in ,

„Nur wenn man zusammen was tut, PASSIERT auch was“

Daniela Stein hat das Business Frauen Center Kärnten vor vierzehn Jahren gegründet und ist heute erfolgreicher den je. Dabei gehts im BFC nicht etwa ums „Prosecco-trinken und ratschen“, wie damals viele dachten, sondern um ein, in sich geschlossenes, aber nach allen Richtungen offenes Netzwerk von Frauen für Frauen. Klingt jetzt auch komplizierter als es eigentlich ist…

Wir betreten das Business Frauen Center Kärnten in bester Klagenfurter Innenstadtlage. Altbau, Parkett, repräsentativ, trotzdem einladend. Es herrscht reger Betrieb. Frauen stehen zusammen, diskutieren, scheinen etwas zu planen. Schnelle Kuli-Striche auf weißen Blättern, interessierte Gesichter, geheimnisvolle Gespräche. Die Wände sind voll von kleinen Steckbriefen, wohl die Mitglieder des Netzwerks, das sich in diesen Räumen knüpft. Isabella Hold, eine der Knüpferinnen begrüßt uns freudig, „Daniela hat gleich Zeit für euch. Kaffee?“. Wir trinken einen und schon sind wir mitten im Netzwerk, „kennst du den?“, „weißt du, die macht das und das“, „die müsst ihr interviewen“, „kennst du das Projekt, da müssen wir mal genauer darüber sprechen“, „warte ich druck euch den Lebenslauf aus, die wäre ideal für euer Praktikum“ usw. Man ist schnell eingenommen von so viel Tatendrang und Elan. Hier scheint was zu passieren, „da geht was weiter“ wie man im Süden sagt. Dann hat Daniela Stein, die Chefin, Zeit für uns und wir dürfen in ihr Eckbüro, wo sofort klar wird, woher Tatendrang und Elan im Business Frauen Center Kärnten kommen.

IMSÜDEN.AT: Wir fühlen uns schon richtig ins Netzwerk integriert, obwohl wir gar keine Frauen sind…
Daniela Stein: Wir sind ja auch ein offenes Netzwerk, wir haben da keine Berührungsängste. Ihr etwa?

IS: Natürlich nicht! Aber was uns schon interessiert, was treibt eine Grazerin dazu, in Kärnten ein Frauennetzwerk aufzubauen?
Daniela Stein: Diese  Grazerin kam damals hierher, weil mein damaliger Mann hier einen Job bekam. Das war aber auch die schlimmste Zeit meines Lebens – ich bin am Anfang mit dem Süden nicht warm geworden.

IS: Aha, endlich mal jemand, der nicht schleimt, wie schön es im Süden ist!
Daniela Stein: Naja, schön ist es schon, aber ich saß damals ganz allein in Villach, mit 23 Jahren und zwei kleinen Kindern, ohne Netzwerk, fast ohne soziale Kontakte, das war nicht leicht. Die Kärntner sind zwar sehr freundliche Leute, aber eher oberflächlich, in die Tiefe lassen sie dich nicht so schnell hinein. Das hat mich anfangs abgeschreckt und es hat gedauert bis ich „integriert“ war (lacht.) Gerettet hat mich dann eigentlich mein „Hausfrauenstudium“ in Klagenfurt.

[zilla_one_half]IMG_0159[/zilla_one_half][zilla_one_half_last]IMG_0160[/zilla_one_half_last]

IS: Hausfrauenstudium?
Daniela Stein: (lacht) Sagt man doch so. oder? Ich hab Psychologie und Gruppendynamik studiert – Schwerpunkt Wirtschaftspsychologie – und mich besonders mit der Entwicklung von Vertrauen in Geschäftsbeziehungen beschäftig. Was mir natürlich heute sehr zu gute kommt. Dazu hab ich mir ein Sabbatical gegönnt, in San Francisco. Da hab ich nichts gemacht außer zu lernen. Kann ich nur empfehlen! Das Thema lebenslanges Lernen begleitet mich sowieso. Heute bin ich 49 Jahre alt, leidenschaftliche Mutter von vier wunderbaren Kindern, Gründerin und Geschäftsführerin des BFC und das alles in Kärnten – das hätt ich damals mit 23 nie gedacht.

IS: Tja, wie der Süden halt so spielt…
Daniela Stein: Naja, so spielerisch war‘s dann auch wieder nicht. Ich hab ja mit dem BFC-Konzept erstmal einen Businessplan-Wettbewerb gewonnen. Übrigens mit einer elfköpfigen, reinen Männer-Jury. Die haben sich wohl gedacht: „lassen wir sie mal machen“. Heute sind sie alle ziemlich beeindruckt, was daraus geworden ist. Ich hatte generell das Glück immer viel Unterstützung von Entscheidern und das sind ja eben oft Männer, zu bekommen. Anfangs wurde das BFC ja auch noch etwas belächelt, so nach dem Motto: „Prosecco-trinken und ratschen. Sollen sie nur die Mädels…“ Das sind Klischees, mit denen wir noch heute zu kämpfen haben.

