Interview
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„Wir wissen nicht wer du bist, aber wir wissen, wo du grade bist und was du dort brauchst!“

Georg Holzer und Bruno Hautzenberger erklären uns, wie aus einem Kunstprojekt namens PINGEB.ORG das StartUp des Jahres XAMOOM wurde, welchen Preis sie noch nicht haben und was der Grenznutzen von Alkohol damit zu tun hat.

Die Räumlichkeiten des BUILD!-Gründerzentrum im Lakesidepark. Ein kleines Büro mit zwei Schreibtischen. An der Tür steht: XAMOOM. Keiner weiß was das bedeutet, aber das fragt auch keiner. Alle fragen immer nur, was die beiden Herren die sich in diesem kleinen Büro gegenübersitzen eigentlich aushe(a?)cken. Sie gewinnen Preise ohne Ende und stellen alle in ein kleines Ikea-Regal in der Ecke, neben den Kisten voller Club Mate, von denen sich Bruno Hautzenberger (CTO) und Georg Holzer (CEO) zu ernähren scheinen. An den Wänden kleben komische Formeln, bunte Timelines, Entwürfe für UIs und es steht allerhand Nerd-Zeug rum. Man fühlt ein wenig wie am Set von „The Social Network“, diesmal aber durch die Macher von „The Big Bang Theorie“ verfilmt. Aber die XAMOOM-Jungs sind weder so asozial wie der alte Zuckerberg, noch so verpeilt wie Sheldon Cooper. Sie arbeiten fokussiert an einem großen gemeinsamen Ziel, und dabei unterbrechen wir sie natürlich sehr gerne mit ein paar blöden Fragen:

IMSÜDEN.AT: Wie seid ihr beide zusammen gekommen?
Bruno Hautzenberger: Wir kennen uns natürlich schon viel länger als es XAMOOM gibt. Ursprünglich haben wir uns beim Fotowalken in Klagenfurt kennengelernt.
Georg Holzer: Genau, und wir hatten beide Handys mit NFC (Near Field Communication). Blöd war nur, dass man damals, ich glaub das war im April 2012, praktisch nichts damit anfangen konnte.

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IS: Also habt ihr euch was ausgedacht was man mit NFC machen kann?
Bruno Hautzenberger: Ja. So ungefähr. Es war bei einem Bier im Kamot. Also „a bsoffene Gschicht“, wie man im Süden sagt (lacht).
Georg Holzer: Ein gutes Beispiel für den Grenznutzen von Alkohol (lacht).

IS: Grenznutzen von Alkohol???
Georg Holzer: Naja, nach ein bis zwei Bier bist relativ kreativ und hast, im Gespräch, gute Ideen. Nach fünf Bier oder so bist du eher zum Weglegen. Also beschreibt die Kreativität im Verhältnis zum Alkoholkonsum eine einfache Glockenkurve, wie beim Grenznutzen eben (lacht).

IS: Aha, die Theorie ist dann wohl erst nach dem achten Bier entstanden… Aber zurück zum zweiten Bier, wie wurde aus einer „bsoffenen Gschicht“ dann das Projekt PINGEB.ORG?
Bruno Hautzenberger: Damals hatte sich Josef Winkler  gerade darüber echauffiert, dass es in Klagenfurt keine Stadtbibliothek gibt. Und da haben wir uns gedacht: „Machen wir doch die ganze Stadt zur Bibliothek“.
Georg Holzer: Da das zur Zeit des Bachmannpreises war haben wir gleich gewusst, dass es etwas mit „Ingeborg“ ( http://de.wikipedia.org/wiki/Ingeborg_Bachmann )zu tun haben muss. Der Name PINGEB.ORG entstand dann aber aus einem Facebook-Kommentar. Wir wissen leider nicht mehr genau wie.

IS: Und dann habt ihr die Stadt einfach mal so mit gelben Stickern zugepflastert?
Bruno Hautzenberger: Ja, wir haben einen schnellen „Dirty Hack“ im WordPress gemacht und schnell mal 70 Pickerln aufgeklebt. Eigentlich keine große Sache.
Georg Holzer: Aber als Journalist, der ich damals noch war, hab ich natürlich eine Presseaussendung verfasst und die mal rausgeschickt. Und Schwupsdiswups hat engadget.com über uns berichtet.
Bruno Hautzenberger: Ja, da waren wir so vier bis fünf Stunden auf der Frontpage und in den ersten paar Tagen haben dann so an die 120 Blogs „abgeschrieben“. Da haben wir gewusst: Da geht noch mehr!

