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"Der Süden hat VIEL Zukunft."

Paul Tiefling

Der Steuerberater Paul Tiefling war lange in Innsbruck, Hongkong und Philadelphia, jetzt ist er wieder im Süden angekommen und froh darüber, denn hier sieht er viel Potential in der Wirtschaft. Ein  Visionär, oder ein Wahnsinniger? Uns doch egal,  er wird auf jeden Fall hier schreiben und Tipps zum Überleben in der Wirtschaft geben!

Die Büroräumlichkeiten der Treuhand-Union Klagenfurt Wirtschaftstreuhand- und Steuerberatungs GmbH und Co KG sehen auf den ersten Blick ungefähr so aus wie der Name der Firma schon klingt: unauffällig. Auf den zweiten Blick ist hier aber dann doch etwas Besonderes zu bemerken. Die Einrichtung ist zwar nüchtern und sachlich aber ab und an blitzt eine gewisse Opulenz auf, mit Understatement und Augenzwinkern versteht sich. Da hängt ein goldgerahmtes Gemälde von einer Schlacht des Dschingis Kahn im Besprechungsraum, die Bibliothek ist leuchtend eingerahmt, manche Wände edelst gestreift und hier und da steht ein antiquarischer Dschungelholz-Schreibtisch in einem der Büros. Wie zum Beispiel in dem von Paul Tiefling, einem der drei Partner, zuständig für internationales Steuerrecht, Bilanzierung und Unternehmensberatung. Der passt übrigens auch ganz gut zur Einrichtung: Feiner Zwirn, noch edleres Einstecktuch, gedeckte Farben, und dann eine auffällig modische Hornbrille auf der Nase. „Classic with a Twist“ würde das dieser unerträgliche deutsche Modepapst Thomas Rath wohl nennen, aber dessen Rat(h)schläge (kotz/brech) hat Paul Tiefling sicherlich nicht notwendig um sich einzukleiden. Stilsicher steht er da, groß, sportlich gebaut, blondbraune Locken, leichte Bräune. Typ: Quaterback. Aber der Händedruck ist dann etwas sanfter als erwartet und die Stimme kennt keinen Befehlston, ist ruhig und ziemlich überzeugend. Die ideale Beraterstimme eben. Denn das tut Paul. Er berät.

IMSÜDEN.AT: Hallo Paul! Praktisch von der Madison Avenue back in die  Franz-Palla-Gasse. Das muss dich ja völlig fertig machen, oder?
Paul Tiefling: (lacht) Nein, wieso? Ich bin grad 5 Minuten mit dem Rad ins Büro gefahren, in  Philly hätte ich eineinhalb Stunden mit der U-bahn gebraucht. Morgen geh ich Schifahren, das war, während meiner Zeit in den Staaten, ein vier Stunden Flug, jetzt fahr ich einfach mal kurz nachmittags mit der Familie auf die Gerlitzen. Was will man mehr?

IS: Ein wirtschaftliches Umfeld das nicht den Bach runter geht vielleicht?
PT: Ich sehe da nichts den Bach runter gehen. Im Gegenteil gerade jetzt sehe ich viele Anzeichen, dass es in Kärnten wieder bergauf geht. Muss es ja auch! Ich betreue viel Startups und auch Betriebsansiedelungen aus dem Ausland, und da geht im Moment schon einiges weiter. Der Süden hat viel Zukunft, da bin ich ganz sicher.

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IS: Interessant! Was kannst du uns über diese Kunden konkret verraten?
PT: Im Detail spreche ich natürlich nicht über meine Kunden, aber momentan finde ich es besonders spannend, dass viele Jungunternehmer die ursprünglich aus dem Süden kommen wieder zurückkehren. Derzeit arbeiten wir auch an einigen Betriebsansiedelungen von ausländischen Unternehmen aus der Industrie und Produktion, vor allem aus dem italienischen Raum, die aufgrund des  gut ausgebildeten Personals nach Kärnten kommen.

IS: Stichwort Ausbildung. Du hast dich da ja ganz schön rumgetrieben auf dem Erdball oder?
PT:  Ja, allerdings (lacht). Denn ich hatte schon mal, aus jungendlicher Naivität vielleicht, die Schnauze voll vom Süden, bin in den wilden Westen, nach Innsbruck gegangen. Dann war ich zwei Jahre in Hongkong, hab meinen MBA gemacht, für McKinsey gearbeitet. Danach ging‘s fünf Jahre in die USA. Da hab ich ein Management-Trainee-Programm absolviert und dann hauptsächlich Private-Equity bei einer Bank betreut. Schließlich hab ich die Lebensqualität hier aber wirklich vermisst. Das Leben in der Großstadt ist zwar natürlich toll, du hast ja praktisch ALLES, ein Überangebot an Veranstaltungen, tollen Restaurants, Clubs und Partys, aber irgendwann verschieben sich auch die Prioritäten. Ich hab mich recht schnell für eine Rückkehr entschieden und innerhalb von zwei Wochen war ich wieder in der Franz-Palla-Gasse.