IS: Aber was macht das BFC? Nix Prosecco? Nix ratschen?
Daniela Stein: Naja, nur zamstehen und reden bringt nicht viel. Nur wenn man zusammen was tut, passiert auch was. Manchmal gibt es aber auch Prosecco (lacht). Unser Schwerpunkt ist jedenfalls das Mentoring. Wir waren zum Beispiel die ersten in Österreich, die Crossmentoring praktiziert haben. Also Führungskräfte verschiedener Unternehmen ausgetauscht haben, damit sie von einander lernen können. Und natürlich machen wir klassisches Frauenmentoring, aber auch Inhousemetoring, etwa bei Infineon oder den Treibacher Werken. Da liegt unser Schwerpunkt inhaltlich auf Sustainable Leadership, also nachhaltiger Unternehmensführung.

[zilla_one_half]IMG_0165[/zilla_one_half][zilla_one_half_last]IMG_0163[/zilla_one_half_last]

IS: Aha, wer sind die Menschen, die so etwas in Anspruch nehmen?
Daniela Stein: Das ist sehr unterschiedlich. Bei unserem neuen „Next Generation Mentoring“ zum Beispiel kommen zweiundzwanzig „Mentees“ mit konkreten beruflichen Zielen in Kärnten mit zweiundzwanzig erfolgreichen Mentoren und Mentorinnen aus allen möglichen Bereiche zusammen. Da haben wir zum Beispiel einen App-Entwickler oder eine Straßenkünstlerin, genauso eine Pferdetherapeutin aus Oberösterreich und einen Boku-Absolventen, der den Biobauernhof seines Vaters innovativ weiter führen will, aber noch was dazu machen will. Es sind aber auch eine Rechtsanwältin und ein Steuerberater dabei, eine bunte Mischung. Was sie alle vereint, ist, dass sie etwas in Kärnten weiterbringen wollen und da spüre ich gerade jetzt eine große Aufbruchsstimmung in eurer Generation, das motiviert auch mich ungemein!

IS: Ja, die Aufbruchsstimmung spüren wir auch! Aber machen wir trotzdem noch weiter mit dem Interview, bevor wir aufbrechen. Wie werde ich Mitglied im BFC?
Daniela Stein: Der Ablauf ist immer derselbe. Erst melden, dann ein Profil ausfüllen und dann gibt es ein persönliches Gespräch mit mir, in dem wir abklären, was die Netzwerkerin zum Netzwerk beitragen und wie sie davon profitieren kann. Denn es ist ein Geben und Nehmen. Dann haben wir zwei Gruppen von Netzwerkerinnen: Die Aktiven Netzwerkerinnen, meistens junge Frauen, die beruflich noch nicht angekommen sind und dann die so genannten Expertinnen, die schon etabliert in ihrem Beruf sind. Von letzteren erwarten wir natürlich, dass sie erstere unterstützen. Wir haben aber auch ein großes AMS-Projekt, wo diese Expertinnen dann ebenfalls als Vortragende gebucht werden und jungen Frauen in der beruflichen Orientierungsphase ihre Erfolgsgeschichten erzählen.

IS: Also doch nur für Frauen. Warum eigentlich nur für Frauen? Wie kam es dazu?
Daniela Stein: Unser Netzwerk ist nur für Frauen, aber wir bieten auch Veranstaltungen, Vorträge und Mentorings für beide Geschlechter an. Da sind wir ganz offen. Wie es dazu kam? Naja, ganz pragmatisch. Ich war einfach auf der Suche nach einer Marktlücke in Kärnten und vor vierzehn Jahren gab es so etwas hier einfach noch nicht. Ich bin ja keine radikale Frauenrechtlerin oder sowas, sondern Geschäftsfrau. Das BFC hat konkrete Produkte anzubieten und ist ein Wirtschaftsunternehmen, keine geförderte Einrichtung. Das krängt übrigens ziemlich, wenn die Leute immer glauben, dass wir öffentliche Förderungen für unsere Arbeit bekommen. Das stimmt einfach nicht.

[zilla_one_half]IMG_0164[/zilla_one_half][zilla_one_half_last]IMG_0162[/zilla_one_half_last]

IS: Wir notieren: Keine öffentlichen Förderungen. Wie war der Start damals, wie hat sich das BFC entwickelt?
Daniela Stein: Ich bin ganz einfach durch Kärnten gepilgert, hab Frauen interviewt und sie gefragt unter welchen Voraussetzungen sie einem Frauennetzwerk beitreten würden? Das war gar nicht so ohne. Viele Frauen, vor allem bereits erfolgreiche, haben da Hemmungen, denn sie glauben sie brauchen das nicht. Die denken: „Ich habe meine Netzwerke inklusive Männer, in so einem Frauennetzwerk fehlt mir dann ja die Hälfte.“

IS: Berechtigter Einwand….
Daniela Stein: Schon, aber auch wenn man beim BFC ist, darf man weiter mit Männern netzwerken, da gibt es keine Verbote (lacht). Und wir sprechen hier eben Themen an, die speziell Frauen betreffen. Themen, die in anderen Netzwerken nicht so intensiv behandelt werden.

