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Der Oberländer is a Wahnsinn

Wie kann ein Radgeschäft in einem Privathaus am Dings der Welt 600 Räder im Jahr verkaufen? Warum kaufen auch Profis hier ein und was macht der Karl Oberländer anders als alle anderen? Außer, dass er Räder liebt und seine Kunden das auch spüren lässt.

Diese Fragen beschäftigen mich, als ich den Ort Mühldorf ins Navi tippe. Mühldorf, nie gehört, nie gewesen. Ich stelle mir vor, wie der Gary Fischer, Erfinder des Bikes, ausruft: „where the hell is Mühldorf“, wenn er seinen größten Bewunderer dereinst besuchen wird. Man kennt sich und trifft sich ja immer wieder auf der großen Fahrrad Messe in Ulm und natürlich in Amerika, der Heimat des Bike-Pioniers. Als ich ankomme sehe ich Stefan Reichl, Chef der Gackernwirte beim Ausladen alter, zerlemperter Räder. Gut schauen die nicht mehr aus, wage ich zu bemerken. Karl Oberländer winkt ab, „er hat sie bei mir gekauft, also nehme ich sie auch wieder zurück.“ So bindet man Kunden, denke ich und nutze den Moment für meine erste, etwas provokante, Frage.

IMSÜDEN.AT: Selbst Profi-Räder kann man heute nach Wunsch konfiguriert online frei Haus bestellen. Warum also in die Botanik zum Oberländer fahren, wo der nicht einmal einen schönen Schauraum besitzt?
Karl Oberländer: Weil wir hundert Prozent Kundenzufriedenheit bieten. Du kannst auch teure Markenschuhe online bestellen, oder du kannst dir um den gleichen Preis, oder sogar billiger, feinste Maßschuhe anpassen lassen. Beim Rad gilt das gleiche Prinzip. Ob es zu dir passt, merkst du erst, wenn deine Glieder vermessen sind, du mehrere Räder ausprobiert hast und den richtigen Sattel unterm Hintern spürst. Das Rad muss perfekt zum Fahrer passen. Nix darf klemmen, zwicken oder reiben, aber das spürt man erst bei ausgedehnten Probefahrten. Die beste Probierstrecke befindet sich direkt vor unserer Haustüre. Von der Steilstraße bis zur Wiese ist alles da, was man zum ausprobieren braucht. Auch für Kinder. Das ist schon einmal ein großer Vorteil gegenüber einem Stadtgeschäft. Der Schauraum geht keinem ab, der kostet nur Geld und das erspare ich den Kunden lieber.

IMSÜDEN.AT: Dein weitest entfernter Kunde kommt aus London, viele aus den angrenzenden Bundesländern und auch aus Marburg. Was sind Deine Lockmittel?
Karl Oberländer: 1974 habe ich meine Lehre begonnen, im gleichen Jahr hat der Gary Fischer das Bike mit den Stoppelrädern erfunden. Das hat mich schon damals fasziniert und bis heute nicht losgelassen. 1995 habe ich dann meine eigene Firma „Das Rad“ gegründet. Wie soll ich sagen: Wir leben Rad und zwar mit allen Fasern unseres Herzens und allem, was dazu gehört. Aber sonst nix. Auf mehreren Kirchtagen zu tanzen war nie mein Ding. Das hat sich schon früh bezahlt gemacht weil die Leute gemerkt haben, dass wir hier wirklich was von der Materie verstehen. Mit der Zeit hat sich unser Know How herumgesprochen. Mundwerbung ist halt doch die beste. Die Menschen, egal ob reich oder arm, vertrauen uns – das ist das Wichtigste. Bis jetzt war noch nie jemand wirklich enttäuscht. Im Gegenteil.

IMSÜDEN.AT: An der Wand sehe ich eine Reihe von Zeitungsausschnitten mit etlichen Leuten, die man aus dem Amateur und Profi-Radsport kennt. Sind das alles Bekannte, oder bist Du Sponsor?
Karl Oberländer: Ich bin so etwas wie ein Geburtshelfer. Den meisten habe ich den Kauf ihres ersten Rades ermöglicht, weil natürlich keiner am Anfang einen Sponsor findet. Vermessung und beste Beratung natürlich inklusive. Viele, die ihr erstes Rad von mir haben, sind heute sehr erfolgreich unterwegs. Zum Beispiel Lukas Kollegger ein Spitzen-Triathlet und immer am Stockerl, oder der Marko Haller, Tour de France Teilnehmer, Hans-Jörg Leopold, Ö-Rundfahrt Gewinner, oder die Iron Man Gewinnerin Eva Wutti und einige andere mehr. Ich fördere die Jungen wo ich kann, weil die Produzenten erst mit Sponsoring aufspringen, wenn sich nachhaltige Erfolge eingestellt haben. Das ist halt meine Passion. Und für die Entwicklung der Jugend ist nix besser als Sport.

IMSÜDEN.AT: Trotzdem –  600 Räder im Jahr von hier aus zu verkaufen ist irgendwie schwer zu glauben. Das geht nicht nur mit professioneller Beratung, da wird wohl auch der Preis eine wichtige Rolle spielen.
Karl Oberländer: Heuer werden es sogar mehr sein, weil wir schon jetzt eine Steigerung von fast 30 % verzeichnen. Aber die Zahl ist gar nicht wichtig. Wichtig ist allein, dass die Kunden zufrieden sind. Wir haben exzellente Leute in der Werkstatt. Meine Frau ist Physiotherapeutin und kann in schwierigen Fällen bei der Vermessung helfen. Natürlich muss man am letzten Stand der Technik sein und über die neusten Trends nicht nur Bescheid wissen, sondern das Material schon im Haus haben, wenn andere noch darüber reden. Unsere große Auswahl an Rädern, und vor allem Zubehör, ist ein enormer Vorteil. Wenn man bedenkt, dass es von jeder namhaften Radmarke mindestens 15 verschiedene Modelle gibt und noch mehr Sättel, Helme und weiteres Zubehör. Wir haben nahezu alles lagernd, so dass die Kunden eine riesige Auswahl vorfinden und wir ihnen die besten Varianten bieten können. Unsere Keller sind größer als es den Anschein hat.

