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„Ein Weingarten braucht Zeit um sich zu entwickeln, ein Winzer auch.“

Hubert Vittori macht Wein auf Weingut Taggenbrunn und will gemeinsam mit Jacques Lemans-Chef Alfred Riedl den Kärntner Wein zu neuen Ufern führen. Wir haben mal nachgefragt, wie er sich das vorstellt und natürlich kräftig verkostet…

Eine respektable Burgruine thront bei Sankt Veit über der Schnellstraße nach Friesach als wollte sie uns aufhalten: „Stopp! Bleib stehen, hier gibt’s was Besonderes!“. Also biegen wir ab und fahren rauf nach Taggenbrunn, wo sich Jacques-Lemans-Chef Alfred Riedl einen Traum erfüllt und der Herzogstadt ein neues Wahrzeichen geschenkt hat. Dort treffen wir den Winzer Hubert Vittori. Er ist verantwortlich für dein Weinberg rund um die Burg und derzeit Herr über sechs Mitarbeiter, die auch noch fleißig am Graben und Pflanzen sind als er uns über die Anlage führt. In der Lesezeit ist der „Mirakulix“ von „Weingut Taggenbrunn“ praktisch 24 Stunden am Stück im Weinkeller und arbeitet an seinem Zaubertrank. Heute hat er weniger Stress und deshalb bekommen wir auch eine kleine Kostprobe davon als wir die neue Buschenschank am Fuße des Burghügels betreten und Hubert uns den 2014er Muskateller einschenkt. Guter Wein, guter Mann!

IMSÜDEN.AT: Prost Hubert! Woher kommst du und was machst du im Süden?
Hubert Vittori: Ich mache Wein im Süden. Früher bei Vinum Virunum, heute am Weingut Taggenbrunn. Geboren bin ich in Moosburg und eigentlich gelernter Kunsttischler. Ich hab’ 25 Jahre als Meister in einer Behindertenwerkstätte Möbel produziert und bin dann mit 47 ausgestiegen und in den Weinbau eingestiegen…

IMSÜDEN.AT: Also eh ganz typisch… Nein, im Ernst: Wieso schmeißt man sein Leben weg und wird Winzer in Kärnten?
Hubert Vittori: (lacht) Tja, gute Frage. Aber so schlecht geht’s uns ja nicht als Winzer. Noch ein Glas?

IMSÜDEN.AT: Immer her damit… Aber trotzdem nicht der Frage ausweichen!
Hubert Vittori: Ok. Vielleicht hab’ ich den Wein in den Adern. Mein Großvater war Sizilianer und mein Vater Friulaner. Ich hab schon als Kind in den Hausweingärten meiner Oma bei Gemona gespielt. Wahrscheinlich kommt die Faszination daher.

IMSÜDEN.AT: Aber Faszination allein wird wohl nicht reichen um so einen guten Wein zu machen, oder? Bei der Gelegenheit: Bitte, nachschenken…
Hubert Vittori: (lacht) Nein, das war’s. Kärntner Wein ist kostbar, den stürzt man nicht so runter! Ich hab’ lange gebraucht, bis ich einen guten Wein machen konnte. Viele Schulungen in Österreichs Weinbauschulen und anderswo. Als der Weinbau in Kärnten dann unter Herbert Gartner wieder begonnen hat, war ich dabei…

IMSÜDEN.AT: Wart ihr damals auch schon so geizig mit den edlen Tropfen?
Hubert Vittori: Ja, denn wir hatten noch weniger als heute, allerdings waren die Tropfen damals nicht so edel wie heute. Ein Weingarten braucht ja Zeit um sich zu entwickeln. Und ein Winzer auch. Wir haben damals mit so was wie einem Versuchsweingarten bei Hochosterwitz begonnen; 1.000 Rebstöcke von drei Rebsorten: Chardonnay, Zweigelt und Kerner, einer Kreuzung aus Riesling und roter Trollinger.

IMSÜDEN.AT: Das war aber noch eher ein Hobby oder?
Hubert Vittori: Ja, natürlich. Alles Nebenerwerb und Hobby. Später haben wir dann mit Vinum Virunum begonnen und dort 15.000 Stöcke ausgepflanzt. Wir haben die Erfahrungen aus dem Kleingarten umgesetzt und es ist schon wesentlich besser geworden. Weil wir in Kärnten natürlich mehr Frostgefahr haben als anderswo, haben wir eher robustere Sorten angebaut, die auch früher reifen. Die Weinernte verspätet sich um ca. eine Woche pro 100 Meter Seehöhe. Unsere Weingärten in Kärnten liegen natürlich höher als die im Burgenland oder in Friaul, das wirkt sich schon ziemlich aus.

IMSÜDEN.AT: Klingt als wären Kärntner Winzer mutige Menschen
Hubert Vittori: Ja, man muss sich schon was trauen (lacht). Auch hier am Weingut Taggenbrunn haben wir ja 60.000 Rebstöcke auf ganz engem Raum. Wenn da mal der Hagel drüberzieht ist ein ganzer Jahrgang im Eimer. Deshalb fährt man im Burgenland ja auch teilweise kilometerweit von einer Lage eines Weinguts zur anderen. Aber dafür haben wir es kamoter beim Ernten, was ja auch schneller gehen muss, wenn man so spät dran ist im Jahr.

