Interview
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„Der Affe hat das Werkzeug ERFUNDEN.“

Das Bergaffen Multifunktionstool ist ein modulares System aus Alurohren mit einem ausgeklügelten Schraubsystem und diversen praktischen Erweiterungen. So kann eine Vielzahl von Anwendungen mit wenigen Komponenten abgedeckt werden: Kamerastativ, Garderobe, Schneeschaufel, Sitzbank, Schneeshaper usw… Das Ganze ist völlig neu, wurde im Süden erdacht und wird auch hier gemacht. Von wem, wie und warum zum Teufel haben wir für euch herausgefunden. Außerdem gibt’s einen Comic mit Affen. Was will man mehr.

Laut Wikipedia ist der Bergaffe (Oreopithecus bambolii) bereits vor rund acht Millionen Jahren ausgestorben, konnte dafür aber bereits aufrecht gehen, solange es eben ging. Er gilt, wenn schon nicht als „Menschenvorfahr“ so doch zumindest als Teil der sogenannten Stamm-Hominoidea (das jetzt aber nur für die Leser mit großem Latinum). Heute findet man noch letzte Exemplare entweder als Skelette in der Toskana, wie Kollege Anton Johannes Hürzeler damals 1958, oder aber eine kleine launige und sehr produktive Population im Klagenfurter Lakeside Technologiepark, wie wir anno 2014. Da bastelt diese letzte Bergaffenbande (Lukas, David, Laura, Philip, Eva, Alexander, Jan, Alexandra, Saša und Daniel) an der „Übernahme der Weltherrschaft“, zeichnet wunderschöne Comics (die sich naturgemäß hauptsächlich um affennahe Themen wie Snowboarden udgl. drehen) und erfindet wundersame Werkzeuge. Wir haben uns für euch in das Gehege (aka. build! Gründerzentrum) der seltenen Primaten begeben und versucht mit ihnen ein Interview zu führen. Dabei haben wir erfahren, dass sie auch eine affenartige Mission haben, aber der Reihe nach:

IMSÜDEN.AT: Hallo ihr Bergaffen, was zum Teufel treibt ihr hier eigentlich?
Laura: Naja, der Affe hat ja bekanntlich das Werkzeug erfunden, also machen wir logischerweise einfach Werkzeug, derzeit hauptsächlich Sportequipment, und setzen dabei auf nachhaltiges, regionales Arbeiten. Unsere Produkte sind multifunktional und das ganzjährig!

IS: Was meinst du mit ganzjährig?
Laura:
Schau her, wir alle kaufen uns doch immer irgendwelche Gadgets zum Snowboarden oder Mountainbiken und die Dinger liegen dann den Rest des Jahres irgendwo rum und verstauben. Oft vergisst man sogar darauf oder verliert die Sachen sogar, räumt sie wohin, wo man sie dann nicht mehr findet. Am besten kauft man sich das Zeug dann in der nächsten Saison nochmal (lacht).
Lukas: Und genau dagegen wollen wir etwas unternehmen. Unsere Tools sind multifunktional und dadurch nachhaltig. Zum Beispiel kannst du aus vier Rohren und einem Snowboard einfach eine Bank machen, ohne Bohren und Schrauben. Die dient dir im Sommer dann als Sitzgelegenheit oder Ablagefläche.
Jan: Und dazu passt dann gleich unsere Garderobe, die „Trophy“, oder das Geweih wie wir es intern nennen, auf dem du deine Klamotten aufhängen kannst.

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IS: Also kauf‘ ich bei euch meine Bergaffenrohre und diverse Aufsätze und dann bau‘ ich mir daraus, was ich eben g’rad so brauch?
Laura:
Ja, die Dinger sind sozusagen „situationselastisch“ (lacht). Zumindest unsere erste Produktgeneration sind Wintersportartikel, die auch im Sommer sinnvoll verwendet werden können.
Jan: Jeder der Kinder hat wird das verstehen. Ich zum Beispiel habe zwei Stück. Das bedeutet ich habe locker 10 Helme zuhause. Fürs Radfahren, Skifahren, Rollerskaten usw… Und das ist aber eigentlich gar nicht so viel, sondern der Standard. Für jede Aktivität braucht‘s ein anderes Gerät und wenn man grad nix macht liegt das Zeug im Haus rum. Das kann‘s ja wohl nicht sein.
Lukas: Da müssen wir alle umdenken und daher setzen wir mit dem Bergaffen auf Ethik und Komsumbewusstsein und gleichzeitig auf die Kreativität der User.

IS: Also habt ihr nicht nur ein konkretes Produkt sonder auch eine Mission?
Lukas:
Ja, und die kommt von einer guten Designerziehung her. Wir können nicht mehr immer nur beim Kunden Bedürfnisse erzwingen, sondern müssen schauen, was er wirklich braucht.
Jan: Zum Beispiel haben wir eine Schaufel im Programm, die leicht, klein, einfach und schnell zusammengebaut ist und in jeden Rucksack passt und den entsprechenden Shaper für die Feinarbeiten beim Kickerbauen.
Laura: Dazu kommt unser modulares Stativ oder der Action-Stick damit du deine Jumps und Rides auch filmen und fotografieren kannst!

