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Der Weg zur Selbstständigkeit: STAIRWAY TO HEAVEN oder Highway to Hell?

Fast wie vorprogrammiert erhalten wir die monatliche Hiobsbotschaft, dass “die Arbeitslosenrate während des letzten Monats wieder gestiegen ist”. Wir werden mit dieser Meldung (so wie mit vielen anderen Themen) so hochfrequent von sämtlichen Medien, egal ob Zeitung, TV oder Internet, überschüttet, dass kein sonderliches Interesse mehr ausgelöst wird. SOLLTE ES ABER!! Der Wirtschaft geht es nicht (mehr) schlecht. Die Auftragsbücher füllen sich wieder und das ganze sozioökonomische Umfeld ist wieder voll motiviert und trotzdem steigt die Arbeitslosenrate.

DA LÄUFT DOCH WAS GANZ UNGLAUBLICH SCHIEF!
Was das ist, liegt auf der Hand. Hier nur ganz kurz drei wichtige Punkte, die sicher mitunter dafür verantwortlich sind:

  • Viele Arbeitslose erhalten während ihrer Arbeitslosigkeit nahezu gleich viel Kohle (exklusive Pfusch) wie bei 40-Stunden-Arbeit pro Woche. Dadurch ergibt sich, dass Arbeitslose nicht gleich Arbeitssuchende, oder gar Arbeitswillige sind.
  • Die gesetzlichen Voraussetzungen bieten den Dienstgebern (Unternehmern) viel zu wenig Flexibilität, sich auf das schnell ändernde wirtschaftliche Umfeld anzupassen. Ein Vertrag mit einem Lieferanten beispielsweise kann schnell und unproblematisch gekündigt werden, wenn die Leistung nicht mehr okay ist. Einen Arbeiter oder Angestellten los zu werden, der seine Leistung nicht erbringt, ist dagegen wesentlich schwieriger und kostspieliger.
  • Die Lohnnebenkosten sind grotesk hoch. Ich darf hier an alle Dienstnehmer appellieren, sich rein informativ einmal über die monatlichen und jährlichen Gesamtkosten ihres Dienstverhältnisses zu informieren. Es wird euch allen schlecht werden, wenn ihr realisiert, wie teuer ihr eurem Dienstgeber kommt, wie viele Euros von den Gesamtkosten an den Staat (usw.) gehen und wie wenig euch davon bleibt.

Das Amerikanische System (ob dieses gut oder schlecht ist, soll hier nicht beleuchtet werden) bietet hier zum Beispiel 100% Transparenz. Das Gesamtgehalt (Brutto plus Lohnnebenkosten) wird ausgezahlt und die Dienstnehmer müssen sich selbst um die Abfuhr der Sozialversicherung, Steuern usw. kümmern.

Bridge

Nach dieser langen und grausam negativen Einleitung, lassen wir den ganzen soziopolitischen Scheiß links liegen und widmen uns IMSÜDEN-typisch, den erfreulichen Botschaften und verbreiten Optimismus! Es gibt nämlich eine kick-ass Alternative zum Angestellten-/Arbeiterdarsein oder gar der Arbeitslosigkeit:

DIE SELBSTSTÄDIGKEIT!!!
Wir haben im letzten Beitrag ausführlich diskutiert, dass es im Süden reichlich Gründe und Möglichkeiten für die Selbstständigkeit gibt. Viele lassen sich aber durch den scheinbar steinigen Weg zur Selbstständigkeit abschrecken. DER WEG IST ABER KEIN HIGHWAY TO HELL sondern eher ein STAIRWAY TO HEAVEN und hier gibt es die WEGBESCHREIBUNG:

Die Idee müsst ihr selbst haben aber jeder kann etwas besonders gut und macht irgendwas gerne. Also, nehmt euer Steckenpferd und reitet los.

BERATER: Sucht euch einen kompetenten Berater. Ohne Werbung für meine eigene Branche machen zu wollen, bin ich der Meinung, dass sich Jungunternehmer mit dem Wesentlichen ihrer Tätigkeit beschäftigen sollten, denn das wird gerade in der Anfangszeit mehr als genug sein. Verschwendet eure Zeit nicht damit, etwas detailliert verstehen zu wollen, dass für euch nur nebensächlich sein sollte. Nützt die Zeit lieber für ein Bier oder ein Glas Wein und einige ruhige Minuten. Hier ein Tipp am Rande: Die Wirtschaftskammer bietet kostenfreie Beratung und Informationen für Gründer und Jungunternehmer an.