IMSÜDEN.AT: Und der Preis?
Karl Oberländer: Natürlich spielt der Preis eine wichtige Rolle. Wir können da aber locker mithalten und sind oft günstiger als das Internet, weil wir die gleichen Einkaufpreise haben wie die größten Händler Österreichs. Unsere Kosten aber sind niedriger. Weniger Miete, weniger Betriebskosten und bessere Einkaufpreise ergeben eben unter dem Strich einen attraktiven Verkaufspreis. Da lohnt sich der Weg nach Mühldorf schon. Beste Beratung gibt’s als Draufgabe.

IMSÜDEN.AT: Ich sehe hier einige Marken, die ich nicht kenne und auch Kinderräder, aber keine Marken, die man in großen Geschäften findet, wie zum Beispiel KTM. Auf welche Marken schwört denn der Oberländer?
Karl Oberländer: Ich verkaufe nur Marken, mit denen ich mich identifizieren kann. Und KTM gehört nicht dazu, weil ich mit deren Philosophie nicht einverstanden bin. Dafür haben wir mit Giant den größten Hersteller der Welt im Programm und decken zusammen mit den Traditionsmarken Kettler und Diamant ein weites Feld ab. Vom Kinderrad über Citybikes bis zu den unterschiedlichsten Treckingvarianten ist da alles drin. Bei Bikes setzen wir vorwiegend auf die deutsche Marke Ghost und auf die amerikanische Spitzenmarke Trek, weil hier das Know How von Gary Fischer drinnen steckt. Derzeit sind die von ihm erfundenen 29 Zoll Räder extrem modern. Für Renn- und Zeitsportfahrer bieten wir Räder der Marke Cervello und für Nostalgiker die jene der Firma Electra, die auch wie die meisten anderen E-Bikes anbietet.

IMSÜDEN.AT: E-Bikes, vor ein paar Jahren noch belächelt, gehen mittlerweile weg wie warme Semmeln. Werden wir fauler oder erschließt sich damit eine neue Zielgruppe.
Karl Oberländer: Vor allem kann man damit weitere Distanzen zurücklegen und auch Steilhänge bezwingen, die man früher nicht geschafft hat. Wir haben heuer mit der Schweizer Marke „Flyer“ den wahrscheinlich besten Hersteller von E- Bikes neu im Programm. Die bieten neben Bergbikes auch Cityvarianten, Tandems und sogar Klappräder an.
Jedes Teil ist da von besonderer Qualität. Das hat natürlich auch seinen Preis. Ein Flyer E- Bike beginnt bei etwa € 3.000,– und hört etwa bei € 7.000,– auf. Dafür werden aber auch 3 Jahre Garantie geboten.

IMSÜDEN.AT: Nicht jeder Mensch hat die optimalen Biker-Maße, was passiert denn mit den Problemkörpern, also jenen, wo es nicht mehr ausreicht die Sitzhöhe oder den Lenker zu verstellen.
Karl Oberländer: Ich würde sagen, dass eher das nicht Normale die Norm ist. Da kommen unsere Beratungsqualität und unsere ganze Erfahrung ins Spiel. Unlängst war eine Kundin hier, die konnte das rechte Knie nicht ganz ausstrecken und das linke nicht ganz abbiegen. Wir haben das mit Spezialkurbeln gelöst und die Dame war happy. Bei allen, auch den sogenannten Normalos, ist der richtige Sattel eine besondere Herausforderung. Die meisten verschweigen leider allzu oft ihre Probleme und leiden viel zu lange, anstatt den Sattel zu tauschen. Druckstellen und Abszesse sind die häufigsten Folgen. Ein zu schmaler Sattel kann das Becken auseinanderdrücken und ordentliche Rückenschmerzen verursachen. Deshalb kommen die Leute lieber zum Karl Oberländer und lassen sich ihr Rad so anpassen, dass sie auch viele Jahre Spaß daran haben.

IMSÜDEN.AT:
Das war jetzt viel Information auf einmal. Wie würde denn der Karl Oberländer, wenn er für sich Werbung machen würde, das Ganze in einem Satz zusammenfassen.
Karl Oberländer: (wie aus der Pistole geschossen)
Wüllst a gscheits Radl foarn, muast zum Korl Oberländer. Aus.

Weitere Informationen:
Das Rad – Karl Oberländer
Mühldorf 22
A-9422 Maria Rojach

E-Mail: office@das-rad.at
Telefon: +43 (0) 4355 28 18
Mobil: +43 (0) 664 243 28 18
Web: www.das-rad.at

Für Nicht-Navi-Besitzer:
Autobahn Ausfahrt St. Andrä – beim Kreisverkehr rechts Richtung St. Paul, dann links Richtung St. Andräer Badesee, dann gerade aus und an der nächsten Kreuzung rechts und wenige hundert Meter später befindet sich das Geschäft.

Bilder: © Paul Meyer, Redaktion/Gerhard Smuck

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