IMSÜDEN.AT: Das Weingut Taggenbrunn ist ja so was wie das neue Wahrzeichen von St. Veit, vielleicht von ganz Mittelkärnten. Ist das nicht etwas arg protzig?
Hubert Vittori: Finde ich nicht. Die Familie Riedl hat damit ein echtes Leuchtturmprojekt angestoßen, das eben auch weithin sichtbar ist.  So ist das mit Leuchttürmen. 2012 wurde mit der Weingartenplanung begonnen. Es ist eine sehr gute Lage, aber wir mussten eben sanieren. Wir haben die Erde abgehoben, die Felsen darunter zerkleinert und den Humus wieder aufgebracht. Dann haben wir ausgepflanzt und jetzt warten wir. Bis zur Jungfernlese dauert’s drei Jahre, nach vier bis fünf Jahren haben wir einen Vorertrag und danach bringt die Rebe schon was mit, dann sind die Wurzeln tief genug, dann kann man mit dem Wein auch ins Fass gehen…

IMSÜDEN.AT: Häh? Aber wir trinken doch gerade schon Wein von Taggenbrunn, oder?
Hubert Vittori: Ja, der wurde hier auf Taggenbrunn vinifiziert, das bedeutet „gemacht“. Die Trauben stammen aber vom Privatgrund der Riedls nebenan, vom „Pirkerhof“. Da gibt es bereits 12-16 Jahre alte Stöcke auf 12,5 Hektar, die schon ganz gut Kraft haben. Hier vor Ort müssen wir noch etwas warten. Ein richtig guter Sekt – denn auf Schaumweine wollen wir uns hier spezialisieren – braucht einen reifen Stock ab 8-10 Jahren.

IMSÜDEN.AT: Aber hier soll ja auch noch mehr entstehen oder?
Hubert Vittori: Ja, das Projekt ist eigentlich erst am Anfang. Hier sitzen wir ja nur in der Buschenschank für 500 Leute innen und 500 Leute außen, die im Frühajr 2016 offiziell eröffnen soll, aber jetzt schon für Veranstaltungen zur Verfügung steht. Oben in der Burg selbst wird es noch ein Restaurant mit 200 Plätzen geben. Außerdem sind ein 90-Betten-Hotel, mit 50 Zimmern und ein Badeteich in Planung. Alles inmitten der Reben. Das macht auch touristisch einiges her.

IMSÜDEN.AT: Und dann stören dich die ganzen Touris beim Weinmachen?
Hubert Vittori: Im Gegenteil, die helfen mir dabei, weil dann auch Weininteressierte hierher kommen werden. Das ist ja in allen großen Weinbaugebieten so. Es gibt einen oder zwei richtig Große und die anderen, kleineren leben auch gut mit, weil die Großen die Leute herziehen. Ich glaub schon, dass Kärnten so schneller auf die Weinlandkarte Österreichs kommt.

IMSÜDEN.AT: Ist das dein Traum als Winzer?
Hubert Vittori: Nein, als Winzer ist es mein Ziel und meine Philosophie einen geradlinigen Wein zu produzieren, möglichst naturnah und ohne Zusätze. Und dann will ich den natürlich in 2.000-5.000 Liter Eichenfässern jahrelang ausbauen…

IMSÜDEN.AT: Lass uns raten: Das braucht aber auch Zeit…
Hubert Vittori: (lacht) Na klar! Schnelle Weine gibt’s eh schon genug am Markt. Ich will schon für ein paar Schmankerln sorgen. Aber der Schwerpunkt auf Taggenbrunn wird die Schaumweinproduktion nach Champagnermethode werden. 50-60%, der Rest dann Spezialitäten in kleineren Mengen.

IMSÜDEN.AT: Was braucht ein guter Wein noch, außer Zeit?
Hubert Vittori: Er braucht eigentlich so wenig wie möglich. So wenig wie möglich Pflanzenschutzmittel, so wenig wie möglich Schönungsmittel im Keller usw. Das wichtigste ist dabei die Arbeit im Garten, denn dort machst du den Wein. Die ganze Kellertechnik ist nur dazu da die Qualität, die im Garten entsteht, in die Flasche zu bringen.

IMSÜDEN.AT: Und dein Chef sieht das auch so?
Huber Vittori: Ja, und ich bin sehr dankbar, dass die Familie Riedl da hinter mir steht! Man setzt wirklich viel Vertrauen in mich. Das spornt mich natürlich an. Und ich glaub auch, dass der Kärntner Wein seine besten Zeiten noch vor sich hat. Wir sind ja jetzt schon qualitativ ebenbürtig und übertreffen die anderen Bundesländer teilweise sogar schon. Dabei kann man einen 3-5 Jahre alten Stock aus Kärnten eigentlich gar nicht mit einem 10-12 Jahre alten von anderen Regionen vergleichen. In 5-6 Jahren sind in Kärnten die ersten Stöcke über 10 Jahre alt und ich denke dann geht’s erst richtig los mit dem typischen Kärntner Wein, und hier auf Taggenbrunn sowieso (lacht)!

IMSÜDEN.AT: Na fein. Das bedeutet also, dass wir jetzt noch jahrelang auf die nächste Flasche warten müssen… Trotzdem danke für die Kostprobe und das Interview!
Hubert Vittori: Nein, wir produzieren in Kärnten ja schon frische, fruchtige Weine, die salonreif sind, aber eben noch keine Weine, die lang lagerfähig sind, da die Stöcke noch zu jung sind.


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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