IS: In der Firma deines Vaters?
PT: Ja, mittlerweile allerdings unsere gemeinsame Firma. Früher hätte ich mir das nie vorstellen können.  Wenn dein Vater Steuerberater ist, willst du natürlich nicht Steuerberater werden, aber irgendwann schaut man hinter die  Kulissen, legt die Abwehr ab und kommt drauf, dass diese Steuerberaterei, gerade hier im  Süden, sehr interessant sein kann.

IS: Ok, jetzt sind wir aber gespannt. Was bitte soll an der „Steuerberaterei“ interessant sein?
PT: Klar, sind die  Zahlen für  euch Kreative immer eher langweilig, aber das kann schon sehr sehr spannend sein, schließlich habe ich tiefe Einblicke in verschiedensten  Unternehmen, kleine und große, gutgehende und solche wo es  hakt. Außerdem gibt es die „klassische“ Steuerberaterei ja nicht mehr, heute muss man schon ganzheitlicher Unternehmensberater sein, ein richtiger „Unternehmensdoktor“  sag ich immer. Manchmal aber auch ein wenig Händchenhalter für die Unternehmer (lacht).

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IS: Händchenhalter?
PT: Ja, wir sprechen ihnen Mut zu wenn die sich weit hinauswagen, bremsen sie ein bevor sie falsch abbiegen. Oft bin ich zum Beispiel dabei wenn Familienfirmen auf den Sohn umgeschrieben werden, oder neue Gesellschaften gebildet werden. Das  wird dann manchmal auch emotional und richtig berührend, da  gehen ja Menschen sowas wie einen Bund fürs Leben ein, das hat viel mit Vertrauen zu tun. Mein Job ist also im Grunde zutiefst menschlich.

IS: Ist der Unterschied zu Amerika eigentlich sehr groß?
PT: Der  Beruf ist hier natürlich schon ähnlich. Aber das Ausmaß ist ein ganz anderes in Amerika. Das Komma verschiebt sich eben etwas nach links wenn man zurück nach Kärnten kommt, aber die Aufgaben an sich bleiben gleich. Für mich besonders spannend ist ja, dass Amerika immer so als DAS Startup-Land gehyped wird, Silicon Valley usw., aber hier in Kärnten gibt es auch überraschend viele junge Leute die den Mut haben was neues anzugehen.

IS: Aber die Startups habn‘s hier auch schwieriger, oder nicht?
PT: Zum Teil natürlich schon. Im Sozialstaat Österreich haben die Arbeitnehmer natürlich viel mehr Rechte als in den USA, das macht die  Unternehmer dort, vor allem in der risikoreichen Anfangsphase natürlich flexibler. Und auch die Finanzierung gestaltet sich in Amerika einfacher. Es gibt einfach mehr Venture-Capital und Business-Angels die bereit sind in gute neue Ideen zu investieren.

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IS:Und die guten neuen Ideen gibt es auch im Süden, nicht wahr?
PT: Oh ja, und zwar sehr sehr viele und, wie gesagt, auch die Leute die sie umsetzen wollen und können. Da spüre ich gerade jetzt einen großen Aufwärtstrend in der Kärntner Wirtschaft. Eine echte Aufbruchsstimmung. Mittlerweile gibt es auch schon Business-Angel-Modelle und man darf ja auch nie auf die Familie vergessen. Ich bin ja ein großer Fan von Familienunternehmen. Da gibt es gute Möglichkeiten mit den richtigen Gesellschaftsformen für alle Beteiligten das Beste aus einem Unternehmen heraus zu holen.

IS: Dazu werden wir dann wohl auch mehr in deinem Blog auf IMSÜDEN.AT lesen?
PT: Ja, unter anderem. Ich will  einfach fundierte Tipps für  den Alltag in der Wirtschaft geben aber auch Mut machen Neues zu probieren. Ein Schwerpunkt werden sicher Tipps für Jungunternehmer, denn grad am Anfang passieren oft viele Fehler, aus Hektik, Unkenntnis und Leichtsinn. Das muss nicht sein. Da kann ich helfen!

IS: Und wie? Was wäre zum Beispiel so ein Tipp an die Jungunternehmer der Nation?
PT: Ein großer „Anfängerfehler“ ist meistens zu Arbeiten ohne regelmäßig zu verrechnen. Nach dem Motto: „Ich werd‘s schon kriegen“. Dann bleibt man nämlich meistens auf seiner Leistung sitzen und sieht kein Geld. Grade bei großen Unternehmen ist die „Zahlungsmoral“ nämlich oft recht niedrig, vor allem den „Kleinen“ gegenüber. In diese Falle tappen leider viele Startups. Ich rate in diesen Fällen durchaus zu Anzahlungen und Teilrechnungen, vor allem aber zu klaren Ansagen, schließlich geht ein Arbeitnehmer ja auch nicht weiterarbeiten wenn er keinen Lohn sieht, warum sollte das ein Selbstständiger tun? Da sollte man gegenüber den „Großen“ schon mit einem gewissen Selbstbewusstsein auftreten.

IS: Na das klingt doch vielversprechend! Wir freuen uns auf weitere Tipps!

Pix: Johannes Wouk, dieheiden

Von admin