtigsten sind.

Nix gegen Tracht, aber irgendwie bin ich überrascht, denn Reinhold Weinländer entspricht so gar nicht meiner Klischeevorstellung eines Bankers aus dem Raiffeisen Sektor. Weder von seinem Sprach-Duktus, noch vom Habitus. Optisch hätte ich mir mindestens ein Trachtensakko mit Halsband, und inhaltlich eine Predigt über seriöses Bankgeschäft erwartet. Aber schon nach einigen Minuten sind wir mitten in einer heißen Diskussion zum Thema Wertpapiere, Zukunft des Bankwesens und des Geldes überhaupt. Es stellt sich heraus, dass er einer der ersten Spezialisten am Wertpapier Sektor war und diese Berufung schließlich zur Leidenschaft ausgeartet ist. Einer Leidenschaft die den normalen Tag/Nacht Rhythmus außer Kraft setzt und jede Beziehung enorm belastet. Aber spätestens mit der Fusion, diesen September, hat das sein Ende gefunden. Eigentlich schon früher, weil die Kunden immer versierter werden und Echtzeitinformation heute aus dem Internet für jeden, der sich halbwegs auskennt, abrufbar ist.

Derzeit kümmert sich Reinhold Weinländer viel um Organisatorisches und schaut darauf, dass die unterschiedlich gewachsenen Kulturen der ehemals selbständigen Lokalbanken zu einer neuen, gemeinsamen Leitkultur zusammenwachsen. Aus den ehemals fünf Instituten ist schließlich die 2. größte Regionalbank des Raiffeisen-Sektors in Kärnten entstanden. Mit 56 Mitarbeitern, drei Bereichsleitern und einem 3er Vorstand an der Spitze.

Spagat zwischen Online, persönlicher Beratung und lokaler Versorgung.
Auch der Raiffeisen Bankensektor befindet sich organisatorisch gerade im Wandel. Man passt sich der Zeit an und versucht den Spagat zwischen gewachsenem Vertrauen, verlässlicher Beständigkeit und neuer Dynamik in der Kunden – Bank – Beziehung. Das normale Bankgeschäft wird zunehmend Digital, die Fesseln der EU-Richtlinien erzeugen neue Bürokratie und die hohen Eigenkapital Vorschriften zwingen die Banken zu sparsamster Gebarung. Kein Wunder, wenn viele Institute stark auf Online Service und Konzentration setzen. Die Privatisierung des Banksektors tut ihr Übriges. „Auch wir bündeln die Kräfte“, sagt Weinländer. „Daher die Fusionierung. Größe bringt auch mehr Gewicht und das bedeutet einen Kräftezuwachs in der Gruppe selbst, aber vor allem innerhalb des Bankengefüges.“ In der Geschäftsgebarung bleibt man konservativ. „Ich meine das im positiven Sinne,“ sagt Weinländer. Während andere Banken Filialen schließen und Bankschalter unbesetzt sind, sperrt die Raika Mittleres Lavanttal Filialen wieder auf und sorgt dafür, dass in jeder Bank zumindest ein Bankschalter für persönliche Beratungen offen steht. In St. Michael hat man die ehemalige Hypo/Anadi Filiale übernommen und bietet auch hier an zumindest drei Tagen die Woche vollen Bankservice an.

Neue Anlageformen mit sicherem Ertrag.
Bei der Ländlichen Bevölkerung genießt Raiffeisen immer noch großes Vertrauen, was vielleicht auch eine Folge der früher oft belächelten konservativen Geschäftsgebarung ist. Leidenschaftliche Wertpapierspezialisten wie Weinländer waren wohl damals über das relativ enge Korsett bei Anlageformen nicht immer glücklich. Heute sind Margen von drei oder 4 % sehr viel. Jedenfalls viel mehr als ein Sparbuch abwirft. „Wir können durch die Fusion auch aus einem viel größeren Bereich an Anlageformen wählen. Das tut dem Geschäft gut, die Kunden sind sehr zufrieden und wir darüber sehr glücklich. Aber natürlich muss jedem klar sein, und das betonen wir auch immer, dass mit jedem erhofften Prozent mehr Ertrag auch das Risiko ansteigt.

Der Blechtrottel bleibt auch nach der Fusion einer.
„Wir leben von der Kraft des Vertrauens, das ist uns allen klar und wir zählen auf die Kunden vor Ort “, betont Weinländer, daher wird nicht alles dem Blechtrottel, sprich Computer, überantwortet. „Bei aller Modernisierung sorgen wir dafür, dass die persönliche Ansprache erhalten bleibt. Wir bieten auch unseren Online Kunden ein jährliches Beratungsgespräch, weil erfahrungsgemäß immer Potential für Optimierung der Finanzen gegeben ist. Das alte Vorurteil, eine Bank der Landwirte zu sein, haben wir schon lange abgelegt. Heute zählen Arbeiter und Angestellte genau so zu unseren Kunden wie Selbstständige und Gewerbetreibende. Interessanter Weise haben viele Lavanttaler, die längst in Wien oder sonst wo ihren Lebensmittelpunkt haben, ihr Konto immer noch bei uns. Das ist wohl so was wie eine gewollte Verbindung zu Heimat. Zu allen heiligen Zeiten besuchen sie uns dann und wir optimieren was, oder ratschen einfach nur. Ob jemand viel oder wenig Geld hat, ist uns nicht so wichtig, was viel mehr zählt ist, was wir gemeinsam draus machen können.“

RAIKA MITTLERES LAVANTTAL:

www.rb-mittleres-lavanttal.at

Raiffeisenbank Mittleres Lavanttal eGen
St. Andrä 76
9433 St. Andrä

Bankstelle Wolfsberg
Hoher Platz 19
9400 Wolfsberg

Bankstelle St. Stefan
Hauptstraße 37
9431 St. Stefan

Bankstelle Kleinedling
Alte Straße 8
9431 St. Stefan

Bankstelle St. Michael
St. Michael 26
9411 St. Michael


Foto Gerhard Smuck
Gerhard Smuck
GERHARD F. SMUCK ist Absolvent der „Universität des Lebens“. Vorher: Schulabbrecher, Lehrling und Fachmann im Grafischen Gewerbe. UNO Soldat. Dann ..