Ihr solltet euren  Berater als Devil’s Advocate unbedingt bitten, ganz kritisch das Potenzial eurer Idee zu analysieren und euch ehrlich seine Meinung zu verkünden.

GESELLSCHAFTSFORM: Die Wahl der Gesellschaftsform ist zwar eine wichtige, wird aber gerade am Anfang überbewertet. Für die “lonely Riders” unter euch ist das Einzelunternehmen sicher der einfachste und pragmatischste Weg. Falls sich aus eurer Tätigkeit hohe Haftungsrisiken ergeben könnten, wäre die Gründung einer GmbH anzudenken.

Wenn man sich mit Partnern ans Werk machen will, ist die GmbH sicher die beste und einfachste Lösung. Die Gründung (Vorbereitung des Gesellschaftsvertrages, Notariatsakt, Eintragung, usw.) darf je nach Komplexität und Höhe des Stammkapitals zwischen EUR 1.000 und EUR 3.000 kosten.

GEWERBERECHT: Die wohl dämlichste aber auch größte Hürde zur Selbstständigkeit ist das Gewerberecht. Da im konsumentenschutzgeprägten Österreich selbst den mündigen Konsumenten keine Verantwortung für die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zugesprochen werden kann, regelt das Gewerberecht den Zugang zu bestimmten Tätigkeiten.

Ihr müsst euch über die gewerberechtlichen Voraussetzungen für eure Tätigkeit klar werden. Auch wenn die Sinnhaftigkeit des Gewerberechts und der damit einhergehenden Beschränkung des Marktzuganges zu hinterfragen ist, müsst ihr euch fügen und einen Weg finden, um das was ihr machen möchtet, mit dem was ihr nach dem Gewerberecht machen dürft, zu vereinbaren. Auch hier kann die WKO ein guter und kostengünstiger Ansprechpartner sein. Ist das einmal geschafft, ist der verbleibende Weg zur Selbstständigkeit ein Kindergeburtstag.

Chance

FINANZAMT: Ihr müsst das Finanzamt wissen lassen, dass ihr ab sofort Unternehmer seid. Dies erfolgt entweder via Finanzonline oder mit einem 2-seitigen Formular. Dies sollte nicht mehr als 5 Minuten Zeit kosten.

Im Zuge dessen wird unter anderem nach dem geschätzten Umsatz und Gewinn der ersten beiden Jahre gefragt. Auf Basis dieser Angaben wird vor allem die Steuervorauszahlung berechnet. Macht euch hierzu Gedanken um die laufende Steuerbelastung, die sich direkt auf eure Liquidität auswirkt, optimal zu planen und hohe Steuernachzahlungen zu vermeiden, denn diese, zusammen mit den Nachzahlungen aus der Sozialversicherung, haben schon vielen Jungunternehmern das Genick gebrochen.

Bei kleinen Unternehmen (voraussichtlicher Jahresumsatz unter EUR 30.000) sollte auch die Frage der Umsatzsteuer geklärt werden. Prinzipiell sind Unternehmen, die Umsätze unter EUR 30.000 pro Jahr nicht übersteigen (ja es ist richtig, dass ein einmaliges 15%iges Übersteigen toleriert wird aber damit plant man nicht) von der Umsatzsteuer ausgenommen. Es muss also keine Umsatzsteuer in Rechnung gestellt werden. Im Gegenzug wird aber auch die Vorsteuer (das ist die Umsatzsteuer, die ihr bezahlt) nicht von der Finanz rückerstattet.

Es besteht die Möglichkeit zur Umsatzsteuer zu optieren. Dies kann sinnvoll sein, wenn ihr hohe Investitionen habt (die sind dann um 20% (Vorsteuer) günstiger) und/oder eure Kunden Großteils Unternehmer sind, denn die haben auch einen Vorsteuerabzug und bekommen daher die Umsatzsteuer, die sie an euch bezahlten, wieder von der Finanz zurück..

SOZIALVERSICHERUNG: Meldet der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA), dass ihr jetzt hier seid! Auch diese Meldung sollte max. 10 Minuten Zeit kosten. Hier sollten die laufenden Vorauszahlungen angepasst werden, um eine hohe Nachzahlung zu vermeiden.

Ich möchte allen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, gratulieren und viel Spaß wünschen und eigentlich nur einen Rat (im Zusammenhang auf das heute Gesagte) ans Herz legen. Lasst euch bezüglich der Steuer- und Sozialversicherungsvorauszahlungen gut beraten…vor allem in den ersten Jahren.

Und dann war’s das auch schon…ihr könnt los legen und selbstständig tätig sein! Ist doch eher der Stairway to Heaven als der Highway to Hell!

pix: Fotolia

Von Wouk

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