IS: Welche Themen zum Beispiel?
Daniela Stein: Wir bieten zum Beispiel spezielle Führungslehrgänge für Frauen an. Aber wir kümmern uns auch um das Thema „Kinder und Beruf“. Ich glaube ja, dass du eine verdammt gute Führungskraft sein musst, wenn du Kinder hast. Erstens, natürlich den Kindern gegenüber, aber auch gegenüber den Leistungen, die du zukaufst, Putzfrau, Kindermädchen, Kindergarten usw.. Das musst du alles managen und dabei gleichzeitig das Wohl deiner Kinder und deine berufliche Zukunft im Auge haben. Eine große Herausforderung, aber auch ein harte Schule, die einem viel Erfahrung als Führungskraft bringt. Du musst dein Privatleben schon gehörig professionalisieren wenn du das schaffen willst. So widersprüchlich das auch klingen mag.

IS: Also das alte Thema: „Karriere oder Familie“?
Daniela Stein: Leider ja. Wobei dieses  „oder“ natürlich Blödsinn ist. Da gehört ein „und“ oder noch besser ein „mit“ hin, statt dem „oder“. Für mich als leidenschaftliche Mama, ist Kinderreichtum der wahre Reichtum. Ich wollte schon immer viele Kinder haben. Und ich finde es erschreckend, dass viele Familien sich heute sozusagen auf ein Kind „beschränken“ müssen, weil sich das zweite „nimma ausgeht“ –  finanziell, zeitlich und/oder beruflich. Das darf doch nicht sein! Da müssen wir etwas unternehmen. Und das versuchen wir auch im BFC.

[zilla_one_half]IMG_0161[/zilla_one_half][zilla_one_half_last]IMG_0158[/zilla_one_half_last]

IS: Was sind dann die aktuellen Projekte des BFC, die besonders interessant sind?
Daniela Stein: Zum Beispiel bloggen wir schon seit 2010, indem wir unsere Expertinnen bitten, zu gewissen Themen Beiträge zu schreiben – wir sind euch also schon weit voraus (lacht). Ganz besonders schön ist derzeit aber das „MUTiger“-Projekt. Da haben wir zusammen mit einer vierten Klasse ein Buch geschrieben und die wichtigsten Werte vermittelt: Tapferkeit, Gerechtigkeit, Klugheit und Mäßigung. Der Martin Steinthaler hat die Fotos gemacht, und bei Heyn kann man das Buch kaufen. Denn auch Regionalität ist für uns ein wichtiges Thema. Außerdem braucht die Welt einfach mehr MUTiger (lacht). Ein persönliches Anliegen von mir ist zum Beispiel ein Lehrgang für „Mamas im Management“, der wird aber derzeit leider noch nicht so gut angenommen. Da braucht es vielleicht auch noch mehr Aufklärungsarbeit.

IS: Und wie können wir uns Aufklärungsarbeit allá BFC konkret vorstellen?
Daniela Stein: Zum Beispiel wollen wir auf die Entscheidungsträger in der Politik und Wirtschaft einwirken – damit es für Familien leichter wird „Housekeeperinnen“ anzustellen. Vielleicht auch eine für zwei Haushalte, was auch immer. Aber das muss doch möglich sein. Eine gut ausgebildete „Housekeeperin“ in einem ordentlichen Beschäftigungsverhältnis kann eine Familie massiv entlasten und das darf doch nicht an hohen Lohnnebenkosten scheitern. Das kann doch nicht sozial sein. Da sollte es steuerliche Vorteile geben, damit die jungen Familien sich wieder zutrauen, mehr Kinder zu bekommen und die „Housekeeperinnen“ nicht in die Illegalität gedrängt werden, weil sie schwarzarbeiten müssen. Ich würde auch gerne „Housekeeperinnen“ ausbilden. Das kann ein sehr moderner und interessanter Beruf sein.

IS: Wir merken, Familienmanagement ist ein großes Thema im BFC.
Daniela Stein: Natürlich. Schließlich sind die meisten unserer Mitglieder Mütter, oder wollen Mütter werden. Deshalb wird eines unserer Jahresmotto 2015 auch „Neue Mütter braucht das Land“ sein. Bei mir hat das auch einen ganz persönlichen Hintergrund. Meine Tochter ist Maschinenbauerin und macht grade Karriere in einer sehr männerdominierten Branche. Ich wünsche ihr und allen anderen Frauen ihrer Generation vier Dinge: 1. Sie soll tun was sie gerne tut. 2. Sie soll dafür gutes Geld bekommen. 3. Sie soll so viele Kinder bekommen, wie sie sich wünscht – das heißt, wenn sie sich keine wünscht, dann ist das natürlich auch ok, aber die Möglichkeit muss da sein. 4. Sie soll sich die Unterstützung, die sie braucht auch leisten können. Dass das möglich wird, daran arbeiten wir…

IS: Dabei wünschen wir auch weiterhin viel Erfolg!

pix: Johannes WoukBFC

Von Wouk

Kommentare

2 Pings & Trackbacks

  1. Pingback:

  2. Pingback:

Loading…

0