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IS: Was war das Ziel von PINGEB.ORG?
Georg Holzer: Am Anfang haben wir auf unserer Stickern überall in der Stadt einfach Bücher zum Download angeboten. Natürlich solche, bei denen die Copyrights schon abgelaufen sind, also alte Schinken. Zum Beispiel den Sommernachtstraum vom alte Shakespeare im Strandbad, einen Krimi beim Gericht, oder „Der Verschwender“ vom Raimund bei der Landesregierung (lacht).
Bruno Hautzenberger: Aber man darf natürlich nicht einfach überall Sticker aufkleben, denn da kommt ja dann sofort die Bergwacht und du musst Strafe zahlen (lacht). Daher waren wir sehr froh gleich die STW Stadtwerke Klagenfurt als Partner im Boot zu haben, so konnten wir die Sticker an den Bushaltestellen anbringen.
Georg Holzer: Unser nächster Schritt war dann, Künstlerinnen und Künstler aus Klagenfurt auf die Sticker zu laden, Musiker, Schriftsteller usw., die junge Szene eben, das hat uns selbst interessiert. Und damit haben wir dann den Bank Austria Kunstpreis gewonnen. Das war natürlich genial, damit hatten wir nicht gerechnet. Das hat uns dann zusätzlich motiviert weiterzumachen.

IS: Und so ist aus PINGEB.ORG dann XAMOOM geworden?
Bruno Hautzenberger: So ungefähr. Bei PINGEB.ORG haben wir gelernt, „Location as a service“ zu verstehen. Also haben wir daraus ein neues Produkt designed. Wir sind da natürlich nicht die Ersten, „Software as a Service“ gibt es schon länger. Auch ortsbezogene Handydienste gibt es schon. Das sind meist sehr komplexe, eigens für einzelne Kunden programmierte Lösungen, die dadurch natürlich auch sehr kostspielig sind. Wir bieten mit XAMOOM dafür eine Servicelösung an, ein skalierbares Mandantenfähiges System für alle Fälle. Das ist Neu!
Georg Holzer: Genau, was bis jetzt teuer und aufwendig war geht jetzt viel günstiger und schneller und ohne das man sich viel auskennt.

IS: Also auch was für IMSÜDE.AT? Wir kennen uns ja absolut überhaupt nicht aus!
Georg Holzer: Ja, das schafft sogar ihr (lacht). Nein, im Ernst: Wir versuchen wirklich ein friktionsloses Usererlebnis zu generieren. Nur so haben wir ein zukunftsträchtiges Produkt.
Bruno Hautzenberger: Genau. Ganz ohne Programmierkenntnisse und sogar ohne App-Download kannst du bei uns dein eigenes Location based Service mieten. In deinem Corporate Design!

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IS: Klingt ja super, aber wozu, zum Teufel, kann man das brauchen?
Georg Holzer: Die richtige Frage lautete eigentlich: „Wo kann man das brauchen?“ und die Antwort ist: Überall wo du eine bestimme Information benötigst.
Bruno Hautzenberger: Ja, wir sagen immer: „Wir wissen nicht wer du bist, aber wir wissen, wo du gerade bist und was du dort brauchst.“ Stell dir vor, du wärst heute hier vor verschlossenen Türen gestanden. Niemand im Büro, Tür zu. Am Büroschild draußen wäre ein NFC-Chip und ein QR-Code der dir sofort unsere Kontaktdaten ins Handy lädt, damit du uns anrufen und zusammenscheißen kannst, weil wir unseren Termin verpennt haben. (lacht).

IS: Sehr praktisch! Was kann man noch damit anstellen?
Georg Holzer: Das Paradebeispiel ist natürlich das Museum, wo du vor einem Bild stehst und dazu eine Info willst. Das ist der Klassiker. Da brauchen die Museen mit unserem Service, in Zukunft keine sündteuren Apps mehr programmieren lassen, sondern einfach nur XAMOOM einrichten und fertig ist die Laube.
Bruno Hautzenberger: Ein gutes Beispiel ist auch der Biertisch. Stell dir vor, du sitzt am Tisch, vor dir klebt ein NFC-Sticker und die erfährst dann auf deinem Smartphone, dass hier auf diesem Biertisch schonmal Franz Klammer ein paar kleine Bier getrunken hat.

IS: Na, da brauchen wir aber kein XAMOOM dafür, sagt’s uns doch bitte wo im Süden es noch einem Biertisch gibt auf den das nicht zutrifft (lacht)? Nein, Scherz. Aber könnten wir zum Beispiel direkt am Tisch was bestellen?
Georg Holzer: Ja, in einer weiteren Ausbaustufe unseres Produkts wird auch Interaktion möglich sein: Du rufst am Handy die Karte auf, bestellst was du willst, und die Kellnerin bringt’s dir dann an den Tisch.
Bruno Hautzenberger: Und bezahlen kannst du dann auch gleich per NFC.

