in

Arbeiten im Lendhafencafe – Der Sex unter den Sommerjobs

Ein Erfahrungsbericht aus dem Süden:

Klagenfurt. Mitte Zwanzig. Frühjahr 2019. Kontostand -676€. Beruf: Student. So viel zur Ausgangssituation. Als ich endlich realisiert hatte, dass der besagte Status quo nicht gerade förderlich für mein Wohlbefinden sein wird, ging´s eigentlich ganz schnell: „Hat jemand einen Sommerjob für mich? Bräuchte dringend einen!“ Sämtliche Whatsapp-Gruppen öffnen, Copy und Paste, abschicken. „Ey, der Stefan sucht einen für den LC Pavillon (LC = Lendhafencafe, Anm. der Redaktion)“, kam es kurze Zeit später zurück. „Einfach anrufen und sagen du hast die Nummer von mir.“ Alles klar.

Schauplatz Lendhafen. Der Pavillon scheint das viereckige Ding unten am Kanal zu sein, aus dem Getränke ausgegeben werden. Das LC selbst ist auf jeden Fall Zwei in Einem: Cafe´ am Vormittag, Bar nach Sonnenuntergang. Beides taugt den Leuten, und zwar richtig. Dazwischen gibt´s, wie es sich für den Süden gehört, Siesta. „Der Stefan“ ist von mir gleich mal als „Raphael“ angesprochen worden. „Ich hab keine Ahnung welchen Raphael du suchst, aber i bin der Stefan“.  Einen guten Ersteindruck beim neuen Arbeitgeber hinterlassen, immer wichtig. Einen Plan von der Gastronomie hatte ich auch keinen. Hinter der Bar zumindest. Motiviert anzupacken meinte ich aber doch zu können. Das reichte dem Stefan, zum Arbeiten anfangen durfte ich. Sympathischer Kerl eigentlich.

Eckplatz mit Charme

Achtung, persönliche Meinung! Wenn der Sex unter den Sommerjobs das Arbeiten im Lendhafencafe ist, dann ist das Ausschenken aus dem Pavillon der Höhepunkt. Ich hatte schon schlimmere Arbeitsplätze. Das Ding am späten Nachmittag aufmachen, die Liegestühle aufklappen, den Kühlschrank füllen, den osttirolerischen Dialekt des Arbeitskollegen entziffern, das Bier- und das Weinfass herrichten. Dein Ausblick? Direkt auf den Lendkanal, während dir die Sonne ins Gesicht klatscht. Klagifornia-Feeling muss nicht immer nur am See zu spüren sein.

Arbeit mit Aussicht – Ruhe vor dem Sturm

Bier zapfen und Spritzer machen gingen fix, andere Getränke brauchten am Anfang ein wenig Zeit. Das tut dem entspannten LC Klientel in der Regel aber nichts zur Sache. So etwas wie Stress kommt eigentlich nur auf, wenn du nach drei Stunden nicht mehr weißt, welche Songs du in die Spotify-Playlist packen sollst. Gut, wenn viel los war – und das war es oft – , musste es auch mit dem Ausschenken schnell gehen. Aber immer „mit Schmee“! Das „geschmeidige“ Arbeitsklima und die Stories, die ich beim LC mit seinem Pavillon erleben und beobachten durfte, machten den Sex-Faktor des Arbeitsplatzes letzten Endes für mich aus. Open-Air-Filmabende, Konzerte und Live-Band-Spontan-Gigs direkt vorm Kanal. Exil-Studis, die im Sommer aus Wien und Graz nach Klagenfurt zurückkommen, um im romantischen Innenhof jemanden niederzuschmusen. Oder du beobachtest den Arbeitgeber , wie er in den Kanal springt, um seine Sitzgarnituren rauszufischen. Anekdoten gibt es genug.

Spontan Gig beim Pavillon

Irgendwann ist aber auch beim Pavillon Ende im Gelände. Kurz vor Mitternacht nämlich, behördlich geregelt. Sonst würden die Leute wahrscheinlich bis in die frühen Morgenstunden dasitzen. Zurecht. Ist der Sommer vorbei, ist auch die Pavillon-Saison vorbei. Wenn du weiterarbeiten willst, heißt´s ab jetzt „LC only“, nix mehr Pavillon. Aber willst du weitermachen und haust dich rein, hat der Stefan da auch immer ein offenes Ohr.

FOLLOW US:

YOUTUBE 
INSTAGRAM
► FACEBOOK

Von Valle

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Loading…

0