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Praktikum, einmal anders…

Das Klischee verrät uns, dass man als unerfahrener, junger Mensch sowieso schon recht schwer einen Praktikumsplatz bekommt. Und falls man doch das Glück hat, muss man Jause holen, Ordner schlichten, Kaffee kochen, oder andere Arbeiten machen, die sonst keiner will. Weil mich die drei Praktikanten von ABC House, Madeleine Brunner, Thomas Humitsch und Christian Groß, davon überzeugen wollten, dass es nicht immer so sein muss, habe ich sie und ihren Chef Daniel Pressl zum Interview getroffen…

„Wir kommen zu euch!“ hieß es, als ich mit Daniel Pressl den Ort für unser Interview festlegte. Da ahnte ich aber noch nicht, dass er mit „wir“ nicht zwei, sondern gleich vier Personen meinte. Und es ist wirklich nicht einfach sich Notizen zu machen, wenn vier Leute gleichzeitig auf einen einreden.  Aber sie hatten mir halt sehr viel zu erzählen… Denen scheint ihr Praktikum bei ABC House wirklich  zu gefallen…

IS: Daniel, erzähl du mir zuerst mal bitte, ein wenig über ABC House
Daniel:
Wir entwickeln und vertreiben Produkte, die unseren Lebensraum der Zukunft lebenswerter machen sollen.

IS: Wie seid ihr denn darauf gekommen, dass ihr bei ABC House ein Praktikum machen könnt?
Christian:
Ich habe schon letzte Sommerferien bei ABC House gearbeitet… Daniel ist ehemaliger Schüler des Stiftsgymnasiums St. Paul, wo auch Thomas und ich zur Schule gehen. Er hat bei uns einen Vortrag über seinen Lebenslauf und seine Zeit in St. Paul gehalten und auch erwähnt, dass er immer motivierte Leute für Praktika sucht. Also habe ich mich beworben.
Thomas: Und weil Christian mir von seinen Erfahrungen vom letzten Jahr erzählt hat und ich sehr begeistert war, hab ich beschlossen mich dieses Jahr auch bei Daniel zu melden.
Madeleine: Ich kenne Daniel schon länger und er hat eigentlich mich darauf angesprochen, dass ich bei ABC House ein Praktikum machen könnte…

[zilla_one_half]Thomas und unser Lebensbaumhaus, das er gebaut hat[/zilla_one_half][zilla_one_half_last]Madeleine Brunner[/zilla_one_half_last]

IS: Worum genau geht es euch bei dem Praktikum? Um die Kohle? Die spannenden Aufgaben?
Thomas:
Das Geld war mir egal – ich hab zuerst gar nicht gewusst, wie viel ich verdienen werde…
Madeleine: Also als Studentin hab ich drei Monate Ferien und die Zeit wollte ich irgendwie sinnvoll nützen und da ich mich immer schon sehr für Daniels Arbeit interessiert habe, hab ich mir gedacht, nehm ich die Chance auf das Praktikum wahr.
Christian: Ich wollte dieses Jahr unbedingt wieder dabei sein, weil’s mir eben letztes Jahr so gut gefallen hat.

IS: Hattet ihr davor eigentlich irgendwelche Erfahrungen in diesem Bereich?
Thomas:
(lacht) Nein! Bevor wir das Praktikum angefangen haben, wussten wir ja gar nicht, was genau uns erwarten würde…

IS: Und ihr behauptet, dass ihr es nicht so beschissen habt, wie der Klischee-Ferialpraktikant?
Madeleine:
Ganz und gar nicht! Unsere Arbeit ist total facettenreich und lässt sich auch schwer beschreiben. Wir pflanzen Bäume, forschen, bauen…
Thomas: Wir kommen auch sehr viel rum, wir sind in ganz Österreich unterwegs. Bei Meetings oder Produktpräsentationen. Daniel hat uns auch zum Casting von „zwei Minuten, zwei Millionen“ auf Puls4 nach Wien mitgenommen. Und nach dem Casting haben wir dann auch spontan beschlossen den Pitch etwas weiter zu spinnen und einen eigenen Film zu drehen.
Christian: Oder wir waren in einer MC Donalds Filiale um Sensoren anzubringen und um herauszufinden, wie man da am besten Energie sparen kann.

IS: Und was ist mit Kaffeekochen für den Chef?
Daniel:
Der Chef kann sich seinen Kaffee auch selbst kochen (lacht). Hier werden eigentlich alle gleich behandelt und jeder kann seine Ideen einbringen bei den Projekten, die ich mit den Praktikanten mache. Ich meine, natürlich treffe ich im Endeffekt die Entscheidungen, aber für mich ist es einfach schön zu sehen, wie sie über sich hinauswachsen!

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IS: Muss schön sein bei euch…
Madeleine:
Ja… und manchmal jagt’s den Heizstrahler in der Werkstatt fast in die Luft, dann ist wieder ein bisschen kühl, aber ansonsten stimmt das Klima (lacht).
Christian: Es ist echt gemütlich. Wir haben ein nettes Büro und in der Werkstatt gibt es sogar einen Fernseher, eine Spielekonsole und weil wir alle ganz gerne klettern, haben wir vor kurzem beschlossen dort auch eine Kletterwand aufzustellen. Und jetzt können wir dort klettern.

IS: …
Daniel:
Es ist doch wichtig, dass man sich wohl fühlt. Da geht man auch viel lieber arbeiten!

IS: Tut der nur so, oder ist der wirklich so cool?
Christian:
Er ist so cool!
Thomas: Er ist überhaupt kein typischer Chef! Er gibt uns so gut wie nie Anweisungen, sondern sagt immer nur „Mach einfach!“ oder „Komm selbst drauf!“
Madeleine: Deshalb hab ich mich beim ersten Telefonat mit einem Kunden auch mit „Hallo, hier ist die Maddy“ gemeldet (lacht)

IS: (lacht) Wie ist es für dich mit solchen Praktikanten zu arbeiten, Daniel?
Daniel:
Ich mache das total gerne! Ich habe schon während meiner Zeit am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Amerika, mit fünf jüngeren Studenten im Team an meiner Doktorarbeit getüftelt. Für mich ist es immer extrem schön zu sehen, wie sie dazu lernen und über ihre Grenzen hinauswachsen.

Christian-Gross-Zertifikat_500px

IS: Aber eure Aufgaben hab ich immer noch nicht so ganz verstanden!
Christian:
Unsere Aufgaben sind total abwechslungsreich. Ich zum Beispiel musste einmal auf das Dach eines Kunden Klettern, um Temperatursensoren anzubringen.
Thomas: Und ich hab vor Kurzem ein Gewächshaus für unsere Baum-Setzlinge gebaut.
Daniel: Wir bieten eine Plattform für umweltfreundliche Produkte der Zukunft und die Praktikanten lernen manchmal direkt beim Kunden, oder spielerisch die Produkte und Geräte für Messungen und Forschung kennen.

IS: Alles klar! Aber was hat es mit den Bäumen auf sich?
Daniel:
Nun ja… wir rechnen immer aus, wie viele gepflanzte Bäume die gleiche positive Wirkung auf die Umwelt erzielen würden, wie unsere Produkte und pflanzen dann sozusagen virtuell Bäume. Und weil uns das aber nicht ausreichte, haben wir beschlossen auch in der „echten Welt“ Bäume zu pflanzen
Madeleine: Die man dann auch bei uns kaufen kann und zum Beispiel als schönes Geschenk weitergeben kann…

IS: Klingt echt spannend! Ich weiß jetzt Bescheid, ich danke euch!

pix: Daniel Pressl