IS:  Stopp, da werden wir ja schon ganz dizzy vor lauter hipper Anglizismen… Wieso macht ihr das Ganze überhaupt hier im Süden und nicht etwa in den Rockies oder wo?
Laura:
Zuerst mal kommen wir alle von hier und haben die HTL für Industriedesign in Ferlach besucht, wo unter anderem auch Jan unser Lehrer war.
Jan: An der Schule ist es unser Ziel auch sowas wie Kulturarbeit zu leisten, Bewusstsein für eine Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Und wenn man so gute und innovative Schüler hat, baut man mit ihnen dann bald was auf.
Lukas: Dabei unterstütz uns das build! Gründerzentrum seit eineinhalb Jahren und wir konnten so die erste Entwicklungsphase und das Prototyping angehen.

IS: Interessant. Wie kann ich mir diesen Entwicklungsprozess konkret vorstellen?
Lukas: Wir suchen uns regionale Hersteller wie etwas unsere Freunde von Buttazoni in Himmelberg, die EFG Turbinenbauer und die Tiebeldrucker aus Feldkirchen aber auch regionale Rohstoffe.

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IS: Regionale Rohstoffe? Wo wächst denn in Kärnten bitte Aluminium?
Jan:
(lacht) Ja, da sind wir leider noch nicht völlig regional, aber das ist derzeit der einzige Bereich und wir experimentieren bereits mit Holz und Holzfurnieren. Besonders spannend ist es ja, dass wir hier in Kärnten durch unsere Bergaffen-Arbeit auch sowas wie Entwicklungshilfe leisten.
Lukas: Genau, denn es gibt hier sehr viele, sehr kompetente und innovative kleine Firmen, die sich auch was trauen können, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen, weil sie flexibler sind als die „Großen“. Diese Firmen haben wir angesprochen und uns mit ihnen, neben unserem Produkt, weiterentwickelt. Das kann doch nur gut für Kärnten sein.

IS: Also schreiben die Bergaffen eigentlich nicht nur eine sondern viele Erfolgsgeschichten im Süden?
Laura:
„Geschichten“ ist das richtige Stichwort! Wir wollen in Zukunft auch bei unseren Produktpräsentationen und online die Geschichte unserer Produkte erzählen und die Storys über die beteiligten Firmen.
Lukas: Zum Beispiel arbeiten wir auch gerade an einem „Jausenbrettl“ und dokumentieren die Herstellung mit der GoPro vom Baum bis auf den Tisch. Irgendwann soll man sich dann den Baum, aus dem das Jausenbrett kommen soll, persönlich aussuchen können! So wollen wir auch zu einem Umdenken im Konsum beitragen.

IS: Ist ja alles redlich und gut, aber wie vertreibt ihr eure Rohre und Brettln eigentlich? Ihr müsst ja dann irgendwann auch Geld verdienen mit eurer Mission.
Laura:
Wir wollen auch beim Vertriebsmodell natürlich alles anders machen (lacht). Wir schalten den Zwischenhandel aus, der eh nur kostet, und konzentrieren uns vor allem auf den Onlinehandel. Es ist ja völlig unlogisch überall einen Shop zu bauen, wenn jeder unseren virtuellen Shop ohnehin ständig in der Hosentasche auf dem Handy mit hat.
Lukas: Aber die Produktion und die Rohstoffe kommen aus der Region.
Jan: Think global act local eben.
Laura: Wir könnten uns zum Beispiel auch vorstellen, eine Lizenz nach Amerika zu vergeben und dort baut jemand das Ganze mit regionalen Ressourcen „neu“ auf. Aber das ist wirklich noch absolute Zukunftsmusik.

schaufel_prototyp
kamerastativ_3er
product-shot
snowboardbank

IS:Apropos Zukunft, wie weit seid ihr mit der Entwicklung derzeit?
Lukas:
Weit, denn am Freitag, den 14. März ist unsere Launchparty im Architekturhaus Kärnten. Das Rohr, das Geweih und die Bank werden da lieferbar sein. Die Schaufel folgt im Mai, der Rest dann im Laufe des Jahres.
Noddel: Und den Comic wird‘s geben!

IS: Schön, dass du auch mal was sagst!
Eva aka. Noddel:
Tja, ich drücke mich eben lieber zeichnend aus.

IS: Und das nicht so schlecht. Euer Marketing ist dadurch ja auch recht auffällig.
Laura:
Tja, man tut halt was man kann um aufzufallen und mit so tollen Zeichnungen mit hohem Wiedererkennungswert ist das ja auch nicht schwer. Aber natürlich nutzen wir alle Kanäle, Facebook, Instagram, Twitter und so weiter. Und unsere Launchparty wird natürlich auch der Hammer.

IS: Da sind wir sicher und schaun vorbei!

Pix: Johannes Wouk, Sam Strauss


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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