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IS: Ok, das klingt jetzt schon ziemlich praktisch…
Bruno Hautzenberger: Ist es auch! Und so vielseitig. Du musst dir vorstellen, alles was dein Handy kann, das kann auch unser Produkt. Das bedeutet zum Beispiel wir sind ganz automatisch multilingual, ein Italiener bekommt alles in Italienisch angezeigt, eine Französin dann auf Französisch usw.
Georg Holzer: Und wir sind natürlich multimedial, im Automuseum kannst du dir gleich anschauen wie das Ausstellungstück damals auf der Rennstrecke rumgekurvt ist usw.

IS: Ok, ok, hört auf zu schwärmen, wir sind eh schon überzeugt… Aber wo können wir das Ding ausprobieren?
Georg Holzer: Derzeit bei allen „alten“ PINGEB.ORG Stickern und auch im Lakeside Kunstraum. 2015 werden wir dann schon zwei weitere Kunden haben, über die wir aber noch nicht sprechen dürfen … kleiner Teaser: Es wird eine Autofirma.
Bruno Hautzenberger: Derzeit bauen wir gerade einen Vertrieb auf, suchen dafür Mitarbeiter und werden uns auch hier im Build! Gründerzentrum ein größeres Büro zulegen müssen.

IS: Wer sind dann eure Zielgruppen, wer soll euer Produkt wirklich nutzen?
Georg Holzer: Eine der Zielgruppen sind sicher auch Werbeagenturen. Die können unser Service ihren Kunden anbieten, da gibt es ja unglaublich viele Anwendungsmöglichkeiten. Daher arbeiten wir auch an einem Salzsupport für die Agenturen. Best Practise Beispiele nach dem Motto: „Du brauchst das uns das, dann mach es so und so.“, das können die Agenturen dann übernehmen in ihre Konzepte einbauen udn den Kunden vermitteln.
Bruno Hautzenberger: Ja, aber natürlich gibt es auch im Kunstvermittlungsbereich viele Anwendungsmöglichkeiten. Zum Beispiel wenn man Museen nach draußen tragen will, oder uns im öffentlichen Raum, wie bei PINGEB.ORG anbietet.

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IS: Und wie sieht’s mit den Preisen aus?
Georg Holzer: Welchen meinst? Den Bank Austria Kunstpreis, den CREOS in Gold, den ersten Platz beim BUILD!-Impulse-Wettbewerb 2014, den 3. Platz beim Kärntner Regionalitätspreis, Platz drei beim Businessplantwettbewerb i2b oder, dass wir STARTUP des Jahres sind (lacht)?

IS: (lacht) Nein, dass es da preislich ganz gut für euch ausschaut, kriegt man ja über sämtliche Medien mit, aber was werden ihr für euer Produkt verlangen?
Bruno Hautzenberger: Da wollen wir noch nicht zu viel verraten, denn wir kalkulieren noch. Nur so viel: Der Preis wird locker dreistellig bleiben und das ist einzigartig!

IS: Na gut. Dann lassen wir euch das Geheimnis noch, aber ihr müsst uns zumindest verraten, warum ihr das Ganze in Kärnten startet und nicht, zum Beispiel, im Silicon Valley.
Bruno Hautzenberger: Das kann doch jeder (lacht). Ernsthaft: Aus technischer Sicht ist es völlig egal von wo aus wir arbeiten, meine Infrastruktur ist sowieso überall auf der Welt verteilt. Und hier sind alle meine Freunde, und es ist ja auch nicht ganz unschön im Süden.
Georg Holzer: Genau. Und auch das BUILD!-Gründerzentrum hier ist einfach großartig, da hast du 18 Monate kein Problem mit Miete usw., das ist genial. Außerdem war ja schon PINGEB.ORG ein richtig südliches Projekt, also wieso in die Ferne schweifen.

Gut, nachdem wir das auch geklärt haben nun noch die wichtigste Frage zum Schluss: Was heißt XAMOOM überhaupt???
Georg Holzer: xamoom kommt aus der westafrikanischen Sprache „Wolof“ und bedeutet „Wissen weitergeben“ oder „Wissen vermitteln“.

IS: Aha… Westafrikanisch… „Wolof“… Aaaalles klar… Na dann, danke für’s xamoomen in diesem Interview… oder so!

 

PIX: Johannes Wouk & XAMOOM


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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